Bedürfnisorientiert vs Grenzen setzen

Okay, dass könnte jetzt lang werden, sorry 😅

Unser Sohn, vor ein paar Tagen ein Jahr alt geworden, ist sehr Willensstark und trotzt seit ein paar Tagen wie wild. Wickeln blöd, Essen blöd, Schlafen blöd, Auto fahren blöd, alles blöd. Okay, es ist eine Phase und geht vorbei, kein Thema.

Jetzt hatten wir das Thema in der Krabbelgruppe und die Leiterin meinte, man müsse so kleinen Kindern auch Grenzen setzen.

Okay... Mein Mann und ich sind für eine bedürfnisorientierte Erziehung. Gestaltet sich nur leider gerade als schwierig 😅

Beispiel Schlafen:
Er wird abends von mir oder meinem Mann ins Bett gebracht. In den Schlaf stillen klappt nur ganz ganz selten, darum mache ich es nicht.
Wir haben jeden Abend die gleiche Routine: bettfertig machen, gedämpftes Licht, stillen im Wohnzimmer, Jalousien runter, der Welt gute Nacht sagen und ihn dann ins Bett bringen.
Dort dreht er dann richtig auf, zieht sich hoch, läuft am Gitter entlang, schreit laut, weint, trotzt, haut seinen Kopf gegen die Gitterstäbe (leider ist er aus dem Familienbett als Baby rausgefallen, trotz Rausfallschutz, darum haben wir ein Gitterbett).

Sein Bedürfnis ist ganz klar nicht Schlafen zu müssen, obwohl er hundemüde ist und vor Müdigkeit fast umkippt. Es ist immer das gleiche Spiel, egal wann wir ihn ins Bett bringen (also egal, ob er die ersten Müdigkeitszeichen zeigt oder schon "drüber" ist).

Jetzt die Frage:
Ist es überhaupt bedürfnisorientiert, wenn wir ihn quasi "zwingen" ins Bett zu gehen, obwohl er so heult und brüllt?

Anderes Beispiel ist das Essen. Er ist eigentlich ein sehr guter Esser, momentan schmeißt er alles auf den Boden. Er wird noch gestillt, also habe ich da eigentlich keine Bedenken. Bananen, Avocados und Tomaten kann er kiloweise essen, ich sehe es aber nicht ein, ihm täglich das gleiche Essen zu geben. Oder sollte ich es doch, weil es eben sein Bedürfnis ist, diese drei Sachen zu essen?

Vielleicht zerdenke ich auch gerade zu viel, aber ich habe zu viele Podcasts über Bedürfnisorientierung gehört und zu viele Bücher darüber gelesen....

Wie würdet ihr das Handhaben, bzw wie seht ihr das?

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Hallo,
Ich weiß nicht, ob du hier noch liest, dein Post liegt ja schon ein paar Tage zurück. Vielleicht hast du auch keine Lust mehr dir anzuhören, dass du ja alles ganz falsch verstanden hast.
Ich glaube du hast Bedürfnisorientierung sehr wohl verstanden und machst das gut. Das entnehme ich auch einem deiner Antworten hier, dass ihr das ja sogar von der Schlafberatung gesagt bekommen habt.
Was dich verunsichert ist, dass es einfach trotzdem nicht klappt.
Und das ist beschissen für euch. Aber so ist es manchmal, es passen eben nicht alle Kinder in das gleiche Schema. Auch nicht in das Schema, das dem Erziehungsansatz der Bedürfnissorientierung zu Grunde liegt.
Das gibt dir das Gefühl unzulänglich zu sein.
Das bist du aber nicht. Du machst das gut, wahrscheinlich sogar vorbildlich.
So ist es mit Kindern. Du kannst dein bestes geben und es geht trotzdem schief.
Da hilft nur radikale Akzeptanz und loslassen.
Dann brüllt er eben. Ihr habt als Eltern euer bestes gegeben. Und ja, man darf da auch mal innerlich kochen, weil es eben belastet. Wichtig ist, dass man sich immer wieder bewusst macht, dass Dein Kind das nicht absichtlich macht. Es belastet ihn wahrscheinlich genauso.

Eine andere Userin meinte, dass es helfen könnte, ihm mehr Autonomie zu geben. Vielleicht hilft das ja noch. Ansonsten bleibt euch nur, es hinzunehmen. Dann brüllt er eben. Irgendwann wird er verständigen und dann kann man neue Strategien ausprobieren.
Bis dahin wünsche ich dir gute Nerven!

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Ich glaube du gehst das ganze falsch an. Zunächst einmal: sein Bedürfnis ist DER SCHLAF und DIE NAHRUNGSAUFNAHME. Nicht das, was du beschreibst. Das, was du beschreibst ist das, was er WILL nicht, was er BRAUCHT.
Übrigens, Grenzen bzw. ein Rahmen, innerhalb dessen er sich bewegen kann, ist auch ein Bedürfnis deines Kindes. ohne diesen Rahmen ist er total verloren, fühlt sich unsicher. Den musst du ihm schon geben. Das gibt Sicherheit.

Was das Schlafen angeht. Euer Ritual ist schlecht. Warum? Weil es nicht zum Kind passt. Sonst gäbe es ja nicht diesen Terror. Möglicherweise braucht er Einschlafbegleitung. Einen Erwachsenen, der sich zu ihm legt, bis er eingeschlafen ist.

Und das Essen: Er ist noch so klein! Was kennt er denn schon für Gerichte? Die drei Sachen, die er mag, weil er sie kennt, warum gibst du ihm die nicht? Er ist doch erst dabei das Essen kennenzulernen.

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Endlich mal jemand der das wort bedürfnisorientiert nicht gleichsetzt mit grenzenlos. Danke

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Das denke ich mir leider auch viel zu oft 🙈

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Ein stückweit machst du dir Probleme wo gar keine sind.

Bei all unseren vier Kindern war das schlafen ein andauernder Prozess. Sie haben zwar alle sehr früh durchgeschlafen, aber beim Abendritual gab es immer wieder Änderungen/Anpassungen.

Was das Essen betrifft. Gemüse schadet ja nicht, wo genau siehst du das Problem wenn er täglich bestimmte Sorten isst? Überleg mal wie viele Dinge du täglich zu dir nimmst. Damit meine ich zum Beispiel jeden Morgen einen Kaffee. Da würde ja auch niemand sagen "so ..täglich bekommst du den aber nicht mehr..."

Wir hatten beim Essen klare Linien. Niemand wird gezwungen was zu essen. Nach der Mahlzeit gibt es aber mindestens 1 Stunde nichts mehr. Wer spielt oder absichtlich Dinge auf den Boden wirft, für den ist das Essen beendet. Im Kleinkindalter habe ich sie dann gefüttert und sie nicht mehr alleine essen lassen.

Bleibt der Begriff bedürfnisorientiert. Das ist bei Säuglingen unabdingbar. Aber denke ich an meine Familie...da prallen 6 Leute mit Bedürfnissen aufeinander. Da kann nicht jeder ständig seine Bedürfnisse ausleben. Es geht nicht nur um die Bedürfnisse des einzelnen, sondern auch darum die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, eben auch die der Eltern. Machen wir das nicht, ziehen wir uns Egoisten heran.

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Danke für deine Antwort.

Zum Abendritual: wir haben jetzt wirklich jedes durch.
Stundenlang rumtragen: Gebrüll.
Neben uns liegen: Gebrüll.
Stillen: Ja, aber wenn er genug getrunken hat, dockt er sich ab und brüllt.
Im Tuch: Gebrüll.
Im eigenen Bett: Gebrüll.
Wir liegen halb in seinem Bett: Gebrüll.
Federwiege: Gebrüll.
Auto fahren: Gebrüll.

Also wir waren auch durchaus kreativ, aber irgendwann gehen uns die Ideen aus 😅
Er will einfach nicht schlafen. Also wenn er dann schläft, schläft er super. Aber der Weg dahin ist furchtbar.

Zum Thema Essen:

Er lässt sich nicht füttern 😑 hat er noch nie, deswegen haben wir BLW gemacht. Er isst normalerweise ohne Probleme alleine, ist sehr geschickt. Beim Füttern presst er die Lippen aufeinander und das akzeptiere ich. Wie gesagt, ich sehe das auch nicht als allzu schlimm an. Kann sein, dass er Zähne bekommt, dass ihm das Essen nicht schmeckt. Er bekommt dann auch das, was er möchte und ich stille ja noch.

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Wart ihr mal beim Osteopathen? Hört sich nach schmerzen an 🤷‍♀️

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Huhu,

ich stimme da nettebetty zu.
Sein Bedürfnis ist das Schlafen bzw das Essen. Sein Wille ist eben jetzt nicht schlafen bzw nur die drei Gemüsesorten zu essen. Das ist was er will, nicht was er braucht bzw nicht sein Bedürfnis. Das solltest du in der Hinsicht durchaus unterscheiden.

Er braucht Schlaf, das sagst du selbst, er ist ja müde oder sogar schon zu müde, da kann er noch so viel hampeln, strampeln, zappeln und schreien, er hat keine Batterie, die man schnell wechseln kann und weiter geht es. (Die hat leider keiner von uns)
Hier würde ich euch raten das Einschlafritual zu ändern, wenn es jeden Abend so Drama gibt. Wenn er die Begleitung noch braucht, dann gebt sie ihm. Ihr müsst ihn ja nicht permanent tragen, es reicht auch schon einfach leise neben dem Bett sitzen zu bleiben, vll die Hand zu halten und einfach da zu sein.

Das mit dem Essen kann man gemischt sehen. Ich denke die Kinder sollten Auswahl haben, einfach auch um anderes Essen kennen zu lernen. Aber bevor ein Kind eben gar nichts isst - nicht nur mal zu Mittag sondern permanent - gebe ich ihm natürlich bei der Auswahl auch seine Favoriten.
Das mit dem Runterwerfen kann als Lernerfahrung betrachtet werden, sollte aber auch seine Grenzen haben. Mir macht es nichts, wenn die Kinder mit ihrem Essen panschen und matschen und es in 3000 Einzelteile zerlegen, solange es dann immer noch gegessen wird. Aber etwas runter werfen, nur um es runter zu werfen (auch wenn man die Erfahrung auch mal machen muss) und dann auch noch Spaß dran haben, dass jeder springt und brav alles wieder aufhebt, nein das muss auf Dauer nicht sein. Dann wird das Runtergeworfene eben weggelegt und wenn der Teller leer ist, dann ist er halt leer. Entweder das Kind isst dann - hier klare Ansage - oder es isst eben nichts. Bei Letzterem gibt es dann aber auch nix neues und auch nix in 10 Minuten, dann wird halt gewartet bis es Zeit zur Zwischenmahlzeit ist. Und auch wenn es hart klingt - Kinder können das durchaus verstehen, auch Einjährige.

Und ansonsten ganz klar: Grenzen sind auch ein Bedürfnis. Es gibt Studien und Forschungen darüber, dass sich Kinder mit klaren Grenzen und klar definiertem Freiraum besser und selbstständiger entwickeln, als Kinder die entweder keine Grenzen/Freiräume hatten und Kinder die nur Grenzen/Freiräume hatten.
Festgelegte Grenzen geben Sicherheit, helfen ihnen die Umgebung und die Personen einzuschätzen, dienen als Rückzugsmöglichkeit und geben gleichzeitig Mut um sich auszuprobieren und zu lernen.

Alles in Allem: Bedürfnisorientiert ja, aber bitte unterscheiden ob es nun Wille ist oder wirklich Bedürfnis. Und hierbei auch unterscheiden inwiefern sich das Kind dort bereits einbringen kann. Ein Vorschulkind kann die Erfüllung seiner Bedürfnisse deutlich stärker regeln und mitgestalten, als es ein Säugling kann. Die Kleinen denken noch nicht so weit und so vorausschauend, dass sie bei jedem Bedürfnis entscheiden können, wann und wie es denn nun befriedigt werden soll. Da brauchen sie die Unterstützung der Bezugspersonen und eine alters- und entwicklungsgerechte Selbstbestimmung.

Liebe Grüße
nakaomi93

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Danke für deine Antwort!

Wir haben bereits jedes Einschlafritual durch (Tragen, Tragetuch, stillen, Pezziball, Auto fahren, etc.), es endet immer im Gebrüll. Sobald er merkt, dass er müde wird, fängt es an.
Wir begleiten ihn beim Einschlafen. Sitzen neben ihm im Bett, kuscheln. Wie gesagt, ich hänge halb über das Gitter, damit er an meinen Haaren spielen kann, weil er es so gerne macht. Wir machen wirklich alles, damit das Einschlafen so angenehm und schön wir möglich für ihn ist. Ohne Chance. Er dreht richtig auf, sobald er müde wird.

Das mit dem Essen sehe ich nicht allzu eng. Er isst seitdem er 7 Monate alt ist bei uns mit, wir machen BLW. Da fliegt oft was durch die Gegend und wir könnten theoretisch jeden Tag unser Esszimmer renovieren 🙈
Alles überhaupt kein Problem, Essen ist Genuss. Aber die Frage ist: Wenn ich ihm das Essen vorenthalte, indem ich sage "okay, du hast alles auf den Boden geschmissen, dann bekommst du halt nichts" - ist der richtige Weg? Essen ist ein Grundbedürfnis und da kann ich nicht sagen "entweder du isst was oder es gibt nichts", aber jeden tag das gleiche ist auch nicht die lösung 😏

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Würde früher anfangen vielleicht etwas helfen? Einfach, damit er gar nicht erst in das Übermüdet rein rutscht sondern direkt schon Ruhe hat und nachgeben kann. Dann vielleicht auch mit der Ruhe schon anfangen, wenn er noch nicht wirklich müde ist. Also dann abends nicht noch die Turnmatte auspacken, eher dann mal ein Buch. Oder ruhig etwas am Tisch, mit kuscheln, eben einfach ruhiger zum Runterkommen.

Klar, Essen ist ein Grundbedürfnis, aber wenn das Bedürfnis gestillt ist, wird Quatsch gemacht. Das zeigt er damit, dass er es eben auf den Boden wirft. Es geht ja nicht darum, dass ihr sein Bedürfnis nicht erfüllt. Er zeigt ja klar, dass er gerade nicht das Bedürfnis Essen dann hat - Kinder die hungrig sind, essen auch. In dem Moment hat er das Bedürfnis Forschen und das kann man auch mit anderen Dingen und nicht nur mit dem Essen - hier wieder der Unterschied zwischen Bedürfnis Essen und Bedürfnis Forschen. Und ansonsten eben seine Favoriten mit etwas Neuem mischen. Wie gesagt, bin auch dafür, dass Kinder da Auswahl haben, viel kennen lernen und auch mal mit dem Essen experimentieren dürfen. Nur es hat eben alles seine Grenzen und die gilt es kennen zu lernen, auszutesten und auch mal zu überschreiten um Konsequenzen draus kennen zu lernen.

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schau mal auf geborgen-wachsen, da gibts mittlerweile auch ein forum mit expertinnen :-)

nur kurz: ich würde nicht warten, bis er völlig übermüdet ist und dann aufdreht. lieber schon viel früher bettfertig machen, hinkuscheln, bücher anschauen usw.
rituale können auch helfen, abends eine routine aufzubauen :-)

grundsätzlich würde ich mir bei einem einjährigen kind keine sorgen machen, dass man "zu" bedürfnisorientiert ist. er ist gerade mal ein kleinkind, das sich selbst noch kennenlernt.

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Wir gehen beim ersten Müdigkeitszeichen ins Bett. Das ist meist um 19 Uhr. Bücher lesen versuchen wir, da dreht er völlig auf. Schmeißt das Buch durch die Gegend, schreit, zieht sich hoch, zieht an den Haaren...

Geborgen-wachsen kenne ich und irritiert mich noch viel mehr. Genauso wie artgerecht und das gewünschteste Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn 🙈

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habt ihr mal versucht, etwas früher anzufangen? vielleicht 18 uhr?

was irritiert dich denn?

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Natürlich setzt man einem Einjährigen Grenzen, genauso wie einem Baby. Die Grenzen beginnen nämlich da, wo die eigenen (für sich persönlich sehr wichtigen) Bedürfnisse anfangen. Wenn man sein Baby zum Beispiel immer in den Schlaf getragen hat, sich dann aber das Handgelenk bricht, geht das nicht mehr. Das Baby muss sich an ein neues Einschlafritual gewöhnen und erfährt somit eine Grenze, es geht nicht immer nur nach den eigenen Bedürfnissen.
Je kleiner die Kinder, desto mehr priorisieren wir ihre Bedürfnisse und das ist ja auch gut so.
Ihr müsst jetzt und immer wieder einschätzen, welche eurer Bedürfnisse so wichtig sind, dass ihr sie über die eures Kindes stellt. Und die Umsetzung dieser Bedürfnisse müsst ihr dann sinnvoll gestalten.
Wenn ihr das Elternbett für euch haben wollt, ist das ok, ein wichtiges Bedürfnis von euch. Schaut nach einer guten Umsetzung dieses Bedürfnisses, mit der euer Sohn klar kommt. Da gibt es tausende Möglichkeiten (Seite vom Gitterbett abmontieren, großes Bodenbett kaufen, bei dem man sich mit dazu legen kann usw.). Wenn das alles nichts bringt und euer Sohn weiter so lange zum Einschlafen braucht und schreit, kann man entweder das eigene Bedürfnis überdenken oder weiter einen eher stressigen Weg gehen mit Geschrei (das meine ich nicht abwertend! Auch daran wird er sich irgendwann gewöhnen. Und wenn das Baby eigene Bedürfnis so wichtig ist, ist dieser Weg durchaus legitim, Siege Beispiel mit dem gebrochenen Handgelenk).

Viele Menschen verwechseln Grenzen mit den Grenzen der „alten“ Erziehung („Mit Essen spielt man nicht, weil sich das nicht gehört!“) mit authentischen eigenen Grenzen aller Mitglieder einer Familie („Ich möchte nicht, dass das Essen runtergeworfen wird, weil ich keine Lust habe, nach jedem Essen die Küche grundzureinigen.“). Das ist, auch wenn es manchmal nicht so scheint, ein riesiger Unterschied. Daher schließen sich bedürfnisorientierte Erziehung und Grenzen keinesfalls aus, ja sogar das Gegenteil ist der Fall.

Liebe Grüße (mit Baby im Tragetuch und Dreijähriger im Familienbett schlafend geschrieben - dabei hatte ich auch einen entspannten Abend mit meinem Partner auf dem Sofa. Zumindest heute ist uns die Balance aller unserer Bedürfnisse ganz gut gelungen -geht auch anders 😉😅)

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Ich vermeide es, Regeln durchzusetzen, für die es keinen anderen Grund gibt, als dass sie mir gerade in den Sinn gekommen sind. Wenn er wickeln blöd findet, kann er vielleicht auf ein Töpfchen gehen und ein bisschen mehr Kontrolle über den Prozess übernehmen oder in Bauchlage gewickelt werden, auf sowas würde ich schon Rücksicht nehmen. Sofern er in die Windeln macht, ist Wickeln aber notwendig. Auf irgendeine Weise muss es erfolgen.

Die Schlafsituation würde ich nicht per Posting beurteilen wollen, grundsätzlich würde ich schon Wege suchen, wie man den Prozess angenehmer gestalten kann. Andere Schlafsituation, anderes Ritual, früher anfangen mit zu Bett bringen (nur noch ruhige Aktivitäten die Stunde zuvor z.B.) etc. Das ganze sollte auch zu einer realistischen Uhrzeit sein, kürzlich gab's mal eine Mutter, die eine Schlafengehzeit von 18 Uhr durchsetzen wollte mit dreizehn Stunden Nachtschlaf. Grundsätzlich mit dem Ziel, ein geregeltes Schlafengehen zu ermöglichen, aber ohne stur auf der exakten Einhaltung des bisherigen Rituals zu bestehen, das ja offenbar jeden Abend für Zündstoff sorgt.

Beim Essen würde ich das mit einem Jahr noch nicht so eng sehen, vor allem, wenn er noch gestillt wird. Das könnte ein Problem sein, das sich mit der Zeit von selbst regelt.

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Hallo!

Du liest zu viele Bücher. Dein Ratgeber sollte dein Herz und dein Verstand sein. Du kennst dein Kind am besten.

Beim Essen würde ich total entspannt bleiben. Er isst ja keine Süßigkeiten, sondern ,nur' Obst und Gemüse. So kleine Kinder brauchen keine große Abwechslung. Sowieso holt er sich noch viel über deine Milch.

Beim Einschlafen ist eure Geduld auf die Probe gestellt. Ich weiß auch wie nervenaufreibend so ein allabendliches Theater ist. Meine Tochter (das 3. Kind) ist genau so. Da müssen wir auch immer abwarten, bis sie von selbst aufhört zu brüllen, weil nix hilft. Wir lassen uns dann eine halbe Stunde anschreien. Meist will sie irgendwann dann doch auf den ,Armi' und kommt dort zur Ruhe. Es ist furchtbar anstrengend aber es vergeht.

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Du hast also ganz viel über Bedürfnis gehört und gelesen und es (in meinen Augen) trotzdem nicht verstanden 🙈😂

Er ist müde, sein Bedürfnis ist schlafen, aber er kommt nicht zur Ruhe (alles ist spannend, er könnte was verpassen). Sein Wunsch (!!!) ist es, wach zu bleiben, sein Bedürfnis (!!!) ist Schlaf. Und jetzt kommst du: was wolltest du noch mal erfüllen? Wünsche oder Bedürfnisse? Ich glaub Bedürfnisse: also: zusammen den Frust aushalten, dass wach bleiben nicht geht, seinen Ärger verstehen, ihn in seiner Wut begleiten - und trotzdem auf das Schlafen bestehen!

Wie man mit Trotzanfällen umgeht, ist ganz unterschiedlich und individuell. Hier hilft es, sie kurz toben zu lassen, zu sagen „ich verstehe dich, das ärgert dich, gell?“ und dann trösten und ablenken. Bzw kuscheln, hinlegen und auf den Schlaf bestehen.

Man muss sich natürlich vorher überlegen, manche Wutanfälle sind abzusehen und möchte man alle eingehen? Z.B.: Kind möchte etwas selbst machen und es dauert dann länger - mache ich es selbst und hab Geschrei oder darf Kind es selbst machen und es dauert? Sowas kann man abwägen.

Bedürfnisse sind übrigens: Schlaf, Essen, Nähe. ;) und natürlich auch Selbstständigkeit, aber Kinder sind keine Mini-Erwachsenen, sie können vieles noch nicht abschätzen und das ist unser Job.

Bedürfnisorientiert meint eben NICHT, dass das Kind alles bestimmt und entscheiden darf, das überfordert Kinder auch total.

Ich hab zum Thema Trotzphase/Autonomiephase einen Workshop besucht, der war klasse. Da wurde auch Literatur empfohlen, Standardwerke von denen sicher jeder schon gehört hat (gewünschtestes Wunschkind, Bücher von Nora Imlau, ... bei Bedarf nenne ich dir gerne genaueres ;) ).

Willkommen in der Trotzphase, viele starke Nerven und viel Schoki schicke ich dir 😂

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