Weinen beim Einschlafen

Sehr geehrte Frau Dr. Retz,

mein kleiner Sohn ist nun 13,5 Wochen alt. Noch total entspannt und leicht zu beruhigen im Krankenhaus, hatte es zu Hause ein jähes Ende. Er wollte sehr häufig an die Brust und war immer auf dem Arm, als er die 3,5 Kilo erreicht hatte, war er dann so ziemlich den ganzen Tag in der Trage. Was an sich in Ordnung für mich war und nicht das Problem. Mit Einzug der elektrischen Federwiege war es dann aber auch möglich ihn abzulegen. Die abendlichen Schreistunden, die von 18-24 Uhr gingen, sind vorbei, nachdem wir zur Osteopathie waren und er 2 Tage später endlich einen Nuckel annahm (Was bei zu viel Milch bei mir, ihm als Speikind und sichtlichem Saugbedürfnis nötig war). Ich begleite ihn immer in den Schlaf. Auch wenn er in der Federwiege liegt, bin ich so lange direkt neben ihm, streichle zwischendurch oder rede mit ihm, wenn er unruhig ist. Mit Rauschen bekommen wir ihn meistens (irgendwann) beruhigt. Allerdings weint er wirklich fast jedes Mal bevor er einschläft. Manchmal sogar wenn die Augen bereits zu sind. In der Trage oder im Tuch dicht bei mir ist er oft sogar unruhiger, als in der Wiege. Und meistens benötigt er das „Rauschen“ um den Absprung zu finden (und im Schlaf zu bleiben). Da er noch immer ein unglaublich hohes Schlafbedürfnis hat und nur kurze Zeit wach ist (so 30-45 Minuten ehe er wieder müde wird), macht er gut 5-6 Schläfchen über den Tag verteilt. Auch je nachdem wie lange sie gehen- das ist recht unterschiedlich. Ich frage mich, was ich noch tun kann, damit er nicht immer weint. Es fällt ihm scheinbar schwer loszulassen, obwohl ich immer bei ihm bin und auch nie schreien lassen habe. Oder ist es einfach sein Charakter? Sein großer Bruder war auch so und schläft auch noch mit seinen 10 Jahren schlecht ein. Ich würde ihm so gerne helfen und auch für den großen Bruder wäre es wünschenswert, da er oft zurückstecken muss, da der Kleine weint und erstmal in den Schlaf finden muss (was eben auch mal länger dauern kann). Unsere Familie (Oma/Opa…) kennt unseren Kleinen auch nur schreiend. Dabei ist er wirklich entspannt und zufrieden, wenn er mal richtig ausgeschlafen ist und nicht mehr/noch nicht müde ist. Haben Sie vielleicht noch einen Tipp für mich oder meinen Sie, dass es durchaus normal so ist und es einfach so angenommen werden sollte? Ich würde ihm so gerne helfen, wenn möglich…

Vielen Dank im Voraus.

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Hallo,

ein Kind beim weinen/schreien zu begleiten, die Ursache dafür herauszufinden, ist nicht immer einfach. Aber da Kinder sich in diesem Alter eben kaum bis gar nicht selbst regulieren, sprich, beruhigen können, brauchen sie dann unbedingt eine liebevolle Bindungsperson, die ihnen dabei hilft. Es ist normal, dass ein kleines Kind die Anwesenheit der Eltern beim Ein- und Durchschlafen braucht. Ebenso ist es normal, dass Babys und Kleinkinder oft eine längere Einschlafbegleitung brauchen, denn das beruhigen, zur Ruhe kommen, muss erst im Lauf der Kindheit erworben werden. Deshalb ist es sehr wertvoll, dass Sie Ihr Baby beim Schlafen begleiten. Das stärkt die Bindung und ist wichtig.

Es wäre sehr wichtig, dass Sie auf sehr viel Struktur im Alltag achten, auf feste Schlafenszeiten achten und auch Reize reduzieren. Gerade sehr wache, aktive Kinder können von vielen Eindrücken förmlich überflutet werden. Bitte beginnen Sie damit ein Schlafprotokoll zu führen: https://www.kindergesundheit-info.de/fileadmin/user_upload/kindergesundheit-info.de/Download/Schlafen/Schlafprotokoll-BZgA_kindergesundheit-info_01.pdf Das kann dabei helfen, dass wieder mehr Strukturen im Alltag für Sie erkennbar werden und Sie zudem ein Gefühl entwickeln, wieviel Schlaf ihr Kind wirklich braucht. Eine Einschlafbegleitung von 30 bis 45 Minuten kann als angemessen in diesem Alter betrachtet werden und ist keine Seltenheit. Bei einer längeren Dauer ist jedoch die Frage, ob das Kind bereits zu übermüdet ist und deshalb nicht einschlafen kann. Zudem ist es wichtig, dass Ihr Kind auch tagsüber längere Schlafzyklen durchläuft um in den erholsamen tieferen Schlaf zu finden.

Wenn Eltern das Weinen ihres Babys nicht so gut aushalten können (viele Babys weinen beim Einschlafen), wird oft versucht, dies durch einen starken, ablenkenden Reiz zu unterbinden: Föhngeräusche, Wippen auf dem Arm und auf dem Pezziball. Damit setzen die Eltern aber natürlich einen starken Reiz von außen und im Lauf der Zeit findet dann eine Art Prägung statt. Deshalb möchte ich Sie ermutigen darüber zu reflektieren, wie Sie diese Reize langsam reduzieren können. Zudem könnten Sie vor Ort eine Beratung in einer Schreiambulanz bzw. Beratungsstelle für Babys mit Regulationsschwierigkeiten in Anspruch nehmen.


Ein tolles Buch für Babyeltern ist dieses hier: https://www.klett-cotta.de/buch/Erziehungsratgeber/SAFE%C2%AE_-_Sichere_Ausbildung_fuer_Eltern/5858

Herzliche Grüße,

Eliane Retz

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Liebe Frau Dr. Retz,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!
Da ich selber ein sehr strukturierter Mensch bin bzw. es unsere ganze Familie ist, ist der Tagesablauf in der Regel immer gleich bzw. mit im Laufe des Tages immer wiederkehrenden Mustern versehen. Äußere Reize sind oft auf ein Minimum reduziert, dennoch gibt es da keinen Unterschied zu Tagen, an denen es nicht so möglich ist. Auf ausreichend Schlaf beim Kleinen achte ich sehr, nur manchmal geht das Einschlafen ohne äußere Reize bei ihm nicht. Ich versuche es immer wieder ohne und setze die Reize nur, wenn er sich beginnt in Rage zu weinen, denn da kommt er nur schlecht wieder raus. Ein Schlafprotokoll habe ich auch bereits angefangen, aber vielen Dank für die Vorlage- damit ist es einfacher. Ich werde Ihre Ratschläge beherzigen (eine Beratungsstelle habe ich bereits kontaktiert, nur noch keine Rückmeldung erhalten) und versuche es als normal anzusehen, dass er weint, wenn er müde ist und nicht gleich einschlafen kann.

Viele Grüße und Danke, dass Sie hier die Möglichkeit bieten Fragen zu stellen!

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