Komische Gefühle

Guten Morgen ihr Lieben,

ich lese schon seit Jahren immer wieder Beiträge auf urbia, habe mich aber nie selber angemeldet weil ich eher der Typ "ich schaffe das schon irgendwie selbst" bin. Jetzt so langsam habe ich aber das Gefühl verrückt zu werden und möchte gerne mal die Meinung von eventuell sogar gleich fühlenden (aber auf jeden Fall mir nicht nachstehenden Personen) hören.

Eine kurze Vorgeschichte zu meiner Frage: vor drei Jahren habe ich mich von meinem mittlerweile Ex-Mann getrennt. Ca 2 Jahre habe ich wie eine Löwin um den Erhalt der Familie gekämpft, aber es hat nichts genutzt. Heute weiß ich rückblickend, dass ich nichts hätte ändern können, da mein Ex-Mann eine diagnostizierte Persönlichkeitsstörung hat, die durch den Stress beim Hausumbau zum Vorschein kam. Ich möchte da jetzt auch gar nicht so ins Detail gehen, denn mit dem ganzen habe ich an sich abgeschlossen. Sagen wir einfach, es lebt eine sehr nette und eine sehr aggressive Person in ihm (ähnlich wie im Film:ich beide & Sie). Jetzt kommt aber der Teil auf dem meine Frage beruht und wo ich mich selbst und meine Gefühle absolut nicht mehr verstehe. Ich habe eine neue Beziehung und bin auch glücklich. In meinem neuen Leben fühle ich mich wohl und angekommen. Ein kleiner Teil meines Herzens gehört aber immer noch meinem Exmann, dem Teil zu dem ich damals ja gesagt habe. Mein Exmann hat seit 1,5  Jahren eine neue Partnerin, die ich so ganz nett finde und auch meine Tochter kommt zum Glück gut mit ihr aus was für mich das wichtigste ist. Mein Ex und ich sind nicht gut aufeinander zu sprechen, jeder lebt so sein Leben, zu gewissen Anlässen trifft man aufeinander und reißt sich zusammen. Seine Partnerin ist selbstverständlich überall dabei, bei meinem neuen Partner macht er Stress (er redet sich ein das ich wegen ihm gegangen bin und er an allem schuld ist, was völliger Quatsch ist). Durch meine Tochter bekomme ich aber natürlich vieles mit, manchmal auch Dinge die ich gar nicht wissen möchte und genau deshalb habe ich mittlerweile das Gefühl verrückt zu werden. Wenn ich z.b. mit bekomme was die drei jetzt alles unternehmen könnte ich im Kreis kotzen. Bei uns war es über ungefähr drei Jahre so, dass ich eigentlich eine Alleinerziehende innerhalb dieser Ehe war. Es tat so weh wenn mich meine Tochter mal wieder fragte warum Papa dieses oder jenes nicht mitmacht, warum er nicht gucken kommt wie toll sie z.b. schon schwimmen kann etc. Jetzt mit der Neuen wird alles mögliche unternommen, sie machen Ausflüge, gehen spazieren, kurz: sie leben wie eine Familie wenn meine Tochter da ist und sie unternehmen aucv viel als Paar, treffen Freunde - was bei uns alles überhaupt nicht ging. Zudem ist es so dass ich von meiner Tochter weiß, dass die neue Partnerin jetzt bald mit in unser ehemaliges Haus ziehen wird. Ich weiß nicht woher diese Gefühle auf einmal kommen, denn an sich dachte ich, das mir dieses Haus völlig egal ist und wie schon geschrieben finde ich die Neue ganz nett , aber sie bekommt gerade all das wofür ich jahrelang gekämpft und geschuftet habe und das macht mich wahnsinnig traurig. Sie steht bald regelmäßig in der Küche, die ich Hochschwanger ausgesucht habe. Sie wird mein Gewächshaus bepflanzen, über die Treppe laufen die ich Stufe für Stufe abgeschliffen habe usw.. ich weiß das sie in Person nichts dafür kann und ihr gönne ich sogar dieses Glück. Aber ihm nicht. Und ich kann es kaum ertragen das sie dann in "meinen" vier Wänden mit ihm lebt und ihn glücklich macht. Er scheint mit ihr wieder zu seinem alten ich gefunden zu haben,zu dem Mann, der mein Mann war, zu dem ich ja gesagt und mit dem ich unsere Tochter bekommen habe und den ich nie verlassen hätte. Ich verstehe nicht, warum ich plötzlich so fühle. Warum ich so neidisch auf das ganze schaue obwohl ich doch weiß das es da auch sein anderes ich gibt, dass ich nicht ohne Grund gegangen bin. Dieses Glück der beiden kotzt mich an, denn hätte er einfach mal ne Therapie gemacht hätten wir als Familie es ja vielleicht auch schaffen können. Mich machen diese Gedanken wahnsinnig. Kennt ihr das? Wie komme ich da raus? Ich fühle mich auch schon ganz schlecht meinem neuen Partner gegenüber. Ich liebe ihn aber rkenne jetzt eben auch das ich mit dem netten Teil meines Exmannes doch irgendwie noch nicht so richtig abgeschlossen habe was mir gar nicht bewusst war bis ich von den Zusammenziehplänen hörte.

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Interessante Wortwahl.. mein Ex hat mir das gleiche an den Kopf geworfen, als wir uns trennten "ICH habe dich geformt und zu dem gemacht was du jetzt bist und jetzt kann dein Neuer das ernten".

Öhm ja, die Trennung kam nicht aus dem Nichts. Dass er mich jahrelang unterdrückt und klein gemacht hat, hat er vollkommen ausgeblendet. Nichts was ich tat, war gut genug. Er hat reklamiert wie ich autofahre, einparke, den Einkauf in die Tüte packe, den Geschirrspüler einräume, wie ich die Wäsche aufhänge, WANN ich wasche, dass ich den Haustürschlüssel in der Türe lasse (gibt doch Kratzer 🙄), zu wenig Sport, zu lange schlafe, zu viel Süßigkeiten esse, zu lange arbeite etc etc
Zeit als Paar gab es auch keine mehr, wir waren ja jetzt 'zusammen', wozu auch mal küssen, knuddeln ("lass mich jetzt das ist kitschig"), Händchen halten ("lass los ich kann so nicht richtig gehen").

Ich weiss nicht, ob das bei euch evtl. ähnlich ist/war, das kannst nur du für dich beantworten. Aber meist ist eine solche Trennung nicht "einfach so" entstanden..

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Hi,
weil manches erst bei einer anderen Frau funktioniert.

Es hätte nie bei dir funktioniert.

Es ist bisschen so, wie bei Kindern. Wenn die Kinder bei Freunden spielen, denkt man ja schon, hoffentlich benimmt er sich. Isst die Kekse und frisst nicht wie ne Sau, das im Umkreis von 2m gesaugt werden muss, etc etc etc

Und siehe da, bei seinen Freunden, in der Schule usw. funktioniert deine Erziehung...........warum nur, nicht immer, daheim???

Ich kenne es, war ich immer alleine mit Freunden auf Fastnachtsveranstaltungen, ging er mit der neuen natürlich mit. Bin ich immer alleine Rad gefahren, hat er sich auf einmal ein neues Rad gegönnt. Aufgehört mit rauchen, das trinken sein lassen usw usw usw

Die neue, von meinem 1. Freund, war eine Klassenkameradin von mir. 10 Jahre nach unserer Trennung, ihrem Zusammensein, hatten wir Klassentreffen. Irgendwann fragte einer dann, ob es für mich nicht komisch wäre, das jetzt S. und E. zusammen wären. Da konnte ich nur sagen, das ich S. einen besseren Mann gegönnt hätte, aber E. auch ne bessere Frau, aber die 2 kommen doch gut zurecht, also ist doch alles in Ordnung.

Auch Du wirst, wenn sie endgültig im Haus sind, mit abschließen können. Für Dich hätte er sich, vermutlich, nicht geändert. Und das ist so oft, das hat nichts mit dem alten Partner zu tun, eher mit eingefahren sein, in der Problemzone festsitzen und nichts ändern wollen/können.

Alles Gute

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Hallo,
Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen und bin mir sicher, dass ich in Zukunft auch so fühlen werde. Zum Teil fühle ich schon so.

Aber halte dir eins vor Augen: du weißt nicht, ob es in der neuen Beziehung deines Mannes immer so rosig aussieht, wie du es denkst. Die beiden stehen noch relativ am Anfang und sehen jetzt nur die positiven Dinge. Sie wohnen ja noch nicht mal zusammen. Die wirklichen Herausforderungen einer Beziehung kommen erst, wenn man sein Leben wirklich teilt, zusammen wohnt und den Alltag zusammen meistert. Soweit sind die beiden noch nicht und deshalb könnte es gut sein, dass das große Glück gar nicht so groß ist oder auch gar nicht so lange hält.

Die Sache mit dem Haus und der Arbeit, die dahinter steckt, verstehe ich sehr gut. Mein Ex ist auch im gemeinsamen Haus wohnen geblieben und empfängt da seine Neue. Da hilft mir der Gedanke, dass es der Neuen egal ist, wo ihr Freund wohnt. Sie macht sich doch gar keine Gedanken darüber, ob du die Treppe abgeschliffen hast. Für sie ist es wahrscheinlich ein "neutraler Raum". Natürlich ist es für dich trotzdem schmerzhaft, aber was bringt dir ein schönes Haus und ewige Arbeit an der Beziehung, wenn du NIE den Erfolg dafür ernten darfst? Dann gibt man die schöne Umgebung und den aussichtslosen Traum lieber auf, um endlich den eigenen Frieden zu finden.

Natürlich ist es ganz normal, dass man sentimental auf das Ganze zurückblickt.... Lasse die Gefühle zu, sei traurig, sauer und weine. Aber halte dir immer vor Augen, dass du nicht ohne Grund gegangen bist. Es macht einen kaputt, an etwas festzuhalten, was einem nur immer wieder entgleitet.

Ich wünsche dir alles Gute!

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Danke für eure Antworten... ich differenziere das schon und hab auch keinen Hass oder so auf die neue Partnerin in Person. Sie kann ja nichts für das Scheitern unserer Ehe.

Mich wurmt halt wirklich wie fies er zu mir war, dass er nichts mit gemacht hat, mich manchmal über Tage angeschwiegen hat und die Gründe dafür so lächerlich und banal waren und das ich ab der Entscheidung Hauskauf einfach nie mehr gut genug war. Ich hab mich zerrissen zwischen Job, Kind, Umbau, Haushalt usw. uny hab nie gehört das er stolz ist oder so. Er hat mich vor anderen gedemütigt und lächerlich gemacht und alles war meine Schuld. Bei diesem Menschen hätte ich nicht bleiben können und die Trennung war gut. Da bin ich auch ganz klar. Aber ich kenne eben auch seine andere Seite und die ist jetzt bei seiner neuen Partnerin voll da. Wenn meine Tochter bei ihm ist und seine neue Partnerin auch, dann sagt sie oft nach dem Besuch das "Papa viel netter ist und weniger meckert wenn x da ist". Das zeigt mir schon auch das er ihr wahrscheinlich eine Fassade zeigt.

Wahrscheinlich ist es so wie du sagst 90nini90: man schaut halt manchmal sentimental zurück. Seiner neuen Partnerin gönne ich wirklich das sie ihr Glück mit ihm findet. Zum einen weil sie ganz nett wirkt und gut mit unserer Tochter umgeht. Zum anderen weil sie einen Puffer zwischen ihm und unserer Tochter bildet.
Ich kann es nur ihm nicht gönnen und in der Sache tut es mir weh das sie jetzt meinen Traum lebt und in dem Haus leben wird das ich damals über eine Bekannte gefunden habe und in das ich so viel Mühe gesteckt habe.

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Hallo

Ich kann dir nachempfinden, wie das alles rückblickend ist, besonders mit dem Haus, worin das Herzblut steckt. Aber: eine diagnostizierte Persönlichkeitsstörung, oh weh. Da kannst du froh sein, keine schlechten Erinnerungen mehr mit ihm in dem Haus geschaffen zu haben. Ich befürchte eher, dass die neue Frau nicht für immer glücklich darin (mit ihm) sein wird. Wie lange die Fassade aufrecht erhalten werden kann, wer weiss. Aber wart nur ab und trink entspannt deinen Tee.. Lass dich nicht verrückt machen, lenk dich mit Themen vom Jetzt ab und sei glücklich, dass euer Kind nun etwas Qualizeit mit Papa verbringen kann, zumindest für eine Weile..

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" Er scheint mit ihr wieder zu seinem alten ich gefunden zu haben,zu dem Mann, der mein Mann war, zu dem ich ja gesagt und mit dem ich unsere Tochter bekommen habe und den ich nie verlassen hätte. Ich verstehe nicht, warum ich plötzlich so fühle."

Es scheint. Eben: es scheint!

Sie sind auf der Stufe, als du ihn kennen gelernt hast.
Das wird vermutlich nicht von Dauer sein.

Die Probleme kamen zum Vorschein, als ihr das Haus gebaut habt.
Also ist es logisch, dass das mit verknüpft ist. Du hattest den Stress, seine Wesensveränderung und sie erntet die Früchte.
Das fühlt sich natürlich bitter an.

Andererseits kennt sie ihn noch nur in guten Zeiten.. Das ist durchaus schön. Nur nicht stabil. Ob es wirklich stabil ist oder ob sie ähnliche Zeiten wie du mit ihm, auch erleben wird, wird sich zeigen.
Nun gut, Hausbau wird es eher nicht geben. Es können aber andere Stressfaktoren sein. Dann erst wird sich zeigen, wie stabil das wirklich alles ist.

Was dir selbst vermutlich auch fehlt, ist eine Art Trauerzeit.
Du bist froh, den einen Teil von ihm los zu sein, konntest deswegen vielleicht auch nicht um den Trauern, der er mal war. Dazu warst du viel zu sehr mit der "anderen Seite" beschäftigt, mit den Problemen und allem, was mit sich kam.
Bzw. etwas Trauer war vielleicht schon auch dabei.
Dann ist er wieder auferstanden. Nicht von den Toten. Irgendwie aber schon. Das verwirrt dich. Die ganze Zeit hast du alle Belastungen mitgetragen und nach der Trennung ist er wieder da. Für andere, unerreichbar für dich.

Also ist da Trauer, um jemanden der lebt
und Wut auf jemanden, der gerade nicht da ist.
Das ist paradox und schwer.

Gibt es Selbsthilfegruppen für ANGEHÖRIGE von Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung? Adressen für ANGEHÖRIGE?
Dort wo er diagnostiziert wurde: gibt es da eine Verwaltung, die Tipps für ANGEHÖRIGE hat?
Du willst ja NICHT seine Daten. Nur Adressen wo man sich als Angehörige beraten lassen kann, was im Grunde nichts mit ihm zu tun hat. Die Auswirkungen seiner Diagnose auf dich. Nicht er selbst.

Viel Kraft

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Hallo Zahnweh und vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich selbst bin in Therapie wegen dem ganzen Mist der da damals lief. Mittlerweile aber nur noch einmal im Monat da ich da ja eigentlich gut drüber weg bin. Nur da ich durch unsere Tochter dann doch immer noch das ein oder andere mitbekomme hat die Nachricht das seine neue Partnerin bald einzieht offensichtlich irgendwas bei mir wieder hochkommen lassen. Deine Theorie das ich nicht so richtig um seine nette Seite getrauert habe weil die schlechte so dominant war und ich ja auch froh war und bin das ich die los bin könnte tatsächlich Auslöser für mein Gefühlschaos gerade sein 🤔...

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