Habe ich in der Erziehung versagt?

Hallo,

gleich vorweg möchte ich sagen das dies ein Ausheulpost werden wird.
Was ich mir hiervon erhoffe, weiß ich selbst nicht genau.

Ich bin Mutter von drei Kindern, die zwei großen sind recht unkompliziert und es gibt keine Probleme.

Der Kleine wird im Sommer drei Jahre alt und ist völlig außer Kontrolle.
Er war schon immer anders als seine Geschwister was ansicht völlig okay ist.
Aber seit über einem Jahr dreht er völlig durch und auf.

Er hört überhaupt nicht, macht das Gegenteil von dem was er soll.
Spuckt, beißt, schmeißt sich hin, rennt weg, lässt sich nicht anziehen, nicht ausziehen, will nicht laufen und nicht in den Buggy usw... Die Liste könnte ich beliebig fortsetzen.
Er kann nicht zwei Minuten still sitzen oder spielen, muss immer in Bewegung sein und rennt nur rum.
Alles an dem Kind ist immer in Bewegung, der Kopf wird wild geschüttelt, die Arme "fliegen" wie verrückt, ständig fällt was um oder er fällt hin und tut sich weh.

Klettert überall hoch, selbst an Möbeln und Angst kennt er nicht .
Er ist ständig laut und aufgedreht,kann nichts in Ruhe machen.
Er schreit und brüllt sobald es nicht nach seiner Nase geht, das geht schon früh nach dem Aufstehen und anziehen los und endet beim ins Bett bringen.
Alles, wirklich alles ist ein Kampf und ich bin inzwischen so kaputt und fertig mit den Nerven, dass ich täglich heulen könnte.

Bei uns gibt es Regel und Grenzen, aber unsere Sohn überschreitet sie täglich mehrmals.
Wir erklären immer wieder ordentlich und ruhig, setzen klare Grenzen und sind konsequent aber es hilft nichts.
Schimpfen wir, lacht er noch und treibt es fröhlich weiter.
Selbst wenn ich mal laut werde, interessiert es ihn nicht.

Ich frage mich in letzter Zeit sehr oft, was ich eigentlich falsch gemacht habe in der Erziehung?
Warum ist er so, ist das noch normal oder hat er irgendwas?
Der Kinderarzt findet es bisher nicht bedenklich.

Kennt das jemand von anderen Kindern und wurde das eventuell mal besser?

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Eigentlich liest sich dein Beitrag reflektiert und du kommst mir nicht inkonsequent vor. Ich denke daher, dass es vermutlich kein Problem mangelnder Erziehung ist, sondern dass er einfach anders ist als seine Geschwister und es dir vielleicht am meisten hilft, deine Erwartungen nach unten zu korrigieren.

Es gibt durchaus viele 3 Jährige, die kaum still sitzen und die - und 3 ist ja auch bestes Trotzalter - gerne mit dem Kopf durch die Wand gegen und chronisch erstmal gegen alles sind, dann Wutanfälle haben und wo man echt ein bisschen die Krise bekommt, wenn ständig aus dem Nichts riesen Konflikte gemacht werden. Aber ich denke schon, dass man momentan davon ausgehen sollte, dass das das Alter ist und sein Charakter einfach herausfordernder ist, viel ausgelastet werden muss, viel Bewegung braucht und wo Geduld eben so die Baustelle ist an der man laaaaangfristig arbeiten muss.

Ich würde versuchen ihn nicht so viel mit anderen zu vergleichen. Und ihn mehr für sich sehen. Er wird ja nicht in seiner Entwicklung stehen, sondern vielleicht einfach langsamer darin sein gutes Verhalten zu lernen.

Vielleicht braucht er aber auch bestimmte Dinge anders als die anderen beiden Kinder um die selben Sachen zu lernen. Vielleicht musst du den Pfad deiner bisherigen Erfahrungen verlassen, wie es bisher geklappt hat, und die Probleme mehr aus seiner Perspektive sehen. Vielleicht müsst ihr individueller mit seinen Talenten und Baustellen arbeiten. Man neigt ja oft dazu die Kids in einen Topf zu stecken. Da passt er vielleicht nicht rein und wehrt sich mit aller Kraft. Wann haut er zu, warum, wie könnte ich speziell ihn davon abhalten und speziell ihm andere Wege zeigen?

Es ist schwierig. Vielleicht hat er eine Beeinträchtigung. Vielleicht ADHS, vielleicht Defizite in der Wahrnehmung..... vielleicht..... vielleicht...... vielleicht braucht er auch bloß mehr Zeit und dass ihr so am Ball bleibt..... vielleicht ist es gerade auch eine besonders schwere Phase......

So oder so denke ich, dass es momentan für die Diagnostik zu früh ist. Es kann noch so viel passieren im Kopf. Ich würde bzgl. ADHS eher ins Vorschulalter gegen für erste Untersuchungen.

Momentan wäre ich nur wachsam und mein bestes Geben ihm einen Rahmen mit Grenzen zu geben, die immer die selben sind, versuchen positives Verhalten massiv zu verstärken, damit er Anerkennung erfährt und nicht das schwierige schwarze Schaf der Familie wird und darauf achten dass ich individuellere kleinere Ziele setze zu dem Erfolg zu dem ich mit ihm hin will, weil er gewisse Probleme vielleicht nicht so leichtfertig meistert wie deine anderen Kinder. Trotzdem muss er Liebe und Anerkennung auch für kleine Erfolge erfahren.

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Ich denke du hast in vielen Punkten recht.

Nur weiß ich überhaupt nicht, wie ich dieses Theater und Verhalten noch aushalten kann.
Die Blicke der anderen Eltern wenn er wieder ausflippt sind mir total unangenehm.
Vereinzelt kamen schon Kommentare das unser Sohn verzogen ist, zu verwöhnt und er tanzt uns auf der Nase rum.
Er müsse endlich mal klare Grenzen bekommen, notfalls eine auf den Hintern usw.

Ich erkläre ruhig, versuche zu motivieren und lasse ihn viel selbst machen und selbstständig sein.
Ich kündige an bevor wir zb. den Spielplatz verlassen, duschen gehen usw.

Ich weiß einfach nicht, wo ich bei ihm ansetzen soll und auf welcher Ebene ich ihn begegnen soll.
Ich liebe ihn so wie er ist, er kann so süß sein und gleichzeitig macht es mich so hilflos und traurig weil ich scheinbar keinen Draht zu ihm bekomme.
Ich will gar nicht wissen, was unsere Nachbarn von uns denken wenn täglich so ein Drama bei uns ist.

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Du sagst selbst er kann so süß sein.
Da würde ich ansetzen und diese Momente mehr in den Fokus setzen und denen mehr Beachtung setzen.
Dreht er am Rad würde ich mich zurück nehmen und dem so wenig wie möglich Beachtung schenken. Meine Kinder waren in der Trotzphase oft verdutzt warum ich nicht reagiere, wenn sie einen "Anfall" sag ich mal hatten. Ich habe einfach so getan als wäre nichts. Waren sie normal hab ich mit ihnen geredet und sie getröstet.
Von heute auf morgen wurde es natürlich nicht besser, aber mit der Zeit.

Ich denke nicht, dass du versagt hast. Bei 2 Kindern hat es schließlich geklappt.
Ich bin mir auch sicher, dass es am willenstarken Charakter liegt und am Alter.
Es ist eben nicht jedes Kind gleich.
Meine ältere Tochter ist total vernünftig und verantwortungsbewusst. Die jüngere ist ein Haudegen. Macht einen Blödsinn nach dem anderen. Erziehung haben beide dieselbe. Nur bei der kleineren muss man eben oft konsequenter sein und braucht einen langen Atem.

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Hallo! Ja, das kenne ich von meiner Tochter fast genau so. Kinder sind einfach verschieden. Jetzt mit 7 ist sie ein recht pflegeleichtes Mädchen geworden, höflich, kreativ und aufgeschlossen und kann sich auch lange selbst beschäftigen. Schule läuft auch.
LG

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Das klingt wirklich gut, freut mich für euch das es sich in eine positive Richtung entwickelt hat.
Ich hoffe bei uns wird es mit dem Alter auch besser.

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In welchen Situationen macht er es und welche alternativen bietest du ihm an.

Wieviel richtige Bewegung hat er am Tag

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Wir sind jeden Tag draußen im Garten wo Schaukel, Trampolin, Sandkasten usw. zum spielen vorhanden ist.
Oder auf dem Spielplatz, spazieren im Wald, Laufrad fahren usw.
Und im Kindergarten ist er auch jeden Tag draußen, Bewegung hat er meiner Meinung nach genug.

Die Situation sind verschieden zb.gehen wir Zähne putzen und er möchte die Zahnpasta selbst drauf machen, flippt aber aus sobald er die Zahnpasta in den Händen hält.
Beim anziehen fängt er an, bricht dann einfach ab und zerrt völlig wütend an der Kleidung.
Er spielt und plötzlich flippt er aus und schmeißt alles um, zerreißt Bücher...
Er fährt Laufrad und schmeißt es einfach hin, oft ohne ersichtlichen Grund und dann macht er riesen Theater.

Ehrlich gesagt kann ich meistens nicht nachvollziehen warum es wieder Drama gibt.

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Was macht ihr mit ihm? Was sagt der Kindergarten wie er sich dort verhält.

Was machst du wenn er sauer wird weil er die Zahnpasta in die Hände bekommt?

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Ich glaube, du machst nichts „falsch“. Dein Kind klingt autonom und willensstark. Und es ist noch klein, mit 3 Jahren ist die Frustrationstoleranz noch gering und die Emotionen übernehmen meist die Überhand vor der Einsicht. :)
Wir haben hier auch so ein ähnliches Exemplar: er WEISS, dass er nicht auf den Tisch klettern soll, er WEISS, dass wir nach dem Essen Hände waschen und Zähne putzen.. aber er muss es trotzdem immer und immer wieder austesten.
Wir gehen langsam dazu über, weniger zu sagen, statt ihn ständig zu ermahnen und vollzulabern. Wir versuchen, bei uns zu bleiben, die wenigen wichtigen Dinge ruhig durchzusetzen und ihm ansonsten sehr viel Freiheit zu lassen. Das heisst NICHT, dass er alles darf. Aber wenn ich ihm sage: ich lese dir vor, wenn du deinen Schlafi angezogen hast, nicht vorher, dann funktioniert das einwandfrei. Ich muss nicht mal daneben stehen, er macht das alleine.
Es gibt Kinder, die wollen nicht so viel Betüddelung, andere brauchen das vielleicht mehr.
Vielleicht wäre das auch ein Ansatz für dich?

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Sind die Ohren ok?

Bei einigen mehreren Kindern im Umfeld stellte sich Wasser hinter dem Trommelfell heraus.
Nach medizinischer Behandlung war das Verhalten schnell und deutlich besser.

Bei wenigen war es was anderes.

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Hallo,

ich finde, das klingt schon ziemlich heftig.

Wir haben eine Tochter (13), die extrem willensstark ist und einen Sohn (11) mit ADS, der auch nicht gerade einfach ist.
Die Große war mit 2-3 ziemlich anstrengend. Da haben alle nur noch gestaunt, wie bockig dieses Kind sein konnte. #schwitz
Sie war auch sehr wuselig, irgendwie immer in Bewegung, warf sich gerne brüllend auf den Boden, wollte nicht in den Kindersitz, etc.
Der Kleine hat mit ca. 3,5 so richtig losgelegt und als Krönung mal den Waldtag im Kindergarten gesprengt, weil er sich geweigert hat, mitzukommen.

An Tips habe ich noch:
- keine Ausnahmen. Aus jeder Ausnahme leiten so willensstarke Kinder ab, dass es nächstes mal wieder eine gibt. Das führt nur zu mehr Problemen.
- keine langen Erklärungen. Kurze knappe Ansagen inklusive der Konsequenz.
- Bei Fehlverhalten von 3 runter zählen, damit das Kind weiß, wie nahe es an der Konsequenz ist.
- Die Konsequenz muss immer kommen, wenn sie angekündigt wurde, egal, wie das Kind sich dann aufführt.
- Wenn eine Konsequenz nicht zieht, nimmt man eine andere. Jedes Kind hat einen Hebel, der zieht. Man muss ihn nur finden.
- auf Augenhöhe gehen und dem Kind in die Augen sehen, wenn man mit ihm schimpft
- bei ADSlern ist wichtig, dass man Dinge rechtzeitig ankündigt und man muss im Kopf behalten, dass es länger dauert, bis solche Kinder Erfahrungen und Konsequenzen verinnerlicht haben

Manche Kinder drehen immer weiter auf, wenn sie meinen, ein teilnahmsvolles Publikum zu haben.
Unsere Tochter haben wir mit 3 zu Hause alleine in ihr Zimmer verfrachtet, weil sie anders nicht runter kam, sondern dann nur immer weiter ausrastete. Alleine hat sie sich schnell beruhigt und kam dann zu uns, und wir haben ruhig über die Sache geredet.

Bei unserem Sohn musste man aber dabei bleiben und ihn trösten. Da wäre das der falsche Weg gewesen.
Das muss man ausprobieren.

Bei unseren Kindern ging es so weiter, dass die Große (13) sich ab dem Kindergartenalter außer Haus meistens super benommen hat.
Sie ist immer noch sehr selbstbewusst und willensstark. Sie ist nur so intelligent, dass sie weiß, wie sie ihre Ziele am besten erreicht, und das ist außer Haus eben nicht in der Form, dass man den Hulk gibt. Zu Hause kommt das schonmal vor, aber viel seltener, als als sie klein war.
Wobei ich auch sagen muss, dass sie für einen Teenager in dem Altern noch eher harmlos ist. Da sind Kinder aus dem Bekanntenkreis, die früher immer lieb und brav waren, teilweise deutlich krasser drauf. #schwitz

Der Kleine (11) hat in der 2. Klasse die Revolution gegen seine Klassenlehrerin ausgerufen, weil er unterfordert war und sie nicht in der Lage mit Kindern umzugehen, die nicht kreuzbrav waren.
Da durften wir uns einiges anhören, was für ein ungezogenes, gestörtes Kind wir doch hätten.
Er hat dann eine Klasse übersprungen und seitdem klappt es auch meistens mit den Lehrern. ;-)

Zu ihm muss man sagen, dass er ziemlich impulsiv ist (durch sein ADS) und häufiger Dinge in den falschen Hals bekommt oder grundgenervt ist und dann schnell hoch geht.
Meistens reicht es aber, wenn man dann eine strenge Ansage macht, dass es so nicht läuft. Schlimmstenfalls fallen eben Computer oder Verabredungen aus. Das findet er blöd und überlegt sich bei den nächsten Gelegenheiten, ob er es wirklich so weit treiben will...

Es gibt immer mal Gelegenheiten, wo es schwierig wird, vor allem, wenn die Kinder sich untereinander in die Haare bekommen, aber es ist nicht so, dass wir sagen würden, dass es unser Familienleben stark belasten würde.
Meistens sind die Kinder ganz handzahm. ;-)

Ob Dein Sohn eine Störung hat, kann man in dem Alter noch nicht sicher feststellen.
Das kann ADHS sein. Das kann Asperger Autismus sein.
Aber es kann genauso gut sein, dass er einfach nur willensstark ist und viel Bewegung braucht.

Unsere Tochter hat definitiv weder AD(H)S, noch Asperger. Wenn ich raten sollte, würde ich darauf tippen, dass sie hochbegabt ist. Da deutet viel drauf hin, aber sie will sich nicht testen lassen. Diese Kinder sind auch häufig extrem willensstark.

"Die Blicke der anderen Eltern wenn er wieder ausflippt sind mir total unangenehm."

Ich glaube, das Problem ist, dass es heute viele Eltern gibt, die nicht erziehen, weil sie keinen Stress mit ihrem Kind wollen. Da liegt eben der Verdacht nahe, dass das mal wieder so ein kleiner, verzogener Prinz ist.

Aber wer sich besser mit Kindern auskennt, der weiß, dass es auch welche gibt, wo die Erziehung sehr herausfordernd ist, auch, wenn man konsequent ist.

LG

Heike

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Das klingt wie eine Beschreibung meiner beiden jüngeren Söhne in dem Alter. Da hab ich mich auch immer gefragt, was wir wohl falsch gemacht haben, da der Große pflegeleicht war.

Im Schulalter hat sich bei den beiden ADHS rausgestellt, seit Diagnose und Therapie sind die beiden immer noch keine superruhigen Zeitgenossen, aber ziemlich einsichtig, rücksichtsvoll und kooperativ.

Dein Sohn ist aber für Diagnosen noch zu klein und das kann sich alles noch rauswachsen. Falls er im Schulalter sich immer noch so verhält, würde ich eine/n KJP aufsuchen.

Ich bin grundsätzlich kein Fan von elterngemachten Konsequenzen, es sei denn, man musste andere Leute vor Belästigung schützen, z.B. wenn sie irgendwo nicht ruhig zu bekommen waren, sind wir halt heimgegangen.

Sehr viel mehr als eingreifen, wenn er etwas tut, was er nicht darf und klare Ansagen machen, kann man in dem Alter nicht, man weiß ja gar nicht, ob er anders könnte (und bei einem liebevoll erzogenen Kind ist auch nicht davon auszugehen, dass er mit dem Verhalten jemanden ärgern will). Er kann einfach seine Impulse noch nicht kontrollieren. Das müssen dann so lang die Eltern machen.:-)

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Hallo,

Unser Sohn war genauso in dem Alter, wie du deinen beschreibst.

Hmm es kann alles oder nichts sein,
wenn es dich so sehr belastet hol dir Hilfe, dass ist sehr wichtig.

Bei uns hat eine gute Ergotherapie eine SensorischeIntegrationsstörung festgestellt,dann kam das SPZ danach die KJP.

Nun sind die Diagnosen fest, Autismus und AdHS.

Weiterhin gute Nerven!

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Es gibt viele Bücher für Kinder über Emotionen - Wut - soziales Miteinander. Erkläre immer wieder in ruhigen Minuten, dass sein Verhalten traurig macht - über Gefühle reden ist sehr wichtig. Vielleicht eine Belohnungstafel einführen, für 5 x etwas gut machen gibts eine kl Belohnung.
Wie ist es denn abends im Bett ? Ist er da auch sehr unruhig vor dem schlafen ? Oder kann er sich dort regulieren ? Viel für die Körperwahrnehmung machen könnte helfen. Die körperliche Unruhe u das zappeln könnte eine Wahrnehmungsschwäche sein. Aber er ist ja tatsächlich noch recht klein - vieles legt sich tatsächlich mit der Zeit.

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