Sohn ist nicht geistig behindert, dafür hat er viele andere Baustellen!

Hallo,

ich habe hier vor 2 Wochen schon mal geschrieben, weil uns das SPZ gesagt hat, dass unser Sohn Bela wahrscheinlich geistigbehindert sei, weil er große entwicklungsdefizite hat.

Wir haben uns im Vorfeld auch um eine 2. Meinung bemüht und waren in einer Kinderpsychiatrischen Praxis. Der dortige Psychiater war klasse. Er hat uns fast einen ganzen Tag seiner Zeit Geschenkt und ich hatte das Gefühl, dass sich Bela auch sehr wohl gefühlt hat.

So er hat einen IQ-Test gemacht. Und es stellte sich heraus, dass Bela einen IQ von 125 hat. Das hat uns so überrascht!

Der Psychiater äußerte mehrere Vermutungen denen er nachgehen möchte. er geht zum einem davon aus, dass Belas Sprachliche entwicklung mit seiner Schwerhörigkeit zusammenhängt. Auch, wenn er mittlerweile Hörgeräte trägt funktionieren die Ohren noch nicht optimal. Er glaubt, dass Bela sich weigert zu sprechen, weil er es nicht so gut schaffen kann, wie er will.
Die Defizite im motorischem Bereich bezieht er auf Dyspraxie, sowie eine Wahrnehmungsschwäche.

um heraus zufinden, was wirklich mit ihm ist, soll er 5 Tage in eine Tagesklinik in der er einer "Dauerbeobachtung" ausgesetzt ist.

Ich bin mit meinen Nerven schon wieder etwas am Ende. Jetzt wissen wir, dass er nicht behindert ist, aber die Probleme bestehen immer noch und ich habe das Gefühl, dass man mit all seinen Problemen nicht so viel anfangen kann...

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Guten Morgen,
wir haben ähnliche Baustellen, allerdings liegt keine Schwerhörigkeit vor.
Ich wollte dir etwas Mut zusprechen, da ich gut nachvollziehen kann, wie es dir geht. Auch wir stecken noch in einem Untersuchungsmarathon und haben noch keine genaue Diagnose. Unser SPZ stimmt bei einigen Dingen nicht mit den Untersuchungen anderer Ärzte über ein, was einen noch etwas mehr verunsichert. Es ist doch toll, dass ihr einen sich bemühenden Arzt gefunden habt. Ich halte die stationäre Aufnahme für eine gute Idee. Vielleicht bringt das mehr als wenn ihr von A nach B müsst.

LG

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Schön von euch zu hören.
Eine Schwerhörigkeit ist streng genommen auch eine Behinderung. Aber natürlich in einem anderen Sinner als ihr vorerst befürchtet hattet.
Natürlich werden sich die Probleme auch nicht von jetzt von gleich auflösen. Aber der Eindruck vom Psychiater ist doch super. Jetzt braucht ihr nur noch viele weitere Ärzte von der Art und ihr seit wunderbar aufgehoben.
Es kann gut sein dass sich die Vermutungen auflösen oder sich in andere wiederum umwandeln oder sich einfach nur bestätigen.
Es gibt für Belas Probleme sicher geeignete Therapeuten die ihm und euch weiterhelfen können.

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Mir hat ein Gespräch im SPZ mit einer Psychologin geholfen ?
Mein Sohn ist mein Sohn und wird es auch bleiben. Ob mit "nur" Defiziten in der Entwicklung oder auch einer Behinderung (egal welcher Art). Alles hätte wenn vielleicht könnte bringt uns nicht weiter. Wir versuchen die einzelnen Baustellen anzugehen und dann erst weiter sehen. Nicht allzu weit in die Zukunft schauen, lieber Schritt für Schritt ????
Klappt ganz gut soweit. Wichtig ist, dass ihr euch gut betreut fühlt und so hört sich das zumindest an!

LG

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Die ????? sollten !!!!sein ????

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Zuerst einmal: Verabschiede Dich von dem Gedanken, dass ihr irgendwann eine Diagnose bekommt und alles sich damit erklärt/aufklärt.

Ich kenne (außer bei einigen Epilepsiekindern) KEIN "Problemkind", wo es nur eine Diagnose gibt. Bei den meisten sind es 3,4,5 oder 6 Diagnosen, und noch etliche Probleme darüber hinaus.

Tagesklinik finde ich gut! Es sollte auf jeden Fall eine dritte Meinung geben, da Meinung 1 (geistig behindert) und Meinung 2 (IQ 125) dermaßen weit auseinander liegen. Und auch im Alltag ein anderes Herangehen verlangen. Während man bei Meinung 1 nicht zu viel Leistung (kognitiv) erwarten darf, MUSS man das Kind bei Meinung 2 regelrecht fordern .

Wenn es dann nach der Tagesklinik bestätigt ist, in welche Richtung es geht, könnt ihr das weitere Procedere planen.

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Ich freue mich für euch, dass es besser als erwartet ausgefallen ist. Ich habe eine Freundin, deren Sohn taub ist, auch überdurchschnittlich intelligent und Autist. Er hat so unglaubliche Fortschritte gemacht, das hätte ich nie erwartet. Seit er zur Schule geht, ist er fast normal, anstrengend, aber man kann mit ihm reden. Er spricht noch nicht so wie normal, aber es wird immer besser. Das wird schon bei euch, die werden euch Therapien empfehlen und sie werden anschlagen. Alles Gute!

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Hallo,

ich weiß jetzt nicht, wie alt dein Sohn ist.

Unsere Tochter hört auf einem Ohr schlecht, sie gleicht aber vieles mit dem anderen Ohr aus, so daß es erst sehr spät gemerkt wurde.

Ich weiß nicht, ob es Euch bewußt ist, daß auch mit einem Hörgerät niemals das gleich hören wie mit gesunden Ohren sein kann. Eine Hörschwäche ist nicht mit einer Sehschwäche zu vergleichen. Brille auf und gut, geht beim Hörgerät nicht!

Sehr geholfen hat uns die Gehörlosenschule (Mobiler Dienst), das waren die Ersten, die mir mal sagten was Sache ist. Unsere Tochter hat eine Behinderung und muß damit leben, wir können nichts machen um diese Behinderung zu beseitigen. Wir können nur eine Verbesserung erziehlen.

Wir haben einiges an Ärzten und Diagnosen durch. Inzwischen weiß ich, daß viele Diagnosen von Ärzten einfach nur falsch waren. Die Gehörlosenschule konnte mir da echt weiterhelfen.

z.B. ADS: Tochter ist hippelig, da ein Schultag ihre Konzentration mehr beansprucht als bei anderen. Deshalb ist ihre Konzentrationsspanne geringer, aber sie hat kein ADS

Dyskalkulie: Hat sie auch nicht, durch das einseitige Hören fehlt ihr ein räumliches Vorstellungsvermögen und das wirkt sich auf die Mengenvorstellung aus.

Wahrnehmungsstörung: Klar hat sie Wahrnehmungsstörungen, aber es ist bei ihr keine Krankheit sondern eine Auswirkung der Überanstrengung durch das schwierige Hören.

Mein Tip wäre, nehmt die Auswirkungen der Hörschädigung nochmals genau unter die Lupe und sucht Euch da geeignete Partner.

Liebe Grüße:-D

Martina

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Huhu,

wie stark ist denn seine Schwerhörigkeit ausgeprägt? Habt ihr eine Hörschwelle ermitteln können?
Unser Sohn ist gehörlos zur Welt gekommen, er wurde mit 11 Monaten mit Cochlea Implantaten versorgt und ist jetzt, mit knapp 3 1/2, sprachlich gut aufgerückt. Offiziell ist er vom reinen Höralter her knappe 2 Jahre (ca seitdem hört er Sprache), sprechen tut er wie ca 3.

Motorisch war er, bis er 2 war, wackelig - er ist spät gelaufen, er ist viel gefallen, er hat sich Vieles nicht getraut.
Das hat sich, seitdem die CIs perfekt eingestellt sind, gegeben. Er hatte Schwindel und, wenn mans so ausdrücken will, leichte Wahrnehmungsstörungen dadurch, dass er noch nicht optimal gehört hat.
Er geht jetzt in einen ganz normalen Kindergarten und niemand, der nicht auf seine CIs besonders achtet merkt, dass er eine Behinderung hat - auch wenn er weiterhin zu 100% schwerbehindert bleiben wird.

Ich kenne eure Geschichte natürlich nicht, werde aber immer hellhörig wenn es um Schwerhörigkeit und Hörgeräte geht - denn nach 3 1/2 Jahren in diesem Thema kriege ich immer wieder mit, dass grade bei Hörgeräten viel Murks gemacht wird, Kinder nicht richtig angepasst werden, oft nur Bruchstücke verstehen oder viel zu laut hören, sie durch die akustischen Probleme auch motorische Probleme haben.

Daher meine Frage, ob eine Hörschwelle festgelegt werden konnte. Und was habt ihr für Hörtests gemacht? Eine Bera?
Viele Grüße.