Schweigepflicht für Lehrer?

Hallo zusammen,
unsere Tochter (jetzt 7. Klasse) hatte die letzten beiden Jahre aufgrund einer isolierten Rechtschreibschwäche eine Befreiung von der Bewertung ihrer Leistungen in diesem Bereich. Ihr bisheriger Lehrer hatte dies nie in der Klasse thematisiert. Sie selbst hat darüber nur mit ihrem engsten Freundeskreis gesprochen.
Nun hat sie eine neue Deutschlehrerin und die Rechtschreibschwäche hat sich laut erneuter Testung zurückgebildet. Heute bekam sie einen Übungsaufsatz zurück und die Lehrerin hat vor der ganzen Klasse (!!!) ihre bis Ende letzten Schuljahres bestehende Teilleistungsschwäche thematisiert und sie bis ins Detail dazu ausgefragt. Ob sie den Übungsaufsatz tatsächlich ganz alleine geschrieben hat, ob sie nicht doch Hilfe hatte, wie sie ihre Rechtschreibschwäche überwunden hat...
Sie kam völlig aufgelöst nach Hause.
Meine Frage: Gibt es da nicht eine Schweigepflicht? Was würdet Ihr machen?
VG
magdalena70

1

Hi,

ganz ehrlich? Ich würde sofort am Montag bei der Lehrerin auf der Matte stehen und sie fragen, was das soll.

Meiner Meinung nach geht das gar nicht - Schweigepflicht oder nicht - ein Kind so bloß zu stellen. Hätte sie vorher gefragt, ob das für Deine Tochter ok wäre, dann hätte sie das so offen sagen können. Klar, es wissen jetzt alle, dass Deine Tochter diese Schwäche hat(te) und es besser geworden ist - aber die Frage "hast du das alleine gemacht" implziert doch, dass die Lehrerin über Betrug nachdenkt!

LG
Kim

8

Danke Dir für Deine Antwort. Ich werde auf jeden Fall mit der Lehrerin sprechen.
Ob sie an Betrug gedacht hat, weiß ich nicht; auf jeden Fall kam es bei meiner Tochter so an. :-(
LG
magdalena70

2

Bevor man gleich voreilig urteilt: Habt ihr oder eure Tochter denn mit der Lehrerin gesprochen und ihr gesagt, dass deine Tochter ihre Rechtschreibschwäche weitestgehend für sich behalten will?
Meiner Erfahrung nach ist es eher üblich, dass so etwas oder auch Dyskalkulie in den Klassen offen gehandhabt wird. Die betroffenen Schüler schämen sich dessen nicht, gehen offen damit um und anderen Schülern fällt ohnehin die andere Beurteilung auf. Gehänselt werde die betroffenen Schüler nich.
Vielleicht ist das auch bei euch in der Schule so üblich und die Lehrerin wusste es einfach nicht und wollte schlicht ausdrücken, dass sie sich über die Leistungsentwicklung deiner Tochter feut.

3

Hi,

wenn das so wäre, wie du hier schreibst

"Vielleicht ist das auch bei euch in der Schule so üblich und die Lehrerin wusste es einfach nicht und wollte schlicht ausdrücken, dass sie sich über die Leistungsentwicklung deiner Tochter feut"

Dann hätte sie doch sicherlich nicht gefragt, ob das Mädchen den aufsatz alleine geschrieben hat, oder?

Gruß
Kim

5

Wir können leider nicht mehr nachvollziehen, WIE sie das gesagt hat.
Es gibt ein "Wow toll, sowas schaffst du ganz alleine! Hätte ich ja nie gedacht, dass du schon soweit bist." das durch diese Frage ausgedrückt werden könnte.
Und natürlich gibt es auch die andere misstrauische Frage. Und ganz ehrlich, auch sie hat in der weiterführenden Schule auch ihre Berechtigung. In diesem Fall liegt die Lehrerin danenben. Aber wenn ich von schwachen Schülern plötzlich starke Leistungen bekomme, dann werde ich auch immer skeptisch. Manchmal findet man dann nahezu identische Texte bei Wikipedia oder bemerkt bei näheren Nachfragen, dass der Schüler den "eigenen" Text kaum kennt oder versteht. ;-)
Und solche Dinge passieren leider auch schon in Klasse 5...


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Also ich denke auch, dass man da erst mal überlegen sollte, ob man nicht besser als Eltern/Schülerin zu Schuljahresbeginn zu der Lehrerin gegangen wäre und sie darüber informiert hätte. Zum Beispiel, dass deine Tochter ihre Schwäsche bisher immer "geheim" gehalten hat!

Ich finde es nicht so gut, dass man immer den Lehrern die Schuld in die Schuhe schiebt, wo das doch eindeutig eine Sache der Eltern wäre, die Lehrerin in Kenntnis zu setzen.

Außerdem kenn ich es auch so, dass die meisten in einer Klasse so und so wissen, ob und wer eine LRS oder eine Dyskalkulie hat (die sind ja auch nicht von gestern).

Wenn ich was sagen würde, dann ruhig und sachlich, nicht als Vorwurf sondern eher, dass es dein Fehler als Mama war, nicht darüber gesprochen zu haben. Und auch, dass sich deine Tochter ein wenig bloß gestellt gefühlt hat.

10

Also, wie oben schon geschrieben:
Wieso sollte ich mit einer neuen Lehrkraft über ein Thema sprechen, das inzwischen abgehakt war?
Wieso schreibst Du von Schuld?
Ich hatte nur die Frage gestellt, ob es so etwas wie eine Schweigepflicht, ein Persönlichkeitsrecht oder einen Datenschutz für Schüler gibt.
VG
magdalena70

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Ganz einfach, weil es sich für mich so angehört hat, als wolltest du auch wissen, was du machen sollst.Zudem wäre ich als Lehrerein froh, wenn ich so etwas wie LRS von meinen Schülern wissen würde (auch wenn es sich nach neuesten Testungen merklich gebessert hat).

Warum ich von "Schuld" spreche? Ganz einfach deswegen, weil auch Eltern der Schule gegenüber gewisse Pflichten haben und nicht nur die Lehrer. Vielleicht ist "Schuld" auch etwas zu hart formuliert, aber deinen Schilderungen nach (oder besser: ich hätte es so gemacht) hättet ihr all dem in meinen Augen aus dem Weg gehen können, wenn der entsprechende Lehrer das gewusst hätte.

Vielleicht stellst du beim nächsten Mal deine Frage einfach präziser: Gibt es eine Schweigepflicht für Lehrer. Da kann man dann mit ja oder nein antworten.

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Hallo Magdalena,

es gibt für Lehrer keine Schweigepflicht, wie es sie z.B. für Ärzte gibt.

<Was würdet Ihr machen?>

Meiner aufgelösten Tochter klar machen, dass dies kein Weltuntergang ist und dann schnellstmöglich das Gespräch mit der Lehrein suchen. Ruhig, auf Sachebene und ohne Schuldzuweisungen.

Alles Gute

Ralf

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Doch, die gibt es durchaus!

Ich dürfte nie am Stammtisch oder beim Kaffeekränzchen erzählen, dass ein bestimmtes Kind schlechte Noten schreibt, dass namentlich genannte Kinder in irgendeiner Form krank sind etc. Auch vor der Klasse darf ich dies eigentlich nicht. In der Regel bespreche ich jedoch mit den Eltern, wie man es handhabt. Ich hatte mal einen Schüler mit Tourette-Syndrom. Nachdem die Eltern einverstanden waren, habe ich mit der Klasse darüber gesprochen. Das war auch gut so, denn so konnten die Kinder verstehen, warum der ständig Geräusche machen und rumhampeln darf und andere nicht... Für das Kind war es eine Erleichterung, er hat selber ziemlich darunter gelitten.

Sprich mit der Lehrerin darüber. Die anderen haben Recht: "mit offenen Karten spielen" ist immer die beste Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Und schließlich wollt IHR BEIDE ja nur das Beste für dein Kind, oder?

Gruß

tigerin73

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Hallo,
vielen Dank für Deinen Beitrag!
Wieweit geht die Verschwiegenheitspflicht bei Lehrern? Weisst Du da näheres?
Auf jeden Fall werde ich mit der Lehrerin sprechen - sachlich in jedem Fall. Es ist für mich halt eine sicherere Position, wenn ich um die Rechte für mein Kind weiß.
VG
magdalena70

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