Holla die Waldfee- Geburt zu Coronazeiten

Heute mag ich auch mal meinen Bericht hier einstellen. Vorab: am Ende war alles gut- aber der Weg dahin war schon hart.
Am Morgen des 08.05 um genau 6.47 ist meine Fruchtblase geplatzt. Ich hab aus Zufall gerade auf die Uhr gesehen. Ab da war ich sehr aufgeregt. Endlich würde ich unser Mädchen kennenlernen. Auch hatte ich grossen Respekt vor den Schmerzen. Meine Mama hat mich vorab schon immer beruhigt und gemeint bei ihren 4 Geburten waren alle Kinder immer innerhalb von 2 Stunden und ohne grosse Schmerzen da. Na mal abwarten dacht ich mir.
Also Handy in die Kliniktasche, Inkontinenzdecke auf den Beifahrersitz und mit meinem Mann ab in die Klinik. Dort durfte ich rein zum untersuchen und fürs Zimmer- mein Mann musste wegen Corona draussen warten. Da wir weit weg wohnen von der Klinik hat er sich im Parkhaus ins Auto gesetzt.
Nach ein paar Stunden- CTG, Ultraschall, Antibiose ( bin ß- hämolysierende Streptokokken Gr. A positiv) und Blutentnahme etc konnte ich Mittags raus zu meinem Mann. Die Wehen waren da schon kräftig im Gange, aber gut auszuhalten. Dort sind wir ein paar Stunden in der Sonne durchs Wohngebiet gelaufen und haben leise Musik gehört und auf der Strasse dazu getanzt ( in den Wehenpausen wohlgemerkt)
Dann wieder zurück in die Klinik- die nächste Antibiose war fällig. Und obwohl ich schon richtig arge Wehen hatte wollte mir die Ärztin ständig ein wehenfördernden Coctail andrehen ( mit Sekt - na toll 🙄). Hab dankend abgelehnt.
Musste dann leider erstmal im Zimmer warten ( angeblich auf CTG- das wurde aber nie gemacht). Bin dann irgendwann wieder raus zu meinem Mann. Weil ob ich nun ganz alleine in meinem Zimmer vor mich hin wehe oder draussen zusammen meinem Mann als Unterstützung die Schmerzen ertrage ist schon nochmal ein Unterschied.
Wir haben wirklich Kilometer gemacht. Vor der Klinik war ein grosser Friedhof. Wegen der Hitze sind wir dort im Schatten der Bäume lange unterwegs gewesen.
Nach einigen Stunden musste ich zurück in die Klinik- die nächste Antibiose war fällig.
Dort sollte ich im Zimmer bleiben. Die Wehen kamen von Beginn an im 2 Minuten Takt- anfangs 20 Sekunden lang, später 40 Sekunden lang.
Die Schmerzen waren schlimm, aber gut auszuhalten. Unser Geburtsvorbereitungskurs war ein paar Wochen zuvor abgesagt worden.
Schliesslich kam ne Schwester ins Zimmer mit dem Wehencoctail. Aussage: Damit es bei ihnen endlich mal losgeht mit den Wehen.
Dabei kamen die schon seit Stunden regelmässig im Zweiminutentakt. Hat dort nur keinen interessiert. 😅
Nachdem sie mich am CTG hatte kam ich dann glücklicherweise nach ca 12 Stunden in den Kreissaal. Und von da an durfte auch endlich mein Mann zu mir.
Der hatte sich mittlerweile im Parkhaus häuslich eingerichtet. 😂
So gegen 21 Uhr Abends fand die erste vaginale Untersuchung statt. Nur 2 cm offener Muttermund. Nach 15 Stunden Wehen. Na gz.
Hab dann alles im Kreissaal ausprobiert, Bälle, Tücher, komische Hocker etc. Langsam war es echt mega schmerzhaft. Hab laut rumgestöhnt bei jeder Wehe.
Schliesslich hab ich mich für die warme Badewanne entschieden. Das war himmlisch. Wehen waren weniger und gut auszuhalten. Also hab ich zwei Stunden in der Wanne vor mich hingeköchelt. Dann kam die Schwester hat Fieber gemessen. 38 Grad- ich müsse aus der Wanne raus, da Vorschrift bei Fieber und so. Dabei war mir einfach nur warm vom Badewasser.
Hatte auch grosse Bedenken, weil ich Angst davor hatte, dass es stärker als vorher weitergehen würde. Leider war es ab da nicht mehr wirklich lustig. Beim Rauskommen aus der Wanne hab ich nen Wehensturm bekommen und vor Schmerzen schwallartig mehrfach In die leere Wanne erbrochen. Zitat Mann nach der Geburt : Hab noch nie jemand so im Strahl kotzen sehen.
Hatte Zum Glück nix ausser Wasser im Magen. Mein Puls war leider durch das Erbrechen auf 170 hoch, der vom Baby sogar über 200.
Der Hebamme war das mittlerweile auch suspekt. Also kam die Ärztin. Die hat mir erklärt, dass ich eine Schwangerschaftsvergiftung habe ( Fieber, hoher Puls) und jetzt ein Kaiserschnitt oder Wehenfördernde Mittel notwendig seien. Obwohl beim nachmessen meine Temperatur rasch wieder bei 37,3 Grad war ( die war ja nur wegen dem Bad erhöht) und nach dem Kotzen die Pulskurven von uns beiden rasch wieder normal wurden liess sich die Ärztin nicht mehr beirren. Ich sei schuld, wenn meine Tochter jetzt eine Sepsis kriegen würde- es müsse was gemacht werden. Nach hin und her habe ich mich schliesslich zur PDA breitschlagen lassen. Mir war nämlich klar, dass dann die Wehen wahrscheinlich zurück gehen würden und ich Oxytocin ( ein wehenförderndes Mittel) brauchen würde. Das wollte ich eigentlich vermeiden, denn Babymädchen hat ja auch eine Gebärmutter - und diese wird ebenfalls stimuliert. D.h. mein süsses Baby soll im Mutterleib zusätzlich zum Geburtsschmerz auch selbst Wehen kriegen?!
Leider war es wie vermutet: PDA lag, Wehen und Schmerzen waren weg. Nach Diskussionen mit der Ärztin Hab ich schliesslich ner ganz geringen Oxy Dosis zugestimmt. Ständig wurde mit mit Kaiserschnitt gedroht und mir Angst gemacht. Zum Glück war mein Mann immer an meiner Seite und hat meine Interessen vertreten. Bis um 5 Morgens war der Muttermund dann auch bei 10 cm.
Dann kam die Austreibungsphase. Das war wirklich das Schmerzhafteste für mich. Als es losging kam wieder die Ärztin und meinte sie würde schonmal die Saugglocke holen. Zum Glück haben sie die Hebammen ignoriert und mir genaue Anweisungen gegeben, wann ich drücken sollte und mich mega angefeuert. Hab so laut geschrien, dass man es am Ende der Stadt sicher noch gehört hat. Aber es ging wirklich schnell. 10 Wehen und die Kleine war da.
Habe schon oft gelesen, dass man sich erst mal an das kleine Baby gewöhnen musste und am Anfang gar kein Glücksgefühl da sei. Das war zum Glück bei uns anders. Von dem Zeitpunkt an dem sie auf meiner Brust lag war alles gut. Ich war so verliebt in die Kleine ( und bin es noch). Mich haben echt die Endorphine geflutet. Es war einfach alles perfekt!
Wollte direkt danach heim. Man hat uns allerdings nicht gelassen. Man müsse die 72 Stunden Überwachung einhalten sonst könne es sein, dass die Kleine mit ner Vergiftung innerhalb weniger Stunden tot sei.
Hab dann Stunden lang geheult- wegen der Hormone und weil man als frischgebackene Mama so Angst hat, dass was mit dem Baby ist.
Bin die Zeit also aus Angst und für meine kleine Babymaus im KH geblieben. Mit den die ganze Nacht schreienden Babys der anderen Mamas. Keine 5 Minuten Ruhe im Zimmer. Die ganze Nacht Festtagsbeleuchtung. Kurzum: Es war stressig. Und nach drei Tagen durften wir endlich heim. Die eine Schwester meinte es sei letztlich nur wegen der Abrechnung gewesen, dass wir bleiben mussten. Nunja. Egal. Bin so froh, dass wir beide gesund sind und alles gut ging!
Fazit: Niemand hätte mich darauf vorbereiten können wie es war. Das Ergebnis ist alle Mühe wert!

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Liebe soval.

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt euer Tochter 🥰. Dein Partner und du, ihr seid ein tolles Team, finde ich. Nun könnt ihr eure zauberhafte Maus in den Armen halten und ausgiebig kuscheln.

Wenn ich lese, was in der Klinik abgeht, fehlen mir ehrlich gesagt die Worte. Solche Menschen 😈 und stumpfen Handhabungen braucht kein Mensch 👎.


Alles Liebe

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Wo hast du entbunden #kratz ? Hört sich ja nicht gut an. Aber zu den 3 Tagen kann ich nur sagen, das es in anderen Kliniken auch so ist, das sie das Kind beobachten wollen. Und das ist auch gut, denn ich hab schon mitbekommen was passieren kann, wenn das Kind auch eine Infektion bekommt. Aber am Ende, kannst du natürlich auch immer gegen ärztlichen Rat heim gehen....

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du und dein mann klingt wie ein tolles team.

ich bekomme abe rimmer mehr angst vor der geburt.... gibt es irgendwo ein kh, was auf eine mama hört und was iwie gut ist?

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