Sex nach der Schwangerschaft

Hallo zusammen,

im Vorfeld möchte ich mich entschuldigen für einen eventuell sehr langen Text, aber ich hätte gern Rat und Hilfe, und will mir auch einiges von der Seele schreiben.
Ich bin mit meiner besseren Hälfte fast 10 Jahre zusammen, wir haben drei Kinder die mittlerweile alle drei in den KiGa gehen. I.d.R. nur Vormittag, an zwei Tagen die Woche bis Nachmittag, wegen Spielprojekten.
Problem ist unser Sexleben, dass seit Beginn der ersten Schwangerschaft Mitte 2012 völlig eingeschlafen ist. Okay, Schwangerschaft bringt sowas schon mal mit sich, da muss man durch als Lurch wenn man Vater werden will. 
Problem ist aber jetzt wo der Stress daheim sich deutlich verringert hat, wird es kaum besser. Okay wir haben uns von 1mal alle sechs Monate auf 1-2 mal im Monat gesteigert, was mir jedoch echt zu wenig ist, aber noch mehr als der mangelnde Sex, bzw. eher die körperliche Ablehnung ist es die Art und Weise wie meine Freundin damit umgeht.
In Internetratgebern wird empfohlen, man solle über die Sache reden... Gesagt getan, aber geendet hat's in einem absoluten Desaster. Das Gespräch kann man etwa in 2 Phasen unterteilen.

In 1. ging es noch sachlich zu und verlief in etwa so:

Ich: „Weißt es ist einfach so, dass mir einmal im Monat echt zu wenig ist, und auch, dass es immer nur von mir ausgeht.“
Sie: „Ja weiß ich, und was soll ich da jetzt machen?“
Ich: „Laut Internet könnte man mal mit dem Frauenarzt darüber sprechen.“
Sie: „Meiner macht erst im April 2019 wieder Termine für Ende 2019, und selbst wenn würde ich das Thema nicht ansprechen.“
Ich: „Und einer anderer?“
Sie: „Nein.“
Ich: „Und was schlägst du vor?“
Sie mit verschränkten Armen: „Weiß ich nicht, muss dir halt eine andere suchen.“
Das tat weh...

Phase zwei war es vorbei mit der Sachlichkeit.
Sie brüllte wie eine Furie, man hätte es im Nachbarhaus durch die Wand hören können: „IMMER BIN ICH HIER DIE BLÖDE, UND DER FEINE HERR DER JA SO DER TOLLE HENGST IST, DER JA JEDEN TAG F**** WILL!!!!!“
Ich habe weder das eine noch das andere in irgendeiner Form behauptet. Habe bewusst darauf geachtet meinen Standpunkt darzulegen, meine Gefühle auszudrücken, und explizit gefragt was „WIR“ machen können. Mir ging es nicht um Schuldzuweisung, aber ich wollte mich auch nicht mit einem „Ja ist halt so“ abspeisen lassen. Ja und ich bin frustriert, denn immer nur verweigert zu werden frisst mittlerweile echt an mir. Sie selbst kommt leider nie an auch wenn die Lust da wäre, denn sie ist (Original Zitat) „Zu stolz dazu.“

Überhaupt sind derlei Diskussionen echt schwierig, denn meine bessere Hälfte verträgt leider keine Kritik, überhaupt keine. Man kann mit ihr über sowas und auch über viele andere Dinge einfach nicht reden, denn sie fühlt sich sofort angegriffen, in Frage gestellt, herabgesetzt, obwohl man darauf gar nicht hinaus will. Dementsprechend reagiert sie dann auch. Ist tödlich beleidigt und mauert, hat plötzlich keine Zeit mehr da ein Haufen zu tun ist. Sachen von vor 5 Wochen werden rausgekramt und zum Mittelpunkt des Gespräches gemacht, oder es wird so argumentiert, dass ich ja plötzlich an allem schuld bin. Sprich, es endet sehr oft im Streit. Hinterher heißt es dann: „Ja wir klären ja nie was.“ Ja, wie auch...?

Was mich dann auch so frustet. In 10 Jahren Beziehung sagte ich 2mal ‚nein‘ zum Sex (waren übrigens auch die einzigen zwei Male wo es von IHR ausging). Daran wurde ich sehr lange erinnert. Wenn ich mich aber heutzutage nach dem 10. ‚nein‘ ihrerseits nicht mehr zum verständnisvollem Lächeln zwingen kann, reagiert sie beleidigt.

Ich bin selbst nicht der Typ der fremdgeht, aber langsam wüsste ich nicht mehr was an einer Affaire moralisch verkehrt sein soll. Scheint mir eher eine Win-Win-Win Situation zu sein.

Danke für’s lesen... Und hat jemand einen Rat für mich?

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Puh, schwierige Situation.
Reden ist eigentlich der Weg, aber dazu müsste deine Frau reden können und sachlich diskutieren. So wie du euer Gespräch beschreibst wird das eher nichts.
Hilfe von Außen wird sie dann auch wohl nicht wollen. Nicht primär wegen des Sex sondern überhaupt, so ein moderiertes Gespräch wo jemand bei ist der es in vernünftige Bahnen lenkt und einbremst wenn nötig. Therapeuten bieten sowas an. Im Idealfall arbeitet ihr zuerst an eurer Gesprächs und Streitkultur und danach am Sex, beides Zeitgleich ist wahrscheinlich zu viel.

Was mir sonst noch einfällt: Nimmt sie die Pille oder andere Hormone? Vor den Schwangerschaften hatte ich da nie Probleme mit. Danach hätte ich nach 1 Monat Pille auch gänzlich auf Sex verzichten können. Da war auch nicht viel mit "der Hunger kommt beim Essen". Es brachte mir überhaupt nichts. Also kann man es auch lassen, oder? War für meinen Mann auch nicht leicht. Mir selber ist gar nicht aufgefallen wie oft ich ihn abgewiesen habe. Oder durch Körpersprache schon gezeigt hab "Versuchs gar nicht erst, erntest nur eine Abfuhr".
Wir haben dann recht schnell beschlossen das ich keine Hormone mehr nehme und er für die Verhütung zuständig ist (Familienplanung abgeschlossen, daher Sterilisation).
Jetzt läufts wieder.
Klar gibt es immer mal Phasen mit mehr Stress und daher weniger Lust. Normales Leben eben. Aber nicht mehr dieses wochenlang gar nicht und wenn dann ohne Lust, das gibt es seit dem nicht mehr.

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Hi,

ich würde spontan auch fragen ob Sie die Pille nimmt?

Und hat sie die 1-2x im Monat denn Spass dran?

Ich muss übrigens gestehen: wenn das 1. Gespräch genauso war wie Du es oben schreibst würde ich mich fragen, warum Du nicht einfach mal fragst WARUM sie keine Lust hat? Ob sie das überhaupt erklären kann?
Wenn man mir das so sagen würde und mich gleich zum Frauenarzt schicken will wäre ich auch kurz mal vorn Kopf gestoßen. Das klingt als krank und abnormal abgestempelt. Eure Situation hat sich ja eigentlich schon gebessert.

Nachdem sie auch so vehement und mit Gebrüll auf das Gespräch 2 reagierte würde ich orakeln, sie fühlt sich mit etwas nicht so richtig wohl. Entweder dass sie selbst gerne mehr hätte und nicht mag oder kann oder schon ein schlechtes Gewissen Dir gegenüber hat oder fühlt sie sich unattraktiv oder unwohl oder hat gar Schmerzen?

Nebenbei kann ich Deine Seite gut verstehen. Geht mir nämlich andersrum genauso wie Dir. Bei uns liegts am Stress im Job weitestgehend und an einer Depression bzw den Medis dazu...

Ich finde es gut, dass Du Dir Meinungen einholst. Machen ja viele nicht sondern schimpfen, streiten oder behelfen sich un-partnerschaftlich weiter.

Viel Glück Euch.

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Also die Pille nimmt sie seit 6 Jahren nicht mehr, und selbst mit gab es keine Probleme. 2012 begann die Familienplanung nach deren Abschluss ich mich habe sterilisieren lassen, eben damit sie keine Hormone mehr nehmen muss und drei Kinder für uns beide genug waren.

Also ich gehe mal stark davon aus, dass sie Spaß hat, auch wenn der Sex jetzt irgendwie anders ist als früher, die Experimentierfreudigkeit und Agilität lässt halt nach, aber kein Wunder wird sind beide keine zwanzig mehr.

Tja das Wörtchen „Warum“. Laut unserer Familientherapeutin bei der wir vor 2 Jahren wegen anderer Dinge waren ist dieses Wort immer eine Aufforderung zur Rechtfertigung, daher gehe ich da eher sparsam mit Nachfragen um. Ich fragte da aber trotzdem, ihre Antwort: Sie hat eben keine Lust, sie weiß nicht wieso, man könne ihr einen Mann auf den Bauch binden und es würde sie nicht interessieren.

Sie selbst findet sich natürlich unattraktiv, unfotogen. Aber das ist nix neues bei ihr.... Aber weder damals noch heute bestärke ich diese Ansicht, sondern gebe ihr oft zu verstehen, dass ich sie attraktiv finde und gerne wünschte, dass sie etwas mehr aus sich rauskäme und nicht so zugeknöpft wäre. Manchmal denke ich sie glaubt mir nicht, aber ich würde ja wohl kaum mit ihr Sex wollen, würde ich sie unattraktiv finden.

Irgendwie habe ich den Eindruck in ihr brodelt eine enorme Menge an Wut über irgendwas und die lässt sie hauptsächlich an mir aus. Vielleicht sind deswegen solche Gespräche so schwierig.

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Also das mit dem Warum finde ich doof. Man möchte doch den anderen verstehen oder zumindest nachvollziehen können was in ihm vorgeht...


Sollte Deine Frau noch stillen können es die Hormone noch sein mit der Unlust.
Und gut wenn sie sich eh unattraktiv findet kann ich es schon ein Stück weit verstehen. Mit Deiner Einschätzung mit der Wut auch. Da vergeht ihr wahrscheinlich so die Lust. Oder es legt sich nach dem Abstillen.

Letztendlich ist aber ihre Unzufriedenheit inzwischen etwas, das Dich mit belastet.
Würde sie nochmal zur Familientherapie? Oder für sich eine?
Von aussen kann man Dir leider keinen besseren Rat geben ausser dass das Problem eher bei ihr liegt.
Und ich finde Du zeigst sehr viel Engagement (Sterilisation, nachfragen und Forum ) und Verständnis, sowas würde ich mir auch wünschen von meinem Mann. Ich finde Du machst das echt gut. Da kann sie sich glücklich schätzen.

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Macht euch Sex-Dates aus. Bzw. frag sie mal was sie davon hält.

Bei uns ging nach der Geburt wegen Schmerzen nichts und dann naja weil es sich so eingefahren hat.

Wir haben darüber gesprochen und keiner von uns war glücklich damit. Haben uns für bestimmte Tage in der Woche festgelegt (ok manchmal klappts einfach nicht aber nicht oft 😄)

So kann sie sich vielleicht (so gings mir) mental darauf vorbereiten. Ich konnte nämlich nicht von 19.00 Babygebrüll auf 21.00 Sex im Kopf umstellen. Nun weiß ich vorher wann es soweit ist und freue ich mich schon darauf und der Hunger kommt ja bekanntlich beim Essen, habe jetzt auch selbst wieder Lust drauf.

LG und alles Gute 🌸

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