Behinderte Eltern?

Hallo,

ich bin ganz neu hier und gerade leicht panisch.

Ich habe vor ein paar Tagen einen positiven Schwangerschaftstest gemacht. Heute war ich bei der Ärztin und habe das kleine Menschlein auf dem Ultraschall gesehen. Der Test war also richtigerweise positiv. Ich bin sogar schon relativ "weit" in der Schwangerschaft dafür dass ich es gerade erst bemerkt habe. (12+0)

Bitte keine Vorwürfe wieso versehentlich schwanger geworden und nicht bemerkt und sowas. Ich mag dazu hier erstmal nichts weiter sagen und möchte wenn es geht dafür nicht verurteilt werden.

Jedenfalls meine persönliche Situation sieht nun so aus:
- der Vater des Kindes ist unbekannt
- ich bin 23 Jahre alt und studiere noch
- ich bin "behindert" (GdB 80, Merkzeichen G und B)
- ich bekomme derzeit Bafög und arbeite nebenbei
- ich habe wenig Unterstützung in meinem persönlichem Umfeld (kein Partner, keine Eltern die unterstützen würden, nur nen paar Bekannte an der Uni)

Ich habe nun einige Fragen... Ich habe keine Ahnung was es an finanzieller und praktischer Unterstützung in meiner Situtation geben könnte (ich werde zur ASTA gehen und mich da erkundigen, aber nun ist erstmal Wochenende, daher Frage ich gerade schonmal hier, weil ich echt nicht weiß wohin mit meinem Kopf).
Die FÄ hat heute schonmal empfohlen dass ich mich um eine "Familienhebamme" bemühen soll (Gibt es dafür finanzielle Hilfe, oder muss man das selbst zahlen, das könnte ich nämlich nicht und wie geht man da vor? Die FÄ war heute so in Eile dass die mir das nicht genau erklärt hat... -.-)
Ganz banal ist auch die Frage, ich bin gehbehindert, ich kann ohne Gehhilfe (Rollator, Gehstützen) nicht gut laufen und selbst damit nicht allzu weit. Wie soll ich in dem Zustand mein Kind "transportieren"? (Kinderwagen? Schwierig... Kind am Körper tragen mit diesen Vorrichtungen die es dafür gibt? Auch schwierig... und noch dazu unsicher, was wenn ich stürze auf das Kind oder so...)
Wohin wende ich mich (als Studentin, also eigentlich keine Ansprüche auf Sozialleistungen, wobei ich mal gelesen hab, dass man die ergänzend bekommen kann in manchen Fällen, wäre das so ein Fall?) um finanziell Hilfe zu erhalten?
Bin echt verzweifelt und weiß grad nicht so genau was ich machen soll.
Ich habe nichtmal einen Führerschein, geschweige denn ein Auto.

Hilfe... Gibt es hier jemanden, der sich in einer solchen oder ähnlichen Situtation befunden hat/befindet? Oder auch nur jemanden der einfach so irgendwelche Tipps geben kann?
Danke für JEDEN Hinweis oder Tipp...

Viele Grüße,
Lena

1

Liebe Lena,

ich arbeite in der Familienhilfe und begleite seit einigen Jahren eine ganz tolle, junge Mama, die körperlich selbst schwerbehindert ist (auch sie benötigt z.B. oft eine Gehhilfe).
Ihre Geschichte ist eine ganz Tragische, die ich aus Datenschutzgründen nicht näher erörtern kann, aber ich kann Dir sagen, dass auch Dir diese Art von Unterstützung garantiert zusteht.

Du kannst Dich an die Sozialen Dienste Deines zuständigen Jugendamtes wenden und einen Antrag auf "Hilfe zur Erziehung" (HZE) stellen.
Die Familienhilfe (SPFH) wird von einem freien Träger angeboten und Du hast auch Mitspracherecht, wer Dir in welcher Form auch immer, hilft.
Ich unterstütze z.B. die Mütter im Haushalt und in der Kinderbetreuung und gelegentlich im Trainieren der Alltagskompetenz.

Deine Situation ähnelt der Situation der Mutter sehr, die ich u.a. mit begleite und ich bin ganz sicher, dass Du Hilfe bekommst.

Du kannst Dich gerne auch mit mir in Verbindung setzen.

Alles Gute!
Claudia

10

Wie sieht das in solchen Fällen mit nächtlicher Hilfe aus?

Ich bin in ähnlicher Situation. Habe einen GdB von 70 MZ G und B im Ausweis. Wir haben unser "Problem" damals anders gelöst, haben ein Au Pair aufgenommen, die mir Tag und Nacht zur Seite stand, da es Nachts auch mal sein kann, gerade wenn die Zwerge noch nicht durchschlafen oder auch mal krank sind, man hat ja viel Rennerei mit Flasche oder dies mal holen, jenes mal holen.

Kommen die staatl. Hilfen denn auch in der Nacht bzw. bleiben sie bei einem in der Nacht?

Denn die Hilfen, die man in so einer Lebenssituation unter den gegeben Umständen benötigt, spielen sich nicht nur am Tage ab.

#danke für Deine Antwort!

LG Janette

2

Dir stehen Gelder und Hilfen zu wie bei jeder Schwangeren.......Pro Familia wäre z.B. eine gute Anlaufstelle. Dort kannst Du Zuschüsse zur Erstausstattung etc. beantragen.......weiss nicht genau wieviel es derzeit gibt, aber schätze mal mindestens 700 Euro......bei mir ist das schon etliche Jahre her das ich was beantragt hatte......

Ausserdem solltest versuchen das einen elektrischen Rollstuhl bekommst. So kannst Du selbst fahren und das Kind im Wagen vor Dir herschieben.

3

Huhu

Das hab ich gefunden
http://www.behinderte-eltern.de/pdf/2bbe.pdf

Vielleicht kannst du dich ja auch mal mit der BBE in Verbindung setzen, die können die bestimmt helfen.
Es gibt immer Mittel und Wege, auch für dich gibt es Anlaufstellen. Beim Jugendamt könntest du auch einen Termin machen, zwecks Unterhalt usw. Dann eben pro Family, Caritas , AWO etc.

Du wirst das hinbekommen und dein Studium ist ja auch irgendwann beendet, dann sieht's Geldtechnisch ja auch wieder besser aus.

Alles gute
Aeni

4

huhu,

seit meinem schlaganfall vor knapp 2 jahren bin ich auch gehbehindert und auf einen gehstock angewiesen. dazu kommt noch mein gelähmter arm.
ich bekam meinen schlaganfall als mein zwerg 7 monate alt war und ich war viele monate im kh--also richtig gekümmert habe ich mich um meinen sohn, als er ca. 15 monate alt war.
meine erfahrung, wenn du mit einem rollator gehen kannst, funktioniert das auch mit einem kinderwagen--es gibt ja auch welche mit einer handbremse.
vieles ergibt sich und für den rest kannst du hilfen beantragen (da hast du ja schon einige tipps bekommen).
mir hat mein gelähmter arm die meisten schwierigkeiten bereitet, speziell beim wickeln--aber auch das funzt jetzt ;-)
toi toi toi und alles gute!!

lg

5

also ich bin nicht betroffen. so wie es sich für mich anhört, willst du das kind gerne haben, dann schaffst du es auch.

ich denke du solltest am besten das geburtshaus deiner stadt anrufen. da verstehen sich die hebammen meist als familienhebammen. sie können sich schon jetzt betreuen und beraten. nach der geburt durfen sie acht wochen jeden tag kommen und bis zu einem halbenjahr regelmäßig bei bedarf.

frag mal bei deiner krankenkasse nach, ob dir eine familienhelferin zu steht, die würde da je nach dem auch im haushalt helfen. das müsstest du mit deinem frauenarzt gemeinsam beantragen.

schau mal wie es mit der kita von der uni haussieht. da hast du sicher gute chancen, wenn du alleine bist.

wenn du mit einem rollator gehen kannst, geht es sicher mit einem stabilen kinderwagen auch oder einer trage wie dem ergo und du hälst dich am rolator. das ist sicher auch gut, wenn du das kind mal ein paar stufen hinauf tragen willst.

lieben gruß
mona

6

Liebe Lena,

war lange nicht mehr bei urbia. Jetzt hab ich grad deine Nachricht gelesen.
Deine Situation ist nicht einfach, aber wenn du das Kind willst, geht es immer irgendwie.

Ich will dir etwas Hoffnung machen. Ich bin selbst schwer gehbehindert (inkompl. Querschnittslähmung; GdB 80, Merkzeichen B,G,aG). Meine kleine Tochter (absolutes Wunschkind - trotz Behinderung) wird jetzt 13 Monate alt. Sie kam 6 Wochen zu früh, Spontangeburt. Anfangs hatte ich auch viele Zweifel und Angst ob ich das alles schaffe. Aber alles läuft super und die Kleine macht sich auch toll.
Hab mir einen unterfahrbaren Wickeltisch (Wickelei) gekauft und ein Anstellbett. Mittlerweile hab ich das elektr. hochfahrbare Kinderbett Aladin von der Firma Möbel Schneider. Auf meinem Rollator haben wir das schwarze Brett weggemacht und ein Brett mit einem Maxi-Cosi drauf festgeschraubt. Funktioniert super. Ich nehme für den Transport auch oft den Rolli und mach die Kleine um mich herum mit nem Klettband fest (bekommst du über Hilfsmittel). Außerdem kannst du einen E-Rolli bekommen (kommt immer auf die Kasse an), dann wird der Transport leichter und du kannst auch den Kinderwagen (mit Handbremse) gut schieben.
Wegen dem Finanziellen würde ich mich mal ans Jugendamt wenden.
Kannst dich gerne bei mir melden, wenn du ein paar Tipps im Umgang mit dem Baby und Behinderung brauchst.
Wünsche dir alles Gute.

Viele Grüße
Lenja

7

Tausend Dank für eure lieben Antworten! Das hat mir sehr geholfen und mich ein wenig aus der "blinden Panik" gelöst.

Ich war mitlerweile schon bei der Familienberatung von der Uni. Das was die so sagten klang ganz gut, auch dass ich mit den Umständen (Alleinerziehend, Schwerbehinderung und so...) mit sehr großer Sicherheit einen KiTa-Platz in der KiTa an der Uni bekommen könnte (klar, so weit ist es noch lang nicht, aber irgendwie tat es gut, dass die mir das so gesagt habe...)

Beim Jugendamt habe ich auch einen Termin und der (muss ich ehrlichgesagt sagen) macht mir Angst... Ich habe Angst, dass die sagen könnten ich kann das Kind allein nicht versorgen und deswegen würden sie es wegnehmen (wahrscheinlich ist die Angst in der Form Unsinn, das ist mir auf Kopfebene auch irgendwo klar, aber rein emotional ist die Angst trotzdem da.)

Ich habe mir mal alle Tipps, die ihr mir so reingeschrieben habt, was Unterstützungemöglichkeiten angeht, rausgeschrieben und klapper die jetzt mal alle der Reihe nach ab. (Ich mag nicht irgendwie als Schmarotzer wirken... Hoffe das kommt nicht so rüber. Ich arbeite ja auch neben dem Studium, so ist es also auch nicht...)

Meine Therapeutin hat auch gesagt, ich sollte beim SBA versuchen das aG auch noch zu beantragen... Gerade jetzt... Und sie ist der Meinung, dass mir das eigentlich sowieso zustehen würde. Weiß gar nicht, ob das damals beantragt gewesen war und abgelehnt wurde, oder ob es einfach nicht beantragt war und deswegen natürlich auch nicht zugesprochen war... Müsst ich mal nachblättern ob ich das noch rausfinden kann... Weiß nicht wo der alte Bescheid ist...

Wegen dem E-Rolli hab ich mal bei der KK angerufen. Die Sachbearbeiterin dort meinte, ich müsste das halt beantragen, aber so wie sie das aus der Ferne beurteilen könnte würde alles dafür sprechen, dass ich einen bekommen könnte.

Dann könnte ich auch mal mich nen bisschen weiter bewegen als die 500 Meter von und zum Supermarkt...

Der Tipp mit dem Rollator, den mit nem Maxi-Cosi umzubauen das klingt echt gut, denn nen normaler Kinderwagen, da kann ich mich ja nicht richtig draufstützen (Vorschlag von Mona, dass ein Kinderwagen den Rollator ersetzen könnte.. leider nicht...). Und ich brauch den Rollator wirklich zum richtig aufstützen, nicht nur nen bisschen zum leiten. Bei einem Kinderwagen ist es ja so gedacht, dass wenn man dolle raufdrückt auf den Griff, dass sich die Räder dann vom Boden heben, damit man ihn Stufen hinaufbekommt. (So sehe ich das jedenfalls oft bei anderen Leuten.). Beim Rollator hingegen, sind die hinteren Räder recht weit nach hinten gesetzt, also quasi laufe ich zwischen den hinteren Rädern, dadurch ist das stabil, wenn ich mich richtig aufstütze. Der Kinderwagen denke ich nicht. Deswegen stimmt das in meinem Fall nicht, dass ein stabiler Kinderwagen den Rollator ersetzen kann... (leider...) (Aber kann es ja trotzdem mal ausprobieren in nem Laden.)

So Ein Kinderbett, was sozusagen eine Erweiterung von meinem Bett darstellt, sowas habe ich mal im Internet gesehen, passt das eigentlich an alle Betten, oder müsste ich mein eigenes Bett dann auch ersetzen, damit das zusammenpasst? Weil sowas wäre ungemein praktisch, denn jedes Aufstehen in der Nacht (was ja dauernd vorkommen würde, wenn das Kinderbett woanders steht als mein eigenes) ist natürlich kraft und zeit-mäßig bei mir nen unheimlicher Aufwand, und man sollte ja gleich beim Kind sein und nicht erstmal ne halbe Stunde bis dahin brauchen... -.-

Danke nochmal für die vielen hilfreichen Antworten! Ihr habt mir schon eine ganze Menge Angst genommen!

8

Huhu

Nein, du bist kein Schmarotzer! Du brauchst Hilfe um nen weg zu finden und die holst du dir, das ist vollkommen ok! Das JA wird bestimmt nicht sagen, dass sie dir das Kind wegnehmen, du hast ja auch noch deine Betreuerin und stehst sogesehen mitten im leben.

Zum anstellbett, so ein babybay passt eigentlich an jedes Bett, das Bett sollte halt nen Rahmen haben und nicht nur matratze+Rost (auf Boden z.b.) sein.

LG

9

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Beim Jugendamt habe ich auch einen Termin und der (muss ich ehrlichgesagt sagen) macht mir Angst... Ich habe Angst, dass die sagen könnten ich kann das Kind allein nicht versorgen und deswegen würden sie es wegnehmen (wahrscheinlich ist die Angst in der Form Unsinn, das ist mir auf Kopfebene auch irgendwo klar, aber rein emotional ist die Angst trotzdem da.)
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Du musst absolut keine Angst haben, dass es zu diesem Szenarion kommt.#blume
Ich arbeite nicht nur selbst in der Kinder- und Jugendhilfe, sondern ich habe auch ein Adoptivkind und ein Pflegekind und in Deutschland ist die Gesetzeslage derart straff, dass Kinder erst dann aus der Familie genommen werden können, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht.

Und ich kann Dich auch nur ermutigen, die Hilfen, die Dir zustehen zu beantragen.
Unsere Pflegetochter ist selbst schwerbehindert (das war bei ihr allerdings nicht der Grund, dass man sie von der Mutter weggenommen hat, sondern die Gründe waren weitaus dramatischer; einfach nochmal zu Deiner Beruhigung!) und wir schöpfen auch die Hilfen aus, die wir ausschöpfen können.
Was uns einfach auch den Alltag erleichtert.

Es gibt m.E. überhaupt keinen Grund, auch nur im Ansatz daran zu denken, Dir das Kind wegzunehmen - aber es gibt m.E. genügend Gründe, Dich so gut zu unterstützen wie nur irgend möglich.

Wenn es irgendwelche Unklarheiten im Bezug auf den Termin im Jugendamt gibt, kannst Du mich ja auf jeden Fall kontaktieren.
In meiner VK stehen auch meine Kontaktdaten.

Alles Gute - und keine Angst!#klee

Claudia

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