Geburt unserer Turboschnecke - 35 Minuten zum Glück

Hallo ihr Lieben!

Ich habe während der Schwangerschaft sehr gerne die vielen Geburtsberichte gelesen und war immer fasziniert, wie unterschiedlich die Geburten doch sein können.

Auch jetzt nach der Geburt meiner Tochter, schaue ich hier gerne vorbei und lese interessiert die Berichte über die verschiedensten Geburten, denn selbst an meiner Geburtserfahrung konnte ich 'erleben' wie unterschiedlich diese sind.

Nun mal zu mir:

Nach über zwei Jahren unerfüllten Kinderwunsch, verschiedensten Diagnosen die diesen nicht erfüllbar machten, sind wir in einer Kinderwunschklinik gleich beim ersten Versuch schwanger geworden. Die Freude war natürlich riesig. Den positiven Test hielten wir am 16.Dezember letzten Jahre in den Händen. Unser Würmchen sahen wir dann auch noch in selben Jahr auf dem Ultraschall mit dem Kommentar vom Arzt:“Sie sind richtig schön Schwanger!“

ET war der 24.08.2013

Die Schwangerschaft lief bis auf die üblichen Weh-Weh-chen recht komplikationslos. Mein Blutdruck war zwar verhältnismäßig leicht erhöht, blieb aber die gesamte Schwangerschaft über im selben Rahmen.

Ich war seit Anfang April im Beschäftigungsverbot Zuhause, da der Ischias durch die Arbeit immer schlimmer wurde und ich auch irgendwie nervlich recht angeschlagen war. Aber ab da wurde alles wirklich bestens.

Unsere Maus entwickelte sich immer 'Norm'-gerecht und wir freuten uns immer mehr auf sie.

Bei den letzten Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt wurde uns immer gesagt, dass sie schon recht groß und schwer sein wird. Auch bei der Vorstellung im Krankenhaus wurde uns das bestätigt und uns wurde der große Zuckertest nahe gelegt, aber keine Anzeichen auf Schwangerschaftsdiabetes.

Bis zum errechneten Termin tat sich gleich mal gar nichts, wir waren am 22.08. nochmal zur Kontrolle bei der Frauenärztin und da diese ab dann zwei Wochen im Urlaub war, wurde wir gleich zur Kontrolle alle zwei Tage ins Krankenhaus geschickt. Ich hatte immer mal wieder ein paar leichte Vorwehen, aber immer sehr unterschiedlich, fast nie in einem Rhythmus.

Leider wanderte mein Blutdruck alle zwei Tage immer ein wenig weiter hinauf. Mein Mann machte sich schon Sorgen um uns Zwei und drängte schon leicht zur Einleitung. Ich wollte immer noch warten, solange es mir an sich noch gut ging, warum sollten wir uns in die Natur einmischen.
Leider waren dann auch die Vorwehen wie weggeblasen und wir wurden immer ein wenig deprimierter, da der Befund die ganze Woche über der Selbe war.

Am 30.08. waren wir wieder zur Kontrolle und da verabschiedete sich der Arzt von mir und sagte noch, dass wir uns wieder in zwei Tagen sehen. Es wurde noch Blutdruck gemessen. Die Arzthelferin sagte noch so schön: „Falls der zweite Wert über 110 geht, sollte man doch mal handeln.“ Natürlich war dieser prompt bei 110 (165/110). Sie holte nochmal den Arzt rein, damit wir die weitere Vorgehensweise besprechen konnten.

Er schickte uns wieder heim, sollten den Blutdruck zuhause aber weiter im Auge behalten. Er versprach uns aber, dass wir jederzeit kommen könnten, falls es uns doch zu riskant wurde. So sind wir wieder nach Hause gefahren.

Am nächsten Früh, Samstag 31.08., war der Blutdruck weiterhin bei 165/110 und wir entschieden uns doch dazu ins Krankenhaus zu fahren. Meinem Mann war die Lage einfach doch zu riskant. Wir also meine Taschen ins Auto verfrachtet, ich hab mich nochmal von unseren Hunden#hund verabschiedet und verließ das Haus noch ein letztes mal mit Baby im Bauch.

Im Krankenhaus wurden wir direkt wieder vom Arzt vom Vortag begrüßt, wurden gleich aufgenommen und bekamen ein Zimmer zugewiesen. Es wurde gleich mit einer engmaschigen Blutdruckkontrolle begonnen. Dieser war nun schon bei 170/110. Es gab dann noch Mittagessen, dann wurde wieder gemessen (165/107).
Um 13 Uhr sind wir dann zur Untersuchung ins Arztzimmer gegangen. Befund vom Muttermund war weiterhin unverändert, beim Ultraschall war aber alles wieder top in Ordnung. Wir besprachen wie es nun weitergehen sollte. Da ich eigentlich schon versuchen wollte natürlich zu entbinden, wurde der Kaiserschnitt erst einmal ausgeschlossen. So bekam ich um 13.30 die erste ¼ Tablette (Cytotec) zum Einleiten und wurde kurz darauf ans CTG gehangen.

Ich muss gleich sagen, dass ich echt froh war, dass dieses auf meinem Zimmer geschrieben wurde und ich nicht, so wie ich es hier oft lese, immer in den Kreißsaal musste. Es wurde wieder Blutdruck gemessen, dieser war weiterhin unverändert.

Gegen 17 Uhr sind mein Mann und ich eine Runde durchs Krankenhaus und den kleinen Park gelaufen. Die ganze Zeit im Zimmer hocken macht doch ein wenig depri. Um 18.00 gab es dann Abendessen und danach wurde wieder CTG geschrieben. Es waren endlich leichte Wehen die aufgezeichnet wurden, aber diese bemerkte ich eigentlich nur wirklich weil ich am CTG sehen konnte, dass das eine Wehe ist.

Es wurde an diesen Tag keine weiter Tablette mehr gegeben, sie wollten die Nacht abwarten, ob sich vielleicht von alleine was tut. Mein Mann und ich sind dann nochmal bis 20 Uhr spazieren gewesen und um halb neun hat er sich dann von mir verabschiedet. Kurz vor 22 Uhr kam dann noch einmal eine Schwester und hat Blutdruck gemessen. Dieser war bei erschreckenden 198/107. Sie wollte mal mit dem Arzt Rücksprache halten. Eine dreiviertel Stunde später kam sie, maß wieder und da ist wieder runter auf 171/97.

Um 6.45 wurde ich am nächsten Tag, Sonntag 01.09., wach. Die Nacht war irgendwie komisch. Hatte zwar geschlafen, war aber immer wieder mal wach und hab im leichten Dämmerschlaf immer wieder mal ein Ziehen im Rücken bemerkt. Um 7.15 gab es Frühstück und danach wurde wieder ein CTG geschrieben. Währenddessen kam auch mein Mann wieder zu mir.

Um 9 Uhr sind wir zum Arztzimmer geschickt worden und ich wurde wieder untersucht. Muttermund war nur ein wenig weiter aufgegangen, hat sich aber nicht wirklich verändert. Wir wurden vor die Entscheidung gestellt, ob wir einen Kaiserschnitt machen wollen oder doch lieber nochmal mit den Einleitungs-Tabletten probieren wollten. Der Wunsch zur natürlich Geburt bestand natürlich weiterhin, dennoch war die Entscheidung schwer, ich hatte auch keine Lust mich tagelang hinzuhalten. Dennoch entschieden wir uns es heute nochmal mit einer weiteren Tablette zu probieren.

Wäre der Muttermund nicht dieses bisschen weiter aufgegangen, hätte der Arzt definitiv zum Kaiserschnitt geraten.

So bekam ich eine weitere viertel Tablette und kurz darauf wurde ich wieder ans CTG angeschlossen. Es war zwar gleich von vornherein ein Wehenausschlag zu sehen, aber gefühlsmäßig das Selbe wie vom Vortag. Am Anfang waren die Mini-Ausschläge auch gleichmäßig, aber je länger da CTG aufzeichnete, desto ungleichmäßiger und schwächer wurden diese auch.

Um 11 Uhr wurde das CTG wieder abgemacht, mein Mann bat die Schwester um einen ehrlichen Kommentar zum CTG und sie machte nur eine Weg-werf-Bewegung über die Schulter – also quasi konnte man das CTG in die Tonne treten. Sie wollte der diensthabenden Ärztin Bescheid geben und sie wird dann zu uns auf Zimmer kommen um zu besprechen wie es weitergehen sollte.

Wir waren dermaßen niedergeschlagen...und wussten schon, es läuft jetzt doch auf einen Kaiserschnitt hinaus. Ich sagte noch zu meinem Mann: „Ich will endlich mal, dass einer ordentlich auf den Tisch haut und sagt, SO MACHEN WIR DAS!“ (Das tat dann auch wer =) )
Ich musste mir noch einmal ein wenig die Beine vertreten und so sind wir ein wenig über die Station gelaufen. (Wir sollten auf der Station bleiben, da ja die Ärztin eigentlich noch zu kommen wollte... eigentlich....)

Wieder zurück auf meinem Zimmer wollte ich gerade etwas in meinen Schrank tun, da sagte mein Mann, ich solle im doch die Cola aus der Kreißsaal-Tasche mitbringen. Gesagt, getan, ich gehe in die Hocke und es macht irgendwie komisch 'KNACK' in meinem Bauch kurz darauf macht es auch gleich 'Klick' in meinem Kopf ? Die Fruchtblase ? !! Da war es 11.30.
„Du Schatz, mir ist gerade die Fruchtblase geplatzt!“ Er natürlich sofort die Schwestern gerufen und ich wurde direkt ans CTG gelegt.

Jetzt wurde es turbolent und unsere kleine Maus haute kräftig auf den Tisch und nahm uns eine Entscheidung ab!

Um 11.45 setzten direkt starke Wehen ein, die ich sofort veratmen musste und jede Wehe wurde immer stärker. Die Hebamme schaute noch kurz rein, fragte ob sie jetzt untersuchen soll oder erst später sie muss noch schnell in den OP, da steht ein Kaiserschnitt an. Sie untersuchte meinen Muttermund, welcher schon bei 4 cm war. Und verordnete mir gleich einen Buscopan-Tropf. Bis dieser hing, hatte er gar keine Zeit zu wirken.

Um 12.05 wurden die Wehen echt heftig. Trotz heftigsten Wehen dachte ich natürlich an die Kamera, die mein Mann dann aus der Tasche holte. Er war echt toll, atmete mit mir in den Wehen. Er sollte das CTG im Auge behalten und die Herztöne unserer Schnecke beobachten. Ja, die waren aufeinmal richtig weg. Er rief die Schwester. Bei Wehen kommt einem das echt EWIG vor, bis da einer kommt.

Es kamen zwei Schwestern, sie schauten kurz, darauf fragte die eine, ob ich ein starkes Druckgefühl nach unten hatte. Da ich dies bejate, rief sie direkt im Kreißsaal an, sie sagt, „Okay, dann kommen wir direkt!“ und ich bin im Eiltempo in den Kreißsaal geschoben worden. In diesen Momenten dachten mein Mann und ich, jetzt geht es in den OP! Aber dem war nicht so.

Beim Kreißsaal mussten wir noch kurz davor warten. Davor war ja noch der Kaiserschnitt gewesen und die Hebamme versorgte da noch das Baby. Mir wurde noch schnell mein Oberteil und BH ausgezogen und ich bekam so ein schickes Krankenhaus-Hemdchen an. Aber in solche einem Moment ist einem alles egal.
Ich wurde in den Kreißsaal geschoben, musste unter einer weiteren starken Wehe von meinem Bett aufs Kreißbett krabbeln. Die Hebamme brauchte gar nicht groß schauen, richtete im Eiltempo alles her, jagte die Schwester die mit dabei war durch den Kreißsaal, um die entsprechenden Sachen zu holen. Muttermund war komplett offen, 6 cm in 20 Minuten. Die Hebamme legte schnell die Elektrode am Kopf unserer Maus an und dann hieß es schon pressen. Mit den Armen die Beine anziehen und schon war der Kopf da. Die Hebamme ermutigte mich, dass man schon viele schwarze Haare sah, mein Mann war auch schon am heulen ;)

Die sich die Kleine scheinbar mit den Schultern ein wenig verkeilt hatte, wurden meine Beine kurz ausgestreckt und schnell wieder angezogen und dann nach zwei weiteren Presswehen und nicht mal 10 Minuten im Kreißsaal war unsere Schnecke um 12.22 auf der Welt. Der Papa und die Krankenschwester waren beide am heulen. Ich war einfach nur fasziniert von diesem Wunder. #verliebt

Ihre Traummaße:
3970 g – 52 cm – 36 KU

Trotz dieser rasanten Geburt, habe ich bis auf eine kleine Schürfwunde keinerlei Geburtsverletzungen davon getragen.

Achja, der Chefarzt kam viiiiel zu spät in den Kreißsaal. Er kam mit einem Elan herein und schaute nur fragend übers Bett („Wie das Baby ist schon da?“) Später meinte die Hebamme, er hat geschaut wie ein Auto. Dafür hat er die U1 bei ihr gemacht. Als dann später noch die andere Ärztin kam (kam gerade aus dem OP, hatten den Kaiserschnitt davor gemacht), musste diese sich erst mal setzten, so geschockt war sie, dass wir schon entbunden haben.

Wir waren dann natürlich DER Gesprächsstoff auf der Station und bei den anderen Patienten. Von der ersten Wehe bis zur Geburt gerade mal 35 Minuten.
Daher hat unsere Maus jetzt auch ihren Spitznamen 'Turboschnecke'. Erst lässt sie sich 8 Tage übern ET Zeit und dann kann sie nicht schnell genug auf die Welt kommen.

Die erste Nacht haben wir zusammen zu dritt im Zimmer gut verbracht. Der frischgebackene Papa war fast fertiger wie ich, zumindest hat er Nachts geschlafen wie ein Stein, war nicht aufzuwecken.

Glückwunsch allen, die es bis hierhin geschafft haben =)

Lieben Gruß
Maria mit Lara Sophie (6 ½ Wochen #baby) im Arm.

1

Toller Bericht, so schnell wünscht man sich das! ;-)
Ist es dein erstes Kind?

Und die 35min... Vergingen die für dich gefühlt auch schnell, oder zog sich das hin für dich?

Danke nochmal! #herzlich #liebdrueck

2

Ja ist mein 1. Kind. Möchte dann nicht wissen wie schnell es beim 2. geht ;)

Für uns beide ging es extrem schnell, gefühlt war es fast noch weniger, da wir von allem so überrumpelt wurden.

3

Herzlichen Glückwunsch und eine wundervolle Zeit mit eurer Turboschnecke.

Bei uns war es ähnlich: Geburt wurde eingeleitet, 20:30 Uhr platzte die Fruchtblase, sofort heftige Wehen, 1:47 Std später war sie da, 4cm MuMu in 10 min. War auch meine erste Geburt:)

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