Mein Kind, Engelchen und Teufelchen in einem

Hallo allerseits,

ich bin mit meinem Latein am Ende und zweifle schon an mir als Mutter.
Mein 26 Monate alter Sohn treibt mich langsam aber sicher in den Wahnsinn.

Er kann das liebste und süßeste Kind auf der Welt sein und urplötzlich wird er zum wilden Teufel.
Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung bekommt er richtige "Attacken".
Er brüllt, schreit, tobt, schmeißt sich hin, wirft und schlägt um sich.
Er zwickt sich, beißt in Gegenstände, hat sich schon selbst an den Kopf geschlagen und an den Haaren gezogen.

Er reißt sich seine Kleidung runter, sieht sich die Schuhe, Jacke, Mütze... usw beim Spaziergang aus.

Essen, schlafen, duschen,anziehen, wickeln,aufs Töpfchen gehen... alles ist sehr schwierig und anstrengend mit ihm.
Eigentlich toleriert er es nur, wenn ich es mache.
Wenn der Papa ihn duschen möchte oder ihn bei etwas anderem helfen will, endet das im totalen Drama und Gekreische.

Das Kinder mal bocken und nicht so "funktionieren" wie wir das gerne hätten, ist mir völlig klar.
Außerdem habe ich noch zwei ältere Kinder und weiß ja eigentlich wie es läuft.
Mir ist auch völlig klar das jedes Kind unterschiedlich ist, aber so etwas wie beim Kleinen habe ich noch nie erlebt.

Jeder Spaziergang, jeder Ausflug oder Besuch wird zum Drama und wir fallen überall auf.
Die Leute gucken immer nach uns, verdrehen die Augen oder kommentieren sogar diese Ausraster.
Mir ist es inzwischen unfassbar unangenehm, am liebsten würde ich nur noch zu Hause bleiben.
Auf der anderen Seite tut mir mein Sohn so leid, er ist nach dem Ausraster wie ausgewechselt und erschöpft.

Manchmal denke ich, er hat zwei Persönlichkeiten. Wie Engelchen und Teufelchen die darum kämpfen wer der Chef ist.
Ich weiß nicht was ich noch machen soll, wie ich meinen Sohn helfen kann und wie ich mit den Ausrastern umgehen soll?

Hat hier noch jemand so einen schwierigen Fall und kann mir vielleicht ein paar Tipps geben?

Liebe Grüße

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Nunja ich schätze Mal da zeigt sich die Trotzphase. Diese "Ausraster" von denen du sprichst zeigen keine negative Persönlichkeit... So zu denken erschwert es einem nochmal ungemein sein Kind zu verstehen.
Diese Ausraster sind einfach Zeichen, dass er mit etwas Überfordert ist. Zum Beispiel will er vielleicht was selbst machen, bekommt es nicht hin und das macht ihn wütend. In der sogenannten Trotzphase passiert sooo viel im Gehirn von Kindern. Sie können das nicht einordnen. Sie brauchen dann natürlich Regeln, klare Strukturen und Verlässlichkeit. Aber auch Verständnis für ihre Situation. Sie machen das nicht böswillig oder weil sie gerne unartig sind.
Und so wie bei manchen Teenies die Pubertät ziemlich extrem ausfällt, kann auch die Trotzphase sich stärker zeigen. Das einige was da langfristig hilft ist: Konsequent sein und ihn aus der Situation möglichst rauszuholen. Seine Wut ernst nehmen, aber nicht überbewerten. So Sätze wie: "Ja ich sehe dass du sauer bist." Einfach mit Ruhe versuchen zu zeigen, dass du verstehst dass es ihm gerade nicht gut geht. Wirklich helfen wird wahrscheinlich nur die Zeit. Da wächst jedes Kind Mal raus.

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Achja: Also wenn mein Kind in der Öffentlichkeit ausrastet oder so würde ich mir jegliche Kommentare verbitten, bzw sagen, dass sie sich dich Bitteschön um ihre eigenen Kinder kümmern sollen. Wenn sie keine haben, dann sollen sie die Klappe sowieso halten.

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Klingt für mich auch absolut klassisch nach Trotzphase. Das eine kind hat sie eben ausgeprägter als das andere.

Ich hab seeeehr viel dazu gelesen und ein Workshop besucht. Es gibt sehr viele Strategien, wie man damit umgehen kann. Eine Pauschallösung gibt es nicht (nur in einem Punkt: scheiß auf die anderen Leute! Ausblenden, Tipps und Kommentare ignorieren; zur Not in ne uneinsehbare Ecke gehen).

Bei Motte (19 Monate) ist phasenweise auch alles Drama. Zumindest gefühlt (denn wir übersehen tatsächlich auch, wie oft unsere Kinder einfach kooperieren, denn das ist ja unser „erwünschtes“ Verhalten. Seit ich das gelesen hab, achte ich viel mehr drauf und Lobe Motte dafür auch. Und wenn sie nur zu mir kommt, weil ich sie rufe). Hier hilft: selbst möglichst ruhig bleiben, immer genug Zeit für alles einplanen, möglichst nachmittags nicht mehr große Action (einkaufen oder so, da verkraftet sie ein Nein oft weniger gut als Vormittags), Gefühle Spiegeln, mit ihr aushalten und dann sanft ablenken und weiter machen. Ein Nucki oder trinken anbieten hilft auch sehr oft.

Wichtig ist: ich selbst muss absolut ruhig und geduldig bleiben. Werde ich selbst nervös (weil wir bald los müssen oder weil ich es im Supermarkt einfach schnell beenden will), wird es nur noch schlimmer. Klar passiert mir das auch mal, bin auch nur ein Mensch. Aber dieses Wissen hilft mir, in 8 von 10 Fällen doch eher ruhig zu bleiben. Sollen die Leute doch gucken, wenn sie sonst nix haben...

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