Perinataler Sauerstoffmangel und die Folgen?

Hallöchen,

ich bin neu hier, war zwar schon in Schwangerschaft, Baby und Kleinkind aber eben noch nie hier. Mein Söhnchen ist am 31.12.2007 geboren. Fünf Stunden nach der Geburt (die nur zwei Stunden gedauert hat) wurde er akut auf die Kinderintensiv gebracht. Perinataler Sauerstoffmangel war die Diagnose (nach zwei Tagen). Er hat das alles zum Glück gut überstanden, allerdings weiss niemand in welcher Form er behindert ist. Das ist auf die Dauer ein ziemlich unsicheres Gefühl. Vielleicht kann mir hier jemand schreiben der schon etwas ähnliches erlebt hat und "weiss" was die Auswirkungen auf die weitere Entwicklung sein können.
Interesse halber ich fühlt mich sonst so unvorbereitet.(kompliziert das Gefühl zu beschreiben.)


LG evoli

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Hallo Du,

tut mir Leid, dass es Deinem Baby schon so bald nach der Gbeurt schlecht ging, aber auf Deine Frage wirst Du vermutlich ein ganz breites Spektrum an Möglichkeiten bekommen, von überhaupt nicht behindert 8sprich "normal") , über körperlich behindert, bis hin zu schwer mehrfach behindert.

Ich kann mir vorstellen, wie schlimm es ist, wenn man es nicht mal weiß, was auf einen zukommt, diese Ungewissheit ist zermürbend und jede Abweichung von der Norm (laut U-Heft) wird zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, was vielleicht an Diagnosen und Rückschlägen wohl noch zu erwarten ist.

Euch un dem Kleinen wünsche ich das allerbeste, dass es keine Auswirkungen haben wird oder dass er zumindest alles aufholen kann.

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Liebe evoli,

wie gut kenne ich diese Ungewissheit und die große Angst, die Du haben musst.
Meine kleine Tochter kam im April 2007 nach einer ganz normalen Schwangerschaft und Geburt zur Welt. Als da war, hatte sie keine Lust auf diese Welt und war schwer krank. Diagnosen: schwere primäre Asphyxie, Sepsis, Hirnödem, Hirnhautentzündung und weitere so "nette" Sachen. Keiner wusste wie sich Alma entwickeln würde und die Diagnosen standen zeitweise sehr schlecht. Und nun ... ist sie fast ein Jahr und ganz gesund :-) Klar niemand kann uns ihre Schulnoten vorhersagen, aber wenn sie keine Ärztin wird, dann eben "nur" ne Oberschwester ;-)
Leider kann Dir niemand sagen, wie alles Laufen wird. Ich wünsche Dir sehr, dass Du so viel Glück hast wie wir. Niemand kann in das Gehirn der kleinen Mäuse so genau schauen und sagen welche Regionen geschädigt wurden.

Gibt es denn Anzeichen für eine Behinderung? Aber auch mit Handicap hast Du doch das liebste Wunderkind der Welt :-)

Liebe Grüße Franziska

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#danke für deine Antwort.
Mein kleiner Mann ist ein Kämpfer, schließlich meinten die Ärzte, dass es ein Wunder ist das er überhaupt lebt. Wir hätten beinahe zu den Eltern gehört denen das Baby kurz vor ET stirbt. Die Vorstellung ist grausig. Leider sind bei ihm schon starke körperliche Beeinträchtigungen zu sehen. Er ist ständig verkrampft, öffnet seine Hände nur sehr selten (ist durch Training schon wesentlich besser geworden). Aber eigentlich ist mir das auch ziemlich egal, schließlich tut er das was wichtig ist: Er lächelt die Menschen an die er mag!
Ich finde es nur blöd, das ich nicht weiß wie ich ihm später das Leben und die alltäglichen Dinge leichter machen kann. Einfach das sich-nicht-vorbereiten-können.
Allerdings bekommt er viel Physiotherapie und ich übe fleißig mit ihm, trage ihn so oft wie möglich usw. Und nach dem was Du so erlebt hast, gebe ich die Hoffnung sicher nicht auf das es vielleicht alles nur halb so schlimm ist.
Ich würde mich natürlich freuen wenn's so kommt wie bei dir und deiner Tochter. Wenn nicht, ist's allerdings auch nicht schlimm.

LG evoli

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Hi!
Ich kenne das Gefühl nur zu gut..........nicht zu wissen was einen erwartet#schmoll.
Aber glaub mir, mit der Zeit wird es etwas einfacher,damit umzugehen. Darüber reden hilft;-).
Eigentlich kann niemand sagen was sowas für "sichtbare" Folgen hat. Das war bei uns auch so: Mein 2. Kind kam viel zu früh auf die Welt (30.SSW) und war schon dem Tode näher als dem Leben bei Geburt. Er hatte einige Problemchen z.B. auch eine leichte Hirnblutung. Was das alles für Folgen für die Zukunft hat "das kann mir niemand sagen":-(.......das hab ich schon soooooooo oft gehört.
Mein Sohn bekam gleich nach der Entlassung aus der Klinik Krankengymnastik. Er hatte auch ständig die Hände zur Faust. Auch von Spastik war er bedroht.
Durch die KG konnte viel verbessert bzw. verhindert werden.
Er ist mittlerweile 3 1/2 Jahre und noch heute ist er entwicklungsverzögert in Sprache, Wahrnehmung und etwas in Motorik. Aber durch gezielte Förderung kann man heute viel tun;-).

LG

3

Ich habe einen Bruder der mit Sauerstoffmangel auf die Welt gekommen ist. Meine Mama sagte er sei ganz blau gewesen, weil sich die Nabelschnur um den Hals gewickelt hätte.

Mein Bruder ist heute 17 Jahre alt und naja er ist ein toller Mensch, aber er hat mit Beginn der Schulzeit viele Probleme bekommen, die etwas damit zu tun haben, denn er wirkt zwar so ganz normal aber seit er 13 Jahre alt ist wissen wir, dass er Störungen in der Wahrnehmung hat, Dinge anders verarbeitet oder kaum realisiert, Probleme hat unter Druck normale Leistung zu erbringen usw. Er hatte riesige Probleme in der Schule und hat leider auch keinen Abschluss geschafft. Er hat 30 % Behinderung und ist jetzt in einer Werkstatt. Wir wussten eigentlich bis zu diesen Ergenissen nicht, dass er diese Störungen hat, denn wie gesagt, er wirkt ganz normal, hatte aber in diesem Leistungssystem keine Chance. Es kann also sein, dass es noch viele Jahre dauern wird bis sich die Folgen bemerkbar machen oder aber du hast Glück und es gibt keine. Du musst die Angst irgendwann vergessen und überwinden und dein Kind einfach so annehmen wie es sich entwickelt und das beste draus machen.

Die Auswirkungen von Sauerstoffmangel können sehr vielfältig sein, aber es muss auch keine geben. es kommt drauf an ob z.B. das Gehirn schlecht versorgt wurde und welche Bereiche davon. Und da das Gehirn eigentlich alles steuert, können Störungen in kleinerer oder größerer Ausprägung in ungeheuer vielen Bereichen auftreten. Manches davon fällt einem normalen Menschen wahrscheinlich nicht mal auf, anderes wird mit der Zeit vielleicht erst auffällig.

Ich wünsche dir viel Glück. Denn viellecht trägt dein Kind ja auch gar nichts davon. Die Medizin ist heute viel weiter als noch bei meinem bruder. Ich würde an deiner Stelle dein Kind so lange als völlig normal und gesund auffassen wie es sich ganz normal und gesund verhält und im Zweifelsfall die Sache untersuchen.

Mysty

5

#danke

Naja, leider ist's nicht ganz so rosig. Man kann schon jetzt einiges sehen und fühlen was nicht "normal' ist. Den Grund für den Sauerstoffmangel weiss niemand. Ihm ging es die ersten Stunden nach der Geburt prächtig, das spricht dafür das ihm irgendetwas passiert ist in den letzten zwei Tagen vor der Geburt, meinen die Ärzte. Leider konnten bereits einen Tag nach der Geburt Schäden auf dem Ultraschall erkannt werden und das ist in diesen Fällen immer ein schlechtes Zeichen. Das MRT hat dann gezeigt das Teile der Hirnrinde beim Sehzentrum sowie die Basale Canglia abgestorben sind. Es ist also weniger die Frage ob er behindert ist die mich beschäftigt, damit kann ich sehr gut leben. Ich bin allerdings jemand der sich gern auf unterschiedliche Art und Weise vorbereitet. Dabei geht es dann vorallem darum ihm auch später vieles zu erleichtern und naja, ich will einfach früh genug Möglichkeiten ausloten. Das geht allerdings nicht da ich nicht wirklich weiss was es für Folgeschäden gibt. Ärzte sagen nur sehr allgemeines, eben körperlich und geistig behindert. Ich will eigentlich nur von Betroffenen hören welche Bandbreite es gibt, zur groben Orientierung.
Das bedeutet ich kann mit deiner Antwort eher etwas anfangen als mit der allgemeinen Aussage der Ärzte.

LG evoli

7

Ja das versteh ich, aber warte mal noch ein bisschen ab bis dein Kind sich ein bisschen rausgemacht hat. Es gibt da meines Wissens nach schon jede wenge tests die prüfen in welchem umfang ein Kind eingeschränkt ist und auch wenn man schon was merkt, heißt das ja nicht sicher das ein kind sich nur so oder so entwickeln kann. Dein Kind wird sich nach seinen Möglichkeiten entwickeln und dann wirst du sehen, wo es mehr Förderung braucht und wo nicht. Das kann sehr unterschiedlich sein. Behinderung ist halt nicht gleich Behinderung. Wir mussten auch vieles ausprobieren und das kostet allen Nerven. Ich war nur die große Schwester, aber wenn du merkst, dass die Förderung versagt, betrifft das die ganze Familie.

Man braucht viel Kraft und viel Geduld und viel Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit so einer Sache und nerven wie Stahlseile bei den Ämtern. Alles richtig machen kann man aber eh nicht. Alles leicht machen auch nicht. Und die perfekte Lösung wird es oft nicht geben. Planungen gehen ganz schnell zu Bruch, weil so ein kind anders ist und nicht immer so funktioniert, wie wir es gerade denken. Man muss ihm helfen wollen, aber sich selbst helfen und sich das eingestehen. Das es keine Patentlösung gibt.

Am wichtigsten bleibt immer das man für sein Kind da ist und es liebt, denn das hat bei meinem Bruder auch in Phasen, wo alles schief ging, am besten geholfen. Man braucht den unerschütterlichen Glauben, dass es auch wenn es nicht leicht ist glücklich werden kann...

Mysty

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Liebe Evoli,
das ist eine traurige Geschichte. Finde Deine Einstellung toll, daher schreibe ich (tue das selten).
Wenn Du weißt , dass das Sehzentrum betroffen ist, fördere ihn mit bunten Lichtern und vilene Sachen die außer Sehen auch andere Sinne ansprechen wie Fühlen, Hören , Das Gehirn ist besonders wenn man so jung ist noch sehr plastisch.
Die Basalganglien sind zentrale motorische Zentren, die wenn betroffen schwere motorische Probleme verursachen. Ich würde (falls Du es nicht schon )bist in ein SPZ Frühförderzentrum gehen und von Anfang an durch genauste Diagnose ihn optimal fördern lassen, Dadurch kann er viel kompensieren und Du verstehst von Anfang an ihn im Alltag auch zu fördern. Am besten erstmal KG nach Bobath , später eventuell Ergotherapie.
Lass Dich nict abwimmeln!

Ganz liebe Grüße und alles Gute für euch,

Regina mitz Silas und Siri

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Euch allen danke für die Antworten.
Ich weiss nicht so recht wohin mit meinem Anliegen, denn ich kann nicht wirklich einen Geburtsbericht schreiben (erstens weil die Entbindung zu kurz war für einen Bericht :-p, zweitens weil ich keine Schwangere erschrecken will mit dem was dann folgte), meint ihr ich kann die ganze "Geschichte" hier loswerden? "Im wirklichen Leben" begegnet man nicht wirklich ständig Menschen die ähnliches erlebt haben. Die meisten sind dann so bedrückt.
Muss das aber irgendwo lassen.

LG evoli

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Hallo evoli,kenne das Problem,mein Sohn musste auch nach der Geburt auf die Intensiv,mit Sauerstoffmangel,Schnappatmung und blauer Hautfarbe.Sein Apgar war auch nach 2Std. bei zwei. Beim Entlassungsgespräch bekam ich die Aussichten für sein weiteres Leben zu hören,lernt nie laufen,sprechen usw.,für immer behindert(ich war erst 17!). Ein Schock!
Aber ich habe immer an ihn geglaubt,habe mit ihm viel geturnt,um seine Motorik zu entwickeln,viel mit ihm geredet(keine Babysprache),ihn massiert und das zu einer Zeit,als so eine Diagnose letztlich mit einer Heimunterbringung geendet hätte(1974).Er hat Realschulabschluss,Lehre mit nem Einser bestanden und ist Vater von 4 Kindern.Nicht den Mut verlieren,ich wünsche dir viel Kraft und verliere nie den Mut,auch für deinen Sohn alles Gute,Lg.

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Es ist zwar sehr schön und ermutigend , dass Du mit Deinem Sohn eine so positive Erfahrung machen konntest.

Aber man darf nicht vergessen, dass da auch ein wenig Glück dabei war, das leider nciht alle haben

Wenn es gut läuft, dann ist es prima.
Aber es kann doch auch sein, man hat weniger Glück, und obwohl man alles menschenmögliche an Therapien den ganzen Tag durchführt, ständig spricht...
das Kind sich dennoch nciht so gut entwickelt..

Und dann macht man sich womöglich noch Vorwürfe, man hätte zu wenig getan, weil es bei anderen schließlich doch auch geklappt hat.

Natürlich wünsche ich Evoli und ihrem Sohn das beste, aber man kann das Schicksal leider nicht mit allen Mitteln bezwingen.

LG, leere

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Hallo,habe deine Antwort erst heute gelesen,deshalb auch jetzt erst eine Rückantwort.Ich nehme an,du hast ein Kind ,dass an den Folgen leidet.Ich wollte mich nicht als Klugredner darstellen,ich wollte mit meinem Beitrag lediglich ein bisschen Mut machen.Natürlich weiss auch ich,dass mein Sohn ein Glücksfall ist.Sicherlich macht man sich selber Vorwürfe,wenn man alles für sein Kind tut und es sich trotzdem nicht wie andere Kinder entwickelt.Ich wollte auch niemanden angreifen und ihm sagen,wenn du es so machst wird alles gut.
LG ab1112

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