1 Jahr nach der Eingewöhnung Probleme bei der Tagesmutter

Sehr geehrte Frau Dr. Retz,

Unsere Tochter (in wenigen Tagen 23 Monate alt) geht seit ihrem 1. Geburtstag zur Tagesmutter (Tageseltern). Die Eingewöhnung lief unproblematisch und dauerte nur zwei Wochen, seitdem ging sie immer sehr gern dorthin und liebt ihre Bezugspersonen dort heiß und innig. Auch längere Pausen von 3-4 Wochen aufgrund von Corona oder Urlauben, hat sie immer gut weggesteckt und ist ohne Probleme anschließend wieder dort hin gegangen. Mein Mann und ich arbeiten Vollzeit, unsere Tochter geht von 07:00 bis 15:00 Uhr in die Tagespflege.
Seit dem letzten dreiwöchigen Urlaub der Tageseltern haben wir jedoch erhebliche Schwierigkeiten. Es sind 6 Kinder gegangen und entsprechend 6 neue kleine Kinder im Alter von 1 Jahr zur Eingewöhnung dort. Bereits mit Beginn des Urlaubs, habe ich sie versucht darauf vorzubereiten und viel mit ihr darüber gesprochen.
Die ersten drei Tage lief alles normal, aber dann begannen die Probleme. Unsere Tochter weint ohne für uns ersichtlichen Grund sehr stark und lässt sich von den Tageseltern nicht mehr beruhigen. Sie wurde dann auch krank, war eine Woche zuhause und seit letzter Woche haben wir wieder dieselben Probleme. Ich war Dienstag eine Stunde da um sie zu beruhigen, was auch geklappt hat und ich konnte nach dem Mittagessen gehen. Sie hat dann ganz normal dort geschlafen und den Nachmittag verbracht. Die neuen Kinder gehen mittags. Sobald die anderen beiden älteren Kinder, die mit ihr seit einem Jahr da sind, abgeholt werden, weint sie allerdings wieder los, bis mein Mann oder ich sie abholen (Zeitraum dazwischen max. 30 Minuten). Donnerstag musste ich sie abholen und mit nach Hause nehmen, Freitag bin ich von morgens an bis mittags geblieben. Sie kam nach einiger Zeit ins Spiel, versicherte sich aber immer, dass ich noch da bin.
Heute ist mein Mann dorthin gegangen und auch von ihm ließ sie sich nach recht kurzer Zeit beruhigen. Er konnte dann gehen und seitdem ist alles wieder ganz normal.
Als wir ihre Tageseltern letzte Woche nachmittags beim Spazierengehen getroffen haben, hat sie sich komplett von ihnen abgewandt und den Rücken zugedreht, kein Blickkontakt oder ähnliches. Dies tut sie auch morgens an der Türe, wenn wir sie dort hin bringen. Auf den Arm nehmen lässt sie sich von beiden jedoch ohne Probleme.

Sie sagt auch wenn wir bei den Großeltern sind nach kurzer Zeit, dass sie wieder nach Hause möchte, kann aber meistens trotzdem gut mit ihren Großeltern spielen.
Wir sind sehr verzweifelt und wissen nicht mehr weiter. Wir haben keine Idee woran es liegen könnte oder wie wir ihr helfen können. Wir müssen wie gesagt auch beide arbeiten.
In 2,5 Wochen fahren wir für 2 Wochen in den Urlaub, dann ist sie eine Woche bei den Tageseltern, die daraufhin für eine Woche Urlaub haben. Ich habe jetzt schon große Befürchtungen, wie es in Zukunft weiter gehen soll.

Bitte entschuldigen Sie den langen Text, aber ich weiß einfach nicht mehr weiter.


Vielen Dank vorab und viele Grüße
Alison

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Hallo,

ihre Tochter zeigt gerade ausgeprägtes Bindungsverhalten und muss sich sehr viel rückversichern und absichern. Das kann mit den vielen Veränderungen in der Gruppe zu tun haben.

Bitte geben Sie dem Kind Zeit. Es ist in dieser Phase jetzt sehr wichtig, dass kein Druck aufgebaut wird - weder von den Eltern, noch von den Tageseltern. Wenn eine Trennung gerade nicht möglich ist, dann sollte das aktzeptiert werden. In wenigen Tagen, manchmal auch Wochen kann es schon wieder völlig anders sein. Machen Sie eine Art "Mini"-Eingewöhnung, indem Sie Ihr Kind bei den Tageseltern begleiten. Das scheint aktuell sehr hilfreich für Ihr Kind zu sein.

Vielleicht wäre es eine Idee, die lange Pause noch einmal zu reflektieren.

Alles Gute.

herzliche Grüße,

Eliane Retz

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