Grundsatzfrage Hausfinanzierung - Tilgung und Sondertilgung

Hallo zusammen,

ich habe eine Grundsatzfrage an alle, die bereits eine Hausfinanzierung laufen haben oder sich damit beschäftigen.

Habt/plant ihr eine niedrigere Tilgung (1-2%), um dafür die Möglichkeit der Sondertilgung nutzen zu können? Oder habt ihr eine höhere Tilgung angesetzt (3-4 %), dafür aber keine bzw. eine geringere Möglichkeit, sonderzutilgen?

Ich stehe gerade vor der Entscheidung.

Wir wollen eigentlich über die Landesbodenkreditanstalt finanzieren (Förderungskredit in Bayern). Dazu bekommen wir über 50% der Gesamtkreditsumme zu sehr guten Zinsen, dafür aber nur mit einer niedrigen Tilgung (der "kleine" Kredit über 30.000 Euro hat 2%, der "größere" über 80.000 Euro 1%). Nach der Laufzeit von 15 Jahren steht also noch eine recht hohe Restsumme da, nämlich ca. 85.000 Euro - was irgendwie schon erschreckend viel ist, da zahlt man ja in 15 Jahren gerade mal 25.000 Euro zurück.

Die restliche Kreditsumme von 100.000 Euro wird über eine normale Bank finanziert (mit 2,25% Zinsen), auch hier schreibt die Labo eine max. Tilgung von 2% vor (irgendwie logisch, wer mehr tilgen kann, ist natürlich in deren Augen nicht auf die Förderung angewiesen), es würden nach 10 Jahren noch ca. 77.000 Euro Restsumme stehen. Mein Ziel wäre es aber, bei der normalen Bank sonderzutilgen, so dass die Restsumme nach 10 Jahren bei max. 32.000 Euro steht (5% Sondertilgung - 10 mal 5000 Euro). Die Anschlussfinanzierung sollte dann in weiteren 5 Jahren erledigt sein (dann ist man flexibel mit dem Tilgungssatz), so dass nach 15 Jahren der Kredit bei der Bank getilgt ist und wir dann die Restsumme Labo abzahlen können.

Vorteil ist, dass die monatliche Belastung deutlich geringer ausfällt, als bisher angenommen (ca. 660 Euro statt geplanten 1000 Euro). Die "übrigen" 340 Euro könnten also auf jeden Fall in die Sondertilgung gesteckt werden.

Die andere Möglichkeit wäre, auf die Förderung der Labo zu verzichten und dafür komplett über eine normale Bank zu finanzieren. Dann mit höherer Tilgung (die eben angesetzten 1000 Euro), dafür würde aber zumindest in den nächsten 5 Jahren kaum eine Sondertilgung möglich sein.

Ein Freund von uns hat sich z.B. bewusst für eine niedrige Tilgung und somit für eine geringere monatliche Rate entschieden, weil er sagt, dass ja auch mal was größeres anstehen kann (sei es Renovierungen am Haus oder ein krankheitsbedingter Gehaltsausfall), dann kann man halt mal ein Jahr nicht sondertilgen, hat aber dafür keine Probleme, so über die Runden zu kommen. Klingt eigentlich vernünftig.

Meine Eltern haben allerdings genau die gegenteilige Einstellung. Lieber eine höhere Rate und dafür früher fertig sein - weil man i.d.R. sowieso nicht sondertilgt, weil das Geld ständig für was anderes gebraucht wird.

So, und jetzt #kratz? Für welchen Weg würdet ihr euch entscheiden?

Danke und VG
Claudia #sonne

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Hallo Claudia!

Uns wurde auch zu einer niedrigeren Tilgung geraten! Dein Freund hat recht es kann immer mal was sein wofür man Geld braucht, ausserdem wollt Ihr Euch bestimmt nicht die Gurgel zudrehen, vor lauter Sparen, sondern euch auch mal was gönnen.

Unser Bankberater sagte auch das sehr wenige Leute Sondertilgungen machen.

Wir zahlen lieber ein paar Jahre länger ab haben aber dafür noch ein finanziellen Puffer für den Notfall.

LG Marina#winke

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Wir haben sogar einen momentan Tilgungsfreien Kredit, dafür wird der Bausparvertrag angespart.
Und nach dem der fertig ist und wir die Sondertilgung dann hoffentlich immer voll ausgenutzt haben, wird der komplette Restkredit dann mit dem Bausparvertrag abgelöst.

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Ich würde mich immer wieder für eine niedrige Tilgung entscheiden!

Wir sind jetzt eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen (ca. 3.600 EUR Netto im Monat). 2 Kinder sind dabei.

Was zum Henker bringt es mir als Familie, wenn ich nen Kredit mit hoher Tilgung (und dementsprechend auch hoher Rate) hab, mein Haus vielleicht in 20 Jahren abbezahlt hab, dafür die nächsten 20 Jahre aber auf Sparflamme leben muss????

Ich will meinen Kindern jetzt was bieten, ich möchte Geld über haben, um mir Sachen fürs Haus anzuschaffen, ich will Urlaube machen ... das könnt ich mit hoher Tilgung nicht! In den ersten Jahren nach dem Bau will man so viel noch einrichten und gestalten, da brauchst du jeden EUR.

Außerdem muss ich eh bis mind. 67 arbeiten. Dann kann ich bis dahin auch mein Haus bezahlen!

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Hallo Claudia,

wir selber tilgen anfänglich 4 % und haben noch die Möglichkeit der Sondertilgung.
Bei den genannten Möglichkeiten würde ich die niedrige Tilgung mit Sondertilgung wählen. Da ist man flexibler. Ihr müsst einfach diszipliniert sein, am besten die 340 Euro auf ein extra Tagesgeldkonto und wirklich nur für Notfälle oder Sondertilgung.

Grüße Nina

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Und in Sachen Sondertilgung stimm ich Marina zu!

Unsere Finanzberaterin meinte auch, dass in den ersten 10 Jahren nur ganz ganz wenige Leute sondertilgen.

Man gewöhnt sich eben auch schnell an die Rate und steckt sein übriges Geld lieber in weltliche Güter, anstatt die paar 100 Mäuse in den Schlund der Bank verschwinden zu lassen.

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Ich denke, das sind dann die selben Leute, die das Geld woanders einstecken, die sich auch das Elterngeld auf zwei Jahre auszahlen lassen müssen, weil sie es selber nicht aufteilen können.

Beides war und ist bei uns überhaupt keine Problem. Klar, im ersten Jahr konnten wir nicht die kompletten 7500 Euro sondertilgen, da war durch die Insolvenz unserer Baufirma noch so viel anderes zu zahlen, da haben wir dann nur 5000 Euro sondergetilgt. Aber ab dem zweiten Jahr war das gar kein Problem und das trotz der Geburt eines zweiten Kindes usw.
Ist doch einfach nur eine Frage der Planung!

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Wir haben jedes Jahr eine Sondertilgung gemacht. Immer zwischen 2000 und 5000 €

Ich finde die Möglichkeit sollte man sich offen lassen.

LG

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Hallo,

wir haben uns auch für eine niedrigere Tilgung entschieden. Konnten bisher auch einige Sondertilgungen leisten. Im Moment ist das nicht möglich, weil ich noch bei unserer Tochter zu Hause bin und nicht viel verdiene in meinem Nebenjob.

Für uns ist es die perfekte Lösung. Ich habe auch gerne Rücklagen für größere Reparaturen etc. Wenn man diszipliniert ist funktioniert das sicher auch! Wenn ich am Ende des Jahres etwas einzahlen kann ist es gut, aber ich bin eben erleichtert wenn ich nicht muss.

Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, aber ich würde es immer wieder so machen :-)

LG

radio

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PS: Meine Cousine macht es genau anders herum! Sie zahlt soviel wie möglich jeden Monat und ist nach 3 Jahren inzwischen soweit, dass sie sich manchmal wünscht sie wären einfach in Miete geblieben!

Wenn es klappt wird der Kredit jetzt umgemodelt und die Raten ein wenig gesenkt. Das Haus MUSS ja schließlich nicht in 10 Jahren abbezahlt sein. An allen Ecken und Enden sparen zu müssen ist mehr als doof! Das wäre mir das Eigenheim nicht wert!

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Ich habe mit einer Tilgung von 2% begonnen und eine jährliche Sondertilgung von knappen 10%.

Die Sondertilgung habe ich jetzt teilweise komplett genutzt, letztes Jahr gar nicht.

Beginnt man bei 2% und sondertilgt eifrig, dann ist man ganz schnell bei viel höheren Tilgungen und hat das Ding ruckzuck abbezahlt. Bei 1% krebst man ja ewig und drei Tage im niedrigen Tilgungsbereich und wenn dann im Laufe des Lebens was dazwischenkommt dann hat man am Ende doch kein Haus.

Für mich käme eine niedrigere Tilgung nicht in Frage, da hätte ich entweder eine billigere Immobilie gewählt oder eben weiter zur Miete gewohnt und mir anderweitig Geld angespart.

Ich sehe es gerade in meinem Umfeld was sich die Leute gerade alles an Immobilien leisten (in meinen Augen über ihre Verhältnisse weil sie sich von den tollen Kreditangeboten locken lassen) und das erste Pärchen mit dem großspurigsten (selbst gebauten) Haus muss jetzt nach 3 Monaten im Haus das Ding wieder verkaufen weil sie sich trennen.

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Huhu *wink*

Also wir haben bei unserem Haus auch einen Kredit über die Bank und einen bei de KfW. Für uns war ausschlaggebend, dass wir die Zinsen auf 20 Jahre festsetzen können und nicht in 10 Jahren für eine Anschlussfinanzierung 10 % Zinsen zahlen müssen (gut, im Moment unwahrscheinlich...). Bei beidem haben wir eine Tilgung von 2% - bei der Bank die Möglichkeit jedes Jahr max. 10 % Sondertilgung zu tätigen. Da die KfW die Zinsen nur auf 10 Jahre fixt, haben wir zusätzlich noch zwei Bausparverträge mit denen wir diese Finanzierung 2021 ablösen könnten.
Bei unserer Eigentumswohnung haben wir 100% über die Bank finanziert - mit 3,5 % Tilgung. Sondertilgung ist theoretisch möglich, macht für uns aber keinen Sinn. Wohnung ist vermietet und Rendite- und Steuersparobjekt.

Generell können wir aber bei allen Krediten die Tilgung einmal im Jahr anpassen - sowohl rauf als auch runter :-) Darauf würde ich auf jeden Fall achten.

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Vielen Dank für eure Meinungen und Anregungen!

Ich denke, wir werden das Angebot der Labo annehmen. Wir werden also eine niedrigere Tilgung haben und uns gleichzeitig zum Ziel setzen, den Kredit bei der Bank in spätestens 15 Jahren abbezahlt zu haben, damit wir uns dann voll auf die verbleibende Labo-Summe stürzen können.

Letztlich hatten und haben wir immer das Motto: Eigenheim ja, aber nicht um jeden Preis. Wir wollen auch noch "leben" können, uns ab und an einen kleinen Urlaub leisten können und einfach nicht jeden Cent fünfmal umdrehen müssen. Und das ist denke ich mit dem geplanten Weg über die Labo möglich. Letztlich haben wir ja locker 25 Jahre Zeit fürs Abbezahlen, das sollte also machbar sein.

VG
Claudia #sonne

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naja, 25 Jahre, dann bist Du Ende 50 ig und Dein Mann?
Auch wenn das Rentenalter immer weiter nach hinten geschoben wird, heißt es nicht, das man wirklich so lange arbeitet und nicht evtl. in Vorruhestand gehen wird/muß.

Dann stehen schon die ersten Modernisierungsarbeiten an.......und für die Rente habt ihr auch noch nichts beiseite gelegt, wenn ihr dann was fürs Haus benötigt oder zum Leben, kann es schon knapp werden. Jetzt mal von normalen Lebensversicherungen...abgesehen. Oftmals bleibt da noch eine Lücke (inkl. Rente), um den Lebensstandard mit Haus zu finanzieren.

Die Generation von meinen Eltern haben immer pauschal 25/30 Jahre abbezahlt aber die haben viel früher angefangen und die Jobs waren fest.
Heutzutage würde ich nicht mehr so lange abzahlen, wenn man spät anfängt.

Wir haben höchstens 15-18 Jahre geplant, so das wir noch 10-15 Jahre bis zur Rente haben, um so viel wie möglich wieder anzusparen, nebst Rente, Riester, Lebensversicherung.....

Haben erst wieder den Rentenbescheid bekommen....#schock.....so viel ist es nicht, wenn einigermaßen gut leben möchte.
lisa

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Guten Morgen,

Du hast natürlich prinzipiell schon recht. Unser grundsätzliches Ziel ist es, bis zur Rente meines Mannes mit dem Abbezahlen fertig zu sein, das sind 23 Jahre. Da arbeite ich aber noch 10 Jahre weiter, wir hätten also noch einen Puffer.

Um die Rente an sich mach ich mir ehrlich gesagt keine Sorgen. Das mag vielleicht naiv sein und es weiß natürlich auch niemand, wie es in 20, 30 Jahren ausschauen wird, aber über die Beamtenpensionen kann man sich denk ich nicht beschweren und weiter gut leben.

Außerdem leb ich jetzt, wir sind jetzt noch jung, haben kleine Kinder, was hab ich davon, jetzt zu knapsen wo es geht, nur um in 30 Jahren sorgenfrei leben zu können. Wie gesagt, wer weiß, was bis dahin ist...

Lieber zahle ich monatlich weniger und dafür länger. Miete zahlen müsste ich schließlich auch ein Leben lang. Klar kommen Renovierungen, aber dafür sparen wir ja extra.

VG
Claudia #sonne

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