Erste Geburt spontan bei 40+4 (ausführlich und überwiegend positiv)

Am 2.12. hatte ich ET, ich habe aber von Anfang an im Gefühl gehabt, dass mein Baby später kommt, vor allem auch weil mein selbst errechneter ET laut Eisprung erst am 6.12. war und mein Kleiner bei den Messungen immer ein paar Tage zurück war.

Am 5. war ich dann morgens noch zur Kontrolle bei der FÄ, auf dem CTG nur zwei kleine Wehen zu sehen, Muttermund zu, GBMH steht noch. Die FÄ ging nicht davon aus, dass es so bald losgeht. Also wieder heim und meine Weihnachtsplätzchen fertig gemacht, den Tag über immer mal Rückenschmerzen gehabt, aber nicht im Zusammenhang mit Kontraktionen.
Abends hatte ich wie immer Übungswehen, die aber dann irgendwann spät abends von anderen Rückenschmerzen begleitet wurden, das war neu. Irgendwann ließ ich mir ein warmes Bad ein, das tat gut bei den Rückenschmerzen, und die Kontraktionen kamen mal regelmäßig, dann wieder unregelmäßig...
Außerdem hatte ich riesen Hunger, bevor wir gegen 1 ins Bett gingen hab ich erstmal noch einen Reste-Teller vom Mittagessen gegessen.
Ich hab befürchtet, dass ich jetzt einfach einschlafe und am nächsten Morgen meine wehen verschwunden sind. Sie blieben aber die ganze Nacht über da, mal alle 5 Minuten, dann wieder alle 8 Minuten, dann hab ich wieder geschlafen usw.

Ab 4:30 Uhr morgens blieben sie bei allen 5 Minuten, schmerzhaft aber auszuhalten. Ich bin irgendwann aufgestanden, weil ich schon wieder Hunger hatte, und setzte mich mit Frühstück vor den Fernseher. Gegen 6:30 Uhr kroch ich nochmal ins Bett zu meinem Mann und sagte ihm, ich glaube wir müssen bald ins Krankenhaus. Ich war unerwartet entspannt und hatte es gar nicht eilig loszukommen. Ganz gemütlich ging mein Mann noch duschen und mit dem Hund raus, während ich die letzten Sachen in die Kliniktasche gepackt, Essensreste eingefroren und die Spülmaschine angemacht habe, dazwischen weiterhin Wehen.
Aus Neugier tastete ich einmal vorsichtig nach meinem Muttermund und stellte dabei den Abgang des schleimpfropfes fest. Habe mir eine Binde ins Höschen gelegt und bin wieder in die Küche, schon wieder was essen. Als wir dann gegen 8 Uhr endlich los wollten, spürte ich plötzlich was in die Binde laufen, nochmal zur Toilette, aber nicht sicher ob es Fruchtwasser oder Urin war.

Naja, endlich also los ins Krankenhaus und dort wurde erstmal CTG geschrieben. Regelmäßige Wehen, Blasensprung bestätigt, Muttermund noch zu. Ich wurde stationär aufgenommen und mein Mann durfte dann auf Station auch die ganze Zeit bei mir sein.
So verbrachten wir einige Stunden mit Warten auf dem Zimmer oder über den Gang spazierend, Wehen geschätzt alle 3-5 Minuten, immernoch ganz okay auszuhalten und zu veratmen, zwischendrin auch mal fiesere Wehen. Echt unangenehm war, dass ich immer wieder kleine Mengen Fruchtwasser verloren habe.

Um 14 Uhr nochmal CTG, die Wehen wurden währenddessen deutlich stärker und ich begann zu tönen, weil atmen nicht mehr so gut half.
Eine neue Hebamme kam zum Spätdienst und zeigte mir eine andere Atemtechnik, die ich von da an verwendete. 15 Uhr, Muttermund bei 3cm. Ich dachte nur, oh mein Gott das wird ja noch bis morgen dauern...
Die Hebamme bot mir ein Schmerzmittel via Infusion an, das ich dankend annahm. Weiß nicht ob das so eine gute Entscheidung war, mir wurde davon extrem schwindelig und ich fühlte mich wie betrunken, mit spazieren war nix mehr. Mein Mann und ich waren dann wieder auf dem Zimmer, erst wollte ich sitzen, dann liegen, irgendwann sind wir doch noch ein paar Schritte auf dem Gang gelaufen und ich ließ zu den Wehen mein Becken kreisen. Zurück ins Zimmer, wollte wieder sitzen, mein Mann hat mir den Rücken massiert. Ich schaute aufs Bett und wollte sooo gerne schlafen, aber dachte wenn ich mich jetzt hinlege, kann ich dieses Bett nicht mehr verlassen. Ich wollte nochmal zum Kreißsaal weil die schmerzen schlimm wurden und ich entschloss eine PDA zu wollen.

Laufen war nicht mehr möglich, mein Mann holte einen Rollstuhl für mich und brachte mich zum Kreißsaal, die Hebamme sah mir meine Schmerzen schon an und mein Mann durfte endlich mit rein. Ich platzte heraus, ob ich eine PDA haben kann, ein paar Sekunden später sagte ich, ich hab das Gefühl ich muss pressen. Da war es kurz nach 17 Uhr. Die Hebamme war noch ganz entspannt und meinte, wir schauen erstmal nach dem Muttermund, es wäre die Überraschung des Tages wenn es schon soweit wäre. Die war es dann tatsächlich, der Muttermund war komplett geöffnet und das Baby wollte nun raus. Hebamme schaltete um auf super ernst, erklärte mir, dass es zu spät für eine PDA ist und das Baby jetzt kommt. Zack da war eine Presswehe, ich war so überrumpelt, dass ich nur schreien konnte. In der Wehenpause erklärte mir die Hebamme was ich bei den Presswehen tun soll, ich verstand aber alles nicht so richtig und verschwendete noch zwei Stück, bis ich den Dreh raus hatte. Ich lag in Seitenlage und begann mein Baby rauszupressen. Die Wehenabstände wurden plötzlich wieder länger, deshalb bekam ich noch schnell einen Wehentropf, das Warten auf die nächste wehe erschien sonst endlos.
Nach drei produktiven Presswehen drehten sie mich in den Vierfüßlerstand, ich merkte dabei wie mein Baby in mir ein Stück zurück rutschte.
Die neue Position war angenehmer, ich konnte die Presswehen gut nutzen. Ich weiß nicht wie viele Wehen es brauchte aber als mein Baby um 17:42 Uhr herausflutschte, war das die größte Erleichterung, die ich je gespürt habe. Ich schaute unter mir durch und sah den kleinen dort liegen, putzmunter und wunderschön.

Mein Mann bekam ihn als erstes auf dem Arm und nachdem ich mich in eine Liegeposition gebracht hatte, wurde er mir auf die nackte Brust gelegt. Leider mussten noch meine Geburtsverletzungen behandelt werden, ein Dammriss 2. Grades, ein Scheidenriss und ein Labienriss. Das war nochmal echt unangenehm und dauerte eine ganze Weile.

Alles in allem fand ich, dass die Geburt erst schleppend losging, dann aber plötzlich richtig schnell Fahrt aufgenommen hat. Währenddessen dachte ich, ich stehe das nicht durch, die schmerzen sind natürlich schon echt heftig.
Auch wenn ich während der Geburt nicht daran geglaubt habe, konnte ich mich schon Stunden später lächelnd daran zurück erinnern und liebe es, von der Geburt zu erzählen und daran zu denken :) Deshalb kann ich jeder werdenden Mama nur sagen: Du hältst das aus! Und später wirst du stolz darauf sein, was du geleistet hast. Egal ob schnelle oder lange Geburt, Kaiserschnitt oder spontan, mit PDA oder ohne... Jede Mama leistet großartiges und schenkt ein Leben, dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich! :)

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Wow, herzlichen Glückwunsch erstmal und vielen Dank für deinen tollen Bericht!

Ich stehe aktuell (hoffentlich) auch kurz vor meiner ersten Geburt und bin total verunsichert. Einen Bericht wie deinen zu lesen und vor allem deine aufmunternden Worte zum Schluss, stimmen mich wirklich positiv! Danke dafür!

Ich wünsche dir und deiner Familie von Herzen alles Liebe

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Dankeschön und alles gute für die Geburt ☺️❤️

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Schöner Bericht 😊

Kannst du erklären was es für eine Atemtechnik war, die die Hebamme dir erklärt hat?

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Würde mich auch interessieren.

Habe mich nur auf die ruheatmung und die Wellenatmung konzentriert im. Moment. Bzw bin diese sagen wir mal am üben.

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Eigentlich nicht spektakulär, kurz und tief einatmen und dann mit spitzem Mund laaaange ausatmen. Kann sein dass ihr das eh so kennt :) im Geburtsvorbereitungskurs haben wir nur das Tönen auf A "gelernt"

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toller Geburtsbericht, danke 🤗

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