Familienfreundliche AG wirklich so selten?

Hier liest man sehr oft, dass Frauen die SS nicht bekannt geben möchten und auch nach der EZ Probleme beim AG haben.
Ich muss sagen, das kenne ich im wahren Leben weder von meinem AG noch im Freundeskreis. Einige meiner Freundinnen haben auch nach der EZ gewechselt und hatten keine Probleme, eine neue Stelle zu finden mit Kleinkind(ern). Viele sind jetzt bezahlt und unbezahlt wegen Corona zu Hause. Eine Freundin bereits seit 5 Wochen und der AG sagt, es ist kein Problem und sie soll sich keinen Stress machen.
Eine meiner Kolleginnen ist jetzt schwanger und der GF und Prokurist haben ihr gratuliert und sich gefreut und ihr schon gesagt, dass sie hoffen dass sie wieder kommen wird.
Viele meiner Kolleginnen mit Kindern haben individuelle, flexible Arbeitszeiten.
Zwei anderen Kolleginnen und ich sind im selben Jahr schwanger geworden und uns hat man direkt angeboten im Home Office zu arbeiten wenn wir soweit sind und es möchten. Als es dann soweit war, wurde es direkt zum alten Gehalt umgesetzt und wir arbeiten alle drei von zu Hause.

Mein Chef sagt immer, die Firma kann es sich nicht leisten auf gute Mitarbeiter zu verzichten und muss alles dran setzen, dass auch Mütter wieder arbeiten können denn ihre Qualifikation endet mit der Geburt eines Kindes nicht.
Da hat er ja schon recht und ich frage mich, ob es in der breiten Masse wirklich anders ist. Ob AG es sich leisten können, (langjährige) Mitarbeiterinnen einfach raus zu ekeln.

Wie ist das bei euch? Sind eure AG familienfreundlich?

Ist euer AG familienfreundlich?

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Ich finde es auch immer krass, was hier so erzählt wird. Ich glaube das hängt vom Bildungsabschluss ab. Hilfskräfte, einfach Fachkräfte sind halt leider leicht zu ersetzen. Hochspezialisierte Fachkräfte, Leute mit spezieller Berufserfahrung, leistungswillige belastbare Akademiker findet man aber nicht wie Sand am Meer. Da muss sich der AG schon was einfallen lassen um die zu halten.
Meine Studienfreundinnen und ich haben da eigentlich nur positive Erfahrungen. Klar finden die AGs nicht alles toll, aber sie räumen einem schon Spielräume ein, um einen nicht zu verlieren.
Wenn ich sehe, was die ausgeben müssen um Stellen neu zu besetzen, irre hohe Provisionen an Head-Hunter, etc. , dann machen die das durchaus auch nicht eigennützig.

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Ich denke es ist auch regional unterschiedlich, auch ob man kurzerhand einen neuen Job findet. Bei uns sieht es sehr mau aus damit. Ich kenne leider etliche AG, die nicht familienfreundlich sind und total unflexibel. Meinen eigenen habe ich zweimal verklagen müssen, um an mein Recht zu kommen.

Ich arbeite immer noch dort, unser Verhältnis ist immer noch gut. (Entgegen der hier vorherrschenden Meinung bezüglich Klage und Weiterarbeit). Deshalb kann ich es z. B. nie verstehen warum Frauen dermaßen Angst haben für ihre Rechte einzustehen...

Aber gute, neue Jobs sind hier sehr schwer zu finden!

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Meiner Meinung nach sind es nicht die Arbeitgeber, sondern die jeweilige Führungskraft. Das ist für mich ein Unterschied.
Und das es Führungskräfte gibt, die so unpassend reagieren kann an vielem liegen: Überforderung - man liest das hier viel aus den Pflegeberufen und da ist es doch so, dass es eh zu wenig Leute gibt und es die Leitung jedes Mal hart trifft, wenn jemand ausfällt und das dann auch gleich von heute auf morgen. Ich kann verstehen, dass da niemand jubelt, allerdings sollte man professionell bleiben und da komm ich schon zum zweiten Punkt: keine Ahnung von Mitarbeiterführung. Wie viele werden Führungskraft ohne nötige Softskills, was ich hier manchmal lese, da wird mir Angst und Bange.

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Sehe ich genauso! Kommt stark auf den Vorgesetzten an

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Wie bereits jemand gesagt hat, ich denke auch, dass es hier einfach mit der Position zusammen hängt. Ich habe eine leitende Funktion bei uns in der Firma und da war von Anfang an das Interesse bzw. die Freude über meine SS sehr groß. Gerade die letzten Wochen konnte ich nur noch im Home Office arbeiten obwohl ich am Arbeitsplatz nicht wirklich ein Risiko ausgesetzt war.
Bei meinem Mann, Koch, ganz anders. Nachdem inoffiziell durchgesickert war, dass er in Elternzeit gehen würde, hatte er einen absoluten Spiesrutenlauf vor sich - wurde gemobbt, fehlende Sorgfalt etc unterstellt und das obwohl er ein halbes Jahr vorher noch gut und kompetent genug war, Zweigstellen im Ausland zu eröffnen.
Wir konnten uns dann mit Ach und Krach in die 8 Wochen-Frist vor Anmeldung der Elternzeit retten, dann kam „glücklicherweise“ noch Corona hinzu, so dass er erstmal nicht mehr arbeiten musste.
Er wurde dann aber selbst am Tag der Geburt zum Dienst eingeteilt. 🤦🏼‍♀️ Mittlerweile liegt auch alles bei einem Anwalt.

Also ich denke auch, hier hängt es einfach mit den Positionen zusammen. Eine Fachkraft ist nicht leicht zu ersetzen, deshalb ich man eher bestrebt diese „bei Laune“ zu halten. Anders bei Positionen, die man leicht ersetzen kann.

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Das kommt wohl auf die Branche und die Einstellung des Vorgesetzten an.
Und auch auf die Größe der Unternehmen und der Abteilung.

Manchen ist die Menschlichkeit egal, hauptsache die Zahlen stimmen kurzfristig. Was juckt mich, was in zehn Jahren ist. Jetzt will ich die Kohle sehen, billige Arbeitskräfte usw.

Manche planen langfristig und versuchen sich ein gutes Team aufzubauen und auch zu erhalten.

Wo es viel Nachschub gibt (überlaufene Studienjahrgänge) wird teilweise eher verheizt.
Gute Leute, die ungelernt bereit sind viel zu ackern für wenig Geld und es sonst kaum jemanden gibt, der bereit ist zu DEN Arbeitsbedingungen sich abzurackern, werden teilweise eher gehalten.


Auch: gibt es in der Branche viele andere Stellen, wird teilweise sogar einplant, dass man viele verheizt. Die gehen sowieso wieder, wenn es ihnen nicht passt, also muss man sich nicht anstrengen.
Gibt es so gut wie keine freien Stellen auf dem Markt, kommt auch schon mal der Hinweis " dann geh doch woanders hin" mit dem Durchblitzen, dass man als AN woanders eh nichts passendes findet. Ja, durchblitzende Erpressung teilweise.


Angebot und Nachfrage spielt auf beiden Seiten eine große Rolle.
Auch AN , die wissen, dass sie jederzeit was anderes finden können, strengen sich u.U. anders an, als jene, die nur diese eine Stelle im Umkreis von xxx km finden, wenn sie in ihrer Branche bleiben wollen.


Bei Vorstellungsgesprächen habe ich da schon einiges erlebt.
Das krasseste war, wo offen gesagt wurde, dass normalerweise keine Frauen eingestellt werden, eine Schwangerschaft zum Karrierre-Aus in der ganzen Branche führen würde und aber erwartet wird, dass Frauen mit 40 schwanger werden sollen. Dann seien sie nicht mehr so attraktiv und würden somit freiwillig gehen. Dauerhaft versteht sich.

Dass ich dort nicht angefangen habe, war ja wohl klar.


Als Alleinerziehende nach Krankheit hatte ich gute Chancen. Hier wird inzwischen eher gesucht, wer größere Kinder hat, wer schon längere Elternzeit hatte und somit gehofft, dass dadurch der Beruf im Mittelpunkt steht.

Allerdings bin ich einem Berufszweig wo man eher ungern häufige Wechsel hat. Immer wieder Schwangerschaftsvertretungen sind da eher schwieriger.

In Bereichen wo es mehr oder weniger egal ist, ob eine für 1-4 Jahre ausfällt (BV, Elternzeit, evtl. zweite Elternzeit dazu) und dann eben die Vertretung macht, die dann wiederum vertreten wird wegen BV, wobei dann die erste wieder kommt.... jo mei, da wird das teilweise schon eingeplant. So nach dem Motto, dann kommt die eine wieder, wenn die Vertretung von der Vertreung gerade ausfällt.

Sofern keine chronische Unterbesetzung herrscht! und Angst auf der Personalebene besteht, dass keiner mehr nachkommt und die hoffentlich nicht auch noch ausfällt.

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Die wenigsten AG kündigen einen AN nach Schwangerschaft und mal einem oder 2 Jahre Elternzeit...meinetwegen auch 3 Jahre.
Ganz anders sieht es dann aber aus, wenn die junge Mutter während der Elternzeit wieder schwanger wird und somit sehr viel mehr Jahre ausfällt. Die Kündigung wird immer sicherer, je länger man ausfällt. Und bei 3 oder 4 Kindern nacheinander nutzen einem dann eine total veraltete Ausbildung oder Studium auch nix mehr. Man darf dann auch einfach mal ehrlich zugeben, dass man aus dem Job raus ist...es sei denn, man hat während der Elternzeit in Teilzeit immer weitergearbeitet.

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Hallo, ich habe aktuell einen sehr Familienfreundlichen Arbeitgeber. Leider habe ich mit Bekanntgabe der 3 Schwangerschaft bei meinem vorherigen Arbeitgeber auch so richtig Stress bekommen. Bei einer anderen Kollegin sagte die Chefin, sie werden doch nicht so blöd sein, noch ein Kind zu bekommen. Meine Freundin und Kollegin hatte im 5. Monat eine Fehlgeburt. Zuvor war sie vom Arzt schon ins BV geschickt worden. Als ich dann erzählte das sie das Baby verloren hat, meinte meine Chefin das ist dann wohl Gerechtigkeit. In dem Moment, ich war schon schwanger, sie wusste es noch nicht, war mir klar das unser gemeinsamer Weg hier zu Ende ist.

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Als ich schwanger war, habe ich (befristet) im öffentlichen Dienst gearbeitet und meine Schwangerschaft bis zum letzten Tag (27. Ssw) verschwiegen, weil ich wusste, dass meine Vorgesetzte so den Vertrag nicht verlängern würde. Es hat nichts genützt, der Vertrag endete und ich musste über einen Anwalt ein ordentliches Zeugnis erstreiten.
Dann war ich fast zwei Jahre arbeitslos, was vermeidbar gewesen wäre, wenn der vorherige Vertrag verlängert worden wäre. Obwohl dieser Arbeitsgeber als familienfreundlich zertifiziert ist, fand ich das Ende unwürdig und unschön.

Jetzt arbeite ich seit anderthalb Jahren für einen Bildungsträger, verdiene allerdings auch ein Drittel weniger als vorher...trotz vieler Eigenheiten in der Branche und kaum Absicherung halte ich meinen Arbeitgeber für familienfreundlich - im Rahmen der betrieblichen Wirtschaftlichkeit. Es war der einzige Arbeitgeber unter den vielen bei denen ich mich beworben hatte, der mir vollzeitnahe Teilzeit mit Wunscharbeitszeit ermöglicht hat.

Ich habe eine Ausbildung, einen Master Abschluss und insgesamt 18 Jahre Berufserfahrung und meine "Karriere" ist mit Geburt meines Kindes vorbei, alles nichts mehr wert. Das habe ich vorher auch alles nicht wahrhaben wollen. So eine Haltung bei Arbeitgebern finde ich ganz traurig, denn ich bekomme ja nicht mal eine Chance, mich zu beweisen. Während meiner Arbeitslosigkeit habe ich Anfragen und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen über die Jobbörse bei der Agentur für Arbeit erhalten, als die Firmen aber meinen Lebenslauf mit Daten gesehen haben, wurden mehrfach die Termine ohne Kommentar abgesagt - in der Jobbörse war die "Elternzeit" nicht sichtbar, im Lebenslauf leider schon.

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Ich kann das so gar nicht bestätigen aus meiner persönlichen Erfahrung. Mein Abschluss und meine Berufserfahrung ist genauso viel wert wie immer. Es hieß sowohl beim neuen als auch beim alten AG „wir brauchen sie, egal wie viele Stunden wie sie kriegen können“. Jobwechsel mit super Angebot war gar kein Problem.

Vielleicht wurde dein Vertrag auch nicht verlängert, weil es sauer aufgestoßen ist, wie du mit deiner Schwangerschaft umgegangen bist?

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Naja, das kann man auf zwei Arten sehen:
1. Sie haben nicht gewusst, dass du schwanger warst und es hatte tatsächlich nichts mit der Schwangerschaft zu tun dass der Vertrag nicht verlängert wurde. Auch wenn man das selbst nicht sehen möchte oder eine andere Wahrnehmung hat, vielleicht war auch deine Arbeitsleistung einfach nicht in Ordnung. Wer weiß....
2. Sie haben es gewusst und fanden es nicht gut wie du damit umgegangen bist und versucht hast, deinen AG im Dunkeln zu lassen um den festen Vertrag zu bekommen.

Egal wie, wenn es wirklich gut bei euch gepasst hätte, wäre der Vertrag wohl verlängert worden.

Ich habe keiner Bewerberin abgesagt weil sie Kinder hatte. Ich habe allerdings einer Mutter mit drei Kindern abgesagt, weil sie sich auf eine Vollzeitstelle beworben hat aber schon im ersten Gespräch sagte, dass sie erst die Kinder um 8 zur Schule bringen muss und dann kommen kann und zwischen halb 9 und 9 da wäre uns dann zwischen 13 und 14 Uhr wieder gehen muss, je nachdem wie die Kinder Schule haben. Sorry, bei den Voraussetzungen bewerbe ich mich nicht auf eine Vollzeitstelle. Und das hat für mich auch nichts mit nicht familienfreundlich zu tun.

In meiner Abteilung hat ein Mann und 8 Frauen gearbeitet. Vier von ihnen haben kleine Kinder und es gab nie Probleme.

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Ja, mein Arbeitgeber ist sehr familienfreundlich.
Baubranche, 150 Mitarbeiter, davon knapp 10 Frauen.

Meine Kids waren 3, 4 und 10, als ich mich beworben hatte und der AG hat drum gekämpft, dass ich diesen Job annehme (hatte mehrere Optionen), da ich gewisse Voraussetzungen mitbrachte.

Arbeite jetzt seit 3 Jahren da, habe flexible Arbeitszeiten und werde sehr wertgeschätzt. Das ist toll! :)

Von unseren Mädels ist grad eine komplett im Elternzeit, eine arbeitet geringfügig in Elternzeit und eine kam grade zurück aus der Elternzeit.

Bei zweien ist es ein offenes Geheimnis, dass sie sich in den kommenden 3 Jahren ein Kind wünschen.

Ist alles völlig ok für den AG.. nichtsdestotrotz ist er recht happy, dass bei mir die Familienplanung durch ist (was ich auch verstehen kann).

LG Claudi