Mein Partner und sein Realitätsverlust

Huhu meine Lieben,
also manchmal frag ich mich echt, ob mein Partner überhaupt was checkt #augen
Er hat eine Tochter (7 Jahre alt), die eher ungeplant mit der Ex entstanden ist. Schon damals brüchige Beziehung (on-off) und schnell nach der Geburt getrennt.
Seit dem sieht er seine Tochter mal öfter, mal weniger. Seit 2 Jahren regelmäßig einmal die Woche: sonntags.
Wir sind 2,5 Jahre zusammen.

Das zur Vorgeschichte.
Das Verhältnis hat sich eigentlich gut beruhigt - finde ich. Seine Tochter wird älter, kapiert mehr selbst und ich versteh mich ganz gut mit ihr. Sie lebt bei ihrer Mutter (hat auch eine neue Beziehung). Natürlich (so würden wir jetzt alle denken) ist dort ihre Heimat und sie hat da natürlich auch eine ganz andere Bindung. Klar. Sie liebt ihren Papa und vermisst ihn. Aber für mich ist es eben auch total offensichtlich, dass sie sich mehr wie Besuch benimmt, wenn sie bei ihm ist. Es macht ja auch total Sinn. Ich bin auch Scheidungskind und war damals alle 2 Wochen bei meinem Papa. Man liebt seinen Papa - aber man hat eben auch nicht immer Lust, hinzugehen, weil man viel lieber mit seinen Freunden spielen will. Und die Heimat ist eben bei der Mama. Wenns Probleme gibt, spricht man mit der Mama etc.

Mein Partner kriegt also ziemlich wenig mit.
Jetzt kommts aber :D
Er denkt (und sagt), ihre Bindung zu ihm seit viel stärker als zu ihrer Mutter und sie würde sich bei ihm viel wohler fühlen. Ich frag mich echt, woher das kommt und wie er das so unklar sehen kann. Natürlich ist sie bei ihm total lieb und kuschelt viel - sie vermisst ihn, hat nur wenige Stunden. Man benimmt sich eben dann viel besser. Außerdem hat man ja auch echt nur Quality-time. Beiden gehts gut etc. Das ist ja ganz anders, wenn man zusammen lebt. Da streitet man mal usw.
Er denkt einfach, dass das ein Zeichen ist für Nähe...dabei ist es eigentlich ein Zeichen für Distanz.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

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Was stört dich daran? Du klingst irgendwie nicht sonderlich nett. Alsob es dich stört, dass sie ein gutes Verhältnis haben.

Wieso sollte die Tochter nicht besonders gerne bei ihm sein? Die Mama, die sie ständig hat ist sicher strenger als der Papa, bei dem sie einmal in der Woche zu besuch ist. Kann schon sein, dass sie sich bei ihm dann besonders wohl fühlt - ist doch prima :-)

Vielleicht erzählt die Kleine ihm auch ihre Sorgen oder Ängste, die sie der Mama nicht erzählt oder im Alltag bei der Mama unter gehen.

Ich finde es schön, wenn der Papa sich ein gutes Verhältnis aufbaut, du solltest das unterstützen und dich nicht in einem Forum darüber Lustig machen, dass dein Partner unter Realitätsverlust leidet.

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Da ich das Ganze jetzt seit einiger Zeit mitmache, kann ich ganz gut beurteilen, ob er da einen Realitätsverlust hat oder nicht (was übrigens auch alle anderen außenrum bestätigen).
Ich kann das teilweise auch verstehen. Sie fehlt ihm ganz sicher sehr - er wäre gerne mehr für sie da und hat deshalb auch ein enorm schlechtes Gewissen. In der kurzen Zeit ist es dann besonders toll. Nur deckt das eben nicht den Alltag ab.
Ich bin mir sicher, dass er einfach gerne an der Stelle der Mutter wäre und seine Tochter jeden Tag sehen würde.

Auf der anderen Seite steht dann aber auch, dass er teilweise kurzfristig absagt und sie nicht holt oder sein Leben dann teilweise auch einfach anders gestaltet.
Man muss da schon das komplette Bild sehen.

Ich finde generell, dass keiner von beiden (Vater und Mutter) sich über den anderen stellen sollten - schon gar nicht vor dem Kind. Nach dem Motto "Bei mir bist du doch viel lieber als bei der Mama" usw.

Man darf als Wochenendvater einfach nicht erwarten (meiner Meinung nach aus der Erfahrung eines Kinds, das einen Wochenendvater hatte), dass man eine genauso vertraute Ebene hat wie zur Mutter. Es sei denn, man kümmert sich unabhängig von den Wochenenden auch um die Kinder, ruft an etc.

Konflikte zeigen eben einfach Nähe. Das ist ein Fakt und wird oft missverstanden.
Nur, wo sich ein Kind sicher fühlt, geht es einen Konflikt ein.

Vllt. hatte ich da zu wenig geschrieben und wahrscheinlich kann man das Ganze auch gar nicht in einem Beitrag erklären - Sorry dafür!

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Ich finde, das klingt sehr einleuchtend, was du da schreibst. Kann dein Partner dies intellektuell nachvollziehen?

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Und was stört dich jetzt daran? Selbst wenn es so ist, dass dein Partner sich etwas einbildet, inwiefern tangiert es dich? Sei doch froh, dass es beiden scheinbar gut geht damit. Ich kann mich meine Vorrednerinnen nur anschliessen, du klingst neidisch..

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Sagt er das mit der Bindung zur Tochter oder dir/anderen?

Wenn er es ihr so sagt, ist er einfach nicht der Hellste und bringt seine Tochter in ein Dilemma.
Wenn er es dir oder anderen ggb. so kommuniziert, naja, da will er wohl die Bestätigung hören, daß es doch nicht so schlimm ist mit ihm, auch wenn er ab und zu die Betreuung sausen lässt und nicht immer da ist für sie.

So oder so hat dein Partner hier wohl eine subjektive Wahrnehmung. Realitätsverlust wäre jetzt aber nicht das Wort gewesen, was ich verwendet hätte.

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Ich kann dich sehr gut verstehen, mein Mann hat auch ein Kind aus einer vorherigen Beziehung und ich weiss genau, was du meinst. Das hat auch überhaupt nichts mit Neid zu tun, als Aussenstehender sieht man da einfach nüchterner auf die Situation.
Trennungsväter haben oft dieses permanent schlechte Gewissen, gepaart mit einer rosa Brille. Solange es dich nicht persönlich betrifft: lass ihm die. Es ist ja sein Kind, nicht deins. Wenn er sich das einredet, bitteschön. Schadet ja erstmal keinem. Ich würde nur etwas sagen, wenn er offensichtlich eine Konkurrenzsituation schafft, die schlecht ist. Wir hatten das zu Beginn bei Geschenken, das ist regelrecht ausgeartet, weil Mutter und Vater sich mit den jeweils tolleren Geschenken übertrumpfen wollten. Völliger Irrsinn. Oder wenn er den Loyalitätskonflikt bewirtschaftet und das Kind mit Suggestivfragen bedrängt a la „Du bist doch viel lieber beim Papa, als bei der Mama, oder?“
Solange das nicht passiert, würde ich mich da nicht einmischen. Sein Kind, sein Problem bzw. seine rosa Brille.

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Danke für eure Antworten.
Also das hat gar nichts mit Neid zu tun. Auf diese Situation bin ich alles andere als neidisch 😅

Es stört mich dann, wenn er es zu ihr sagt oder wirklich dieses Lob von anderen will, die wenig Einblick haben.
Dann sage ich teilweise auch etwas. Ich rede auch nie schlecht über ihre Mutter. Wieso auch.

Ihr habt ganz sicher Recht: ich sollte mich daran aber weniger aufreiben. Denn es betrifft mich ja nicht direkt. Von mir kriegt er da kein Lob, wenn es nicht gerechtfertigt ist.

Danke euch!

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Hm, ich finde das ist eher deine Realität und wie du die Situation wahrnimmst. Dein Partner und seine Tochter können die ja gar anders sehen.
Vielleicht empfindet er es als gute Bindung, weil sie eben keinen Alltag haben und diese Streitigkeiten ausbleiben. Wie eine Bindung ist, hängt ja auch nicht unbedingt daran wie oft man Zeit verbringt. Sondern wie.
Jemand anderem seine Realität abzusprechen, empfinde ich als schwierig und grenzüberschreitend.
Wieso ist es denn so wichtig für dich, dass deine Wahrnehmung stimmt?

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Ich gebe dir Recht: Die Formulierung "Realitätsverlust" ist viel zu hart. Da haben wohl auch einfach die Emotionen aus mir gesprochen und nicht die Vernunft.

Für mich wird es immer dann besonders schwer, wenn er die Mutter vor seiner Tochter runter redet und sich besser hinstellt, wobei sie es als Alleinerziehende nicht leicht hat. Ich kenne sie auch und egal, ob ich sie mag oder nicht: als Mutter macht sie einen guten Job und seine Tochter liebt ihre Mutter.
Ich finde es einfach nicht besonders nett oder gerecht, wenn er dann so damit umgeht und habe vllt auch Angst, wie er mich dann sieht, wenn wir mal ein Kind haben. Vllt. spielt das mit rein.
Wie "muss" er denn überhaupt besser oder schlechter sein als die Mutter? Beide Eltern sind doch wichtig und die Tochter liebt beide.

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Ich sehe das leider oft bei getrennten Eltern, dass einer mit dem anderen so alte Rechnungen begleicht, indem er sich über den anderen stellt.
Vielleicht sieht er es aber auch wirklich so. Das wissen wir nicht.
Am Ende heißt es nicht, dass er das auch so bei euch machen würde. Das sind deine Sorgen an der Stelle, die aber in der Zukunft liegen. Hilft nur, im hier und jetzt viel miteinander reden. Ich würde von mir aus jetzt nichts dazu sagen. Wenn er dich mal nach deiner Meinung fragt, kannst du ja sagen, wie du es siehst. Ihr dürft ja auch unterschiedliche Ansichten haben.

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Ich kann gut nachvollziehen, was du meinst und empfinde dich auch nicht als "nicht nett", wie es dir hier vorgeworfen wurde.

Nur denke ich, dass man das große Ganze betrachten muss und oft steckt hinter diesem fast schon prahlerischen Verhalten ("ich bin ja soviel besser als die Ex und habe ein viel innigeres Verhältnis zum Kind als sie") ein ziemlich großes, schlechtes Gewissen.

Ich denke, deinem Partner Ist durchaus bewusst, dass da hinsichtlich des Kontaktes zu seiner Tochter sehr viel mehr möglich wäre als diese paar Stunden. Aus welchem Grund auch immer nutzt er diese Möglichkeit aber nicht und verdreht das eigentlich Negative (ziemlich wenig Kontakt und gar keinen Alltag mit dem eigenen Kind) in etwas Positives (wir sehen uns zwar seltener, aber dann ist es so innig, dass wir eine ganz besondere und tiefe Verbindung haben), wodurch er seine eigene Unfähigkeit und den Konflikt, der dadurch in ihm brodelt, abmildert.

Er wird immer noch wissen, dass sein Kind eigentlich mehr verdient hätte, aber dadurch, dass er das Wenige als so schön und innig wahrnimmt und auch wahrnehmen möchte, fühlt es sich nicht mehr so mies an.

Schlimm finde ich, dass er das gegenüber dem Kind äußert. Andere Erwachsene können sich ihren Teil denken, aber das Kind gerät so zwischen die Fronten, was emotional sehr belastend sein kann.
Ich würde ihm also nicht seine Gefühle absprechen, wohl aber versuchen zu unterbinden, dass er die Mutter im Beisein des Kindes ausspielen möchte.