Gesundheit

Der Muttermund – Funktion in Zyklus, Schwangerschaft und Geburt

Der Muttermund verbindet Gebärmutter und Scheide. In der Schwangerschaft schützt er das Baby und weitet sich erst, wenn es auf die Welt will. Aber wusstet ihr, dass er auch beim Schwangerwerden eine Rolle spielt?

Autor: Sandra Hermes

Was ist der Muttermund?

Muttermund - Schwangere in der Sonne
Foto: © iStock, kupicoo

 

Gray1167 de

Der Muttermund (lat. Ostium uteri) ist ein Teil des Gebärmutterhalses. Er besteht aus zwei ringförmigen Öffnungen, dem inneren und dem äußeren Muttermund. Zwischen den Öffnungen liegt der Gebärmutterhals (auch Zervixkanal, zervix uteri oder cervix uteri). Die untere Öffnung ist die Verbindung zur Vagina. Sie nennt sich äußerer Muttermund. Die obere Öffnung ist die Verbindung zur Gebärmutter. Dies ist der innere Muttermund. Der Muttermund verändert sich im Verlauf des Zyklus, während der Schwangerschaft und bei einer Geburt. Ertasten lässt sich nur die unterschiedliche Beschaffenheit des äußeren Muttermunds.

Der Muttermund im Verlauf des Zyklus

Um den äußeren Muttermund zu ertasten, führst du vorsichtig zwei saubere Finger tief in die Scheide ein. Je nachdem, in welcher Zyklusphase du gerade bist, fühlt sich der kleine dicke Ring mit einem winzigen, runden Loch in der Mitte unterschiedlich an:

 

Um den Eisprung herum (fruchtbare Tage):

  • Der Muttermund ist schwerer zu ertasten, da er sehr hoch liegt (je näher der Eisprung rückt, desto höher steigt er)
  • Er ist leicht geöffnet, um den Fluss des Zervixschleims zu ermöglichen (die Samenzellen gelangen so schneller ans Ziel)
  • Er fühlt sich weich an, etwa so wie Lippen oder ein weiches Ohrläppchen
  • Dein Zervixschleim ist dünnflüssig, klar und spinnbar (um die Spermien besser durchzulassen)
  • Während des Orgasmus bewegt er sich wellenförmig. Die Bewegung dient dem Transport der Samenzellen Richtung Gebärmutter

Direkt nach der Periode (unfruchtbare Tage):

  • Der Muttermund ist geschlossen
  • Er ist leicht zu ertasten, da er jetzt tief liegt.
  • Er fühlt sich hart an, ein bisschen wie eine Nasenspitze
  • Er gibt nur wenig des jetzt zähflüssigeren Zervixschleims frei (die Fortbewegung von Spermien wird erschwert)

Der Muttermund nach einer Schwangerschaft

  • Der Muttermund kann nun etwas weiter geöffnet sein
  • War die Öffnung vorher rund, kann sie sich jetzt eher wie ein länglicher Schlitz anfühlen

Die Unterschiede zwischen weich und hart, leicht geöffnet oder geschlossen wirst du erst mit ein wenig Routine erkennen können. Wenn du die Beschaffenheit des Muttermundes regelmäßig beobachtest, wirst du die Nuancen bald sicher ertasten. Am besten verwendest du immer den- oder dieselben Finger. Gemeinsam mit der Konsistenz des Zervixschleims und der Messung deiner Basaltemperatur kann die Festigkeit des Muttermunds dir deine fruchtbaren Tage verraten. Diese Methode ist ein Teil der natürlichen Familienplanung (NFP) und kann sowohl zur Verhütung eingesetzt werden als auch, um schneller schwanger zu werden.

Die Ergebnisse deiner Untersuchung kannst du auch in eine Zyklus-App oder einen Zyklus-Computer eintragen. So hast du einen besseren Überblick über deine fruchtbaren Phasen. Der Zustand des Muttermunds wird dabei meistens in drei Kategorien festgehalten:

Kategorie

Ausprägung

Öffnung

geschlossen/teilweise geöffnet/vollständig geöffnet

Lage

liegt hoch/ liegt tief

Festigkeit

hart/weich

Wie lässt sich der Muttermund ertasten?

Am besten kannst du ihn ertasten, wenn du einen Fuß auf einen Hocker oder den Badewannenrand stellst und du dich ein wenig vorbeugst. Bevor du nun ein oder zwei Finger in die Scheide einführst, ist es wichtig, dass du dir vorher die Hände sehr gründlich wäschst, damit keine Keime in die Vagina gelangen. Außerdem ist es sinnvoll, die Fingernägel zu kürzen, um die Scheidenwand nicht zu verletzen. Wenn du deinen Muttermund zum ersten Mal ertasten möchtest, startest du am besten direkt nach der Periode. Dann ragt der äußere Muttermund weit in die Vagina und lässt sich besser erreichen. Bei einem geöffneten Muttermund fühlst du in der Mitte eine deutliche Vertiefung, ist er verschlossen, kannst du nur eine leichte Unebenheit ertasten.

Abtasten des Muttermundes beim Frauenarzt und bei der Hebamme

Die Bedeutung des Muttermunds lernen die meisten Frauen erst kennen, wenn sie schwanger sind. Bei der Vorsorgeuntersuchung wird der Frauenarzt oder deine Hebamme ihn behutsam abtasten. Deine Geburtsbegleiter können fühlen, ob dein Muttermund schon offen oder noch fest verschlossen ist. Wenn du mit den ersten leichten Wehen ins Geburtshaus oder ins Krankenhaus kommst, ist die Fingerprobe eine der ersten Untersuchungen. Passen beim vorsichtigen Einführen zwei Finger durch den Muttermund, ist er schon 2 bis 3 Zentimeter offen. Können Zeige- und Mittelfinger ein V bilden, ist er bereits 3 bis 4 Zentimeter offen.

Der Muttermund in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft schützt der Muttermund dein Kind vor aufsteigenden Keimen. Sobald die Eizelle sich eingenistet hat und dem Körper das Signal „schwanger“ gibt, setzt der das Schwangerschaftshormons HCG frei. Darauf reagiert auch der Muttermund. Er zieht sich nach oben und wird hart. Der Zervixschleim bildet einen festen Pfropf. Der Schleimpfropf verschließt nun für die gesamte Schwangerschaft den Weg zu Gebärmutter und Fruchtblase. 

Wird der Muttermund zu früh weich, kommen vorzeitige Wehen hinzu und geht der Schleimpfropf ab, können das Zeichen für eine Zervixinsuffizienz und damit für eine drohende Frühgeburt sein. Findest du eine gelatineartige Masse in deinem Slip, handelt es sich vermutlich um den Schleimpfropf und du solltest unbedingt den Arzt aufsuchen. Er wird dann in der Regel Bettruhe verordnen. Methoden, den Muttermund operativ zu verschließen (Cerclage) sind umstritten, da der Eingriff große Risiken birgt und wohl kaum nützt. 

Der Muttermund kurz vor der Geburt

Normalerweise wird der Muttermund durch den Einfluss von Hormonen erst wieder weich, wenn das Baby nach draußen drängt. Das geschieht um die 39. SSW. Die ersten Wehen setzen ein, der Muttermund weitet sich Millimeter für Millimeter und gibt den Schleimpfropf frei. Dieses sogenannte „Zeichnen“ geht oft mit einer leichten Blutung einher. Diese ist aber ungefährlich. Dein Kind macht sich jetzt langsam, aber sicher auf den Weg und gelangt aus der Gebärmutter in den Geburtskanal.

Beim ersten Kind kann sich der Muttermund auch schon einige Tage vor der Geburt leicht öffnen. In dem Fall geht auch häufig der Pfropf ab. Ist der Geburtstermin schon nah, ist das aber kein Grund zur Sorge. Die ersten Wehen werden dir verraten, wann es Zeit ist, sich ins Krankenhaus aufzumachen.

Der Muttermund während der Geburt

In den Frühwehen weitet sich der Muttermund auf einen Durchmesser von etwa drei Zentimetern. Erst wenn die Wehen stärker und regelmäßiger werden und er rund acht Zentimeter geöffnet ist, beginnt die aktive Geburtsphase. Bei der Untersuchung kann deine Hebamme die Finger nun weit spreizen. Die Presswehen setzen ein. Das Baby macht sich auf den Weg durch den Geburtskanal. Ist der Kopf schon zu sehen, hat der Muttermund seine maximale Öffnung von etwa 10 Zentimetern erreicht.

Der Muttermund nach der Geburt

Die Rückbildung nach der Geburt betrifft auch den Muttermund. Er zieht sich wieder zusammen. Die vorher kreisrunde Öffnung ist nun bei manchen Frauen eher schlitzförmig.

10 Tipps, wenn die Wehen nicht einsetzen wollen

Ausgiebige Spaziergänge

Ausgiebige Spaziergänge

Wenn die Wehen einfach nicht einsetzen wollen, können entspannte Spaziergänge helfen. Denn durch die Bewegung und die Schwerkraft wird das Baby tiefer ins Becken gedrückt. Oft hilft das, um Wehen zu fördern. Gehe aber nicht alleine, sondern suche dir auf jeden Fall eine Begleitung. Auch ein Handy solltest du jederzeit griffbereit haben. Schließlich weißt du nicht, wann es losgehen wird. Doch überanstrenge dich nicht, denn das bewirkt den gegenteiligen Effekt: Es hemmt die Wehen, bis du dich wieder erholt hast.

Statt Spazieren zu gehen, kannst du dich auch auf einen Gymnastikball setzen und das Becken kreisen lassen. 

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Fußreflexzonen-Massage

Fußreflexzonen-Massage

Eine Fußreflexzonen-Massage tut gegen Ende der Schwangerschaft nicht nur deinen müden Füßen gut, sondern kann auch noch förderlich für die Wehenbildung sein. Deine Hebamme oder eine andere Fachkraft stimuliert spezielle Punkte an deinen Füßen. Dadurch wird dein Becken besser durchblutet und die Gebärmutter stimuliert. 

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Ein heißes Bad nehmen

Ein heißes Bad nehmen

Auch wenn ein heißes Bad nicht unbedingt die Geburt einleitet, entspannt es dich, lockert die Muskeln und gibt so dem Uterus Kraft für die bevorstehenden Wehen. Passe dabei auf, nicht zu heißes Wasser einzulassen. Auch wenn es auf dich nicht zu heiß wirkt, kann es für dein Baby trotzdem zu warm sein – 38 Grad Wassertemperatur sind gut. Außerdem sollte immer jemand in der Wohnung sein, während du badest. Dein Kreislauf kann schnell schlappmachen. Ein paar Tropfen ätherische Öle, zum Beispiel persische Rose oder Lavendel, im Badewasser können noch entspannender wirken. 

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Sex hilft auch

Sex hilft auch

Im männlichen Sperma befinden sich Prostaglandine, die förderlich auf die Reifung des Muttermundes wirken. In Kombination mit dem Bindungshormon Oxytocin, das beim Sex ausgeschüttet wird, und den Kontraktionen der Gebärmutter beim Orgasmus kann Sex auch durchaus den Startschuss für die Geburt geben. Probiert es einfach mal aus. Schaden kann es jedenfalls nicht. 

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Den Bauch mit Öl massieren

Den Bauch mit Öl massieren

Eine Bauchmassage löst nicht unbedingt sofort Wehen aus, entspannt dich aber und gibt dir somit Kraft für die bevorstehende Geburt. Lass dich zu dem Öl am besten in der Apotheke oder von deiner Hebamme beraten. Angenehm ist zum Beispiel ein hochwertiges Mandelöl mit je zwei Tropfen naturreinem Zimt-, Ingwer, Nelken- und Eisenkrautöl. Befeuchte am besten deinen Bauch mit warmem Wasser, bevor du ihn einölst. 

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Die Brustwarzen stimulieren

Die Brustwarzen stimulieren

Wenn du dich in einem entspannten Zustand befindest und dein Gebärmutterhals reif für die Geburt ist, kannst du durch eine sanfte Stimulation deiner Brustwarzen das Wehenhormon Oxytocin zur Ausschüttung anregen. Das löst wiederum Kontraktionen in der Gebärmutter aus und kann somit Wehen fördern. Probiere es in kurzen Minutenabständen mit sanftem Kneten und Reiben deiner Brustwarzen. Pass nur auf, dass du sie nicht wund reibst. 

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Schwangerschaftstee trinken

Schwangerschaftstee trinken

Gegen Ende der Schwangerschaft können bestimmte Teesorten Wehen fördern. Zum einen gibt es den Schwangerschaftstee, der aus verschiedenen Kräutern und Gewürzen besteht. Frag deine Hebamme welchen sie dir empfehlen würde und halte dich dann unbedingt an ihre Rezeptvorgaben und Dosierung. Zum anderen gibt es noch den Himbeerblättertee, der aus den getrockneten Blättern der Himbeere besteht. Auch hier solltest du erst mit deiner Hebamme oder deinem Arzt sprechen. Meistens kannst du ihn ab der 37. Schwangerschaftswoche trinken. Trinkst du ihn zu früh in der Schwangerschaft oder zu große Mengen können Hautausschläge und Übelkeit die Folge sein. Generell werden den vitaminreichen Himbeerblättern aber nachgesagt, dass sie Wehen anregen und somit die Geburt einleiten sollen. Wissenschaftlich bestätigt ist dies allerdings bisher nicht.  

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Zimtsterne essen

Zimtsterne essen

Zimt regt die Durchblutung in den Beckenorganen an und kann dadurch Wehen auslösen. Gerade Zimtsterne – pro Tag ca. 200 Gramm – aber auch Zimttee können dir deswegen in der letzten Phase der Schwangerschaft helfen. Doch Achtung: Iss nicht zu viel, sonst wird dir schlecht. 

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Akupunktur

Akupunktur

Akupunktur ist als geburtsvorbereitende Methode sehr beliebt. Eine Studie der Frauenklinik in Mannheim zeigt, dass der Einstich und das Verweilen der Nadeln die Geburtsdauer von Erstgebärenden im Schnitt von zehn auf acht Stunden verkürzt. Dieser Effekt beruht darauf, dass durch Akupunktur die Durchblutung angeregt wird und der Muttermund sich somit besser öffnen kann. Wichtig: Lass dich nur von jemandem akupunktieren, der auch wirklich etwas davon versteht.

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Rotwein zur Wehenförderung

Rotwein zur Wehenförderung

Häufig hört man noch den Ratschlag herumgeistern, dass ein Glas Rotwein rund um den Stichtag Wehen auslösen und die Geburt einleiten kann – das stimmt nicht! Im Gegenteil: Alkohol ist auch in den letzten Tagen der Schwangerschaft für Frauen absolut tabu. Die Risiken für das Baby sind einfach zu hoch. Zudem hemmt Alkohol die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin, das für die Geburt benötigt wird. Fun Fact: Früher wurde Alkohol sogar als Wehenhemmer eingesetzt. 

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