ADHS und Schule...es ist eine einzige Katastrophe

Mein Sohn hat ADHS und ist (wohl in erster Linie deshalb?) ein sehr schwieriges Kind.

Er hatte schon in der Grundschule einige Probleme (Konzentration, Sozialverhalten)...seit er dieses Jahr auf die weiterführende Schule (Gesamtschule) gekommen ist, geht es immer mehr bergab.

Es sind bisher drei Arbeiten geschrieben worden (Mathe, Deutsch, Erdkunde) mit den Ergebnissen mangelhaft, ausreichend (+) und ausreichend. Also nicht wirklich toll...und von der reinen Intelligenz wäre er zu wesentlich besseren Noten in der Lage. Wenn nur seine mangelnde Konzentration und die allgemeine Unlust (seine Motivation, was die Schule betrifft, tendiert gen Null) nicht wäre.

Die Schule hatte noch keine drei Wochen angefangen und ich hatte schon zwei Briefe im Kasten. Religion: mehrfach die Hausaufgaben nicht gemacht und Arbeitsmaterial vergessen. Im zweiten Brief wurde mir geschrieben, dass ich zu einem bestimmten Termin zum Gespräch mit der Klassenlehrerin in der Schule zu erscheinen hätte.

Ich habe in diesem Gespräch mit der Lehrerin vereinbart, dass er die Hausaufgaben in sein Heft einträgt und anschließend von den jeweiligen Fachlehrern abzeichnen lässt...aber bereits an dieser Stelle hapert es mit der praktischen Umsetzung. Die Lehrer laufen ihm deswegen nicht nach (was ich absolut nachvollziehen kann) und er "vergisst" es schlichtweg.

Vor ein paar Tagen kam der nächste Hammer: wieder ein Brief (diesmal handelte es sich um einen Tadel, der in seine Akte eingelegt wird) im Fach Englisch. Hausaufgaben mehrfach nicht erledigt, Arbeitsmaterial vergessen, ist ständig unkonzentriert und stört seine Mitschüler.

Mein Sohn bekommt seit längerer Zeit keine entsprechenden Medikamente, was ich aber nun geändert habe (morgen geht's wieder los), da dieser Zustand absolut unhaltbar ist. Allerdings ist es so, dass wir schon diverse Tabletten ausprobiert haben und keine WIRKLICH was gebracht hat. Vllt eine minimale Besserung, aber optimal war es nie.

Außerdem macht er schon länger Ergotherapie, aber auch da kann ich keine besonderen Erfolge erkennen.

Ich bin langsam mit meinem Latein am Ende. Schulwechsel...ja, ist angedacht...aber auf welche Schule sollte ich ihn schicken? In den Klassen sind heutzutage meistens 30 Kinder...und das ist für meinen Sohn wohl zuviel. Außerdem sind die Lehrer an den "normalen" Schulen gar nicht ausgebildet, mit ADHS-Kindern richtig umzugehen. Entsprechende Privatschulen gibt's mehrere...nur wer kann sich die leisten? Ich kann es nicht...

Ausserdem ändert es ja nichts an der Tatsache, dass er extrem "schusselig" und unmotiviert ist und ich ja nun nicht daneben sitzen und jeden seiner Schritte beaufsichtigen kann.

Vllt hat ja wer ein paar gute Ratschläge...ich weiß echt nicht mehr, wie es weitergehen soll. Wenn ich dran denke, dass mein Kleener sich durch sein Verhalten seine (berufliche) Zukunft verbaut, wird mir Angst und Bange und ich könnte nur noch heulen. Aber das bringt uns ja auch nicht weiter...

BTW: das war jetzt nur ein Ausriss aus unserer "Gesamtsituation"...wenn ich hier alles aufzählen würde, könnte ich Romane schreiben.

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Seit ihr bei einem SPZ oder Spezialisten ?
Nur dann gehts -richtig ist besser kleine Klassen. Leider gibt es nur wenige Schulen die spezialisiert sind. Und eure Schule ist es sicher nicht
Wo lebt ihr ?

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In NRW.

In Bonn gibt's eine entsprechende Privatschule...aber die kostet ca 1000 Euro im Monat und da müssten wir umziehen (wohnen über 100 km entfernt, Internatskosten kämen noch extra, wenn ich hier wohnen bleiben würde).

Bringt ja alles nix, weil ich es mir eh nicht leisten kann, mal eben nen Tausender im Monat für die Bildung meines Sohnes lockerzumachen.

Wir sind bei einem Jugendpsychiater bzw -Psychologen.

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Mein Sohn hat unter Anderem auch ADHS, was bei ihm das "kleinere Übel" ist....er hat zudem hyperkinetische Störungen des Sozialverhaltens.

Aber Schule war auch immer blöd, und Hausaufgaben waren Luxus.
Ich bat auch immer drum das die kontrollieren das er die HA in sein HA-Heft einträgt.......bekam aber zur Antwort: Wenn wir das bei jedem Schüler machen würden, würden wir damit die halbe Schulstunde beschäftigt sein.

Ja toll......aber täglich die Lehrer anrufen wollt ich auch nicht.

Irgendwann wars dann so das es den Lehrern egal war ob er HA hat oder nicht....es gab keine Briefe mehr und auch keine Konferenzen wegen ihm.

In den Arbeiten schrieb er nur 5er und 6er......jetzt am Ende der 4.Klasse haben die Lehrer "gemogelt" und ihm bessere Noten gegeben als er eigentlich hatte.
Und weisste warum???
Damit er versetzt wird in die 5.Klasse, und somit endlich auf ner anderen Schule ist!

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Ein Verdacht auf hyperkinetische Störung besteht bei meinem Sohn auch...jedenfalls steht's so auf der Ergo-Verordnung. Wie kann man das testen und was ist das genau? Habe mich da nie drüber informiert, weil ich es eigentlich jetzt erst realisiere, wo du es schreibst.

Wie geht's deinem Sohn denn auf der neuen Schule? Hat sich da was gebessert?

Ich habe ja auch ein bisschen Schiß, dass mein Kleener von der Schule fliegt, wenn das so weitergeht.

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sowas stellt ein Psychater fest an Hand der Fragebögen und Unterhaltungen mit den Eltern und Kindern.

Wenn das Kind z.B. kein Schuldbewusstsein hat.....kein Mitgefühl und Mitleid.......ein Egoist ist......sich immer produzieren muss.......extreme Stimmungsschwankungen.....das sind halt so typische Dinge.

auf der neuen Schule gefällt es ihm gut.....dank Medikinet aber auch nur.
Er kann sich dadurch besser konzentrieren.....und so bekommt er mehr mit und es macht ihm auch Spass.

Nur Nachmittags ist er dafür um so "schlimmer" #augen

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man könnte meinen du sprichst von meinem sohn! was für medis bekommt er zur zeit? wir sind bei einem arzt der uns geraten hat unseren tag durchzuplanen und jeden tag den selben ablauf zu haben . also hängt bei uns jetzt ein plan im flur der vom aufstehen bis zum zu bett gehen um 7 uhr läuft und es funktioniert ist zwar etwas stressig manchmal ihn einzuhalten aber es klappt.dann hat er uns noch empfolen ein elterntraining speziell für adhskinder zu machen. so weiter sind wir auch noch nicht die medieinstellung dauert noch an sind gerade bei 2x eine halbe tablette täglich. kann dich ja mal auf dem laufenden halten falls ich noch mehr tipps bekomm.
lg tina
p.s. kopf hoch#klee

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Concerta 18 mg pro Tag...aber auch erst seit heute. In den letzten Monaten hat er -wie schon gesagt- gar nix genommen.

Nach den Schulferien soll auf 36 mg erhöht werden...ich bin gespannt, ob das eine Besserung bringt.

Das mit dem durchgeplanten Tag wurde mir auch schon öfter geraten...allerdings bin ich selber auch eher eine Chaos-Queen und von daher fällt es mir natürlich extrem schwer, das durchzuhalten.

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>>allerdings bin ich selber auch eher eine Chaos-Queen<<

AD(H)S ist ja auch erblich. Das sage ich nicht um einen pfiffigen Spruch zu machen, sondern weil es oft so ist, dass Eltern erst bei der Diagnose ihrer Kinder merken, dass sie selber auch ADS Betroffene sind/waren und dann vieles aus der eigenen Kindheit ploetzlich Sinn macht.

Ansonsten #liebdrueck dass sich bald eine Besserung einstellt

LG

Catherina

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Mein Sohn ist mittlerweile 16 und viele Probleme die Du hast, kenne ich auch. Er war als Kleinkind extrem aufgeweckt, konnte keine Minute stillsitzen, überall dran. Ich dachte mir 'Gut, sein Interesse an allem fördert die Intelligenz'. Zum Problem wurde es, als er in die Schule ging. Ich habe mich aber immer geweigert, ihn mit Medikamenten behandeln zu lassen. Hab mal einen Bericht im TV gesehen, in dem Menschen davon berichteten, die solche Medis in der Kindheit bekamen. Sie erzählten, daß es ihnen sauschlecht ging, wie auf Drogen, sie aber wie neben sich standen und nicht handeln bzw reagieren konnten, sich ausgeliefert fühlten usw. Ganz schlimm!

Unsere Lehrerin empfahl mir eine Esotherik-Tante in der Stadt. Ich ging mit meinem Sohn hin, sie behandelte ihn mit einer Farbtheraphie und seine Hyperaktivität hat sich wirklich schlagartig gebessert.

Die Schulpsychologin riet mir ausserdem, mehr Regelmäßigkeit in unseren Alltag zu bringen und mehr darauf zu achten, Rituale durchzuführen. Regelmäßige Abläufe im Tagesablauf geben den Kindern Sicherheit. Wenn jeder Tag anders ist, können sich die Kinder nicht orientieren. Sie wissen nicht was als nächste kommt.

Baue Fixpunkte in eurem Tagesablauf ein. Sorge dafür, daß der Ablauf beim Aufstehen in der Früh und das zu-Bett-gehen am Abend immer gleich ist. Die Kinder wissen dann zB daß nach der Badewanne der Pyjama angezogen wird und danach gibt es noch ein Spiel oder eine Geschichte oä.

Diese Regelmäßigkeiten und Fixpunkte geben Sicherheit und diese Sicherheit macht die Kinder ruhiger. Das ist meine Erfahrung, das kann ich Dir nur empfehlen!

Zum Them schulische Leistung: In der Grundschule hatten wir da Gott sei Dank keine probleme und er schaffte den Sprung ins Gym. begonnen hat es dann in der 3. Klasse Gymnasium. Die Schule interessierte ihn nicht mehr, er war (und ist) sehr Freizeitorientiert, musste die 3. .Klasse wiederholen. Beim 2. Anlauf hatte er nochmals 2 wiederholungsprüfungen, die er dann aber schaffte und die 4. Klasse schloss er (wieder nach 2 Wiederholungsprüfungen) mit lauter 4ern und einen 2er in Turnen ab! Er machte keine HÜ's, machte im Unterricht nicht mit und es interessierte ihn alles einfach nicht.

Vor 1 1/2 Jahren kam sein Bruder zur Welt (der -Oh Gott- genauso quirlig ist wie sein großer Bruder in diesem Alter... ) und dadurch hatte ich Zeit, mich intensiver um den Großen zu kümmern, immer wieder in die Schule zu laufen (war tlw. wöchentlich da) um die Lehrer zu besänftigen und das Schlimmste (nochmal sitzenbleiben) abzuwenden. Ich ließ mir alle Prüfungstermine geben und prüfte ihn ab (was tlw. nichts brachte, da seine Mitschriften extrem lückenhaft waren...), ich lernte tlw den Prüfungsstoff um ihn ihn erklären zu können, es war soo mühsam! also wenn ich das letzte Jahr resümiere muss ich sagen, wenn ich den Aufwand den ich in die Schule meines Sohnes gesteckt habe dafür verwendet hätte, um den Stoff selbst zu lernen und die Prüfungen selbst abzulegen, hätte ich lauter 1er bekommen müssen!

So, jetzt hat er die 4. Klasse also mit Ach und Krach geschafft. Seit diesem Monat geht er in eine berufsbildende höhere Schule mit Schwerpunkt Informatik (was ihn SEHR interessiert), die als Privatschule die Aufnahmen nicht nach den Noten der Vorschule heranzog sondern einen Intelligenztest. Und siehe da: der Bursche hat einen IQ von 137!

Ich wusste es zwar immer schon und auch seine Lehrer haben mir immer wieder bestätigt, daß er sehr intelligent ist und nur an seiner Faulheit scheitert, aber jetzt habe ich es schwarz auf weiß.

Die neue Schule gefällt ihm vorerst (ich hoffe, es bleibt so) sehr gut. Was ich Dir zum Thema Schulen raten kann, weiß ich nicht. Bin in der selben Lage wie Du und hoffe, daß dadurch, daß er nun hauptsächlich in den Gegenständen unterrichtet wird, die ihm auch privat bzw persönlich zusagen, auch insgesamt bessere Leistungen erzielt.

Ich habe ihn immer gesagt, daß er sooo gescheit ist und es schade wäre, wenn er als Müllmann oder ähnliches endet, wenn er doch zu so viel mehr fähig wäre (was ihm leider auch egal wäre...).

Ich glaube ich kann Dir nur raten dranzubleiben und nicht aufzugeben. Manchmal dachte ich mir schon 'ich sch... drauf' aber dann dachte ich mir wieder 'Es ist seine Zukunft und auch wenn er mich jetzt dafür hasst, daß ich ihn so 'nachsteige' irgendwann ist er durch und dankt es mir'.

Harte Zeiten! Ich finde zB den Spruch 'Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen' absolut zutreffend, auch wenn er uns nicht weiterbringt....

idS
alles Liebe
Mia

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