Überehrgeizige Mütter - so möchte ich nicht werden.

Ich habe heute in der Kirche eine Beobachtung gemacht, die mich total nachdenklich gemacht hat.

Eine Bekannte von uns war mit ihren drei Kindern dort, weil ein Kind eines Verwandten getauft wird. Das mittlere Kind dieser Bekannten war mit meiner Tochter im Kiga, sie waren auch mal Freunde, aber ich war froh, als sich das etwas verloren hatte, denn sie war so eine Mutter, die drei hochbegabte (Eigendiagnose) Kinder haben, die alles SOOOOOOOOO super können.

Stundelang konnte sie Lobhymnen auf die eigenen Kinder singen - das hat sowas von genervt. Versteht mich hier nicht falsch, ich finde es super, wenn man stolz auf seine Kinder ist, aber ich verbringe auch nicht den Tag damit, zu erzählen, wie toll meine Kinder dies und das können. Ständig wollte sie von den Lehrern wissen, ob sie das Kind nicht auch für besonders begabt halten.

Besonderes Glanzstück der Familie ist die älteste Tochter, die aufs Gymnasium gehieft wurde. Natürlich nicht auf irgendeins, sondern auf so eine Eliteschule in der Nähe mit Streicherklasse. Sie ist auch wirklich nett und begabt.

Damit das mit dem Gymi klappt, hat sie in der 4. Klasse schon mit Geige angefangen. Nun ist sie in der 5. Klasse und spielt bestimmt dafür, dass sie seit einem Jahr spielt, wirklich gut. Für ein tolles Weihnachtslied hätte es gereicht ... daheim, privat, unter dem Christbaum.

Nun musste es aber heute morgen bei der Taufe in der vollbesetzten Kirche sein - die Akustik ist 1a, das Lied war einfach nur SCHEUSSLICH. So scheusslich, dass der Pfarrer nach zwei Strophen ganz dezent abgebrochen hat. Ehrlich gesagt, war es nur ein Gequietsche.

Draußen passte die Mutter dann jeden ab und fragte: "Wie hat dir das Solo von Y gefallen? War es nicht wunderbar? Die Lehrerin meint, sie sei SOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO begabt". Sie ist vielleicht echt begabt, aber sie war nach einem Jahr nicht soweit. Was sagt man da? Ich habe versucht, ehrlich diplomatisch zu bleiben. Das schlimme war, dass die Mutter wirklich glaubt, dass das Kind heute wie Ann-Sophie Mutter gespielt hat.

Was tut man, dass man die eigenen Kinder einigermaßen objektiv sehen kann? Das war so peinlich, v.a. diese Lobhuddelei später. Ich habe manchmal echt Angst, dass ich so werde (oder bin und es nicht merke).

LG
Anne


1

Hallo

Ne so möchte ich auch nicht enden und so werde ich auch nicht enden.Ich weiß was unsere Kinder können und gut ist es.Unsere Kleine war gestern auf dem Nürburgring mit der DRLG und dort hatten die bei der Bundestagung einen Auftritt.Ich habe micht echt gefreut es war wunderschön,aber ich habe mich für die ganze Gruppe gefreut.
Morgen werde ich den Betreuern die das ganze begleitet haben(ehrenamtlich) was nettes schenken.

Die beiden haben nämlich sich nur bei den Eltern bedankt weil deren Kinder mitgemacht haben und sich selber in den Hintergrund gestellt.

Wir selber haben vier Kinder und alle sind was besonderes und ich würde mich nie irgendwo hinstellen und mein Kind in die Höhe stellen.

lg

2

Jaaaaah solche kenn ich auch *würg*

Eine ist besonders schlimm. Ständig sollten ihre Kinder im vordergrund stehen.
Einmal weis ich noch musste ich einen Kindergartenauftritt fotografieren. War abgemacht das nur ich rumlaufe weil zuviel leute würden nur stören.
Die besagte Mama stand da schon mit Videokamera rum und ihr sohn lief mit der Kamera durch die gegend. Wie alles rum war war ich am einpacken meiner Kamera stand sie plötzlich hinter mir.
"Hast du auch ganz viel meine beiden fotografiert???"
"ja klar, waren deine ja nur auf der bühne.... neeee man ich hab alle, deine musst halt suchen auf den fotos." also nur mal so als beispiel.

Wenn man mal vor der schule stand kam diese mama jedesmal her und schwärmte soooo von ihren kindern. Irgendwann ergriff dann jeder plötzlich die flucht wenn sie schon kam.
Und ehrlich... so toll sind ihre kidds nicht. Meine beiden konnten diese Kinder nie leiden, weil sie einfach frech und unerzogen waren.

Ich denke das beste beispiel war ja gestern mit der 4 jährigen.... bestraft gehören sich die eltern. Die arme kleine musste so ne niederlage einstecken. Aber den eltern hats sicher gefreut.... mein kind war im fernseh.... #klatsch

LG

3

Tja. Die Frage ist wirklich, wo die Grenze ist -vielleicht ist man manchmal wirklich selber so oder wirkt so auf andere, und merkt es gar nicht.

Mir ging es schon andersrum - dass ich, weil andere gejammert haben, dass sich ihr Kind in manchem so schwer tun würde, auch gejammert habe was alles schief läuft bei meinem Kind - um den Eindruck zu vermeiden, mein Sohn wäre in dem und dem besonders gut oder begabt oder interessiert oder was auch immer. Ich habe lauthals seine Schwächen beklagt und die Stärken unter den Tisch fallen lassen - in jedem Gespräch, mir ist irgendwann aufgefallen dass ich eigentlich nie davon erzähle, was er besonders gut kann, aber sehr oft darüber rede wo er sich schwer tut.

Ich hab mir vorgenommen, dass ich in Zukunft nicht mehr vor anderen darüber rede, was er alles nicht kann - und das, was er kann, auch offen zugebe. Natürlich ohne damit anzugeben - aber wenn andere Mütter sagen dass sie mit ihren Kindern das Diktat üben brauche ich nicht zu sagen das sollte ich auch noch machen obwohl ich weiß dass er nicht üben muss weil er automatisch alles richtig schreibt.

lg
K.

14

so gehts mir auch. meine beiden großen sind ,entschuldigung, auf hochbegabung getestet. was nicht heißt, dass sie superintelligent sind. sie sind auf einem gebiet besser begabt.
nun , da dieses thema höchstsensibel angesprochen werden darf, am besten nur mit betroffenen, erzählt man lieber von der 4 im diktat ,als von der 1 in mathe. sobald ich wusste, dass der durchschnitt schlecht war und mich einige mütter nach der note meines sohnes fragten, antwortete ich nur, dass er mir die arbeit noch nicht gezeigt hat. mit dem vierer in deutsch hatte ich weniger probleme.
außerdem ist mit hochbegabung nicht alles friede freude eierkuchen im gegenteil.

4

Ach ja......über sowas rege ich mich schon gar nicht mehr auf.
Ich finde sogar daß es hier seit dem Kleinkindalter eher nachgelassen hat......bei uns auf jeden Fall!

LG Z.

5

Hallo,
dieses Verhalten habe ich in den vergangenen 20 Jahren überwiegend bei Müttern beobachtet, die selbst nicht allzu viel auf die Beine gestellt haben------beruflich.
Ehrgeiz wird manchmal über Kinder oder den Ehemann ausgelebt-ist ja auch bequemer als selbst etwas zu leisten.

Am allerschlimmsten finde ich den Typus::::.unser XY ist so unterfordert in der Schule-----bestimmt ist er hochbegabt.Natürlich alles ohne sorgfältige Diagnostik u.s.w.--------Mangelnde Erziehung wird derzeit gerne so entschuldigt---------wie mir bekannte Lehrerinnen glaubhaft versichern.

L.G.

6

Ja, ich hasse es. Eine bekannte, erzählt immer stundenlang von ihrem Sohn. Er kann so toll lesen, besser als viele Jugendlichen. Er schreibt so toll. Hat in der zweiten Klasse auch schon einen Bericht in der Zeitung gehabt. Der natürlich überhaupt nicht nach der Mama klang.
Er ist so musikalisch. Er kann alles so gut. Dassuper Gynasium word schon vor der Geburt ausgesicht.
Ich kann garnicht so lange von meinen Kinder erzählen.
Ich finde , stolz kann ich auf etwas sein , was sich die Kinder mühsam erarbeiten müssen.
Nicht auf Dinge die sie einfach so gut können.

7

Objektiv wird man bei seinen eigenen Kindern wohl nie sein, aber Du hast recht, ein wenig realistisch sollte der Blick auf die Kinder bleiben. Ich liebe meine Kinder ja nicht weniger, weil sie nicht hochbegabt sind oder weil sie nicht Geige spielen lernen wollen. Leider ist bei vielen Eltern der Zwang da, aus dem Nachwuchs etwas besonderes zu machen, vielleicht, weil sie selbst nichts können?!?

Ich finde es wichtig, Kindern die Welt zu eröffnen, die MÖglichkeit zu geben, in verschiedene Dinge reinzuschnuppern und sich auszuprobieren. Und, wenn sich ein talent zeigt, dies zu fördern, genauso aber auch z.B. ein Instrument zu lernen, obwohl das Kind nicht so begabt ist (natürlich nur, wenn das Kind will). Meine Tochter reitet, tanzt Hip Hop und macht Leichtathletik. Talent hat sie vielleicht im Leichathletik. Aber solange sie gern tanzt ( sie ist nicht total unbegabt) und auftritt, warum nicht. Sich bewegen können, ist immer gut. Genauso wie der Umgang mit Tieren.

Wichtig finde ich, bei allem Ehrgeiz, nie den Spaß aus den Augen zu verlieren, die Schule ist schon ernst genug! Bewundern sollte man seine Kinder natürlich auch. Ich finde es toll, dass meine Tochter sich auf die Bühne stellt und vor Publikum tanzt, ich finde es super, dass mein Sohn Schlagzeug lernen will und sehe, wie er Fortschritte macht!

Die Erwartungen, die ich daran habe? Tja, beim Tanzen ist es die körperliche Haltung und das Körpergefühl, dass meine Tochter dadurch lernt! Beim Schlagzeug sind es Disziplin und Rhythmusgefühl- nicht das meine Tochter Primaballerina oder Starch-Tänzerin wird und mein Sohn ähnlich wie U2 oder Tokio Hotel mit der eigenen Band die Charts stürmt!

8

Neid ist leider eine ganz lästige Krankheit...

Gruß

Manavgat

9

Ganz ehrlich bin ich nicht neidisch. Mir tat das Kind Leid. Es stand vorne und merkte, dass es sich zum Affen macht.

Ich habe wirklich Angst, dass ich irgendwann vielleicht auch so Ende und es nicht mal merke.
LG
Anne

10

hallo,

tja, es gibt eltern, die den blick irgendwie völlig für die realität verloren haben und evtl. auch ihre eigenen defizite dann vom kind aufarbeiten lassen wollen.

eltern, die den ganzen tag und jedem nur ihre kinder als einziges thema vorlabern, gehen mir auf die nerven, tun mir aber ach irgendwie leid,
weil sie eben scheinbar nichts anderes mehr sehen und können.
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Stundelang konnte sie Lobhymnen auf die eigenen Kinder singen - das hat sowas von genervt.
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schrecklich und auch eklig aufdringlich.
sicher kann man auch stolz auf seine kinder sein, sich freuen, wenn sie etwas tolles können (das erste mal rad fahren, schwimmen etc.).
aber man muß nicht sämtliche leute damit belästigen,
das ist dann nur noch angeberei.


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Draußen passte die Mutter dann jeden ab und fragte: "Wie hat dir das Solo von Y gefallen? War es nicht wunderbar? Die Lehrerin meint, sie sei SOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO begabt".
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#augen
solche eltern haben defizite und sehen wohl nichts anderes auf der welt, als ihre kinder #augen


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Was tut man, dass man die eigenen Kinder einigermaßen objektiv sehen kann?
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ich denke, man wird es nicht einfach so.
es liegt eher am menschen.
meine tochter ist erst 5,5.
und ich sehe auch dinge objektiv,
was sie kann, wie gut oder schlecht etc.


bleib einfach wie du bist.
so ein verhalten kann einen sicher nicht einfach unbemerkt überrollen.

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