Bericht einer Frühchengeburt 31.SSW

Donnerstag 16.8.2012
Ich habe dauerhaftes Unterleibsziehen, was ich auch schon seit einer Woche immer mal wieder habe.

Es fühlt sich so an als ob meine Tage kommen. Dazu kommt eine leichte Blutung, SSW 28+2 laut Frauenarzt.

Ich fahre in die Uniklinik in den Kreissaal, der GMH hat 4 cm, keine Wehen auf dem CTG, beim Ultraschall stellt sich heraus, dass unser Sohn schon 29+4 ist, 1400g schwer.

Alles ok, ab nach Hause.

Freitag 17.08.2012
Freitagmorgen starke Blutung und immer noch dieses komische Ziehen.

Wieder in die Uniklinik, alles gut, keine Wehen auf dem CTG. Keine Ursache für Blutung gefunden.

Ich fahre wieder nach Hause.

Samstag 18.08.2012
In der Nacht zu Samstag konnte ich vor lauter Unterleibsziehen nicht schlafen, tagsüber sind wir auf einer Hochzeit, müssen dann aber früher weg, weil es mir nicht gut geht.

Es ist ein sehr heißer Tag, vielleicht war es einfach zu anstrengend.

Ich lege mich zu Hause etwas auf die Couch.
Um 22 Uhr sind wir dann wieder in die Uniklinik, weil ich vor Schmerzen kaum liegen konnte.

Dort wird wieder ein CTG gemacht, keine Wehen, alles gut, keine Ahnung woher die Schmerzen kommen.

Aber es wird noch mal kurz nach dem GMH geschaut, rein routinemäßig, aber der ist bestimmt ok, der war ja vorgestern noch 4cm. Tja, es stellt sich heraus, dass er nur noch 1cm lang ist.
Sofortige Aufnahme in die Uniklinik wegen drohender Frühgeburt, weil aber alles voll ist, werde ich auf die Gynäkologie gelegt.

Tokolyse wird angeschlossen und mir wird die erste Lungenreifespritze gesetzt.

Es stellt sich heraus, dass meine Entzündungswerte bei 41 liegen (normal wäre unter 5), ich bekomme Antibiose, die Tokolyse wird ausgestellt, Wehen sollen nicht mehr aufgehalten werden, da ich irgendeine Infektion habe, die den Zwerg wohl auf den Weg schickt.

Eine Infektion kann für ihn gefährlich werden. Ich habe eine riesen Angst.

Um 4 Uhr morgens sitzt der Kinderarzt neben meinem Bett und klärt mich darüber auf, was passiert, wenn er jetzt kommen sollte.

Ich bin fix und fertig, du sollst doch noch ein paar Wochen drin bleiben.

Sonntag 19.08./Montag 20.08.2012
Sonntag und Montag werde ich für das CTG in den Kreissaal gebracht, keine Wehen zu sehen.

Unterleibsschmerzen kommen und gehen, aber unregelmäßig und nicht sehr schmerzhaft, GMH ist auf 2cm.

Weiter Antibiose und Lungenreife.

Ich spüre so einen komischen Druck nach unten.
Hoffentlich schaffen wir die 48 Stunden Lungenreife, irgendwie habe ich es im Gefühl, das du bald kommst.

Dienstag 21.08.2012
Der Dienstag beginnt mit regelmäßigen Unterleibsschmerzen im Abstand von 6 min und Blutverlust.

Wieder CTG im Kreissaal, keine Wehen, GMH 2cm.

Ich werde wieder aufs Zimmer geschickt. Der Druck nach unten wird stärker, ich merke ihn beim Gehen.
Die Schmerzen werden stärker, fühlen sich anders an. Irgendwie habe ich das Gefühl, das mir niemand so richtig glaubt, dass ich Schmerzen habe.
Um 17 Uhr wird der Abstand der Schmerzen immer kürzer, alle 3 min, ich werde wieder in den Kreissaal gebracht, mittlerweile bleibt mir während der Schmerzen richtig die Luft weg.

Wieder CTG, alles gut, keine Wehen, die Schmerzen müssen woanders her kommen, vielleicht von meiner Harnwegsinfektion meint die Hebamme.

Ich denke aber, dass das Wehen sind. Der Druck wird immer stärker, ich habe dauerhaft das Gefühl, auf Toilette zu müssen.
Mittlerweile ist es 18.15 Uhr.

Zur Sicherheit, bevor ich wieder auf Station geschickt werde, wird noch mal kurz untersucht, dabei stellt sich heraus, das der Muttermund bereits 4 cm geöffnet.
Die Geburt ist nicht mehr aufzuhalten.

Übrigends immer noch keine Wehe auf CTG.

Ich rufe den Papa an, der um 19 Uhr da ist, da liege ich bereits im Kreissaal.

Die Wehen, ja, es sind Wehen (!), kommen nun fast ohne Pause. Ich muss heftig atmen um das ganze auszuhalten.

Dem Papa drücke ich während jeder Wehe fest die Hände. Er hat Angst, das ich vom Bett falle, weil ich so fest zu seiner Seite drücke.
Die Schmerzen werden unerträglich, ich bekomme einen Schmerztropf, aber die Schmerzen sind unverändert stark. Aber dafür sehe ich schöne Bilder, wenn ich die Augen schließe! Für eine PDA ist es zu spät.
Zwischen den Wehen ist kaum mehr Pause, ich nehme nichts mehr um mich herum wahr.

Um 20 Uhr ist der Muttermund offen, die Fruchtblase platzt und ich soll plötzlich pressen. Eigentlich weiß ich nicht so recht, was ich machen soll, die Hebamme gibt mir genaue Anweisungen, ich soll feste drücken, meine Oberkörper nach vorne beugen und in den Bauch drücken. Irgendwie drücke ich, schreie das ganze Krankenhaus zusammen, weil es so weh tut und um 20.22 bist du, Ben, auf der Welt.

Du atmest spontan, schreist und ich darf dich kurz anfassen. Dann kommst du sofort zum Kinderarzt, der schon mit seinem Team vor der Tür gewartet hat.

Plötzlich sind alle Schmerzen weg. Ich bin weder gerissen noch musste ein Dammschnitt gemacht werden. Die Nachgeburt flutscht kurz darauf einfach so raus.

Nach 1 Stunde dürfen wir unseren Sohn sehen, du bekommst Sauerstoff, bist soweit stabil. Bekommst aber zur Sicherheit noch einen Tubus und ein Mittel in die Lunge.

Um 23 Uhr wirst du in die Kinderintensivstation verlegt, kurz vorher dürfen wir dich noch mal sehen.
Du bist 39 cm groß und wiegst 1450g.
Bevor ich wieder aufs Zimmer komme, wird mir gezeigt, wie ich abpumpen soll, denn du sollst sofort Muttermilch bekommen. Dein Papa bringt mich noch mit hoch auf mein Zimmer und fährt noch mal kurz rüber um nach dir zu schauen, damit Mama beruhigt schlafen kann.

Nach 6 Tagen darfst du die Kinderintensiv verlassen und kommst auf die Säuglingsstation, wo ich als Begleitperson mit aufgenommen werde.

Am 24.September dürfen wir nach hause mit 1875g und 41cm.

Ben geht es gut, er hat (bis jetzt) keine Schäden von der Frühgeburt, er ist gesund und munter, nur noch sehr klein!

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Danke für den schönen Bericht! Und alles Gute für Eure kleine Familie!

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schöööner Bericht ! Toll auch mal nen schönen frühchenbericht zu lesen !!!!! das baut viele frühcheneltern ganz bestimmt auf bzw die die dies vor sich haben....

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Schöner Bericht und schön, dass es euch gut geht. Kann deine Situation gut nachvollziehen. Meine kleine kam auch zu früh, nach Blasensprung in der 36. SSW. Allerdings musste bei mir ein Kaiserschnitt mit Vollnarkose gemacht werden, war recht dramatisch. Die Maus musste dann auch ne Woche auf der Neointensiv bleiben.
Wünsch euch alles Gute!!

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Oh Gott das muss Wahnsinn für dich und deinen Mann gewesen sein MAN bildet sich doch Schmerzen nicht ein ! Gott sei dank ging alles gut. Alles gute für euch

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