Geburtsbericht eines Vaters...

Hier mal ein etwas anderer Geburtsbericht, da aus der Sicht eines Vaters geschrieben.

Bereits den ganzen Samstag, stärker dann am Sonntag hatte meine Frau Beschwerden, die sie mit den Worten "wie starke Menstruationsbeschwerden" beschrieb. Na prima, da weiss ich ja gleich bescheid. Nun gut, sie meinte Wehen sind es wohl nicht, eher durchgängige Schmerzen. Gut, dann weiter im Programm.
Sie ging auch in letzter Zeit schon immer etwas später zu Bett, falls sie doch mal früher ins Bett geht, schlief sie schlecht. Kein Wunder, wenn man im Mutterschutz bis in die Puppen schlafen kann.
Jedenfalls habe ich mich kurz vor 23.00 uhr hingelegt, sie eine Stunde später. Allerdings ist sie bereits gegen 01.00 Uhr wegen sich verstärkender Schmerzen wieder aufgestanden und hat mich dann um 02.00 uhr auch geweckt. wir haben dann noch ein wenig TV geschaut, sind spazieren gegangen (irgendwie ist nachts um 3 alles so schön ruhig) und da die Schwerzen zwar unregelmäßig, aber doch wehenhaft kamen, sind wir um 04.00 Uhr ins Krankenhaus gefahren, nicht ohne die Befürchtung gleich wieder heimgeschickt zu werden.
Dort erstmal CTG und Untersuchung, Muttermund ist bereits 3cm geöffnet, es geht also doch wohl irgendwann los. Wir machen noch einen weiteren nächtlichen Spaziergang über das Klinikgelände, dann wieder CTG. Da der letze Ultraschall schon ein bisschen her ist, wird auch noch ein Ultraschall gemacht. Um 06.00 Uhr endet die Nachtschicht und die Hebemma der Frühschicht stellt sich zusammen mit einer Praktikantin vor. Die beiden werden uns von nun an durch die Geburt begleiten. Da sich die werdenden Väter selbst versorgen müssen, gehe ich kurz nach 07.00 uhr erstmal zum Krankenhausbistro frühstücken.
Meine Frau klagt zusätzlich zu den Wehen nun auch über Rückenschmerzen und möchte gerne in die Wanne. Auch das wird gemacht, die Wehen werden nicht weniger. So gegen 09.00 uhr beziehen wir dann den Kreißsaal. Da wir (noch) die einzigen "Gäste" sind, suchen wir uns den größten mit dem Ausblick auf die schwäbische Alb aus. Dort immer das gleiche:
CTG schreiben, dann wieder so ein bisschen bewegen, meist steht meine Frau am Fußende des Bettes, hält sich dort fest und veratmet die Wehen. Zwischen den Wehen massiere ich ihr ab und zu den verspannten unteren Rücken.
Ebenfalls zwischen dne Wehen erklärt die Ärztin, dass unser Kind sehr groß wird und meine Frau ja eher klein ist. Daher muss sie uns einen Kaiserschnitt anbieten. Wir haben aber ein gutes GEfühl und bleiben beim Versuch einer spontanen Geburt. Die Hebamme bestärkt uns, nicht ohne den Hinweis, bei etwaiigen Problemen schnell zur Sectio wechseln zu wollen.
Die Wehen werden immer stärker, dann wieder CTG und Untersuchung usw. Bei jeder Untersuchung überschlägt sich die Hebamme fast vor Freude, der Muttermund öffnet sich schön und gegen 1200 klagt meine Frau über großen Druck "da unten". Die Hebamme meint, das wäre die Fruchtblase, und die würde wohl bald platzen.
Kaum hatte sie das ausgesprochen, platzte die Fruchtblase tatsächlich und die Hebamme stand genau im Strahl. Das grüne Fruchtwasser spritzte 3 Meter durch den Raum, die Hebamme musst edie Hose wechseln und die Praktikanten musste den ganzen Raum wischen, damit niemand auf dem grünen Fruchtwasser ausrutscht.
Ein paar Infusionen helfen meiner Frau ihren Kreislauf stabil zu halten. Bei der mittlerweile erreichten Lautstärke meiner Frau überlege ich, ob Hebammen nicht eigentlich mit Gehörschutz arbeiten müssten. Dann irgendwann geht alles recht schnell. die Austreibungsphase mit den Presswehen dauert nur kurz und schon wölbt sich das Köpfchen am Ausgang.
Was jetzt kommt, kann ich als Beteiligter kaum in Worte fassen. Es ist ein echtes Wunder.
Meine kleine Levke, 4045 Gramm, 52cm lag, kommt zur Welt. Meine Frau nimmt sofort das Kind zu sich und es ist ein Anblick, der mich umhaut. Das Baby schreit nicht, es äußert es paar Laute und schmiegt sich an seine Mutter. Ich schneide die Nabenschnur durch (sie ist fester als erwartet) und das Glück ist für jeden im Raum spürbar. Die Ärzitin kümmert sich um das Nabelschnurblut, das wir an die DKMS spenden. Nach nur kurzer Zeit legt sie es das erste Mal an und stillt.
Danach nehme ich auch ich meine Tochter das erste Mal, halte sie und bin sofort verliebt.
Es folgen noch die üblichen Routinen, es wird gemessen, gewogen, genäht.
Aber all das zählt kaum noch. Es zählt nur noch das Baby.
Hebamme, Praktikantin und Ärztin räumen auf und besorgen ein Bett für meine Frau. Der Kreißsaal muss gereinigt und für die nächsten Gebärenden bereitgestellt werden.
Wir kommen auf die Wöchnerinenstation, meine Frau bekommt ein Abendessen und ich merke, dass ich vor Hunger fast umfalle. Ich verlasse also schweren Herzens meine Familie und inhaliere das Buffet beim Chinarestaurant. Zurück bei Frau und Kind nehme ich meine Tochter und sie schläft erschöpft in meinen Armen. Ich binglücklich un fast ebenso müde wie Frau und Tochter. Ich fahre heim und bin zu aufgeregt, um ins Bett zu gehen. Also gucke ich etwas Fernsehen, und schlafe binnen kurzer Zeit vor dem Fernseher ein.

Mein großer Dank für diesen Tag gilt natürlich meiner Frau, die die ganzen Schmerzen auf sich genommen hat und mir das größte Glück meines Lebens geschenkt.
Und natürlich auch der Hebamme, denn die hat uns so wunderbar durch diesen Tag geführt, eine Souveränität ausgestrahlt und die Sicherheit gegeben, die wir so dringend gebraucht haben.

Machen wir uns nichts vor, Männer:
Die Geburt ist eine Sache von Frau, Hebamme und evtl. noch Ärztin. Wir haben das große Glück, dabei sein zu dürfen, wir können unsere Frauen unterstützen und ihnen Ruhe und Zuversicht geben, hin und wieder auch praktische Unterstützung, wir leiden mit ihnen und sollten aufpassen nicht allzusehr zu nerven. Dann passt das schon.

Es war einer der schönsten und intensivsten Tage meines Lebens.

1

Danke für diesen schönen und emotionalen Bericht! Alles gute eurer kleinen Familie und eine schöne Kennenlern-Zeit :-D

2

Vielen Dank für diesen tollen und emotionalen Bericht. Ganz viel Spaß mit deiner Familie wünsche ich dir.

3

Wow!

Vielen dank für diesen wunderschön geschriebenen Bericht!

Ich wünsche euch eine tolle kennenlern Zeit und alles gute für die Zukunft!

4

Schööööööööön! #herzlich

5

Danke für diesen so schönen bericht... hab richtig Tränen in dem augen!!! Es ist schön zu lesen dass auch unsere Männer dieses unheimliche Glück verspüren!!!!

6

Danke, für deinen Bericht. Ich schwanke noch, ob ich meinen Mann mit in den Kreissaal nehmen will. Deine Erfahrung spricht eindeutig dafür. ;-)

Alles Gute euch.

7

Herzlichen Glückwunsch zur geburt eurer Tochter

ein sehr schöner Geburtsbericht hab tränchen in den augen..

wünsche euch alles glück der welt

8

Da geht mir das Herzle uff #verliebt

Sehr schöner Geburtsbericht, vielen Dank dafür!!

Dir, deiner Frau und dem kleinen Erdenbürger alles Gute!

LG obscuritas

9

Sehr schöner Bericht,
Danke dafür! :-)

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