habe ich mir mein leben echt schon versaut?

Guten Morgen,
ich schildere euch mal mein Problem.

Ich bin 23, Mutter von einem Kind, arbeitlos(ohne Ausbildung, lebe von Alg2),habe Fachhochschulreife, war gut in der Schule...

Nach meinem Schulabgang war ich in einer schwierigen Phase meines Lebens.
Ich hatte die falschen Freunde und habe mich hinreißen lassen falsche Dinge zu machen.
Die mir aber erst im Nachhinein bewusst wurden....

Ich habe jeden Tag gekifft, mein ganzes Geld nur für das Zeug ausgegeben.(hatte nen 400€ Job während und nach der Schulzeit)...

Ich komme aus einer komplizieren Familie.
Meinen Eltern war es irgendwie egal was ich mache.
Ich habe mir immer gedacht dass es ja egal ist wenn ich ein Jahr zu Hause bleibe, kann danach ja noch was machen.

Irgendwann bin ich von zu Hause ausgezogen(hatte nen Job und habe so um die 1000€monatlich verdient).
Das Kiffen hatte ich bereits aufgegeben(habe eingesehen dass es falsch ist und einen nur runterzieht)

Ich wurde schwanger und bekam das Kind, der Vater hat sich verabschiedet.

Nun bin ich 23 Jahre und schäme mich zu Tode.
Ich habe alles falsch gemacht.

Anstatt mich um meine Zukunft zu kümmern habe ich mir mein Gehirn weggekifft.
Anstatt mich zu bemühen habe ich mich gehen lassen.
Ich habe mein Kind nicht wegen Geld bekommen, nicht weil es einfacher ist zu Hause zu sitzen und zu kassieren während andere arbeiten gehen.
Ich habe immer gearbeitet, seit der Geburt meines Kindes nun nicht mehr...

Es macht mich so traurig zu sehen wie andere es schaffen und ich nix zu Stande bekommen habe.

Ich schäme mich so.
Ich habe durch meine damalige Sucht 2 Jahre meines Lebens versaut, durch die Geburt meines Kindes dann weitere wichtige Jahre hintenangestellt.

Nun meine Frage an einige von euch die Ahnung auf dem Gebiet haben.

Hat eine 23 jährige Mutter, mit Kind, mit relativ gutem Zeugnis noch eine Chance auf eine Ausbildung???

Ich meine ich bin 23 Jahre alt.
Keine 50.
Ich muss jetzt starten um nicht einer von diesen sozialen Pflegefällen zu werden.
Es kränkt mich in meiner eigenen Ehre.
Ich war immer so gut in der Schule(da musste man ja nur jeden Morgen aufstehen und sich um nichts weiteres kümmern, sich um eine Ausbildung zu bemühen während man dauerstoned ist, ist dann ja recht schwierig)


Meint ihr die vom Arbeitsamt können mir weiterhelfen?
Was sollte ich nun als nächstes tun????

Ich will nicht eine von diesen jungen Hühnern sein die nichts zu Stande bringen und dem Staat auf der Tasche liegen und nichts besseres zu tun haben, als sich in einem durch zu vermehren.
Ich habe mich einfach viel zu früh aufgegeben.

Meint ihr ich habe noch eine Chance???
LG
Die Blumentapete


1

Na aber klar hast Du noch JEDE Menge Chancen. Ich bin Arbeitgeber mit mehreren Mitarbeitern, weiß also, wovon ich rede. Biete z.B. 3 tage kostenloses Probearbeiten an, damit Du getestet werden kannst. hast Du jemanden für die Betreuung Deines Kindes? Das halte ich für viel wichtiger. Wenn ja, solltest Du gleich anfangen, Bewerbungen zu schreiben zw. Dich umzuhören. Du bist noch so jung, Du hast es in der Hand, Dein Leben nach deinen Vorstellungen zu gestalten.

2

Eine Chance? Du hast eine Menge Chancen! Du hast einen hochwertigen Schulabschluss, damit kannst Du sogar studieren. Überlege Dir was Du machen willst, wo Deine Stärken und Neigungen liegen und leg' los.

Studieren kriegt man auch alleinerziehend gut hin, das ist nur eine Frage der Organisation und Diziplin (grössere FHs haben oft Krippen und KiTas). Und das Du Dir ein paar Jahre Deines Lebens weggekifft hast: Na und? Kannst Du alles wieder aufholen - Du bist doch erst 23.

Hör auf mit dem Selbstmitleid und mach' was.

Grüsse
BiDi

3

Immerhin hast du noch mehr Chancen als eine 30jährige, die das Gleiche feststellt.

Mit 23 wirds nun aber so langsam Zeit für eine Ausbildung!
Die Arbeitsagentur gibt da so einige Hilfen.
Du solltest dich danach im BIZ erkundigen, und dich bei deinem Berufsberater melden.
Denn das geht nur über die Agentur.

Da gibt es zum Beispiel den Altbewerber-Status für Leute ab 21 oder mit abgebrochener Ausbildung.
Wenn man den hat, bewilligt die Agentur Zuschüsse zur Ausbildung. Die bekommt der Betrieb, wenn er einen Altbewerber ausbildet.

BaE kommt für dich nicht in Frage, wenn du ALGII beziehst.
Aber vielleicht ausbildungsbegleitende Hilfe. Da bekommst du extra Unterricht.

Wer über 21 ist, kann auch die Ausbildung verkürzen. Das muss der Ausbildungsbetrieb mit der IHK abstimmen.

Da du noch unter 25 bist, kannst du auch die Hilfen für diese Personengruppe in Anspruch nehmen.
Eine davon ist BVB. Da kannst du über Praktika in eine Ausbildung kommen. Geht auch über das BIZ.

Die ARGEn haben auch spezielle Programme für Leute unter 25.

Ich glaube, so alleine hast du wenig Chancen.
Du musst halt mit den Leuten von der ARGE und der
Agentur reden, ob sie dir helfen können.

Was du hier geschrieben hast, klingt überzeugend.
Da bist du nicht die Einzige, der es so geht.
Irgendwann hat jeder mal in seiner Jugend so eine Phase, manche kriegen recht schnell wieder die Kurve, andere brauchen Jahre dafür.

Ich arbeite selber mit Jugendlichen. Mit genau solchen Leuten wie du es bist.
Viele von denen haben es noch nicht begriffen, aber es gibt auch Leute, die aus ihrem Leben noch was machen wollen. Denen kann man auch helfen.

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Danke für deine ausführliche Antwort.

Ich werde Montag sofort rumtelefonieren und nachfragen mit welcher Hilfe ich rechnen kann....

Ich will SO einfach nicht weitermachen....

LG

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Nun mal ma denTeufel nicht an die Wand und geb dich nicht selbst auf. Es ist noch alles drin.Klar ist es mit Kind etwas schwerer aber ich denke du liebst dein Kind?Du schaffst das,du musst nur wollen und rechtzeitig den Arsch hochbekommen. Was soll denn schon verloren sein??




Nun zieh dich mal nicht selbst runter.Fehler macht jeder. Einen Neuanfang zu starten oder nicht DAS entscheidet über dein Leben. Nicht deine Vergangenheit

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alsoo wenn es nach urbia geht dann kann cih dir nur sagen gott sei dank hast du deinen text sooo verfasst...hättest du einfach nur deine lage geschildert dann wären alle auf dich losgerannt mit der klaren botschaft : mädel ja dein leben ist versaut du wirst es nie zu etwas bringen usw bla bla


aber das hast du nicht...frühe kinder sind kein grund dafür sein leben versaut zu haben...ich bin 22 und mein großer wird 5 und jeden moment kommt baby nummer zwei...was meinst du was ich mir alles anhören durfte hier...keiner kennt mein leben ode weiss was ich so mache leiste und vorhabe...aber alle meinen urteilen zu können...daran muss man sich gewöhnen...

ich selbst habe meine entscheidung für die 2 nie bereut obwohl es manchmal nicht leicht war...zumal der große krank zur welt kam damals .

du wirst deinen weg gehen...und wenn es noch 2 jahre dauert dann ist das eben so...aber kinder sind was tolles und jeder hat so seine jugendsünden hinter sich...du hast deien fehler doch eingesehn...

ich bin mir sicher du wirst deinen weg gehen...lass dich ncih runterziehen von denen die keine ahnung haben

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Hallo,

eine Chance!
Mit der Einstellung und Hartnäckigkeit hast du sicher noch mehr Chancen.

Endlich mal ein "junges Huhn" das noch was aus sich und seinem Leben machen möchte :-)

viel Glück

Gruss
Casperch

7

Aber sicher geht das alles. Ich habe mit 19 meine Tochter bekommen, war dann unfreiwillig vier Jahre zu Hause. Habe mit 23 angefangen meine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Arbeite seit drei Jahren in diesem Beruf (Vollzeit, alleinerziehend und in Schichten) jetzt habe ich ein BV aber das ist eine andere Geschichte.

Du schaffst das, während meiner Ausbildungszeit hat man sogar gerne junge Mütter genommen weil man wusste das diese Menschen einen großes Durchhaltevermögen haben und sehr zielstrebig sind.


Toi Toi Toi

Whitewitch

8

Ich erzähle einfach mal von mir:

Ich habe mit 21 meinen Sohn bekommen, hatte da auch nur das Abi in der Tasche; habe zwar studiert, aber das Studium ein Jahr nach der Geburt des Kindes abgebrochen (was, wie ich heute weiß, nicht hätte sein müssen, aber ich war schlecht beraten, was finanzielle Unterstützung angeht und Internet gab es damals ja auch noch nicht).

Ich bin nach einem Jahr allein erziehend gewesen, blieb das auch eine ganze Weile und bin dann eine Zeitlang beruflich und auch sonst ziemlich rumgestolpert; habe mal bei Schlecker die Chance gesehen, Fuß zu fassen (was sowieso und mit Kleinkind erst recht der größte Schwachsinn war), habe Tupper verkauft, als Tagesmutter gejobbt, alles nicht das Ware. Im stolzen Alter von 28 (achtundzwanzig!) habe ich 1997 zum Schuleintritt meines Sohnes mit der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten angefangen (ich kam über meinen Sozialamtssachbearbeiter drauf und der half mir auch, den Ausbildungsplatz zu bekommen). Die Ausbildung habe ich wegen ABI verkürzen können und auch in einem Jahr und neun Monaten durchgezogen (Abschlussnote einen Punkt vom "sehr gut" weg! :-)).

Die ganze Zeit habe ich aber auch ein latentes Alkoholproblem (welches ich all' Jahre immerhin noch einigermaßen "sozialverträglich" handlen konnte) und eine tiefe Depression mit mir herumgeschleppt. Leider habe ich das erst ziemlich spät erkannt und erst ziemlich spät die Reißleine gezogen und mir professionelle Hilfe gesucht. Hätte ich das schon Anfang oder Mitte der 90er getan, wäre vieles leichter gewesen. Egal, es hat auch so geklappt und ich habe mich auch so gefangen, leider gab es aber eben auch dadurch schwere Zeiten. Ich habe heute einen guten Job, von dem ich eine Weile sogar neben meinem Kind und mir meinen inzwischen vorhandenen Ehemann mit durchgebracht habe (konnte also allein eine Familie ernähren *stolzbin* - zwar knapp, aber immerhin); mein Sohn wird in sechs Monaten 18, er hat einen 1,9 Realschulabschluss hingelegt und geht nach den Sommerferien auf ein berufliches Gymnasium.

A propos mein Job (siehe meine VK), das bringt mich zu Deiner Frage:

"Meint ihr die vom Arbeitsamt können mir weiterhelfen?
Was sollte ich nun als nächstes tun???? "

1. Ja, 2. Hingehen und einen Termin ausmachen (wenn Du ALG II bekommst, mit Deinem pers. Ansprechpartner).

Es gibt mehrere Möglichkeiten, an einen Berufsabschluss zu kommen:

1. Reguläre Ausbildung. Dann würde ALG II für Dich wegfallen und für das Kind weitergezahlt (inkl. Mehrbedarf Alleinerziehung). Allerdings müsste man dann schauen,. ob Du nicht BAB als Zuschuss erhalten kannst (pluss evtl. einen Zuschuss zu Deinem Wohnkostenanteil von der ARGE). Man kann jede Ausbildung übrigens auch in Teilzeit machen, so der Ausbildungsbetrieb da mitspielt.

2. Ausbildung als sog. betriebliche Umschulung (heißt bei uns "Förderung der beruflichen Weiterbildung" mit Bildungsgutschein übers Arbeitsamt. Vorteil: Du würdest weiter auch Deinen ALG II-Anteil erhalten. Nachteil: Die Ausbildung müsste verkürzt werden und es ist nicht gesagt, ob die ARGE oder die Agentur da mitmacht. Wir bei uns hier spielen da in Regel mit, so wir noch Kontigente frei haben.

3. Ausbildung über eine Maßnahme der ARGE/der Arbeitsagentur. Entweder eine überbetriebliche "Förderung der beruflichen Weiterbildung" (Volksmund wieder: "Umschulung") oder eine andere Maßnahme. Bei uns in Frankfurt/Main gibt es den sog. "Frankfurter Weg zum Berufsabschluss" - eine gute Sache.

4. Studium an der FH. Nachteile siehe oben, ALG II für Dich fällt weg, fürs Kind nicht; allerdings ggf. BaföG-Anspruch plus Wohnkostenzuschuss seitens ARGE.

Kopf hoch! Du bist keineswegs zu alt!! Ich habe hier Frauen, die Teils erst mit Anfang 30 die Kurve bekommen haben. Wenn man mit Engagement da ran geht, wird das auch was!

Ich bin das beste Beispiel dafür!

Gruß
Ch.

P.S. Mir hat man seinerzeit auch prophezeit "Du wirst immer ein Sozialfall bleiben mit Deinem Kind." Tja, heute betreue ich die "Sozialfälle" und zeige ihnen Wege da hinanus... #freu :-p

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auch dir danke ich für deine ausführliche Antwort.
Es ist echt schön zu wissen, dass man hier auch mal nachfragen kann, ohne gesteinigt zu werden.

Das Thema ist mir so peinlich dass ich mir schnell nen 2.Nickname extra deshalb angelegt habe.

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ui, das hätte ich nicht gedacht.

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Sehe gerade, dass ich mich in Bezug auf Dein Alter verlesen hatte, dachte, Du bist 25. #hicks Dann wende Dich erst Recht an ARGE oder Agentur, es gibt jede Menge spezieller Fördermöglichkeiten. Da ich nicht in einem "U25"-Team arbeite, bin leider was die speziellen "U25"-Maßnahmen angeht, etwas "ungebildet".

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