Brauche Rat

Hallo zusammen,

es geht um meine jüngere Tochter. Sie wird im Juni 7.
Seit sie im Sommer eingeschult wurde, hat sich ihr Wesen total verändert. Sie war eigentlich immer ein sehr fröhliches, ausgeglichenes und tiefenentspanntes Mädchen. Als sie dann in die Schule kam, änderte sich das. Klar, es ist natürlich erst einmal alles neu und jedes Kind braucht seine Zeit, um sich zurecht zu finden. Sie war auch ein Paradebeispiel für ein Kind, welches frisch aus dem Kiga kommt. Sie war zu Anfang sehr überfordert, unorganisiert und brauchte wirklich lange, um sich einigermaßen zurecht zu finden.

Wirklich Spaß an der Schule hat sie nicht. So sagt sie es zumindest. Wenn es um HA geht, so erledigt sie diese. Braucht aber wirklich lange Zeit, zählt noch mit den Fingern und wenn es darum geht, Buchstaben beim Lesen miteinander zu verbinden, klappt das überhaupt nicht. Sie ist sehr langsam. Das alles mag noch okay sein und da möchte ich auch keinen Druck ausüben. Was mir aber wirklich Sorgen macht, ist ihre Stimmung. Sobald eine Sache für sie negativ ist, verfällt sie in eine tiefe Traurigkeit. Beispiel: sie würde gerne mal wieder den Nachbarshund sehen. Ich habe ihr erklärt, dass die Nachbarn derzeit nicht da sind. Aber es stimmt sie so traurig, dass man sie aus diesem "Loch" nicht hinaus bekommt. Und man sie auch kaum aufmuntern kann. In diese Stimmung verfällt sie bei jeder Kleinigkeit. Auch wenn in der Schule etwas vorfällt.

Ich wurde schon zweimal angerufen, weil es ihr anscheinend nicht gut geht und sie so schlecht aussieht. Dabei hatte sie sich gezankt...

Heute wollte man mich wieder abrufen, weil sie einen richtig depressiven Eindruck machte.

Mich macht das alles natürlich nachdenklich. Ich suche das Gespräch mit ihr, ob etwas vorgefallen ist. Aber ist es wohl nicht. Mittlerweile stelle sogar die Schulform in Frage. Ich bin gerade etwas überfordert. Ich möchte ihr gern helfen bzw ich unterstütze wo ich kann. Aber diese tieftraurig Stimmung bereitet mir Sorgen.

Vielleicht kennt das jemand oder hat einen Rat für mich.
Viele Grüße

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Kann es sein, wenn deine Tochter, wenn sie überfordert ist oder momentan nicht weiter weiß, in so eine (für sich innere) Art Opferrolle fällt, worin sie sich zurücksieht und ruhig wird. Wie das mit dem Nachbarhund sehen, in Traurigkeit oder in ein Loch verfällt, für es eher ein Vorwand ist, um momentan aus der Situation, worin sie sich gerade nicht wohl fühlt oder überfordert ist , dich damit ablenkt um sich eine Auszeit davon zu nehmen.

Für mich klingt es, dass sie sich seit der Einschulung in mehreren Punkten nicht wohl fühlt. Suche mal ein Gespräch mit der Lehrkraft und anschließend mit dem Kinderarzt, vielleicht wissen sie aus ihren Erfahrung eine Lösung, was, wie oder wer da abhelfen kann.

Schulisch musst du schon versuchen viel mit ihr zu üben, damit die Abstände nicht noch größer werden und es noch schlimmer macht . Braucht halt viel Geduld und Ruhe dazu, damit kein negativer Druck aufkommt, sondern dass sie merkt/spürt , dass das Üben mit Erfolge sich positiv belohnt. Schwache Sachen druckfrei üben, gute Sachen und Fortschritte immer loben.

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Danke für deine Antwort.

Ja, es kann durchaus sein, dass sie sich so zurückzieht. Sie ist generell der Typ, der sich zurückzieht oder für sich sein möchte, wenn ihr etwas zu viel ist. Das ist auch völlig in Ordnung. Für mich wäre es hilfreich, wenn sie es kommunizieren würde. Aber sie spricht dann gar nicht.

Ich habe am 8.4 Elternsprechtag. Und dann werde ich mit der Klassenlehrerin sprechen. Wir üben. Und ich versuche auch keinen Druck auszuüben. Wenn sie von der Schule kommt, muss sie auch nicht sofort an die HA. Sondern isst erst einmal und darf ne Stunde runter kommen. Ich korrigiere sie nur wenn etwas absolut unleserlich ist. Und versuche so geduldig wie möglich zu sein.

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Hallo!

Für mich klingt das alles, als wäre Deine Tochter mit der Schule ziemlich überfordert.
Mein Sohn geht auch in die 1. Klasse, und lt. Aussage der Lehrerin im Dezember war er in Deutsch deutlich hinter dem Durchschnitt. Das Lesen ist ihm noch sehr schwer gefallen, und Wörter Lautgetreu schreiben ging auch noch nicht (und das nicht nur auf den Klassendurchschnitt, die Schule ist bei einem Online-Portal zum landesweiten Vergleich der einzelnen Klassen angemeldet). Mittlerweile liest er aber wirklich gut und hat auch schon die ersten Bücher gelesen. Aber selbst im Dezember konnte er einfach Wörter schon lesen, nur hatte er bei vielen Buchstabenkombinationen noch Probleme. Von Deiner Tochter schreibst Du aber, dass sie noch gar keine Buchstaben zusammenziehen kann - das würde ich auf jeden Fall mit der Klassenlehrerin / dem Klassenlehrer besprechen. Und in Mathe ist es ähnlich, so langsam sollte sie im 10er-Bereich so sicher sein, dass sie die Finger nicht mehr braucht.

Nun ja, leistungsmäßig ist sie vermutlich einfach sehr langsam, aber sie wird durchaus auch merken, dass die anderen Kinder schneller / besser sind als sie. Sie muss sich alles erkämpfen, was sie doch eigentlich relativ spielerisch lernen sollte. Und das zehrt natürlich an der Substanz, führt zu Frustration und senkt die Frustrationstoleranz. Und dann sind scheinbare Kleinigkeiten auf einmal ganz schlimm. Hast Du denn schon einmal mit den Lehrern gesprochen? Was sagen die denn zum Verhalten Deiner Tochter im Unterricht, zu ihren Leistungen...Im Zweifelsfall würde ich die erste Klasse noch zu Ende machen, dann aber wiederholen lassen. In wieweit das bei Euch geht, kann ich Dir natürlich nicht sagen, zumal Du nicht schreibst, in welchem Bundesland Du lebst bzw. welche Schulform ihr habt. Was ich aber dringend anraten würde, sind Gespräche mit den Lehrern. Gerade wenn es Probleme in irgendeiner Form gibt, hat sich bei uns der kurze Draht zum Lehrer immer bewährt.

LG

LG

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Danke auch dir.

Ja, sie ist überfordert. Das war sie von Anfang an. Ich habe das Gefühl, ihr ist so noch gar nicht wirklich bewusst, welch "Verantwortung " sie nun hat. Und wie ernst sie bestimmte Dinge nehmen müsste.

Lesen ist eine Katastrophe. Statt zu lesen, also zu verbinden, liest sie die Buchstaben einzeln vor. Oder erkennt die ersten beiden und rät dann. Beim zählen geht es wie gesagt nur mit Fingern oder Rechnenachieber. Ich versuche es dann so, dass sie es sich bildlich vorstellen kann. "Du hast 7 Hunde und mit 2 gehst du spazieren ".

Wir kommen aus NRW. Sie geht in eine Regelgrundschule. Mit 23 weiteren Kindern
Nächste Woche Montag habe ich einen Elternsprechtag. Da werde ich das Thema dann ansprechen.

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OK, NRW ist natürlich schon schwierig... Aufgrund der flexiblen Eingangsstufe kann sie ja wohl nicht in dem Sinne wiederholen, eine Rückstellung ist in NRW auch kaum durchsetzbar und Förderschulen gibt es auch kaum noch - das macht es alles nicht einfacher.
Ich kann Euch nur wünschen, dass ihr mit den Lehrern zusammen eine gute Lösung für Deine Tochter findet. Wenn die Schule für ein Kind schon so doof anfängt, wird es ja meist nicht besser. Alles Gute!

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Das klingt nach anfänglicher Depression. Rede mal mit dem Kinderarzt und eventuell einem Psychologen und dem Klassenlehrer. Sie scheint seit Schulbeginn die Welt eher düster zu sehen. Die Aussicht nun jahrelang das durchzumachen ist auch nicht ermunternd. Oft sind die Schulnoten eher zweitrangig, da sind Freunde und das soziale Leben in der Schule der Grund für Lust bzw. Unlust auf Schule. Vielleicht ist es ihr auch zu viel Stress und Druck mit Lernen.
Es ist gut, dass du ein Auge darauf hast, damit sie sich nicht in solch einem Loch verirrt. Manchmal tut es einem gut in ein Tief zu geraten, aber nur, wenn es auch wieder ein richtiges Hoch gibt.

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Danke...
Die Idee mit dem Kinderpsychologen und dem Kinderarzt hatte ich auch. Denn zu dieser Traurigkeit kommt null Bock. Also sie ist nicht bockig vom Verhalten oder rebelliert oder wie auch immer. Sie hat einfach keine Lust. Egal was.

Zudem kommt, sie mag nicht allein sein. Wenn sie in ihr Zimmer möchte, das eine Etage überm Wohnzimmer ist, traut sie sich nicht allein. Wenn sie dann da ist, spielt sie. Sie möchte nur hochbegleitet werden. Ähnliches mit der Toilette. Oder alleine schlafen....
Ich habe mich daran gewöhnt und es ist für mich in Ordnung, dass sie ein anderer Typ ist als ihre große Schwester und dass sie ein anderes Bedürfnis hat und mehr Begleitung und bestimmter Hinsicht hat. Ich kann mir manches nur nicht erklären.

Soziale Kontakte hat sie regelmäßig. Bleibt auch problemlos allein bei einer Freundin oder übernachtet bei Oma und Opa. Solange die Große Schwester dabei ist.

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Es klingt dennoch so, als ob da eventuell noch irgendetwas ist, wovon du nichts weißt. Ich meinte die sozialen Kontakte in der Schule direkt, nicht die außerhalb. Das ist eine eigene soziale Dynamik. Vielleicht hat sie dort Probleme, z.B. durch Ausgrenzung oder dass Dinge gemacht werden, die sie nicht gut findet, aber dennoch mitmacht, um dazu zu gehören. Das kann ein Kind schon sehr belasten und die Lehrer oder andere Erwachsene könnten es nicht mitbekommen. Vielleicht spricht sie mit dir nicht darüber, weil sie bedrängt wird es nicht zu tun oder weil sie weiß, dass du es (mit guten Absichten) weitersagen würdest, um z.B. einen Konflikt mit Eltern eines anderen Kindes zu lösen, was sie wiederum in größere Probleme bringen könnte. Eventuell bereitet ihr auch ein Lehrer Kummer und sie weiß, dass sie da nichts ändern kann außer du mischst dich ein und sie hat Angst vor den Konsequenzen, die sie sich selbst ausmalt (z.B. vorgeführt werden in der Klasse wegen einer Beschwerde). Das sind aber alles nur Vermutungen. Vielleicht gibt es einen Vertrauenslehrer, auf den du sie mal hinweisen könntest. Einem vollkommen Fremden (Therapeut) könnte sie sich vermutlich auch eher öffnen, weil sie nicht diese Angst davor hat, dass ihr Konsequenzen in der Schulgemeinde drohen. Dass sie deine Nähe sucht, zeigt eigentlich, wie verunsichert sie im hier und jetzt ist (Schule). Du scheinst ihr halt zu geben, eventuell bist du die eine sichere Konstante in ihrem Leben und die Schule ist für sie einfach zu viel Trubel.

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