In der 35. Schwangerschaftswoche beginnt die Mutterschutzfrist. Statt Arbeiten, ist nun Entspannung für die werdende Mama angesagt. Das ist auch notwendig, denn die Beschwerden nehmen weiter zu. Macht es euch zu Hause oder bei einem Spaziergang an der frischen Luft trotzdem schön und genießt die letzten Wochen zu Zweit. Eurem Krümel geht es gut. Lungen und Verdauungssystem sind startklar. Und auch sein Immunsystem funktioniert in der Mitte des neunten Monats schon selbständig. Um eine Infektion bei der Geburt zu verhindern, kann dein Arzt dich zum Ende der Schwangerschaft auf Streptokokken testen. Käme das Baby jetzt auf die Welt, wäre es eine späte Frühgeburt. Intensivmedizinische Versorgung bräuchte es aber nicht mehr. In fünf Wochen ist er da, euer süßer Familienzuwachs!

Die wichtigsten Daten zur 35. Schwangerschaftswoche

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Größe: Dein Baby ist in der 35. SSW ungefähr so groß wie eine Stange Mangold (46 – 47 cm Scheitel-Ferse-Länge).

Gewicht: Der Fötus wiegt in Schwangerschaftswoche 35 zwischen 2300 und 2550 Gramm.

Noch 5 Wochen bis zur Geburt!

Fast zweieinhalb Kilo wiegt dein Krümel nun schon. Das hört sich schon ganz ordentlich an. Zu seinem endgültigen Geburtsgewicht fehlt ihm aber immer noch mehr als ein Kilo. Aber keine Sorge. Das legen die meisten Baby auf der Zielgeraden mühelos zu.

Die Entwicklung deines Babys in der 35. Schwangerschaftswoche

Jetzt wird es wirklich eng in deiner Gebärmutter. Dein Baby schwimmt jetzt nicht mehr im Fruchtwasser, denn das wird immer weniger, je größer das Kind wird. Dass es jetzt ganz nah an der Gebärmutterwand liegt, siehst du auch manchmal von außen. Wenn es seine Lage verändert, sieht auch dein Bauch etwas anders aus. Auch seine kräftigen Tritte erscheinen hin und wieder als kleine Beule auf deinem Bauch.

Käme es jetzt auf die Welt, wäre dein Baby offiziell immer noch eine Frühgeburt. Da es aber bereits vollständig entwickelt ist, seine Lungen genug reifen konnten und das Kind nur noch etwas Gewicht zulegen muss, würden die Ärzte die Geburt in dieser SSW in den meisten Fällen nicht mehr aufhalten. Seine Überlebenswahrscheinlichkeit liegt als spätes Frühchen nun bei 99 Prozent. Ab der 37. Schwangerschaftswoche gelten Kinder, die vor dem errechneten Geburtstermin geboren werden, dann nicht mehr als Frühchen.

Natürlich wäre es klasse, wenn das Baby sich jetzt langsam in die endgültige Geburtsposition begeben würde. Dabei helfen ihm Senkwehen, die dem Kind den Weg mit dem Kopf voran in dein Becken weisen. Diese Art Wehen bereiten die Geburt also nur vor, eröffnen sie aber noch nicht. Dennoch empfinden sie einige Schwangere als schmerzhaft. Das Gute: Wenn sich das Baby dann gesenkt hat, drückt es nicht mehr so stark auf das Zwerchfell und du bekommst wieder besser Luft. 

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Ausnahmen bestätigen die Regel: Einige Babys "sitzen" auch in der 35. Woche noch mit dem Kopf nach oben im Uterus. Zeit, mit deiner Geburtsbegleiterin deine Optionen durchzugehen. Eine Möglichkeit ist es, schlicht weiter abzuwarten. Immerhin drehen sich die meisten Kinder bis zur 36. Woche dann doch noch in die Schädellage. Außerdem gibt es einige sanfte Methoden, mit denen Hebammen versuchen, dem Baby den richtigen Weg zu weisen (z.B. mit einer Taschenlampe). Und wenn auch das nicht fruchtet, gibt es noch die äußere Wende, bei der ein erfahrener Geburtsmediziner das Kind mit den Händen von außen in die richtige Lage schiebt. Auch eine Steißgeburt ist bei einigen Frauen auf natürlichem Weg möglich. Aber das kannst du nur mit deinem Gynäkologen besprechen. Er erklärt dir genau, ob das in deinem Fall eine Option ist oder ob ein Kaiserschnitt für euch beide sicherer ist.

In der 35. SSW kann das Immunsystem des Babys unabhängig von deinem arbeiten. Bis es allerdings kraftvoll genug ist, um diverse Krankheiten abwehren zu können, wird es noch dauern. In den ersten Lebensmonaten profitiert dein Kind noch von dem sogenannten Nestschutz. Deine Antikörper bekommt es auf unterschiedlichen Wegen. Während der Schwangerschaft gelangen sie über die Nabelschnur über das Blut in den kindlichen Organismus. Bei der vaginalen Geburt wird das Baby quasi durch den Kontakt mit deiner Scheidenflora "geimpft". Und zuletzt versorgt die Muttermilch die Neugeborenen mit Abwehrkörpern gegen Krankheiten, gegen die die Mutter immun ist. Anschließend muss das Immunsystem selbst lernen und schafft es nach jedem Infekt besser, sich gegen die Keime in seiner Umwelt zur Wehr zu setzen.

Auch die Augen erfahren in der 35. SSW einen wichtigen Entwicklungsschritt. Sie lernen, die Sicht scharf zu stellen. Die Pupillen reagieren nun stärker auf Licht und ziehen sich bei Helligkeit zusammen, beziehungsweise weiten sich im Dunkeln. Zwar kann das Baby bereits seit der 26. SSW blinzeln, doch bisher waren die Augenbewegungen noch eher unkoordiniert und willkürlich. Die volle Sehkraft entwickelt dein Baby allerdings erst innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt.

Ein wichtiger Grund, warum ein in der 35. SSW geborenes Frühchen meist recht gut zurechtkommt, ist die Ausprägung des Saugreflexes. Ist dieser noch zu schwach, kann das Baby nicht genug Muttermilch eigenständig aufnehmen. Es muss zusätzlich per Fläschchen gefüttert werden. Zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft ist der Saugreflex aber bereits voll ausgebildet und das Frühchen kann problemlos gestillt werden. Das ist nicht nur wegen der nährstoffreichen Muttermilch gut fürs Kind, sondern auch wegen der Nähe zur Mama, zu der es auf diese Weise ein besonders inniges Verhältnis aufbaut.

Dein Körper in der 35. Schwangerschaftswoche

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In der Mitte des neunten Monats zeigt die Waage rund 12 Kilo mehr an als vor deiner Schwangerschaft. Wow! Kein Wunder, dass du dich immer mehr fühlst, als würde die Kugel gleich platzen. Jetzt heißt es durchhalten! Immerhin bist du jetzt im Mutterschutz und muss nicht mehr täglich zur Arbeit. Das bedeutet mehr Zeit für dich selbst und deinen Partner. Allerdings auch mehr Gelegenheit zum Grübeln. Sprich mit deiner Geburtsbegleiterin über deine Ängste und Sorgen und lass den werdenden Papa wissen, wie es dir wirklich geht. So fühlst du dich nicht so allein. Auch die Entspannungstechniken, die du vielleicht in der Geburtsvorbereitung gelernt hast, können dir nun helfen, die Situation besser zu meistern. In fünf Wochen ist dein Baby auf der Welt!

Wenn es sich schon früher auf den Weg macht, sind vorzeitige Wehen ein Anzeichen für die beginnende Geburt. Anders als Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen) oder Senkwehen (auch Vorwehen genannt), die dein Kind in diesen Wochen in die optimale Geburtsposition bringen, würden echte Frühwehen (Geburtswehen) nicht wieder aufhören. Und wenn noch Ausfluss oder Blutungen hinzukommen, heißt es Kliniktasche greifen und schnell ins Krankenhaus bringen lassen.

Aber normalerweise hast du in der 35. Schwangerschaftswoche noch Zeit bis es losgeht. Um etwas gegen Kurzatmigkeit und Sodbrennen zu tun, eignet sich in den letzten Wochen der Schwangerschaft der Vierfüßlerstand. Die Position nimmt den Druck von der Lunge. Leichtes Beckenkreisen lockert dabei die Lendenwirbelsäule und tut dem unteren Rücken gut. Das Gewicht des Bauches sorgt zunehmend für Druck auf die Blase. Auf langes Stehen und körperliche Anstrengungen solltest du jetzt verzichten. Beim Treppensteigen hilft es, währenddessen den Beckenboden anzuspannen, um einer Blasenschwäche vorzubeugen. Wenn jetzt aber regelmäßig einige Tropfen beim Lachen oder Niesen danebengehen, kannst du eine leichte, luftdurchlässige Binde tragen.

Nach wie vor ist "Füße hoch" das Motto im neunten Monat. Dein Kreislauf wird dir jede Pause danken. Damit du dich entspannt zurücklegen kannst, ist jetzt der werdende Papa gefragt. Wie viele Männer braucht er aber klare Ansagen, um eine Hilfe zu sein. Also warte lieber nicht zu lange, bis er das schmutzige Bad von selbst bemerkt. Sprecht über die To Dos, die anstehen. Dann wisst ihr beide, was ihr erwarten könnt.

 

Typische Schwangerschaftsbeschwerden in der 35. Schwangerschaftswoche:

Watschelgang

Dein schwerer Bauch und deine größeren Brüste haben deinen Körper ganz schön aus dem Gleichgewicht gebracht. Und auch die Lockerung der Bänder trägt nicht gerade zur Eleganz deines Ganges bei. Vielleicht hast du auch das Gefühl, dass du gerade eher watschelst wie eine Ente. Das ist ganz normal. Dennoch solltest du dich zwischendurch immer wieder aktiv korrigieren, wenn du beim Gehen in dich zusammensackst. So kannst du Rückenschmerzen verhindern.

Kreislaufprobleme

Dass dein Herz Probleme hat, das gestiegene Blutvolumen immer wieder nach oben zu pumpen, hast du in den vergangenen Schwangerschaftswochen schon häufig gemerkt. Neben Pausen und hochgelegten Beinen, hilft da nur viel trinken. Wenn du stillen willst, kannst du dich so schon mal an eine höhere Flüssigkeitszufuhr gewöhnen. Denn die brauchst du gerade in den ersten Wochen, wenn dein Körper ausreichend Milch produzieren soll.

Harter Bauch

Nicht bei allen Frauen äußern sich Senkwehen durch ein Ziehen in Unterleib und Rücken. Bei einigen ist ein harter Bauch ein Zeichen dafür, dass sich das Kind in Richtung Geburtskanal schiebt. Bei der nächsten Vorsorge wird dein Arzt oder deine Hebamme dir sagen können, wie das Baby liegt. 

Das kannst du für dich und das Baby tun

Kleinere Portionen essen

Bei vielen Schwangeren drückt die Gebärmutter weiter auf den Magen. Kleinere Portionen und leicht verdauliche Speisen helfen gegen das lästige Aufstoßen von Magensäure.

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Auf Eisenzufuhr achten

Kein Wunder, dass du müde bist. Das zusätzliche Gewicht und die gelockerten Bänder machen jede Bewegung mühsamer. Aber auch ein Mangel an Eisen kann deine Erschöpfung erklären. Denn Mutter und Kind haben in den letzten Schwangerschaftswochen einen erhöhten Bedarf. Sprich mit deiner Ärztin oder deiner Hebamme, ob du ein Eisenpräparat einnehmen sollst, wenn die Zufuhr über eisenreiche Lebensmittel (z.B. Hülsenfrüchten, Fenchel und Spinat) nicht genügt. Tipp: Der Körper nimmt Eisen besonders gut auf, wenn Vitamin C (z.B. ein Glas frischer O-Saft) zur Verfügung steht.

Regelmäßig den Damm massieren

Mit einer Dammmassage kannst du einem Dammriss oder einem Dammschnitt während er Geburt vorbeugen. Und das geht so: Finger einölen (Mandelöl oder ein spezielles Dammmassageöl), ein Bein auf einen Stuhl abstellen, Daumen in die Scheide einführen und den Damm zwischen Daumen und den übrigen Fingern massieren. Einmal am Tag genügt.

Die freie Zeit genießen

Der Mutterschutz hat begonnen. Nicht mehr jeden Tag zur Arbeit zu müssen, ist jetzt sicherlich eine Erleichterung. Den ganzen Tag im Bett zu verbringen, tut allerdings keinem gut. Weder dir noch dem Baby. Leichtes Beckenbodentraining, Schwangeren-Yoga und Spaziergänge an der frischen Luft halten euch fit. Und vielleicht hast du jetzt auch mehr Muße, richtig gesunde Mahlzeiten für dich und deinen Partner zuzubereiten. So profitiert auch der werdende Papa von deiner Auszeit.

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Sich verwöhnen lassen

Ist die Körperpflege durch die Doppelbelastung von Schwangerschaft und Beruf in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen, dann darfst du dir jetzt ein ordentliches Beautyprogramm gönnen. Wahrscheinlich fällt es dir mittlerweile ohnehin schwer, bestimmte Regionen deines Körpers zu erreichen. Überlasse das doch dem Profi, zum Beispiel, indem du dich mit einer Pediküre oder beim Frisör mit einer entspannenden Kopfmassage verwöhnen lässt. Du hast es dir verdient.

Welche Untersuchungen stehen in der 35. SSW an?

Zwischen SSW 35 und SSW 37 steht ein Streptokokken-Test auf dem Plan. Sollte er positiv sein, wäre das für dich selbst kein Problem. Allerdings sind Streptokokken der Gruppe B gefährlich für dein Kind. Bei der Geburt kann es sich infizieren. Die Folge ist dann häufig eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis). Der Streptokokkentest schützt dein Baby davor. Denn ist eine Infektion der Mutter bekannt, bekommt sie während der Geburt ein Antibiotikum. Auch eine Hirnhaut- oder Lungenentzündung des Neugeborenen lassen sich durch den Test vermeiden.

Die Abstriche aus Scheide und Anus sind keine Kassenleistung und müssen in der Regel privat gezahlt werden. Nur bei einer befürchteten Frühgeburt oder einem anderen konkreten Infektionsverdacht wird der Test von den Versicherungen übernommen.

Ultraschallbilder aus der 35. Schwangerschaftswoche

Bei einer unauffällig verlaufenden Schwangerschaft ist vor dem voraussichtlichen Geburtstermin keine Ultraschalluntersuchung mehr notwendig. Auch auf eigene Kosten schauen in den letzten Wochen der Schwangerschaft immer weniger Frauen per Ultraschall in den Bauch. Schließlich dauert es nicht mehr lange und du kannst dein Kind von Angesicht zu Angesicht betrachten.

Medizinerlatein: Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Beim Restless-Legs-Syndrom spürst du ein Kribbeln, Ziehen oder Brennen in den Beinen. Auch ein Taubheitsgefühl kann auftreten. Die Schmerzen treten bei 10 bis 30 Prozent der Schwangeren auf. Sie sind nicht gefährlich, aber unangenehm und lästig. Einige Frauen berichten, dass das Missempfinden auch die Arme betrifft. Das kommt aber eher selten vor. Vor allem in den Abend- oder Nachtstunden treten die Symptome auf. Die Folge: Schlafstörungen und Übermüdung. Leider sind die Medikamente, die helfen könnten, für Schwangere nicht zugelassen. Durch ausreichend Bewegung am Tag können die Beschwerden zurückgehen. Die gute Nachricht: Nach der Entbindung verschwinden die Symptome in der Regel ohne weitere Therapie.

Gut zu wissen

  • Ihr wollt mit dem Auto in die Klinik, wenn es soweit ist? Prima, aber habt ihr auch genug Sprit? Lass deinen Partner einmal volltanken und die Adresse der Klinik ins Navi einprogrammieren. Und wenn er schon unterwegs ist, kann er den Wagen ja auch gleich mal grundreinigen. Dann hat der werdende Vater wenigstens das Gefühl, auch etwas Sinnvolles beitragen zu können.
     
  • Übrigens: Dass Kinder schon auf dem Weg in die Klink auf die Welt kommen, ist eher unwahrscheinlich. Normalerweise dauert eine Geburt im Schnitt 12 Stunden. Genug Zeit also für euren Weg ins Krankenhaus.
     
  • Dass das Baby sich bis zum Schluss nicht mehr in die Schädellage dreht ist auch eher selten. Vier bis fünf Prozent der Ungeborenen bleiben in der Steißlage (auch Beckenendlage genannt) und sitzen quasi mit dem Po nach unten in der Gebärmutter. Dein Arzt wird in diesem Fall ausführlich mit dir sprechen und alle Möglichkeiten durchgehen. In einigen Fällen ist sogar eine natürliche Geburt möglich.

 

Quellen:

Imlau, Nora und Sabine Pfützner 2018: Babybauchzeit: Geborgen durch die Schwangerschaft und die Zeit danach, Hebammenwissen für Mutter und Kind, Weinheim 2018.

Blohmer, Jen-Uwe, Matthias David, Wolfgang Henrich und Jalid Sehouli (Hg.): Charité Kompendium Gynäkologie, Berlin 2018.

Kainer, Franz und Annette Noldfen: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, München 2018.

www.frauenaerzte-im-netz.de

 

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