Privatsphäre - 7 Jahre alt

Hallo,

ich wüsste gerne, wie ich Folgendes am besten handhaben könnte.

Mein Sohn und ich wohnen seit 1,5 Jahren alleine, in einer 2,5 Zimmer Wohnung.
Mehr ist nicht drin, wir kommen finanziell klar, Platz reicht eigentlich auch und wir finden beide die Wohnung ganz süß.
(Beim Papa gibts sogar nur 2 Zimmer, er spielt dort im Wohnzimmer und schläft mit Papa im selben Zimmer)

Ich habe für mich eine kleine "Kammer", die aber nur durch das (schöne, große) Zimmer meines Sohnes erreichbar ist. In seinem Zimmer muss auch mein Kleiderschrank stehen
Ich hatte mit einem Protest ungefähr zur Pubertät gerechnet, aber scheinbar müssen wir das Thema jetzt schon angehen.

Heute kam er und ich sollte ihm einen Zettel schreiben, auf dem stehen sollte dass ich ab sofort nur noch abends rein darf, ansonsten unbedingt anklopfen müsste.

Den Zettel habe ich nicht geschrieben, aber wir haben darüber geredet.
Das war ihm dann schon wieder megapeinlich, hat abgewiegelt und wollte gar nicht mehr richtig das Thema besprechen.
Er möchte nicht mehr, dass ich überraschend eintrete, denn wenn ich klopfen würde, könnte er ganz schnell etwas wegräumen. Was habe ich nicht verstanden, ich vermute, dass er sich selbst erforscht oder sowas, es geht mich ja auch nichts an.
Ich soll auch warten, bis er "herein" sagt.

Ist es normal, dass das in diesem Alter schon so wichtig für ihn ist und wie können wir gemeinsam mit der Situation umgehen ?
Ich habe ihn ernst genommen, habe aber auch gesagt so ganz einfach ist das nicht, weil ich ja dadurch aus meinem eigenen Reich auch ausgeschlossen werde.

Er lehnte ab, dass ich sein Bett mit einem Vorhang abtrennen könnte, was sich super anbieten würde.
Ein weiterer Vorschlag ist, seine Schränke so zu stellen, dass er dahinter eine Nische für sich hat, die ich nicht einsehen kann.
Das Bett befindet sich zur Linken, wenn ich eintrete und dort wäre er auch eh schon sichtgeschützt, weil sich die Türe nach links öffnet und das Kopfteil sowieso schon durch einen Schrank verdeckt ist.

Ich muss nach rechts, entlang an der Wand mit dem Kleiderschrank zu meiner Tür, also nicht einmal quer durchs Zimmer.

Ich meine, ich möchte ihm schon seine Privatsphäre gönnen, aber andere Leute wohnen doch auch nicht so großzügig, dass jeder sein ganz eigenes abgeschlossenes Zimmer hat.
Wie macht Ihr das ?

Ich habe gesagt ich klopfe jetzt halt mal an, bis wir uns geeinigt haben, aber könnte ich nicht von ihm "verlangen", dass er die Lösung mit dem geschützten Bett akzeptiert ?
Nicht dass ich da ein sensibles Thema versaue...

Ich selbst bin auch ein Mensch, der sehr auf die eigene Privatsphäre bedacht ist, allerdings nie meinem Sohn gegenüber, kann er sich nicht abgeschaut haben.

Wand einziehen kommt nicht in Frage und jedes Verrücken der Möbel würde das Zimmer räumlich kaputt machen und er hätte wesentlich weniger Platz zum Spielen.

Ich renne nicht dauernd hin, aber wenn ich Haushalt mache und Wäsche versorge, dann flitze ich schon quer durch die Zimmer.

Bin dankbar für alle Ratschläge bezüglich Umgang mit dem Thema und dem Kind und der aktuellen Entwicklungssstufe.

Danke und Grüße

1

Dein Sohn hat sich doch wunderbar klar geäußert! Wo ist da das Problem? Er sagt ja nicht, dass du nie wieder rein sollst, sondern bittet dich anzuklopfen! Das ist doch völlig legitim, es ist ja sein Zimmer! Ich verstehe ehrlich gesagt dein Problem nicht. Klopf halt an und gut ist. Das hat auch etwas mit Respekt zu tun.

2

Wo ist denn das Problem, wenn du kurz anklopfst? Wenn du grade viel Wäsche durch die Wohnung trägst, kannst du es ihm ja sagen und dann bleibt die Tür halt mal ein paar Minuten offen. Das ist doch eigentlich kein Problem.

Meine Große (6 Jahre), würde es auch nicht wollen, dass ich ständig durch ihr Zimmer laufe. Auch Grundschüler dürfen ja ruhig ihre kleinen Geheimnisse vor den Eltern haben.

lg

3

Ich finde auch, dass es angemessen ist anzuklopfen, wenn er darum bittet. Privatsphäre ist nicht gleichzusetzen mit Intimspäre (Vorhang vor dem Bett), sondern bedeutet, dass er ein eigenes Reich braucht, in den nicht jeden Augenblick jemand reinplatzen kann.
Eine (theoretische) Möglichkeit wäre es noch Zimmer zu tauschen. Mein Mann hatte als Kind ein eiskaltes, winziges Zimmer, weil es das einzig übrige Zimmer im ganzen Häuschen war, und er fand es wunderbar...
LG doremi

4

Hallo,

"Privatsphäre" halte ich pers. für sehr wichtig und gestehe sie jedem zu.

Wir leben offen und auf großer Fläche, aber wenn einer der Familie für sich sein möchte, wird dies von allen respektiert (naja fast - der Mini ist noch keine 3 - dem fällt das noch etwas schwer;-)).

Unserem Großen haben wir bereits mit ca. 4 Jahren beigebracht, dass er bitte bei geschlossener Schlaf- oder Badezimmertür anklopfen soll und auf ein "Herein" wartet, bevor er eintritt.
Genauso haben wir es aber auch bei ihm gehalten. Ich klopfe sogar bei ihm an, wenn die Zimmertür nicht geschlossen ist. Kinder sind oft so im Spiel vertieft, dass sie überhaupt nicht merken, wenn jemand kommt.

Das funktioniert super bei uns und jeder fühlt sich wohl mit der Lösung.

Jeder hat meiner Meinung nach das Recht auf "Privatsphäre" - ganz egal, was es für ihn bedeutet.

Ich kann Deinen Sohn gut verstehen.

"...Ich selbst bin auch ein Mensch, der sehr auf die eigene Privatsphäre bedacht ist, allerdings nie meinem Sohn gegenüber, kann er sich nicht abgeschaut haben..."
So etwas kann auch negativ wirken.
Er ist 7 und bekommt sicherlich in der Schule viel mit bzgl. Eigenbereich, Rückzugsraum, eventl. auch "Geschlechtertrennung".

Außerdem unterschätze nicht die Pubertät - das ist heutzutage alles meistens etwas früher als bei uns "damals".
Mal ganz blöd gesagt: Vielleicht fühlt er sich beobachtet, überrumpelt oder eingeengt.
Ich würde das durchaus respektieren.

Weißt Du, wie er auf die Wohnverhältnisse bei seinem Vater reagiert?
"Männer unter sich" kann nochmal etwas anderes sein. Muss aber nicht.

Also ich würde auf jeden Fall dem Wunsch nach Klopfen nachkommen und ihm klarmachen, dass Du seine Privatsphäre respektierst. Da es räumlich schwierig ist, würde ich zusätzlich einen komplett geschützten Bereich in seinem Zimmer einrichten (mit seiner Zustimmung).

Wie machst Du es denn, wenn er Besuch hat?
Wenn Du in Deinem eigenen Zimmer nur schläfst - dann einigt Euch doch z.B. auf eine bestimmte Zeit am Tag, in der Du räumst oder Wäsche in sein Zimmer bringst. (Falls möglich, würde ich das ja machen, wenn er nicht da ist.)

Die Situation wird nicht einfacher werden. Da müsst Ihr eine Lösung finden - ich würde nicht mit zu viel mütterlicher Nähe rangehen, sondern mehr auf seinen Bedürfnisse achten. #schein

;-)

PS
Da fällt mir noch ein Beispiel ein von einer Familie (Achtung Extrembeispiel, betrifft nicht wirklich Dich! Habe mich nur gerade erinnert...).

Vater: bekannter Architekt, baut sich komplettes Glashaus (also wirklich komplett, innen kaum Wände, gerade mal als Installationsschächte, ansonsten alles offen für den kompletten In- und Ausblick). Weil sie ja alle so offen miteinander umgehen und gut miteinander auskommen und schließlich eine Familie sind. Außerdem schränkt so etwas überhaupt nicht ein, lässt Licht ins Haus, holt optisch die Natur rein....#bla#bla

Das Haus wurde mehrfach von Architekten und Künstlern prämiert.
Der Sohn des Bauherrn ist nach wenigen Wochen in den Gartenschuppen gezogen, weil ihm das alles unangenehm war. Er wollte einfach mal für sich sein, ohne dass ihm seine Familie oder in diesem Fall die halbe Stadt, dabei zusieht.

6

Hallo,

vielen Dank für die Antworten.

Geschlossene Türen bei Bad und Co. werden natürlich von uns beiden respektiert.
Wenn er Besuch hat, klopfe ich zwar bisher nicht, aber rufe von vor der Türe aus, das ist völlig okay für mich.
Da gilt aber auch die Regel für ihn, keine fremden Kinder in meinem Zimmer/Bett.
Er darf jederzeit in meinem Zimmer sein, aber dass die Besucherkinder auch auf meinem Bett herumhüpfen oder sich dort versetcken möchte ich nicht. Deshalb halte ich auch Distanz wenn er Besuch hat.
Hier gehts um die Zeit, wenn er alleine zuhause spilet.

Es geht hier nicht darum, dass ich seine Privatsphäre nicht achte oder so, aber bisher war er in allem noch so total "Baby", hängt an mir dran, will oft bei mir im Bett schlafen usw. Da kommt das ein bisschen überraschend und untypisch.

Meine Kammer ist eben mein Zimmer, dort schlafe ich nicht nur, sondern es sind alle persönlichen Sachen dort. Ich gehe schon tagsüber dort hinein, wenn ich etwas holen möchte.
Ich mag einen Kompromiss finden, wo ich auch in meinem Durchgangsrecht nicht total eingeschränkt bin.

Hätte er noch Geschwister im Zimmer, wäre es auch nicht so einfach.
Hätte er ein eigenes, abgeschlossenes Zimmer, dann hätte ich die Frage nicht gestellt.

Es ist schwierig zu erklären.

Zur Situation bei Papa hat er sich nicht geäußert, aber generell ist er eher ein Gruppenmensch, schlafen im Lager wie beim Camping ist alles kein Problem.

Grüße

7

Das mit dem "total Baby" ändert sich häufig sehr schnell. Da musst Du einfach schnell reagieren. Und entsprechend seiner Bedürfnisse handeln.

Andere Frage: Was machst Du denn, wenn Du mal Besuch über Nacht hast?

Ich möchte Dir nicht zu nahe treten - aber das kann ja mal vorkommen#schein - wie handhabt Ihr das?
Stelle mir das eher schwierig vor.

Du bist doch sicherlich eine eigenständige, selbstbewusste Frau - triffst Du auch mal jemanden? Auch mal öfter? Kommt derjenige mit zu Euch? Oder habt Ihr andere Möglichkeiten?

Wie sieht Dein Sohn das?

Könnte ihn so etwas eventl. beeinflussen?

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Hallo,

als ich mit meiner Tochter in eine Wohnung gezogen bin, standen die Kleiderschränke auch im Schlafzimmer, das wir zum Zimmer meiner Tochter erklärt haben.

Ich durfte jederzeit an meinen Schrank. Alles andere hätte ich komisch gefunden.

Wobei meine Tochter außer zum Schlafen nicht viel Zeit in ihrem Zimmer verbracht hat, sondern lieber mit mir zusammen im Wohnzimmer war.

An Deiner Stelle würde ich halt anklopfen oder aber die Wäsche einräumen, wenn er in der Schule ist.

GLG

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Ich finde es eher ungewöhnlich, dass du das Zimmer deines Sohnes einfach so betrittst und zum Durchgangszimmer erklärt hast. Ich würde mit ihm mal reden, ob er nicht lieber die kleinere Kammer haben möchte, aber dafür eben kein "Durchgangszimmer".

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Hallo,
Es tut mir leid, ich stehe wohl auf dem Schlauch. Ich verstehe immer noch nicht warum auf Dauer an zu klopfen und kurz auf ein herein zu warten für dich nicht in Frage zu kommen scheinen. Das ist ganz normal, du darfst doch dann auch uneingeschränkt in dein Zimmer und an deine Sachen, du klopfst halt vorher statt einfach die tür auf zu reißen (das kostet dich nur ein paar Sekunden extra). Im übrigen wird dein Sohn ja nicht ständig mit seinen kleinen Geheimnissen beschäftigt sein, so das er wohl in der Regel immer direkt nach dem klopfen einfach "herein" sagen wird.

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Ich würde die Zimmer tauschen. Dann hat er zwar nur die Kammer, aber Du das Druchgangszimmer. was er davon hält? Privatsphäre vs. Platz.....

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Ich würde nicht davon ausgehen, dass es ihm bei der Privatsphäre nur ums Bett geht, das ist nur deine Interpretation. Vielleicht geht es um etwas was er schreibt/zeichnet/bastelt/baut, was du nicht oder noch nicht sehen sollst. Geheimnisse haben zu dürfen ist sehr wichtig und ich finde im Übrigen toll, dass dein Sohn sich so mitteilen kann. Da hast du viel richtig gemacht. Warum soll er dir denn sagen worum es ihm geht? Dann wäre es ja kein Geheimnis mehr ;-)
Dass er peinlich berührt ist, wenn du dich so auf "selbst erforschen" und Bett kaprizierst kann ich auch verstehen, gerade, wenn es damit nichts zu tun hat. Sei nicht gekränkt, sondern geh auf seinen Wunsch ein und biete ihm eine Abteilung, die nicht nur sein Bett abgrenzt, oder klopf eben an!
Tollen Jungen hast du!

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Nein, um Gottes Willen, ich habe das mit dem selbst erforschen in keinster Weise erwähnt oder angedeutet ! Vielleicht habe ich auch zu viel Phantasie.
Es ging ihm darum, dass er der Arzt ist und ich sollte vorher anklopfen, wenn er jemanden untersucht.
Aha, alles klar, Doktospielchen dachte ich...dann stelle sich heraus, dass das gilt wenn er alleine ist. Ich frage ob er denn der Untersuchte sei oder der Arzt. Der Arzt - und wen er untersucht habe ich dann auch nicht mehr verstanden.
Daraufhin habe ich eins und eins zusammengezählt und ihm vorgeschlagen, dass er doch seine Untersuchungsliege aufs Bett verlegen könnte und wir machen da einen schicken Vorhangt davor und dann hätte der Patient auch mehr Ruhe.
Nö, das sei zu umständlich. Und wenn ich klopfe dann könnte er ganz schnell noch seine Doktorutensilien wegräumen...
Ist ja auch egal warum und wieso. Natürlich ist es kein Problem anzuklopfen und scheinbar ist es auch normal. Das war es eigentlich was ich wissen wollte.

Mir gehts immer darum, ob ich ihn altersgerecht behandle und nicht zu sehr bemuttere oder auf der anderen Seite "zu voll" nehme und er so als kleiner Partnerersatz herhalten muss. Deshalb die Frage. Oder dass er halt das Prinzchen wird, das alles bestimmt im Haus.
Ich habe das eben schon oft beobachtet mit Frauen, die mit einem Sohn alleine leben.

Alle sagen anklopfen gehört sich, ist okay. Hätten nun alle gesagt hey, das kann das Kind unter den Umständen (Platz, finanzielle Möglichkeiten, Wohsituation) nicht für sich beanspruchen, dann hätte ich halt nochmal verhandeln müssen.

Tauschen geht nicht, er braucht Platz zum spielen, in die Kammer passt nur ein Bett und eine kleine Kommode.

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