Wofür arbeiten?

Hallo,

ich hatte heute eine interessante Diskussion mit meinem Freund.

Ich mag meine Arbeit. Ich habe keinen überragenden Stundenlohn und arbeite "nur" 30 Stunden. Aber ich komme gut hin und finde, dass das reicht. Wichtiger ist mir, dass ich gerne zur Arbeit gehe. Schließlich verbringe ich viel Zeit meines Lebens dort. Und nebenbei habe ich Zeit für Weiterbildung, Familie, Freunde und Kreativität.

Mein Freund behauptet, dass das eine "U30-Einstellung" sei, die sich irgendwann ändert. Er findet seinen Job ok. Die Arbeit macht ihm keinen Spaß, aber er findet sie auch nicht schlimm. Er hat einen wesentlich höheren Stundenlohn als ich und arbeitet Vollzeit, oft sogar mehr als 40 Stunden.

Wenn er sein Gehalt einfach so bekäme, würde er nicht mehr zur Arbeit gehen. Ich hingegen schon.

Er ist achtzehn Jahre älter als ich und meint, dass die Ansprüche immer weiter steigen und mir eine sehr gute finanzielle Situation irgendwann wichtiger sein wird als der Inhalt.

Ist das tatsächlich eine Frage des Alters oder einfach Einstellungssache?

1

Mir war es früher auch wichtig, das Arbeit Spaß macht. Hat sie mir auch mal.
Mittlerweile hab ich gar kein Bock mehr auf den Bereich wo ich arbeite.
Aber es wird relativ gut bezahlt, dafür das ich fast nix tue und ich bin unbefristet beschäftigt.
Das is der einzige Grund wieso ich noch da bin. Aber Spaß macht mir das alles nicht.
Hauptsache das Geld stimmt und ich hab Zeit für die Familie.

2

Huhu!

Ich denke, das hat nichts mit dem Alter, sondern der Einstellung zu tun.
Ich habe derzeit einen sehr gut bezahlten Vollzeit-Job, den ich nach der nächsten Elternzeit kündigen werde, um etwas zu machen was mich erfüllt. Mir mehr Zeit und Raum gibt. Für meine Familie, meine Seele...
Was bringt es mir denn, mit 50 nen Konto voll moneten zu haben aber jetzt immer nur so semiglücklich und immer unter Zeitdruck zu stehen, alles quasi nur halb gar genießen zu können...

Einige setzen eben Prioritäten anders als andere.

LG

3

Vielleicht eine Kombination aus Einstellung, Erziehung und Erfahrungen?

Mein Partner ist 14 Jahre älter als ich und vertritt eine ähnliche Einstellung wie dein Freund. Geld ist ihm sehr wichtig, was auch daran liegt, dass er schon oft in finanziell schwierigen Situationen war.

Ich denke, solange man gut hinkommt und im besten Fall auch ein bisschen zurücklegen kann, ist der Inhalt der Arbeit wichtiger als die Frage, wie viel mehr man hat, als man bräuchte.
Meine Eltern vertreten mit Mitte vierzig übrigens dieselbe Einstellung.

4

Ich bin 32 Jahre und sehe das genauso wie du. Ich glaube ausschlaggebender als das Alter ist die Frage was einem wichtig ist im Leben und woraus man Glück und Zufriedenheit zieht. Das ist bei mir weder der Job, noch materielle Dinge. Mir macht mein Job Spaß, aber er ist nur ein Bereich vieler, der mich ausmacht und ich definiere mich nicht über ihn und kann mir meine Anerkennung auch noch aus anderen Bereichen ziehen. Für andere haben Materielles, teure Reisen vielleicht einem höheren Stellenwert. In solchen Fällen ist ein höheres Einkommen nötig. Für wieder andere ist ihr Beruf, Berufung, Hobby, Selbstverwirklichung. Das hat alles nichts mit dem Alter zu tun. Ich denke dein Freund hat aber Recht damit, dass es mittlerweile viele vor allem jüngere Menschen gibt, die dieses System von Arbeit in Frage stellen und sich andere Konzepte überlegen (Stichwort Generation Y)

5

Ich bin Ü40 und würde sagen, das ist keine Alterseinstellung. Ich arbeite gerne und bekomme es gut bezahlt. Würde ich das Geld einfach so bekommen, würde ich sicherlich viel mehr an anderer Stelle helfen. Also auch arbeiten, ich freue mich wenn ich was sinnvolles zu tun habe.

6

Ich bin 41, verdiene sehr gut (30h wg Kleinkind, kleine leitende Position).

Mir ist sehr wichtig, dass meine Arbeit mir zumindest teilweise Freude macht.
Gut finanziell dazustehen finde ich auch wichtig. Nicht weil ich extravagante Ansprüche habe, aber ich kann mir die Dinge die ich möchte, "einfach so" kaufen, habe eine Wohnung in der ich mich sehr gern aufhalte, und trotz Corona keinerlei Geldsorgen.

Persönlich stelle ich aber Zufriedenheit über Geld. Was sich sicher geändert hat, ist das Maß an unliebsamen Sachen, was mir die Freude noch nicht vermiest, hier bin ich toleranter geworden.

7

So ganz unrecht hat er nicht, finde ich.
In "jungen Jahren" habe ich auch gesagt, sollte ich mal im Lotto gewinnen, würde ich trotzdem weiter arbeiten und immer großspurig gesagt, wenn man im Job nicht happy ist, dann muss man sich halt was anderes suchen.

Inzwischen bin ich 40 und Mama und muss für mich und mein Kind sorgen. Ich kann mir keine Jobexperimente leisten. Die Priorität hat sich halt verschoben, aber an und für sich arbeite ich schon gern da wo ich bin ;-) aber ich würde auf Teilzeit gehen, wenn ich im Lotto gewinnen würde ;-)

Was mir aber immer wichtig war: das Geld musste stimmen...bei jedem Jobwechsel musste ich weniger über die Sollarbeitszeit arbeiten, habe aber mehr Geld bekommen ;-)

8

Hey!

Bei mir war es umgekehrt, wie dein Partner sagt:
Ich habe lange ziemlich viel gearbeitet, viele unbezahlte Überstunden gemacht. Jetzt bin ich Mutter, habe eine Planstelle und bin verbeamtet auf Lebenszeit.
Meine Prioritäten haben sich nun verschoben und ich merke, dass ich es mir nun nicht mehr leisten kann, so viel zu ackern. Jede Stunde, die ich mehr mache, fehlt mir zu Hause.
Aber anders als früher habe ich nun auch ein Privatleben, das mich ausfüllt und muss die Erfüllung nicht mehr im Job suchen. Vielleicht kann ich mehr arbeiten, wenn die Kinder größer sind. Mal gucken.

Ich widerspreche jedenfalls deinem Partner und sage, dass es Einstellungssache ist und auch von den persönlichen Umständen abhängt.

Liebe Grüße
Schoko (Mitte 30)

9

Jein...

Ich denke, um eine Arbeit richtig gut zu machen, muss sie einem auch Freude machen. Nur gut bezahlt zu sein und die Arbeit zu hassen, fände ich sehr anstrengend.

Früher war es mir ziemlich wurscht, wie meine Arbeit bezahlt wurde - heute steht die Entlöhnung durchaus auch mit im Zentrum.

Nicht weil ich Geld scheffeln möchte oder im Luxus im eigtl. Sinn lebe, sondern weil ein grosses Ziel von meinem Mann und mir ist, mit spätestens 60 oder noch lieber mit 55 die Arbeit niederzulegen. Wir haben uns da ein Ziel-Jahres-Einkommen festgelegt, mit dem das möglich sein sollte. Sobald dieses Jahreseinkommen aber überschritten wird, kürzen wir jeweils das Pensum. Für uns ist Zeit das kostbarste Gut - aber dennoch möchten wir ein Polster fürs Alter haben. In jungen Jahren habe ich mir darüber noch kaum Gedanken gemacht.

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