Meine Schwester

Hallo liebe Form- Mitglieder,
Ich bin neu hier und hoffe nicht gleich einen Bock geschossen zu haben und ins falsche Forum geschrieben zu haben . Wenn ja , tut es mir leid. Ich habe mich hier angemeldet, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Es geht um meine ältere Schwester. Sie ist nun 33 und probiert seit 2 Jahren erfolglos Mutter zu werden. Ich selbst bin 30 und habe schon zwei Kinder. Meine Schwester dreht zunehmend ab. Ich verstehe ihren Schmerz . Ich habe auch Verständnis, dass es eine echte Tortur sein muss. Sie hat nun schon einige Inseminationen und eine Künstliche Befruchtung hinter sich. Ohne Erfolg . Ich muss dazu sagen, dass sie an Endometriose leidet, was die Chancen auf eine Schwangerschaft wohl eherblich einschränkt. Auch ist wohl das Sperma ihres Mannes nicht hervorragend. Ich versuche sie nach jedem missglückten Versuch zu trösten und bin immer für sie da ! Sie macht es mir und unserem Umfeld nur sehr schwer in letzter Zeit an sie ran zu kommen. Sie erzählt mir fast täglich dass irgendwer schwanger ist und das macht sie fertig und sie erzählt mir offen und ehrlich dass sie es den Personen nicht gönnt und hat auch schon im Freundeskreis, da es bei jemanden geklappt hat Streit angefangen und offen gesagt sie freut sich nicht für diejenigen. Was mich nun dazu bewogen hat hier zu schreiben und eventuell von euch Erfahrung zu generieren , ist ihre Aussage , dass falls der Kinderwunsch unerfüllt bleibt , sie sich Umbringen wird . Sie hat die Aussage nun schon in der letzten Woche öfter wiederholt . Sogar unsere Mutter ist schon wieder letztens mitten in der Nacht zu ihr gefahren, da sie wieder so drauf war... kein Einzelfall. Ihr einziges Thema ist der Kinderwunsch. Das geht sogar soweit dass sie meinen ältesten ( ihr Patenkind) vergrault, da sie ihm auch bei einem gemeinsamen Ausflug über Spermiogramme etc. Aufklärt. Das geht mir nun wirklich zu weit . Ich fasse sie seit mehreren Jahren mit Samthandschuhen an. Selbst meine eigene Schwangerschaft habe ich vor 3 Jahren nicht direkt gesagt, da sie sich in dieser Zeit von ihrem Mann getrennt hatte. Ich versuche auch immer sie abzulenken, ihr zu zeigen dass ich selbst auch Probleme habe und bei mir auch vieles schief läuft. Daraufhin wird mir nur stets entgegnet bei mir läuft doch alles perfekt , ich habe doch Kinder ! Alle anderen Probleme sind doch gar nichts im Vergleich zu ihrem Kinderwunsch! Der Kinderwunsch ist teuer und sie verpulvert viel Geld für gar nichts ! Ihre Aussage ist alle wollen nur ihr Geld , irgendwelche „ Assis“ bekommen geschenkt , wofür sie so hart bezahlen muss. Ich will mich nicht abwenden , ich liebe meine Schwester aber jeder tröstversuch oder normaler Umgang endet damit, dass ich dumm angeredet werde , dass ich keine Ahnung habe und sie jetzt ihre Ruhe will. Ich traue mich mittlerweile nicht mehr ihr irgendetwas positives meinerseits zu sagen, da sie darin nur die Bestätigung sieht, dass nur ihr schlechtes widerfährt. Der Kinderwunsch beherrscht ihr ganzes Leben. Alles andere ist ihr mittlerweile egal . Das sagt sie sogar selbst . Ich habe nun überlegt über BKiD eine psychologische Beraterin zu kontaktieren, da ich eine unglaubliche Angst um sie habe . Von ihrem Mann kann ich keine Unterstützung erwarten ... der ist das Sinnbild eines Vollpf..... mache ich denn alles falsch ? Geht es jemanden genauso ?

Vielen Dank für eure Beiträge
Lg Sonne

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Wow das hört sich schon wirklich schlimm an 😕und man kann deine Verzweiflung durch den Text förmlich sehen. Ich glaube ohne professionelle Hilfe wird deine Schwester daran zerbrechen und ihr solltet Ihr vielleicht Unterstützung geben und ihr nahelegen sich einem Therapeuten anzuvertrauen. Das hört sich alles sehr nach Depression und Hilflosigkeit an. Ich wünsche dir und deiner Schwester alles Gute und das am Ende alles gut wird 🙏

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Also ich an deiner Stelle würde ihr mal klipp und klar sagen das sie sich mal professionelle Hilfe suchen sollte...
Im übrigen kann muss aber nicht auch die Psyche mit ein Grund sein das es nicht klappt...sie sollte auch dringend mal Abstand nehmen vom Kinderwunsch denn das artet bereits in Depression mit suizidgedanken aus..

Ich wünsche dir ganz viel kraft das sie es bald schafft es auf die Reihe zu bekommen...

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Das mit der psychologischen Unterstützung ist gut... jedoch wird es nichts bringen ihr einen Psychologen "aufzutischen". Das muss von ihr selber kommen.
Das klingt arg nach Depressionen.

Deiner Schwester muss das jedoch selber klar werden, dass da was schief läuft und der Wunsch nach Veränderung muss auch von ihr kommen, damit die "Heilung" (Therapie etc.) fruchten kann...

Depressionen, bzw. unerfüllter Kinderwunsch gehen oft miteinander her. Das eine bedingt dann das andere... ein Teufelskreis.


So hart es klingt - pass du bitte auf dich auf! Und auf deine Familie.
Erzwinge nichts, deine Schwester ist eine erwachsene Frau... und erzwungene Hilfe kann auch das Gegenteil hervorrufen.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

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Hallo, ich denke auch das deine Schwester dringend Hilfe brauch. Ist natürlich fraglich ob sie dies annehmen wird...

Es ist wirklich schwierig, kann schon verstehen das ein unerfüllter Kinderwunsch sehr belastend ist aber was sie da veranstaltet geht zu weit! Es ist sehr gut das sie dich hat und du deiner Schwester helfen willst. Vielleicht könntest du doch mal versuchen deinen Schwager mit ins Boot zu holen, er muss doch diese Veränderung seiner Frau auch wahrnehmen.

Alles Gute euch
LG Pusteblume.85

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Also erst einmal möchte ich dir sagen, dass du eine wundervolle Schwester bist. Obwohl sie dich immer blöd anredet, gibst du sie nicht auf und versuchst ihr dennoch zu helfen! Also erstmal ‚Hut ab‘ dafür. Schließe dich am besten mit deiner ma zusammen und versucht ihr psychologische Hilfe zu organisieren. Sie wahrscheinlich nur noch ein Schatten ihrer selbst 🤷🏽‍♀️

Gib sie nicht auf 💪🏽💜

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Hallo,

es tut mir sehr leid, was du über deine Schwester und auch über die Enwicklung durch diese Situation schreibst.

Ich kann die Gefühle deiner Schwester ein Stück weit verstehen, da ich den selben Weg gehen mußte. Habe auch Endometriose und wir haben 7 lange Jahre Kinderwunsch hinter uns mit einigen massiven Rückschlägen bis wir ein Baby in die Arme schließen durften. Unsere erste Tochter ist in der 39. SSW verstorben nach bereits 5 Jahren Kinderwunsch, wo man sich auch fragt, warum ausgerechnet wir nach allem was wir schon durchlitten haben...
In dieser Zeit viel es mir auch sehr schwer mit den Schwangerschaften anderer umzugehen und ich habe so viele Tränen geweint.
Aber mein Mann hat mich da immer wieder aufgefangen und persönlich auch mit auch der Glaube (bin Christ) halt gegeben, dass alles im Leben seinen Sinn hat. Rückblickend kann ich das wirklich so sagen.

Ich denke bei deiner Schwester geht es schon tiefer als bei mir damals und das war echt schon heftig. Sie scheint sich in ihrer Trauer zu verlieren und alles und jeden um sich herum vergessen. Hat sie Austausch mit anderen Betroffenen? Das hat mir damals sehr gut getan. Ich hab ein kleines (christliches) Forum gefunden mit Frauen, die auch ungewollt kinderlos sind. Bei manchen, so wie bei uns hat es nach vielen Jahren noch geklappt, aber andere sind leider trotzdem ohne Kinder geblieben. Aber Sie haben Frieden gefunden und eine neue Aufgabe. Bevor ich mit unserer Tochter schwanger wurde, war ich durch diese Frauen auch auf einem guten Weg, es annehmen zu können, dass wir vielleicht keine Kinder mehr bekommen werden.
Ich habe hier auch noch ein paar gute Bücher, die mir damals sehr geholfen haben, da kann ich gern nochmal schauen, wie die heißen, wenn du magst.
Ich denke es ist aber immer leichter für jemanden einen Zugang zu deiner Schwester zu finden, der den gleichen Schmerz teilt oder geteilt hat.

Du schreibst auch, dass sie Endometriose hat. Ich nehme mal an, dass da schon Bauchspiegelungen erfolgt sind? Bei mir war sehr viel verwachsen, aber zum Glück die Eileiter noch frei und nach der OP auch wieder beweglich.
Vielleicht hat die Kinderwunschklinik wo sie war auch psychologische Beratung oder eine Gruppe zum Ausstausch.

Falls ich noch irgendwie helfen kann, kannst du mir gern auch PN schreiben.

LG

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Liebe sonne,

Ich finde es wahnsinnig toll, wie viele Gedanken du dir machst, dass du deiner Schwester beistehen und sie unterstützen möchtest und zu ihr hälst, obwohl es so schwierig ist.

Ich muss leider trotzdem sagen, dass - aus meiner Sicht - du sowieso nicht helfen kannst und du es damit, dass du ohne Probleme zwei gesunde Kinder bekommen hast, es für sie noch schlimmer machst.
Egal was du tust - du wirst immer die Schwester sein, die vom Schicksal verschont wurde und sich von zwei wundervollen Kindern umgeben wiederfindet.

Von daher Versuch damit umzugehen, kapsel dich innerlich davon ab und sei einfach da.
Was deine Schwester da durchmacht, kannst du nicht verstehen, da du es selbst nie erlebt hast.
psychologisch gesehen gibt es keinen stärkeren und nicht abstellbaren Wunsch einer Frau wie der nach einem Kind.
wenn dieser Wunsch sich einmal in die Seele gefressen hat, gibt es kaum eine Frau, die sich wirklich damit abfinden kann, wenn es nicht klappt.

Was ich deiner Schwester empfehlen kann, ist ihr Berufsleben auszurichten auf eine Art, wie es mit Kindern nicht gehen würde.
Ich habe das so gemacht und es ist die einzige Art damit irgendwie zu leben, dass wir nicht schwanger werden.
Wir haben im Dezember 2017 angefangen, da war ich 26, frisch verheiratet, wir hatten gerade ein Haus gekauft und ich hatte einen Job nach dem Master, den ich super auch hätte mit einem Kind vereinbaren können.
Alle sind davon ausgegangen, dass ich direkt im 1. ÜZ schwanger werde, mein Mann war da bereits 43 und wollte nun auch endlich Kinder.
Und dann klappte es nicht und wieder nicht und wieder nicht.
Nach 4 Monaten hatte ich einen Nervenzusammenbruch, und wir haben entschieden uns schonmal auf das Leben ohne Kinder vorzubereiten.
Denn wir lieben uns und unser Leben und wollten nicht so enden wie deine Schwester.
Ich habe mich also von meinem kuscheligen 40 Stunden Projektmitarbeits-Job auf einen super anstrengende 60 + Stunden Projektsleitungsstelle beworben und da im Juni angefangen.
Vorher war ich jeden Abend früh zu Hause - jetzt bin ich ständig am arbeiten.
Als ich dann immer noch nicht schwanger wurde, habe ich über den Sommer Kontakt mit meinem ehemaligen Lehrstuhl aufgenommen, habe ein Exposé für eine Promotion verfasst und vor zwei Tagen kam die Zusage der Uni - das Promotionsthema ist angenommen.

Ich werde also keine glückliche keksbackende Teilzeit arbeitende Mutti werden - aber dafür mache ich Karriere, werde irgendwann meine fertige Promotion in den Händen halten und so auch ein wertvoller Teil der Gesellschaft sein.

Sicher ist Karriere, mehr Geld zu verdienen etc nicht das gleiche wie ein zuckersüßes Baby in den Armen zu halten, aber es bewahrt mich davor durchzudrehen.
Ich habe als Frau versagt auf ganzer Linie dadurch dass ich auch im 11. ÜZ immer noch nicht schwanger bin und auch jede Hoffnung es jemals zu werden längst aufgegeben habe.
Aber ich gehöre zumindest nicht zu den Frauen die sich mit schlecht bezahlten Teilzeitjobs rumärgern und die es verpassen Karriere zu machen weil da die Kinder sind.

Ich würde also an deiner Stelle deiner Schwester raten sich eine ähnlich sinnvolle Beschäftigung zu suchen wie ich. Sollte sie schon promoviert sein, bietet sich auch ein post-doc an oder eine Habil.

Mein Mann hat um sich, um
sich von der Trauer abzulehnen ein neues Segelboot gekauft und verbringt jetzt jede freie Minute auf diesem Boot. Das ist sein Weg sich damit abzufinden, dass offenbar jeder asoziale Hartz 4 Empfänger Kinder am laufenden Band in die Welt setzt, aber es uns beiden nicht vergönnt ist.

Sicher gibt es etwas, mit dem deine Schwester sich ablenken könnte.

Ich wünsche dir und deiner Schwester alles Liebe!