Partner ist trockener Alkoholiker

Hallo,

ich (36) bin mit meinem Partner (36) seit 9 Monaten zusammen, kennen uns aber schon etwas länger. Er ist, wie oben steht, trockener Alkoholiker. Seit zwei Jahren hat er keinen Tropfen mehr angefasst. Ich weiss, dass ist noch keine sooo lange Zeit und theoretisch könnte es auch Mal zu einem Rückfall kommen. Wir haben da ausführlich drüber gesprochen und ansonsten ist Alkohol kein Thema in unserem Alltag.

Letztens habe ich mit meinem Opa telefoniert. Er ist 87 und ganz leicht dement. Er hat meinen Partner natürlich auch schon kennen gelernt und mein Partner hat ganz offen über seine Sucht gesprochen, weil wir irgendwie darauf kamen. Er macht da auch kein Geheimnis draus.
Jedenfalls wollte mich mein Opa am Telefon vor "so einem warnen". Ich solle doch an die Zukunft denken und an meine drei Kinder ( 21,16&13) . Er würde bestimmt irgendwann wieder rückfällig werden.
Mir ist das Risiko bewusst und ich weiss auch, dass mein Opa nur das Beste für mich will.
Aber ich bin glücklich mit ihm .
Hat denn nicht jeder eine Chance verdient?
Wäre das für euch ein Grund, sich wieder zu trennen?

Lg

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Den schwierigsten Schritt hat dein Partner bereits geschafft, nämlich sich selbst seine Sucht einzugestehen und den Absprung zu schaffen.

Mein Vater war Alkoholiker und hat das leider nie dauerhaft hinbekommen, es gab immer mal drei Monate, die geklappt haben, dann ging 3s wieder von vorne los.. Ich war noch zu jung, um alles zu verstehen, aber meine Mutter hat das alles inklusive Verstecke etc mitgemacht..

Ich kann die Sorge deines Opas verstehen, aber bei so offenen Umgang kann das funktionieren!
Meine Mutter hatte nach meinem Vater einen langjährigen Partner, sie waren fast 20 Jahre liiert, niemals (!) hat er einen Tropfen getrunken und schon zuvor war er um die 10 Jahre trocken. Das ist durchaus möglich, nicht jeder qird rückfällig.

Alles Gute!

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Hallo

Die Warnung deines Opas ist etwas Natürliches. Auch vor dem Hintergrund, dass du mit 15 dein erstes Kind bekamst, tust du ihm vielleicht auch leid, weil du es nicht einfach in deinem Leben gehabt haben kannst. Alles okay natürlich, das Leben findet statt, egal wie - aber dies mal aus dem Opawinkel betrachtet.

Zu deinem Partner: Natürlich trennst du dich nicht von heut auf morgen von ihm, zumal eh alles gut läuft. Allerdings hast du dir hoffentlich schon auch Szenarien ausgemalt, wie es werden könnte, falls er rückfällig wird? Solches muss man - so leid es mir tut - einfach antizipieren. Was würdest du also tun, wenn er rückfällig würde? Hast du dich bereits mit Alkoholismus, Co-Abhängigkeit usw. auseinandergesetzt, um bei einem allfälligen Rückfall adäquat reagieren zu können?

Nimm das Feedback deines Opas als kleinen Warnschuss, aber wie gesagt, daraufhin jetzt Schluss zu machen wäre nicht ganz angebracht, finde ich.

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Alkoholsucht bedeutet ja nicht nur das Trinken des Alkohols. Dem zuvor ging ja eine Geschichte. Meist ist es so, dass ein Problem vorliegt und man mit dem Alkohol versucht, gewisse unschöne Gefühle zu ersaufen.

Wie dein Partner heute mit Problemen umgeht, ist viel wichtiger. Kann er sich wirklich öffnen oder ist er eher verschlossen. Neigt er dazu, vieles schönzureden oder kann er auch mit schwierigen Situationen umgehen (mittlerweile)?

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Selbstverständlich würde ich mich nicht nur aufgrund einer Warnung trennen, die sicher lieb und sehr besorgt gemeint ist. Allerdings muss Dein Partner wissen, dass Du keine Alkoholikerkarriere begleiten willst, falls er rückfällig würde, wegen Dir - und wegen der Kinder.
Meine erste Ehe endete wegen der Sauferei meines Ex und begleitenden Exzessen im Fiasko. Mein zweiter Mann wusste von Anfang an, dass er sofort gehen kann, sollte er krankhaft dem Alkohol zusprechen - das eine oder andere Bier zum Feierabend oder bei Festen war absolut kein Problem, aber exzessiv - niemals.
Ich kenne einige trockene Alkoholiker, die es schon zig Jahre sind - also erstmal Entwarnung, Anzeichen würdest Du merken, die Menschen verändern sich.
LG Moni

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Ich lebe seit nunmehr nahezu 30 Jahren mit einem funktionierenden Alkoholiker zusammen und kann dir nur sagen: Es ist verdammt hart.
Hätte ich von Anfang an gewusst (es war nicht schon immer so schlimm), was alles auf mich zukommt, hätte ich keine Familie mit ihm gegründet.

Fazit: JA - für mich wäre es ein klarer Trennungsgrund.

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Sorry, hatte deinen letzten Satz falsch gelesen.

JETZT wäre es kein Trennungsgrund (so lange er trocken bleibt). Würde er jedoch wieder damit beginnen, wäre ich definitiv weg....
Das sollte er bereits im Vorfeld bedenken.

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Warum man das jetzt unbedingt seinem fast 90 jährigem Opa in der Kennenlernphase auf die Nase binden muß, das ist mir doch etwas schleierhaft. Was war der Sinn dahinter? Ich sehe ihn wirklich nicht. Dein Partner ist doch da selber schuld, wenn er jetzt auf Ablehung stößt.

Dein Partner ist ehrlich zu dir, das ist wichtig und finde ich gut...sogar zwingend erforderlich. Genau, er hat eine Chance verdient,was aber auch bedeutet das man an so eine Geschichte anders rangeht als normalerweise. Damit muß ein Alkoholiker leben, ganz einfach und das kann er eigentlich auch, sofern er gefestigt und stabil ist.

So, wie bei jeder anderen Sucht kann auch er einen Rückfall bekommen (nicht nur theoretisch)und genau dann fängt eure Thematik eigentlich erst an. Wie verhält er sich unter Alkoholeinfluß? Wie schnell wird ihm klar, das er mitten in einem Rückfall steckt? Handelt er dann oder versucht er es zu vertuschen? Was war der Auslöser, bzw hat er die alten Auslöser aufgearbeitet? All das weiß er selber ja auch noch nicht.

Und genau deswegen und gerade weil 2 Jahre nun wirklich kein langer Zeitraum sind, finde ich gesunde und offene Skepsis durchaus angebracht. Für mich persönlich würde das bedeuten: keine gemeinsame Wohnung, keine gemeinsamen Kredite, keine Heirat, keine gemeinsamen Kinder und wenn dann ohne geteiltes Sorgerecht. Ich würde klarstellen, das ich nicht bereit bin, mich mit runterziehen zu lassen. Ich würde klarstellen, das ich unterstütze, aber nicht sein Leben in die Hand nehme, wenn es zum Rückfall kommt. Ein offener Umgang mit der Sucht würde mir nicht als Stabilitätsmerkmal reichen. Und ganz klar, gerade und besonders Alkohol ist nun mal an jeder Ecke legal zu beschaffen und hat in unserer Gesellschaft immer noch einen sehr hohen Stellenwert, auch das ist nicht zu unterschätzen. Wenn der Druck kommt, dann wird es sehr schwer.

Ich kann mich sehr gut abgrenzen, kannst du das auch? Also ich würde persönlich eine Beziehung mit einem Alkoholiker nicht ausschließen, aber ich würde mich nie auf ihn komplett ver-/einlassen können. Solange ich eine gewisse Distanz und Unabhängigkeit bewahre, könnte es eine durchaus schöne Beziehung werden. Einen Vertrauensvorschuß gibt es in dem Fall nicht.

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Mein Vater ist trockener Alkoholiker. Wichtig ist für dich zu wissen, dass es eine Sucht ist, die immer da ist. Sie kann ausbrechen oder auch nicht. Mein Vater besucht seit Jahren eine Suchtgruppe. Ich würde prüfen, ob er weiter in Behandlung ist oder wie er da aufgestellt ist.

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Ich würde nicht Anderen generell abraten. Ich weiss nur, dass es mir zu viel Risiko wäre. Aber ich hab da auch schon einiges durch mit Partnern mit Problemen, daher hab ich einfach nicht die Energie oder die Risikobereitschaft dazu.

Aber du musst ja davon ausgehen, wie du das empfindest, ob du die Energie hast, bereit bist ein gewisses Risiko einzugehen. Daher würde ich dir nicht generell abraten. Du solltest halt abwägen. Schau dir halt mal genauer an, wie stabil das ist, ob er irgendwie noch zu einer Gruppe geht, oder sonstige Kontakte hat, wo er sich hin wenden könnte, falls doch die Gefahr eines Rückfalls besteht. Die Persönlichkeit ist ja auch wichtig. Wenn er allgemein ein Mensch ist, der Dinge durchzieht - das wäre ja z.B. positiv.

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"Wäre das für euch ein Grund, sich wieder zu trennen?"

Wegen einer Warnung einer Person, die ihn kaum kennt: Nein.
Warnungen von Freunden würde ich ernst nehmen. Sowohl wenn sein Umfeld mich warnen würde (kennen Anzeichen eher), als auch wenn meine Freunde mich warnen würden (sie kennen mich und meine alten Muster und würden nur was sagen, wenn sie bei mir negative Veränderungen seit Beziehungsbeginn wahrnehmen würden)

Wegen trocken sein: nein.
Wenn er (wieder) anfängt: JA. Definitiv JA.
Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob jemand rückfällig wurde oder erstmals damit beginnen würde.

Wenn er wirklich trocken ist, wird er sich vermutlich auch damit auseinander gesetzt haben, was dahinter steckt. Wie es zu der Sucht kam und wie er selbst präventiv damit umgehen kann. Nur weglassen wird nicht reichen.

Wobei jemand, der sich mit seinen Problemen nicht auseinandersetzt (auch ohne Alkohol) nicht in Frage kommt.