Krank wegen Erschöpfung?

Hallo

Ich hab nen Gewissenskonflikt, aber ich muss unbedingt was machen.

Seit Montag bin ich in ner Neurologischen Klinik, weil ich ständig Muskelkrämpfe habe und keine Kraft mehr habe. Also wirklich gar keine. Bei der kleinsten Steigung komme ich aus der Puste und die Muskeln brennen, als würde ich bergsteigen.

Jetzt habe ich eine ganze Reihe schmerzhafte Untersuchungen hinter mir und alle Tests waren negativ. Ich habe auch das Gefühl, dass sie in der Klinik gründlich waren, ich fühle mich hier sehr gut aufgeklärt und aufgehoben.
Jetzt bleibt ja nur noch die Psyche als Ursache.
Ich lasse mich auf jeden Fall den Rest der Woche krank schreiben, aber was dann?

Ich würde meinen Hausarzt gern auf das Thema Psychosomatische Klinik ansprechen. Aber ich habe ein irre schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber. Dann fiele ich ja 2-3 Wochen aus. Dabei bin ich ja nicht wirklich krank, sondern nur psychisch fertig.
Es gibt für mich auch keine Vertretung. Seit Dezember ist er aktiv auf der Suche nach Unterstützung für mich, weil ich quasi 2 Stellen besetze. Und jetzt mach ich sowas. Ich habe echt versucht, von allein auf die Beine zu kommen. Hab auch ne ambulante Psychotherapie. Aber irgendwie bin ich gerade an nem Punkt, wo ich denke, dass ich ne Auszeit brauche.
Ich fühle mich dabei mega egoistisch. Andere arbeiten auch und sind nie krank und mich wirft es so aus der Bahn :-(

Geht es jemandem von euch ähnlich? Wie gehe ich am geschicktesten vor?

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Du denkst irgendwie verkehrt rum. Du hast die körperlichen Symptome, weil du eben psychisch am Anschlag bist. Du bist psychisch und physisch fertig, weil dein Chef es noch nicht hingekriegt hat, dein Pensum von 200 auf 100% zu reduzieren. Er ist selbst schuld, dass er seine noch einzig verbliebene MA krank gemacht hat!

Klingt dramatischer, als es vielleicht ist (das mit dem Chef, nicht deine Krankheitssymptome), aber um dich ab jetzt sofort selbst zu schützen und gesund zu pflegen musst du zwingend egoistischer denken. Schalt ab vom Geschäft und schau, dass du dir jetzt die Zeit nimmst, gesund zu werden.

Noch etwas, und sei mir nicht böse, aber ich lese dich und deine Beschwerden nun seit einiger Zeit mit. Das ist schon chronisch, und da kannst du es dir einfach nicht mehr leisten, von einer Symptombekämpfung zur nächsten zu springen.

Alles Gute.

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Da hast du absolut recht. Ich hab mich die ganze Zeit daran geklammert, dass es irgendwas körperliches ist und ich bloß ne Tablette brauch.

Ich hatte es eben schon erlebt, dass mir Psychiatrie vor der Diagnostik vorgeschlagen wurde. Damals litt ich unter Bauchschmerzen und eben diesen Muskelschmerzen. Als ich das mit den Lebensmittelintoleranzen herausfand und meine Ernährung umstellte, war ich fit wie nie. Noch bis November habe ich von mir selbst gesagt, dass ich megafit und gesund bin und jetzt gehts mir so mies. :-(
Ich kann das immer noch nicht akzeptieren. Und selbst wenn es doch ne körperliche Ursache gibt - ich muss ja trotzdem lernen, besser mit meinen Grenzen klar zu kommen.

Ich bin aber auch grad total groggy wegen der Untersuchungen. Als ich am Montag hier rein gekommen bin, bin ich 2km mit Tasche zu Fuß hier her gelaufen und fühlte mich bestens. Heute war ich nach nem 1,5km Spaziergang ziemlich fertig.

Mir ist es inzwischen völlig egal, was der Grund für die Schmerzen ist. Ich will damit nur klar kommen, damit mein Selbstwert nicht mehr so leidet.

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#pro

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Natürlich bist du WIRKLICH krank, Psyche ist nicht weniger wichtig! :)
Habe das in meinem Umfeld schon mehrmals erlebt, bitte hab kein schlechtes Gewissen oder fühle dich als wärst du nicht ehrlich krank. Damit ist genauso wenig zu spaßen wie mit einem Infekt.
Ich weiß wie schwer das ist wenn es auf der Arbeit keinen Ersatz gibt und man das Gefühl hat nicht fehlen zu dürfen. Aber wenn du morgen früh auf dem Weg zur Arbeit einen Autounfall hättest, würde es doch auch irgendwie gehen

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Ja. Du hast ja völlig recht. Ich könnte auch Grippe kriegen und morgen flach liegen. Da müssten sie auch ohne mich klar kommen.
Das versuch ich grad in meinen Kopf zu bekommen. #klatsch

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Hallo,

vielleicht kann dich die jetzige Klinik gleich weiterschicken in die nächste? Der Sozialdienst der Klinik macht die Anträge, frag da gleich mal nach.

Dass du in 2-3 Wochen wieder fit bist, wenn du so am Boden ist, davon kannst du nicht ausgehen. Es werden wohl eher Monate werden, du brauchst eine Pause.

Ich würde so lange bleiben, bis die Stelle besetzt ist und derjenige gut eingearbeitet ist. Nach meinem ersten Burn-Out haben sie meine Fälle auf mehrere Personen verteilt. Mir haben sie es nicht geglaubt, dass es nicht zu schaffen ist.

Ich war übrigens 6 Wochen daheim und nach 2 Wochen Arbeit hat es mich gleich wieder zerlegt. Das würde ich heute nicht mehr riskieren.

Gute Besserung!

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Dass ich in nen Burnout gerate, ist auch meine Angst. Wobei ich mich mental eigentlich noch gut fühle. Ich mache meine Arbeit nach wie vor sehr gern und es wird auch akzeptiert, wenn ich Aufgaben ablehne. Zur Zeit sind Ferien und damit hatte ich weniger Aufträge. Das hat richtig gut getan.
Ich kann mich auch gut abgrenzen und die Teilnehmer fühlen sich von mir verstanden. Also leidet meine Kompetenz noch nicht.

Klar ist es zu viel Arbeit, aber mich setzt keiner unter Druck. Wenn ich sage "ich kann nicht", dann ist das so.
Daheim habe ich grad viel mehr Probleme. Mein Mann kann nicht gut damit umgehen, dass ich nicht mehr so kann. Unser Sexleben liegt grad brach, einfach weil es nicht geht. Jede komische Bewegung sorgt für nen Krampf. Ich kann nicht knien, ich hab auch einfach keine Kraft... also es geht rein technisch nicht. Lust wär schon da... Aber es tut einfach alles weh. :-(

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wenn ich deine Beiträge der letzten Zeit so lese, wundert mich deine körperliche Reaktion nicht.

Das klingt eher so, als würdest du bereits im Burn out stecken. Dein Körper zeigt dir schon Grenzen auf.

Der Rest (mental) ist noch mal der Highspeed.

Noch geht es dir mental gut. Wie lange? Was kommt danach?

"Daheim habe ich grad viel mehr Probleme. "

Burn Out ist nicht nur bei Arbeit. Auch ein anstrengendes Privatleben kann zum Burn Out führen.
Wo du dann zusammenbrichst ist dem Körper dann egal. Der Moment, wo der Tropfen das Fass zum überlaufen bringt, der ist das dann.

Dabei spielt es keine Rolle, ob sich das Fass zu Hause gefüllt hat oder auf der Arbeit oder gemischt. Wenn es voll ist, ist es voll.


Merkst du innerhalb der krankgeschriebenen Woche eine DEUTLICHE Besserung (so wie wenn Fieber von 40,5° auf 37,2°C zurück runter geht) kannst du vielleicht noch mal die Kurve bekommen.

Verschlimmert sich dein Zustand innerhalb dieser Zeit oder bessert sich kaum,
könnte es sein, dass du bereits voll und mitten im Burn out drinnen steckst.
Und deinen Körper/Geist nur herausfordert, wann er dir die Entscheidung abnimmt. Diese dann aber nicht mit Erholung, sondern mit zusammenbruch.


Ich bin kein Arzt, ist NUR mein Bauchgefühl.
Deine Beiträge der letzten Zeit
und da ich von einer Freundin die 12 Phasen vom Burn Out miterlebt habe .... sehe ich dich da bereits drin stecken .....

Burn Out ist nicht erst der komplette Zusammenbruch (das ist dann eher ein point of no retourn), sondern Burn out ist oft der (schleichende Prozess) ... .dem der Zusammenbruch als letzte Phase folgt. Und wenn man DA mal ist, dauert es umso länger, mitunter Jahre, bis man wieder einigermaßen, halbwegs, irgendwie einsatzfähig ist.

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Ich schreibe das jetzt mal, um dich wachzurütteln, denn das ist in meinem Umfeld schon zwei mal GENAU so passiert:
Leute wie du kommen vom Joggen oder Spazierengehen nach Hause und fallen tot um, Herzinfarkt! Bums aus , Micky Maus.

Dein Körper zeigt dir sehr sehr deutlich, dass er am Limit ist und du ignorierst ihn und denkst nur daran, wie du bestmöglichst deine Arbeit erledigen kannst.

„Es ist mir egal, woher die Schmerzen kommen...“ genau das ist der falsche Ansatz. Du MUSST wissen, woher deine Schmerzen kommen, nur so kannst du ihnen entgegen steuern! Gerade wenn sie psychisch begründet sind. Nur wer die Ursache kennt, kann die Symptome vernichten.

Wem genau hilfst du denn, wenn du ständig auf Anschlag läufst? Wem genau hilfst du, wenn du immer wieder kurz- oder längerfristig ausfällst? Wem genau hilfst du, wenn du körperlich so am Ende bist, dass du zwar deine Arbeit erledigen kannst, aber weder hin noch zurück kommst?

Ja du denkst jetzt egoistisch und ja das MUSST du jetzt such endlich mal. Nichts mit „ich warte, bis eine Vertretung da ist“. Nichts mit „ich warte, bis diese eingearbeitet ist“. Handle JETZT! Je eher du wieder ganz (!) auf die Beine kommst, desto eher hilfst du wieder IRGENDWEM!
Alles Gute für dich

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Danke dir.

Ich mach die Arbeit hauptsächlich für mich. Ich ziehe aus den Ergebnissen meiner Arbeit sehr viel Selbstvertrauen. Ich bekomme in meinem Beruf sehr rasch eine Rückmeldung, ob ich gut arbeite, oder ob nicht. Das verschafft mir sehr viel Selbstvetrauen.
Ich weiß, dass "man" sein Selbstvetrauen nicht aus der Bewertung durch andere beziehen sollte, aber bei mir ist das nun mal so.
Ivh habe jahrelang versucht, diese vielgepriesene "innere Stabilität" zu finden, aber ich bin nun mal als Kind extrem darauf geprägt worden "machst du gutes - bist du gut"
Das ist jetzt einfach ein stabiler Teil von mir selbst.
Ich habe auch keine Lust mehr, an diesem stabilen Pfeiler zu rütteln. Jeder, der mir erzählt, dass ich die Bewertung anderer nicht brauche, nimmt mich einfach nicht ernst.

Wenns mal so kommt, dass ich wirklich nicht mehr leistungsfähig bin, dann ist dieser Pfeiler auch nicht mehr so stabil. Dann kann ich dran rütteln und was anderes aufbauen. Aber jetzt ist meine Arbeit und die rasche Rückmeldung meiner Leistung wichtig und vorhanden.

Und mal ehrlich: den Gefallen, einfach tot umzufallen, tu ich niemanden ;-)

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Google mal nach den 12 Phasen zum Burn Out!

Graphiken, Bilder, macht es anschaulicher ......

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Ja, das kenne ich aus dem Freundeskreis.

a) krank schreiben, pausieren, Kraft tanken: Ausfallzeit vorübergehend

b) nicht krank schreiben lassen, weiter machen und auf Warteliste Therapeut gesetzt.

Burn Out
Ausfall, weil der Körper die Entscheidung übernommen hat.

AU mit Wartezeit auf psychosomatische Klinik - mehrere Wochen/Monate
Dauer der Klinik

oder AU mit Rehaantrag, ging dieser direkt durch, mehrere Wochen AU plus 5 Wochen Reha.
Ging der Antrag nicht sofort durch, mehrere Wochen mit Widerspruch, Körper streikte, AU und mehrere Wochen/Monate warten bis in einer Akut psychosomatischen Klinik Plätze frei waren

c) weiter machen, nicht ernst nehmen oder ernst nehmen, aber arbeitend weiter auf Platz bei Therapeuten warten

Herzinfarkt/ Schlaganfall
dauerhafter Pflegefall
gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeitsfähig
AG musste ab dann doch was Neues finden , dann ging das auch....


eine Freundin hatte Burn out.
Ähnliche Symptome wie bei dir, nur noch nicht soweit fortgeschritten.

Mehrere Wochen AU bis Platz in der Klinik frei wurde, mehrere Wochen Klinik, mehrere Wochen Reha. Inzwischen geht es ihr besser, kämpft aber heute noch mit dem Wiederaufbau.

Bei Schwangerschaft sagt man: 9 Monate kommt der Bauch, 9 Monate geht der Bauch.
Bei Burn out würde ich schätzen: je länger man wartet, je weniger man es ernst nimmt, desto dauerhafter ist dann der Ausfall.

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Lieber jetzt 3 Wochen ausfallen, als wegen burn out ein Jahr krankgeschrieben sein. Für den AG ist das blöd, aber du bist eben krank.

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Ja. So kann ich mir das auch schmackhaft reden 😁

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Du feierst ja nicht krank. Dein AG hat vielleicht längst bemerkt, dass es so nicht weitergeht. Er verzichtet lieber kurz auf dich, als für immer....

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Wenn du Erschöpft bist kommt das ja von deiner Arbeit. Rücksicht und schlechtes Gewissen dem Chef gegenüber?? Ich frag mich ob er sich um deine Gesundheit kümmert oder Gedanken macht? So dachte ich auch bis mir ein Teil meiner Lunge entfernt wurde und ich immer wieder in eine Abteilung musste wo ich Dämpfen ausgesetzt war und schwere Körperliche Arbeiten. Jetzt habe ich auf beiden Seiten eine verhärtete Lunge Fibose und Asthma trotz bitten ich bekomme da keine Luft und möchte wieder in meine Abteilung, war es dem egal. Schlechtes Gewissen dem Chef gegenüber, niemals anscheinend nimmt er auf deine Gesundheit auch keine Rücksicht sonst wärest du nicht so Erschöpft.

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Mein Chef interssiert sich schon für meine Gesundheit. Er sucht auch nach Unterstätzung. Mein Beruf ist halt nicht so oft da.

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