Interessenbezogene Motivation in der Schule

Hey,

Mich “plagt“ seit Jahren ein Thema und würde gerne eure Erfahrungen hören, mir vielleicht ein Paar Tipps holen oder Anregungen hören.

Mein Sohn ist 9, geht auf eine Regelschule und ist ein sehr guter Schüler, was die Leistungen angeht.
Außer in Fächern, die ihn nicht interessieren.
Soweit so undramatisch.
Leider schaft er es nicht sich in den Fächern einfach zurück zu lehnen und den Unterricht auszusitzen.

Es geht vornehmlich um Musik, Kunst und Ethik.
Musik passt ihm nicht, weil blockflöte spielen und Volkslieder singen nicht seinen Interessen entsprechen.
Es ist nicht so, dass er unbegabt ist.
Er spielt Schlagzeug und Klavier.
Singt sehr gerne, aber das Spektrum umfasst halt nicht das, was der Unterricht vorgibt.
Deswegen vergisst er halt mal absichtlich seine Flöte und kassiert eine schlechte Note.
Oder stört auch schon mal den Unterricht, was ihm strafaufgaben einbringt.

In Ethik geht es viel um Gefühle und Co. Damit kann er gar nichts anfangen.
Er gehört wie ich, ins Autismus Spektrumsmuster, was ihn nicht einschränkt normalerweise, aber Gefühle sind einfach nicht sein Thema.
Und wieder das gleiche mit Störungen im Unterricht und Einträgen bis zu strafarbeiten.

In Kunst schießt er gerne mal den Vogel ab.
Sie sollen einen traumfänger basteln, er hatte erst mit mir einen 2×2 Meter großen gebastelt und sah den sinn nicht drei stöcke zusammen zu zurren, also hat er sich ne zwille gebaut.
Alle Materialien verwendet, sah super aus, aber halt am Thema vorbei.
Zack, wieder eine schlechte Note.

Man kann ganz gut mit ihm darüber sprechen, so schaft er es einen notenschnitt von 3 zu halten, aber es wird halt nicht anders oder besser.

Wie geht ihr mit schwankender Motivation und allem um, was ich beschrieben habe?

LG und einen schönen Abend euch!

Gibt es eine Autismusdiagnose?

Hey,
Ja, die Diagnostik gab es im Doppelpack, die Eltern werden mit getestet und so war ich auch dabei.
Was jetzt aber weniger zielführend ist, ich nehme es nicht als Entschuldigung ein “arschloch“ zu sein.
Ich wusste 30 Jahre nichts davon und es gibt Normen, an die man sich halten muss.
Im sozial emotionalen Bereich gehe ich, wie er auch, häufig an meine Grenzen, aber inklusion ist nicht einseitig.
Auch nicht autisten müssen Sachen machen, die ihnen missfallen bzw aussitzen.
Das Leben ist kein ponyhof.
Und er wird auch noch mehrere Jahre Schule durchstehen müssen, deswegen würde ich gerne wissen, wie es andere handhaben, wenn ihre Kinder schwankende Motivation zeigen.
Mir geht es nicht darum, ihn in etwas hinein zu pressen, was er nicht ist.
Ich kann ihm auch nicht erklären, das blockflöte spielen ihn in seinem Leben weiter bringt.
Aber irgendetwas wird es geben, was ihm hilft sich zurück zu nehmen und die Arbeit des Lehrers zu respektieren.
Verstehst du, wie ich das meine?

Ich würde deswegen ehrlich gesagt nicht viel unternehmen, solange er aus Vernunft seine 3 hält. Die zeigt ja eigentlich schon, dass er doch versteht, dass Schule nicht ganz unwichtig ist.

Ne 3 ist so ...in Ordnung. Nicht schlecht. Nicht gut. Aber wozu muss man schon mehr investieren in was, was eh nicht seins ist.

Ehrlich ...mir ging Mathe immer am Arsch vorbei. Ich war überhaupt nicht mathedoof aber es hat mich nicht interessiert. Ich hab also gerade so viel gemacht, dass ich ne 3 hatte und wenn dazu auch mal ne Arbeit ne 6 werden konnte, dann juckte mich das auch nicht so, wenn's so wurde. Sobald wir abwählen konnten und LKs wählen konnten, hab ich alles notwendige getan, um nicht ins Mathe Abi zu müssen. Und erst im letzten Halbjahr hab ich eine 2 geschrieben....weil ich eh lernen musste um das Vorabitur in Mathe zu bestehen, dass jeder mitschreiben musste und weil's um meinen Abschluss ging und der war wichtig.

Nun ist Mathe Hauptfach und wichtig....aber Kunst, Musik und Ethik ...naja....2 sind Talentfächer und 1ns mehr "philosophisch". Natürlich nicht unwichtig...aber ohnehin eher Neigungsfächer. Mich wundert allerdings, dass ihr in Musik Blockflöte lernen müsst. Und Volkslieder singen müsst. Bei uns wird eher gerappt und moderne Songs genommen und zwischen drin ein paar Klassiker und Evergreens. Wahrscheinlich hat er einfach nen altmodischen Lehrer. Da kann einem die Lust schon vergehen.

Ich würde halt nur immer wieder über die wichtigen Dinge mit ihm reden ...Versetzung......sich nicht völlig unbeliebt machen ... später irgendwann Abschluss.... Und alles andere liegt irgendwo auch in seiner Verantwortung da mehr erreichen zu wollen.

Danke für die Sichtweise.

Habt ihr neben der Diagnose auch Tipps bekommen?

Diagnosen sollten keine Ausrede sein, da stimme ich dir zu.
Allerdings kann eine Diagnose Türen öffnen, um Unterstützung zu bekommen, wie man im Alltag besser mit sich und der Welt klar kommen kann.


Ich versuche es mal so auszudrücken:
das Ziel ist für alle das gleiche, aber der Weg dorthin ist unterschiedlich

- ich mit ADHS und Sehfehlern, brauche andere Hilfsmittel, Wegabschnitte, Lerntipps, als
- Freunde mit ADS und/oder Autismus
- Bekannte mit Hörgerät und Schwierigkeiten beim Hören
- usw.

Das was mir hilft, hilft anderen nicht.

Was mir sehr hilft: mich mit anderen Betroffenen austauschen. Was unterstützt sie beim Erreichen des Ziels, was ist kontraproduktiv, usw.

Könnte euch ein Schulbegleiter helfen?
Weniger wegen der Noten, sondern alf Begleitung im Sozialverhalten bei den Fächern, die ihm schwer fallen?

Tipps von anderen betroffenen / Eltern betroffener, wie das Verhalten im Unterricht "funktioniert".
Meinem Kind würde ich das über die emotionale Schiene erklären. Einem Freund mit Asperger Autismus eher mit Logik. Für ihn sind andere Punkte wichtig, als für mich.

Guten Morgen,
Danke dir für die Tipps.
Wir haben schon fast alles probiert, es hält immer nur kurz an.
Es ist wie bei michel aus lönneberga, er macht nie den gleichen Blödsinn und sieht dann die Zusammenhänge nicht.
Aber mit der Logik ist ein guter Ratschlag!

Hallo,
ich hab mal mit einem -in Musik- total unmotivierten und dauerstörenden Kind eine Diskussion geführt, warum die Musiknote wichtig ist:

Ich hab den Jungen, nennen wir ihn mal Paul, gefragt, was er mal werden will.
Polizist.
Dann hab ich gefragt, ob er weiß, wie man Polizist wird.
Wir haben kurz geklärt, was eine Bewerbung ist und dass man da ein Zeugnis abgeben muss.
Dann habe ich ihn gefragt, was wohl der Chef bei der Polizei denkt, wenn er sieht, dass Paul überall gute Noten hat, aber in Musik eine ganz schlechte.
Paul meinte "kein Problem, Musik braucht man bei der Polizei nicht".
Ich habe erklärt, dass man daran erkennen kann, dass er, Paul, sich nur da Mühe gibt, wo es ihm Spaß macht. Und dass man bei der Polizei ganz bestimmt nicht eingestellt wird, wenn man nur Sachen macht, die Spaß machen. Schließlich muss man da auch mal einfach nur Streife laufen. Oder langweilige Anzeigen abtippen. Der Polizeichef wird nur jemanden einstellen, der sich bei allem Mühe gibt.

Ich war, glaube ich, einigermaßen überzeugend, denn "Pauls" Verhalten in Musik und seine Arbeitsmoral wurden im Rahmen seiner Möglichkeiten deutlich besser ;-).

Paul meinte zwar auch, dass es dann ja reichen würde, wenn er in der 10.Klasse in Musik gut ist ;-) Aber er hat eingesehen, dass das dann einfacher wird, wenn er die Grundlagen kann. Und schon ans mitarbeiten gewöhnt ist.

Vielleicht findet ihr ja auch so eine Vernunft-Motivation, die mit dem Fach selbst nix zu tun hat, aber den Ehrgeiz in Bezug auf die Note weckt?
Das bringt natürlich nur was, wenn der Musik, bzw Kunstlehrer nicht lauter Nettigkeits-Zweien verteilt, weil es ja "nur" ein Nebenfach ist...

LG!

Guten Morgen,
Es ist nicht so, dass er nicht auch gute Noten hat, er gleicht die schlechten immer wieder aus um eine drei zu halten.
Mir geht's um die störerei, wenn ihm mal wieder “langweilig“ ist.
Und mit einem Beruf muss ich ihm nicht kommen, er weiß glaube mit 30 noch nicht, was er mal werden möchte.

Hallo, für mich ist es eine Sache des Respekts, sich im Unterricht zu benehmen, keinen Blödsinn anzustellen, zuzuhören, mitzumachen. Man muss nicht supergut Blockflöte spielen oder den Sinn des Philosophierens verstehen, man muss auch nicht mehr als notwendig für eine Arbeit lernen, aber man sollte sich Mühe geben, den Unterricht mitzugestalten und andere nicht zu stören! Mit Interesse oder nicht-Interesse hat das wenig zutun. Der Lehrer möchte einen guten Job machen und Themen den Kindern näher bringen. Ich würde es von der Seite her aufziehen, Respekt den anderen gegenüber ist einfach ein Muss. Damit hat Autismus nicht viel zutun. Alles Gute!

Das ist doch genau das, was sie beschrieben hat. Sie erwartet nicht, dass er sich dafür begeistert. Aber angemessenes Verhalten und Respekt gegenüber der Arbeit der Lehrkraft erwartet sie schon.

#pro
Und ich sehe es genauso.
VG

Ich fand das Blockflötenspielen auch ätzend "^,^ Da musste wohl eder mal durch ...
Hast du mal versucht eine "Spiegelung" seines Verhaltens auszuprobieren? Also wenn er etwas in Ruhe machen möchte, was ihm Spaß macht, dann "musst" du ausgerechnet neben ihm z.B. saugen. Wenn er etwas erklären möchte oder gerade einer Erklärung interessiert zuhört, könntest du dauernd dazwischen quatschen.
Wenn er sich beschwert kannst du anmerken, dass du davon ausgingst, dass es ihn nicht stört, weil er sich doch so auch in der Schule verhält. Erläutere den Grund deines Verhaltens und vergleiche sein Verhalten anderen gegenüber. Vielleicht lernt er so zu verstehen, was sein Verhalten für die Mitschüler oder Lehrer bedeutet.

Hey,
Danke für die Anregung!
Sowas übernimmt gerne sein dreijähriger Bruder, er kann es nur nicht auf das Feld Schule ummünzen.
Was für ihn hier zählt, hat in seiner Welt Schule kaum was zu suchen.
Er trennt es gerne.

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