Einseitiger Kinderwunsch, wie kann ich ihn beruhigen?

Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier und auf der Suche nach Gleichgesinnten, mit denen man sich austauschen kann.
Ich werde im Juli 35 und habe eine 13-jährige Tochter, die seit der Trennung von meinem Exmann Ende 2018 auf eigenen Wunsch beim Papa lebt. Ich sehe sie im "normalen" 2-Wochen-Rhythmus.
Mit meinem Freund bin ich seit Anfang letzten Jahres zusammen, bereits in unserem ersten Date hat er mir erzählt, wie sehr er sich eine Familie und Kinder wünscht. Tja, die Zeit verging, es war in der ersten Zeit auch nicht einfach mit meiner Tochter. Doch nun sind wir ein super Team. Mein Freund ist 38. Anfang diesen Jahres warf er das Thema Kinder auf, in dem er sagte, dass es doch schön wäre, ein Kind zu haben, was nicht immer wieder gehen muss. Und damit hatte er meine schlafenden Hunde geweckt. Ich preschte dann wohl etwas vor, weil ich dachte, er möchte jetzt loslegen. Er meinte hingegen, dass man mal "anfangen könnte, darüber zu reden". Da ich zu dem Zeitpunkt im letzten Pillenblister war, schlug ich vor, dass ich doch dann keine neue mehr holen müsste. Es folgte eine unschöne Diskussion, der Vorwurf an mich, dass ich Druck erzeugen würde, mit dem Ergebnis, dass das Thema Kinder nun wieder ganz unten auf seiner Prioritätenliste steht. Unser Kompromiss war lediglich, dass ich schonmal Verhütung weg lasse, um den Zyklus zu normalisieren, aber er verwendet halt Kondome. Und ich stehe nun da, mit dem schier gewaltigen Wunsch nach einer Familie mit ihm. Meine Uhr tickt in meinem Kopf wie ein Kirchengong und ich könnte nur noch heulen. Das macht die Situation hier ja nun nicht besser. Mein Freund hat nun das Gefühl, dass ich bei ihm nicht glücklich bin, dass ich ohne Kind nie glücklich werden würde und das vergrößert nur noch mehr seinen Widerstand.
Wie kommen wir denn nun da wieder raus? Ich habe dazu das Problem, dass ich eben nur noch Wochenend-Mama bin und dieser Zustand den dauerhaften Wunsch ja nur noch verstärkt. Wie ein Diabetiker, der halt mal an der Schokotorte riechen darf, sie aber nicht essen kann... Ich bin schon in psychologischer Behandlung, um die Trennung von meiner Tochter zu verarbeiten, aber das geht halt auch nicht so schnell.
Wie kann ich meinen Kinderwunsch denn wieder etwas zurückschrauben, wie macht ihr das?

Viele Grüße in die Runde und entschuldigung fürs Jammern...

LG
Nina

1

Hallo Nina,

ich würde versuchen, eine angenehme Redeathmosphäre zu schaffen (mit Zeit und Ruhe). Dann würde ich ihn bitten, mir zuzuhören ohne mich zu unterbrechen (am Besten vorher zurecht legen, was ich sage-ggf. auch mit Notizzettel).
Dann würde ich ihm mit Ich-Botschaften meine Gefühle beschreiben:
Als du die Idee geäußert hast, dass ein Kind schön wäre, was nicht wieder weg geht, ist mir bewusst geworden, wie gerne ich mit dir ein Baby haben möchte. Ich habe mir in meiner Euphorie schon ausgemalt, was für ein toller Papa du sein wirst und bin dann wohl etwas vorgeprescht und habe dich erschrocken. Ich finde die Vorstellung so toll, mit dir eine eigene kleine Familie zu gründen, dass ich am liebsten sofort loslegen möchte. Du bist aber der Mann, der der Vater sein soll und ich möchte, dass du dich mit der Baby-Idee wohlfühlst. Was können wir zusammen machen, damit sich die Situation entspannt?


Und dann würde ich mal gucken, was er sagt. Nur dann fair sein und ihn auch denken & reden lassen. Manchmal brauchen Männer länger. Ich könnte mir vorstellen, dass es für ihn einfacher wird, wenn er mit-entscheiden darf.

Ganz lieben Gruß und viel Glück

2

Danke für Deine Antwort.
Ein solches Gespräch hatten wir schon. Es kam ein erneutes "Nein, nicht jetzt. Es ist doch alles gut, so wie es ist, warum jetzt etwas verändern. Irgendwann bekommen wir Kinder".
Ja, das gilt vielleicht für ihn... Wie weit reicht mein "Irgendwann" noch?
Ich kann seine Sicht schon verstehen, ich habe ihm auch gesagt, dass ich wahrscheinlich unerschrockener bin, weil ich eben schon die Große habe und genau weiß, was auf uns zu kommt. Aber das weiß er nunmal nie, das macht für mich keinen Unterschied, ob jetzt oder in 2 Jahren.
Er als Mann hat halt die komfortable Position. Wenn mir die Natur einen Strich durch die Rechnung macht, kann er sich ne jüngere suchen, wenn er seinen Wunsch noch umsetzen will. Aber meine Zeit ist dann vorbei. Ich habe so große Angst, dass ich umsonst warte.
Und ich will eben auch nicht verstehen, warum er sich eine Frau mit Familiensinn sucht, beim Kennenlernen bereits sagt, er wünscht sich Kinder, aber jetzt, fast 1,5 Jahre später so den Fuß auf der Bremse hat. Wir sind doch auch keine 20 mehr... Entweder will man, oder nicht, oder sehe ich das falsch?
Er ist mit meiner Tochter so toll, kürzlich haben die beiden zusammen für ihren Hamster ein neues Häuschen gebastelt und es war so wundervoll zu sehen, wie viel Spaß sie hatten. Er glaubt auch von sich selbst, dass er ein guter Vater wäre, das kann es also nicht sein.
Ein Argument war noch, dass er doch gern vorher mal mit mir einen schönen Urlaub verbringen will. Tja, Corona sei Dank wird das ja dieses Jahr wahrscheinlich nichts mehr.

Ich möchte mich so gern entspannen und an etwas anderes denken und einfach unsere Zeit genießen. Es ist ja auch etwas unfair eigentlich, es geht uns sehr gut, wir können tun, was wir wollen und ich möchte ihm auch nicht das Gefühl geben, dass er als Mensch mir nicht reicht für mein Glück. Aber wie bekomme ich meinen Wunsch in den Griff? Wie entspannt ihr Euch?

3

Huhu,

Mir kamen beim Lesen gerade eine Frage:
Möchtest du auf jeden Fall mit ihm ein Kind oder bist du auch bereit, ihn zu verlassen, um dein Kind zu bekommen?

Klar, die Männer haben es da einfacher-als ich mich mit meinem Ex ernsthaft über Kinder unterhalten habe, war er kurz danach weg. Er wollte Kinder-fand den Gedanken ganz toll.
Nur die Beziehung zu mir hat hier nicht gereicht. Da war ich 35.

Und ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen wollen und wollen-die grundsätzliche Vorstellung kann ja da sein- und gleichzeitig die Angst davor, die Unabhängigkeit zu verlieren, keinen Urlaub mehr “in Ruhe” zu verbringen, nicht mehr spontan sein können.

Seid ihr seit 1,5 Jahren zusammen?

Lieben Gruß und Kopf hoch.

4

Er möchte nicht. Er sagt: Nein. Jetzt nicht.
Das hast du zu akzeptieren. Ich finde alles andere einfach nur dreist und respektlos. Er möchte nicht. Ich an seiner Stelle würde auch mit Kondom verhüten.
Und im Ernst, der rennt dir doch eh davon, wenn du schwanger wirst. Was für ein Leben soll das sein?

5

Mein Mann hat nach unseren Verlust des ersten gemeinsamen Kindes genauso reagiert. Er wollte auf gar keinen Fall einen neuen Versuch starten.
Ich hab plötzlich unsere ganze Beziehung in Frage gestellt 🙄.
Am Ende hab ich es akzeptiert und gehofft, dass er den Verlust irgendwann überwunden hat.
Als er dann die verhütung weggelassen hat, war ich erleichtert und wusste, dass ich genau jetzt keinen Druck ausüben darf. Hab ich relativ gut geschafft 😌 bin jetzt knapp 28. Ssw mit seinem stammhalter schwanger und er ist absolut glücklich 😊
Ps. Wir haben mit 32 angefangen wegen meiner inneren Uhr. Mit knapp 36 werde ich hoffentlich entbinden 😍

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Hallo, hab grad deinen Text gelesen. Hast du nochmal mit ihm reden können?
Ich hab mit meinem Exmann und meinem neuen Partner ähnliche Diskussionen gehabt. Bis ich mehrere Gespräche geführt habe und sich einiges klären konnte. Mir war es sehr wichtig, vorallem nicht erst dann immer zu diskutieren, wenn ES ist und ich mich unter Zeitdruck fühle und er das gar nicht versteht und GV als Druck empfindet und die Lust verliert und alles irgendwie kontraproduktiv aus dem Ruder läuft. Also habe ich drum gebeten in Ruhe über dieses Thema zu sprechen und gemerkt, dass Mann und Frau einfach total unterschiedlich vorallem bei diesem Thema ticken. Biologisch fühlen Mann und Frau total unterschiedlich, das hab ich mit ihm besprochen und auch, dass ich nicht mehr die jüngste bin wo man „Zeit lassen“ kann und probieren wirklich „probieren“ heißt und man es tun muss 😅 und auch die Sache mit ES/Zyklus habe ich mit ihm besprochen. Wir Frauen spüren unseren Körper und unsere Hormone. Ich hab ihm auch erklärt, dass wenn ich spüre, dass er auch „Verantwortung“ übernimmt und ich nicht das Gefühl habe allein mit dieser Sache dastehe, der Druck auch weggenommen wird. Und einfach daher reden „ich will ein Kind mit dir, aber nix dafür tun und mal gucken“ funktioniert halt nicht 😂 Außerdem, wenn bei uns sich der ES ankündigt, dann ist es einfach so, dass wir GV möchten 🤣 auch das ist eine biologische Naturgewalt und wenn er der Mann nicht mitspielt, dann ist Frau halt gereizt 😄 Ich habe meinem Partner auch erklärt, dass ich mir wünsche, dass er für diesen kiwu auf mich zukommt was GV betrifft, weil allein „Tennis spielen“ auch der Frau die Lust nimmt und mit Druckgefühl auch nicht grad toll ist.
Ich hoffe es ist bei euch gut verlaufen, bei uns hat das Gespräch über die Gefühle, Wünsche und „biologische Aufklärung“ zum nachvollziehen und Verständnis sehr geholfen ☺️🍀🍀🍀

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