ADS - ich kann nicht mehr

Das Thema ADS ist alles andere als alltagstauglich und erst recht nicht in der Öffentlichkeit angekommen.
Meine 9 jährige Tochter hat diese Diagnose Anfang des Jahres gestellt bekommen.
Ritalin war die Empfehlung, jedoch war das für uns keine Option, weil ich immer der Meinung war, man kann auch damit leben - kann ja nicht so schöimm sein. Am Anfang hat es tatsächlich gut funktioniert, wir haben unser Leben danach ausgerichtet, sie stand im Mittelpunkt. Die Schule war in dem Moment zweitrangig. Die Hoffnung war groß, dass sich die Probleme schnell in Luft auflösen. In den Sommerferien war es nahezu ein Traum... bis die Schule begann. Sie ist in der vierten Klasse. Der Druck ist enorm - von allen Seiten. Aber hier fehlt einfach die Lust am lernen. Sie will sich nicht mal hinsetzen. Nun bin ich aber tatsächlich soweit, dass ich sie schulisch "aufgebe". Ich habe so die Nase voll jeden Tag zu reden, zu schimpfen, zu drohen... ich mag einfach nicht mehr. Dann geht sie halt auf die Hauptschule, vielleicht kommt die Vernunft ja mit den Jahren.
Was ich aber keinesfalls akzeptieren will, ist ihr Umgang zu ihrem fast 7 jährigen Bruder. Sie hasst ihn regelrecht. Sie ist extrem eifersüchtig. Egal was er sagt, was er macht, ist alles falsch, am besten es gäbe ihn gar nicht. Es herrscht immer! Wirklich immer! Anspannung. Harmonisch ist es nur wenn einer von den beiden nicht da ist. Sie provoziert ihn, sieht sich aber immer als Opfer. Er hingegen ist deutlich umgänglicher, kompromissbereiter, sensibler und einfühlsamer. Sie kann ihre Gefühle nicht zeigen, oft hat sie die gar nicht. Da wo Mitleid, Trauer usw. angebracht wäre, scheint sie gleichgültig zu sein. Sie ist auch extremst egoistisch. Mit Freunden tut sie sich mit ihrem Charakter natürlich auch schwer. Versteht es aber nicht. Ich könnte weiter und weiter über sie erzählen aber leider nicht viel gutes. Und das zerbricht mir das Herz. Ich habe Angst, dass ich sie irgendwann wegen all diesen negativen Eigenschaften nicht mehr so liebe. Ich bin jetzt schon mit meiner Geduld am Ende und denke mir so oft, wie schön es doch mit dem kleinen ist wenn sie nicht da ist.
Bitte sagt mir dass es nur eine Phase ist. Oder sollen wir doch auf Medikamente gehen? Ich kann einfach nicht mehr. Jeden Tag dieses Gefühlschaos..

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die Einzige die hier was nur "nicht will" bist DU! Du willst nicht wahrhaben dass Dein Kind eine anerkannte Behinderung hat! DU willst nicht dass Dein Kind Medikamente bekommt die ihm das Leben vereinfachen! DU willst Dich anscheinend nicht mit dem Thema auseinandersetzen. Sie verhält sich wie ein ganz normales Kind mit ADS!

Nein es ist keine Phase! ADS ist kein Schnupfen der irgendwann vorbei geht, ihr Körper kann Botenstoffe nicht bilden die er braucht, gestern, heute und in 20 Jahren auch nicht! Wer hat Euch denn bisher beraten? Welche Therapien macht ihr? Besucht Dein Kind einen Psychologen, gehst Du zur Elternschule? Bevor Du Dein Kind aufgibst, fang bitte erst mal richtig an! Sorry, bei allem Verständnis dass es schwer ist so ne Diagnose aufzunehmen, aber nach fast einem Jahr sollte man langsam mal damit klar kommen.

Wenn die Empfehlung so war, ja, lasst ihr die Medis geben, begleitet sie zu Therapien, zu Verhaltenstrainings und lasst Euch als Eltern professionell schulen! Und zur Not hol Dir seelischen Beistand um damit umgehen zu können. Aber ein Kind aufgeben ohne seine Probleme ernst genommen zu haben geht mal gar nicht!

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Danke! Ich hätte gern genau das geschrieben.

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Wäre eine andere Schulform ggf eine Option?
Gibt es bei Euch andere Schulen als die normalen staatlichen Einrichtungen?
Sie wäre bei weitem nicht das erste Mädchen, welches diesem Druck nicht standhält. Und schon sowieso nicht wenn sie ganz offensichtlich ein Päckchen zu tragen hat.
Zu der Situation zu Hause: ggf wäre hier eine Familienhilfe sinnvoll?
Bekommt deine Tochter irgendwelche Therapien bis jetzt? Werdet ihr psychologisch betreut?
Medikamente... nunja ich denke das kann niemand hier im Forum entscheiden. Es können immer Nebenwirkungen auftreten bei Langzeitmedikation. Generell gibt es aber ganz sicher auch Kinder bei denen es sinnvoll ist!
Meiner Meinung nach sollte sowas immer auch mit dem Kind abgesprochen werden. Vor- und Nachteile besprochen werden usw...
Wie ist es generell bzgl Gesprächen: habt ihr einen guten Zugang zu ihr oder hast du das Gefühl, da könntest du Hilfe gebrauchen?
Wenn dem so ist dann lass dir helfen!
Immer im Sinne des Kindes und der Familie denken. Versuche bei all dem Frust immer das "große Ganze" im Auge zu behalten: wir wollen dass es jedem Familienmitglied gut geht und es sich wohlfühlt zu Hause und in der Schule/Kita. Und dann schaust du, wo du ansetzen kannst, was du selbst tun kannst, was du besprechen kannst oder wo du/ihr ggf Hilfe braucht. Und da setzt ihr dann gemeinsam an. Ihr findet ganz sicher Lösungen! 😊

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Ihr nennt dem Kind die Möglichkeit ein normales und erfolgreiches Leben zu führen und nun ist sie schon in der 4 Klasse wo es schlicht um den Übergang geht.
HILF Deinem Kind es braucht Medikamente!

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Wie sind denn Ihre Noten in der Schule? Kommt sie beim Stoff mit?

Ich wollte auch lange kein Ritalin geben, aber nur deshalb, weil ich mich beim ersten Arzt sehr schlecht beraten gefühlt habe... Er bekommt es mittlerweile, aber wir suchen noch das richtige Medikament in der richtigen Dosis.

Was ich als Mama "will" ist nebensächlich, wichtig ist, was hilft meinem Sohn und wie geht es ihm besser...

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Die Noten sind mal so mal so... 2-4 . Der durchschnitt aber eher schlechte drei.
Sie leidet selbst auch unter den schlechten Noten, weiss auch dass sie lernen muss, will aber trotzdem nicht lernen.

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Wenn ich das lese, geht mir die Hutschnur hoch. Dein Kind KANN nicht lernen. Sie hat ADS, ihr Gehirn funktioniert nicht so wie deines. Setz du dich mal hin und nimm die ein Buch auf chinesisch. Darin fängst du dann an zu lernen. Viel Erfolg dabei! Und dann stell dir noch vor, dir macht jemand Druck dabei und die Hölle heiß, sagt du bist faul, nur weil du nicht verstehst was da steht. Würdest du dich da täglich davor setzen und weiter machen. Wohlwissend, dass es nicht funktioniert und du es nicht in den Kopf bekommst? So geht es nämlich deiner Tochter. Warum willst du keine Medis geben? Welche Therapien macht deine Tochter. Wie gut kennst du dich mit der Krankheit aus? Du verbaust deiner Tochter gerade ihre Zukunft. Du nimmst ihr jedes bisschen Selbstbewusstsein. Wach endlich auf und sieh zu, dass du deiner Tochter so hilfst, wie es ihr zusteht. Ich habe selbst ADHS. Du machst deine Tochter kaputt und das Kind tut mir leid. Das ist keine Phase. Sie wird es mit 40 immer noch haben. Und jetzt google mal, was es für Folgen haben kann, wenn es nicht behandelt wird. Depressionen, Sucht etc. um nur einige zu nennen. Und wenn deine Tochter an dem Punkt ist, kannst du dir gratulieren. Aber sicherlich wird sie dann als schwarzes Schaf abgeschoben. Die erwachsene depressive Tochter, die zu viel Alkohol trinkt war ja schon immer auffällig. Gut, dass der einfühlsame Bruder gut geraten ist.

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Glaubt mir, wir haben sehr wohl überlegt und in Absprache mit meiner Tochter uns gegen Medikamente entschieden. Wir sind seit der Diagnose in homöopathischer Behandlung. Es gab schon schlimmere Phasen aber auch wie ich geschrieben habe viel bessere.
Leider haben wir uns bei dem Kinderpsychologen nicht wirklich wohl gefühlt. Es gab keinerlei Therapievorschläge nur Medikamente. Auch das war der Grund für die ablehnende Haltung.

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Deine Rochter ist zu jung um da eine Entscheidung zu treffen.
Versucht er bitte!
Ihr werdet alle ein normales Leben führen können.
Hier braucht es mehr als Globuli

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Ich glaube es wäre wirklich wichtig, da nochmal anzusetzen und einen neuen Therapeuten zu finden bei dem ihr euch wohlfühlt. Es ist völlig normal, dass man mehrere Therapeuten besuchen muss bis man DEN einen gefunden hat. Grade bei ADS ist eine gute therapeutische Begleitung mMn gold wert.
Und dann kann gemeinsam eine Lösung erarbeitet werden.
Ich habe selbst ein behindertes Kind (völlig andere Baustellen) aber kann dir dennoch wärmstens ans Herz legen, dich mit anderen betroffenen Familien auszutauschen. Ich habe so viel von anderen Eltern lernen und erfahren können und es hat wahnsinnig gut getan zu hören, dass man da auch nicht allein ist. Das wäre vielleicht auch eine wichtige Sache jetzt nur für dich als Mutter bzw euch als Eltern! Aber gleichzeitig ist es evtl auch schön, wenn deine Tochter auch mit anderen ADS Kindern zusammenkommt.
Alles Gute nochmal und viel Kraft und Geduld mit deiner Tochter!

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Phase? Was willst Du Dir schönreden? Hilf endlich Deinem Kind - und somit auch Deiner Familie. Ignorieren ist die schlechteste aller Optionen.
Der Bruder meines Patenkinds hat auch ADHS, er war als Kind monatelang in der Kinderpsychiatrie, wurde auf Medikamente eingestellt und bekam auch psychologische Unterstützung, wie die Mutter auch, die auch dringend Erziehungshilfe brauchte und es zuerst nicht wahrhaben wollte. Nach dieser Zeit konnten alle endlich wieder LEBEN, was vorher keines mehr war. Seine jüngere Schwester hat sehr unter ihm gelitten, später hatten sie wieder ein tolles Verhältnis.
Heute ist er 20 Jahre alt und ein toller junger Mann mit gutem Job.
Handle endlich.
LG Moni

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Darf ich fragen, wer die Diagnose gestellt hat?

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Ein Kinderpsychologe. Es gab ein Gespräch mit uns allen und drei Tests die sie allein machen musste.
Wir wollten sogar dann noch zu einem anderen aber meine Tochter wollte keinesfalls wieder alles durchmachen.

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Und warum hättet ihr zu einem anderen gewollt? Zweifelst Du die Diagnose an?

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Warum ohne Medikamente? Bei AD(H)S ist es leider so, dass es ohne Medikamente zu keinen signifikanten Verbesserung kommen kann. Das Gehirn "funktioniert" halt anders, dass kannst du mit deinem Verhalten nicht ändern. AD(H)S kann in unterschiedlichen Ausprägungen vorkommen, manche AD(H)Sler können das (lange) gut kompensieren, da es bei deiner Tochter bereits diagnostiziert wurde gehört sie eher nicht dazu. Medikamente und eine Therapie ist die optimale Kombination.

Ich bin selber betroffen, man hat es erst mit Anfang 20 diagnostiziert. Ich habe studiert, wurde Depressiv, weil ich nicht verstand, was bei mir nicht stimmt... ich wusste nicht ein noch aus. Ich hatte das Gefühl, ich sei dumm, weil ich mich nicht konzentrieren kann. In der Schule konnte ich mein ADS noch gut kompensieren, denn ich musste nie lernen, mein Abi ist okay. Jedoch an der Uni -in einer Naturwissenschaft- ist es was anderes. Ich hatte beim lernen Aggressionen, ich habe geweint vor Wut, denn schnell konnte ich nicht mehr, aber ich hätte gemusst um die Regelstudienzeit zu schaffen. Mein Nebenjob hat mich zusätzlich Kraft gekostet.
Die Medikamente habe mir geholfen, ich habe seitdem auch keine Depressionen mehr.
Ich habe meinen Abschluss übrigens geschafft, es hat viel länger gedauert, aber ich bin trotzdem stolz darauf.

Die Medikamente haben meinen Charakter nicht verändert, ich habe mehr Antrieb und kann mich besser konzentrieren - das wars.

Meine Medikamente sind für mich, wie das Insulin von Diabetikern, mit ihrer Hilfe funktioniere ich wieder "normal".

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Ich kann dir hier schlecht etwas raten außer dem Buch "Plötzlich ein Sorgenkind", welches auch ein Mädchen mit ADS beschreibt.

Mich stören aber die Ratschläge die Medikamente sofort zu nehmen. Als ob es wirklich so einfach wäre: man schluckt die Pille und die Probleme sind weg. Ritalin (und andere Amphetaminderivare) wirken nicht immer und haben massive Nebenwirkungen. Bestimmt hilft es einigen aber eben nicht immer.

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Stimmt nicht. Tabletten helfen eben sofort. Sonst kann man davon ausgehen, dass man kein ads/ adhs hat. Ich nehme selbst medikinet und mein Sohn auch. Ich hoffe, mein Sohn dankt es mir später, dass ich ihm diese Hilfe nicht verweigert habe.

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Das kommt noch erschwerend hinzu, dass hiet wohl die Meinungen auch auseinander gehen.
Was wenn bei ihr eine verhaltenstherapeutische Maßnahme auch schon greift und wir keine Medikamente brauchen?
Ich habe abet auch Angst vor den Nebenwirkungen

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