97 Jahre - Alzheimer - Heim - Sie tut mir unendlich leid!

Hallo zusammen!

Hab bisher in diesem Forum noch nicht gepostet, aber ich hab das Gefühl einfach mal über meine Gedanken schreiben zu müssen.

Meine Oma ist in diesem Jahr 97 Jahre alt geworden. Grundsätzlich ist es ja schön, wenn Menschen so lange leben. Aber sie ist seit 5 Jahren im Heim. Meine Oma hat Alzheimer. Meine Eltern haben Sie bis vor 5 Jahren zuhause bei uns gepflegt. Aber irgendwann kam der Punkt, wo es einfach nicht mehr ging.

Mittlerweile (seit ca. 2 Jahren) ist alles so schlimm, dass meine Oma auf keinen mehr reagiert. Sie kann sich nicht mehr bewegen, nicht sprechen, einfach nichts mehr tun. Meine Mama besucht sie alle zwei Tage. Und gestern hat sie mir wieder erzählt, dass sie meiner Oma einfach 1 Stunde über den Kopf gestreichelt hat. Meiner Oma sind dann ganz große Tränen über die Wange gelaufen.

Ich würde meine Oma sehr gerne noch einmal besuchen. Aber meine Mama ist dagegen. Sie sagt dass sie möchte, dass ich meine Oma so in Erinnerung behalte, wie sie ihr lebenlang war. Ein lustiger und lebensfroher Mensch. (Habe meine Oma jetzt seit 3 Jahren nicht mehr gesehen.). Ich bin sehr zwiegespalten, ob ich hinfahren soll. Auch hat vor langer Zeit meine Oma zu meiner Mama gesagt, dass sie nicht möchte, dass ihre Enkel sie in einem schlimmen Zustand sehen. Diesen Wunsch möchte ich auch respektieren.

Konnte gestern Nacht lange nicht schlafen, weil ich immer wieder an sie denken musste. Sie tut mir einfach so schrecklich leid. Dieses dahinvegitieren wollte sie nie haben. Es ist schlimm dass man sich wünscht, dass sie endlich von ihrem Leiden erlöst wird. Aber ich glaube, dass dies der einzige Wunsch ist, den sie noch hat. Das zeigen meiner Meinung nach auch die Tränen, die sie in den wenig lichten Momenten weint.

Liebe Oma! Es tut mir schrecklich leid, was Du momentan durchmachen musst. Du musst Dir aber keine Gedanken machen. Ich werde Dich immer in Gedanken behalten und auch Deinem kleinen Urenkel, den Du nie kennenlernen durftest, von Dir erzählen. Ich wünsche Dir, dass Du bald Deinen Mann, meinen Opa im Himmel besuchen kannst. Dann wird alles wieder gut. Ich versprech es Dir! Deine kleinste Enkelin.

Und Euch danke fürs Zuhören. Ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben. Es beschäftigt mich zur Zeit sehr.

Bine

1

Hallo Bine

Ich kann dich gut verstehen. Aber ich glaube ich würde hingehen, auch wenn es deine Oma nicht gewollt hat. Wenn du hingehst zeigst du ihr, wie gern du sie immernoch hast und kannst vielleicht auch Frieden mit dir selbst schließen, wenn sie irgendwann nicht mehr da ist, machst du dir vielleicht Vorwürfe, nicht hingegangen zu sein.
Denk nochmal darüber nach, die Erinnerungen an deine liebe Oma werden doch dadurch nicht schlechter, du denkst doch trotzdem noch an die schönen Zeiten, wie sie einmal war, oder?
Liebe Grüße Conny

2

Hallo!

Ersteinmal...ich bin Altenpflegerin!
Ich denke das du deine Oma auf jedenfall besuchen solltest!
Deine Oma bekommt trotzdem noch sehr viel mit, glaub mir!
Auch wenn sie sich nicht mehr äusern kann.
Denk an deine Oma....sie würde sich wahnsinnig freuen. Natürlich ist es traurig sie so zu sehen. Aber es ist auch wichtig.
Es ist auch wichtig das ihr wenn ihr bei ihr seid, nicht über etwas trauriges redet. Ihr sollt sie nicht bedauern. Auf jedenfall nicht in ihrer gegenwart. Erzählt ihr von euch. Was ihr so macht....was es neues gibt.....was euch so pasiert ist......was es neues gibt in der Welt. Knuddelt sie ....gibt ihr einen Kuss.....spielt eine musik kasette!
Es sind ihre letzten Tage und ihr könnt sie noch schön gestallten. Und wenn es so weit ist......und sie wirklich sterben muss.....dann kannst du dir nichts mehr vorwerfen.....!

Seid einfach bei ihr!

3

hi bine,

guck mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Validation_(Medizin)

ich bin krankenschwester und war auf so einem seminar.

informier dich mal über dieses konzept.

das motto ist:"versuch nicht den kranken menschen in die reale welt zu bringen, sondern begib dich in SEINE"

d.h. rede mit ihr über früher, über positive ereignisse, über ihre kindheit, ihren beruf oder ihre kinder...
demente patienten verlieren meist nur ihr kurzzeitgedächtnis, wissen aber oft noch genaue details von früher!!! nutze dies aus um ihr positive gedanken und gefühle zu schaffen!!!

demente menschen leben in ihrer eigenen welt. begib dich mit in diese!

wenn eine dement frau einen hund neben sich sitzen sieht, sag nicht:"da ist kein hund!!" sondern sag z.b:"ach ja? wo sitzt der denn? wie heißt er? was macht er grad?"
das bedeutet sich in die welt der dementen zu begeben.

lg
lena

4

Validation war mit ein Grundbestandteil meiner Altenpflegeausbildung und hat sich in der Praxis immer als sehr gut bewährt. Prima Idee #pro
Oftmals werden Demente, denen man ihre "Einbildungen" ausreden will, agressiv. Lässt man sie in ihrem Glauben, bestärkt man sie darin, öffnen sie sich und man ist ihnen weitaus näher.

LG

Marion

5

seh ich genauso ;-)

hab in der ausbildung auch ne zeit in der häuslichen pflege verbringen müssen, dort hatten wir eine patientin die seit ca 5 jahren kein einziges wort mehr redete (wohnte mit ihrem mann zusammen, der grad mal 70 und topfit war).

ich hab dann einfach mal von früher angefangen zu reden und sie nach ihrem beruf gefragt...tja: sie hat mir geantwortet!!!!!!!!! die pflegehelferin konnte es gar nicht fassen (der mann auch nicht ;-)).

ist schön, wenn man sieht das man etwas bewirkt hat ;-)

die frau hat von ihrer arbeit als sekretärin erzählt und dabei ein lächeln auf den lippen gehabt :-)

lg
lena

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Hallo Bine,

ich würde sie auf jeden Fall besuchen gehen und auch den Urenkel (der übrigens sehr süß ist;-)) mitnehmen. Warum soll sie ihn nicht noch kennenlernen dürfen. Daß du sie 3 Jahre lang nicht besucht hast kann ich nicht so ganz verstehen.

Fahr unbedingt zu ihr und knuddel sie nochmal, vielleicht wartet sie darauf.
Ich wünschte ich könnte meine Oma nochmal drücken:-(
Alles Liebe,
Susi

8

Hallo,


ich würde Dir raten, sie nochmal zu besuchen.
Egal was deine Mutter sagt. Du wirst dir immer Vorwürfe machen wenn du es eigentlich willst, aber dennoch nicht machst.

Ich mache mir nämlich Vorwürfe.
Meine Oma hatte mit 84 Jahren einen Gehirnschlag bekommen, genau an dem Tag als ich zu Ihr putzen fahren wollte.
Als ich ankam stand schon der Krankenwagen vor der Tür. Mein Vater kam ganz bleich zu mir und sagte das es Oma nicht gut geht und sie nicht so gut aussieht.
Sie fragte nach uns aber mein Vater war der Meinung das wir sie so nicht sehen sollten und Sie so in Erinnerung behalten sollen wie Sie gesund war.
Damals war ich 15 und noch naiv und habe Sie dann nicht mehr gesehen und Sie starb 2 Wochen später.

Heute mache ich mir schwere Vorwürfe sie nicht im Krankenwagen, als sie uns sehen wollte, besucht zu haben.
Auch später im Krankenhaus wollte mein Vater nicht, das wir Sie sehen, weil sie sehr schlecht aussah.

Ich stelle mir die Frage ob sie wirklich so schlimm aussah und ob Sie mir noch was sagen wollte im Krankenwagen. Aber darauf werde ich nie eine Antwort bekommen und das schmerzt.

Ich würde Sie nochmal besuchen mich von Ihr verabschieden. Sie berühren und riechen wollen.
Wenn Sie tod ist bleibt Dir nur noch der Gedanke an Sie.
Auch wenn Sie nicht mehr die Oma ist, die Du kennst aber Sie ist deine Oma auch in dem Zustand und scheu Dich nicht davor Sie so zu sehen, auch wenn es schmerzt.

Ich wünsche Dir viel Kraft.

fiori#blume

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