Alles vorbei oder nur eine schwierige Phase?

Ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben, weil ich darüber nicht mit Freunden reden kann...

Mein Mann und ich sind seit fast 11 Jahren zusammen und haben sehr viel gemeinsam durchgemacht. Ich dachte immer, nachdem was wir alles durch haben, wird uns nichts auf der Welt trennen. Aber nun haben wir so eine beschissene Situation, dass ich nicht weiß was ich tun soll...

Die letzten 5 Jahre habe ich funktioniert, weil ich musste. Es ging mir (so dachte ich) aber gut und ich war mir sicher, dass ich alles auch gut überstanden habe. Doch anfang des Jahres kam eine Zeitung auf mich zu und wollte ein Interview, zudem ich mich bereit erklärte. Leider riss das ganze (ziemlich unerwartet für mich) alle Wunden wieder auf und ich fiel in ein schwarzes Loch. Ich funktionierte weiter, für unsere Kinder, aber ich war in dieser schwarzen blase gefangen. Mir ging es emotional überhaupt nicht gut. Dann kam corona und machte es nicht besser. Ich zog mich zurück und es fanden keine sexuellen Handlungen mehr statt. Mein Mann sagte ein paar mal etwas, aber drängte mich nicht. Ich konnte auch mit ihm nicht darüber reden...

Ja und nun sagte er mir vor 2 Wochen, dass er nicht weiß, ob er mich noch liebt 😢 ich war wütend und reagierte völlig über, wegen nichts eigentlich. Da kam dann diese Aussage und riss mir völlig den Boden unter den Füßen weg. Nun will er nicht mehr reden und ist genervt, will aber auch keine Trennung, sondern erstmal so weitermachen wie die letzten monate und schauen wie sich alles entwickelt. Mich macht der Gedanke, wir könnten uns trennen fertig. Ich bin ständig am weinen und weiß nicht wie ich damit umgehen kann.

Mein Gefühl sagt mir, dass er mich liebt. Und durch die ganze Situation bin ich auch irgendwie aus dieser blase raus gekommen. Nur weiß ich nicht wie ich ihm das erklären soll. Mir fällt es so wahnsinnig schwer darüber zu reden...

Sorry für den langen Text und danke fürs Lesen...

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Wenn man 5 Jahre lang nur funktioniert, frage ich mich, warum du dir keine professionelle Unterstützung holst. Nützt nix nur wegen den Kindern zu funktionieren, man muss sich selbst wertschätzen und für sich (für)sorgen.

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Weil mir das nicht bewusst war. Das wurde mir jetzt in den letzten Wochen erst so richtig klar.

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Du liest dich so, als ob du nur noch funktioniert, dich aber eigentlich selbst nicht mehr (er)kennst. Vielleicht geht es deinem Partner auch so.
Ich kann auch nur empfehlen, dir dringend professionelle Hilfe (Therapie) zu suchen, damit du dich wieder finden kannst. Danach kannst du dann sehen, ob es noch eine Basis für eure Beziehung gibt (seine Ansage könnte danach klingen, dass er hofft dass sich etwas ändert).
Ich wünsche dir/euch alles Gute.

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Danke dir, ja vielleicht hast du recht und er ist jetzt diesen Schritt gegangen, damit ich etwas änder.

Ich habe tatsächlich Ende des Monats einen Termin bei einer Therapeutin

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Was genau war denn das Thema des Interviews, gab es ein Trauma, was Du nicht verarbeiten konntest? Oder von welchen Wunden sprichst Du da genau?

Man kann manche Dinge einfach nicht alleine klären, braucht Hilfe. So liest sich das bei Dir und Dein Mann wird aktuell keine Hilfe sein, dafür ist er nicht ausgebildet. Wäre es denn eine Möglichkeit, wenn Du Dich bei einer dritten Person aussprechen könntest, die zusammen mit Dir ganz neutral schaut, wie Du wieder zu Dir finden kannst? Wenn Du nämlich jetzt anfängst, um Deinen Mann zu kämpfen, gehen Deine Kräfte wieder für die falsche Person drauf. Außerdem wird Dir auch dabei geholfen, mit Deinem Mann zu reden und die richtigen Worte zu finden.

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Trauma ist vielleicht nicht ganz richtig. Es war eine sehr schwere Zeit und ich dachte, ich hätte das alles gut verarbeitet. Ich war während dieser schweren Zeit auch mit einer Psychologin im Gespräch, aber es ging mir ja gut. Mein Mann hat das ganze verdrängt, denn es war auch für ihn eine schwere Zeit und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch er das ganze noch nicht überwunden hat.

Ja, es mag sein, dass ich mich völlig verloren habe und ja es kann auch sein, dass mein Mann mich nicht mehr erkennt. Aber ich merke innerlich, wie ich mich langsam aus dieser blase löse und wieder zu mir komme. Ich habe Ende September tatsächlich einen Termin bei einer Therapeutin. Vielleicht kann sie mir da noch ein Stück weiterhelfen, sie kennt die ganze Geschichte.

Ich habe einfach nur Angst, dass es das jetzt war. Ich will meinen Mann nicht verlieren. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn nicht aufhalte, wenn er gehen möchte, aber daraufhin sagte er nur, er will ja gar nicht gehen, sondern bei mir bleiben. Ich denke, nein ich bin mir sicher, dass ich ihn sehr verletzt habe mit dem verhalten der letzten 6 Monate 😪

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Also ich denke das das Ereignis/Erlebnis der letzten Zeit aufgearbeitet werden muss (vielleicht auch von deinem mann) bevor ihr an euch und der Beziehung arbeiten könnt. Da scheint sich ein großer Stein im Weg zu liegen.

Mein Mann hat sich Anfang August von mir getrennt. Wir haben auch knapp 2 Jahre hinter uns gebracht wo ich/wir nur funktioniert haben und Sex gab es auch so gut wie gar nicht.

Ich bekam ein Kind, die Schwangerschaft echt beschissen- Ängste um mein Leben und das Leben meines Kindes, viele arzttermine und viele Krankenhaus Aufenthalte, Frühgeburt auf Intensivstation, zu Hause den plötzlichen kindstot und eine lange Zeit mit Monitor, dann das übliche babyjahr obendrauf auf diese Ereignisse.
Ja ich habe als Mutter funktioniert, aber war zu k.o. um Ehefrau zu sein.
Meine Vermutung liegt darin , das er es nicht ertragen konnte nicht mehr die Nummer 1 zu sein und auch keine nr 2. Denn durch all das haben wir uns von einander entfernt.
Er hat sich zusätzlich noch 3 fiese Fehltritte geleistet die es nicht besser machen.

Eigentlich hat er mir damit in die Karten gespielt. Erst war ich voller Ängste und nun freue ich mich doch auf den Neustart.
Ich fühle mich befreit.


Holt euch Hilfe, das ist keine Schande.
Vielleicht ist es bei euch ja noch nicht zu spät.

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Danke für deine Worte. Unsere Geschichte ist sehr ähnlich, nur nicht mit einer frühgeburt und Schwangerschaft, aber auch viel Krankenhaus und ums Überleben...

Mein Mann ist toll, er hat überhaupt nichts falsch gemacht oder sich irgendwelche Fehltritte erlaubt...

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"Die letzten 5 Jahre habe ich funktioniert, weil ich musste. Es ging mir (so dachte ich) aber gut und ich war mir sicher, dass ich alles auch gut überstanden habe. Doch anfang des Jahres kam eine Zeitung auf mich zu und wollte ein Interview, zudem ich mich bereit erklärte. Leider riss das ganze (ziemlich unerwartet für mich) alle Wunden wieder auf und ich fiel in ein schwarzes Loch. Ich funktionierte weiter, für unsere Kinder, aber ich war in dieser schwarzen blase gefangen. Mir ging es emotional überhaupt nicht gut. "

Kennt dein Mann, die Wunden, die wieder aufgerissen sind?
Hast jemals mit jemandem darüber gesprochen?

Es gibt vieles, das wieder einfach so vergeht. Wenn man selbst aber nur noch funktioniert, fehlt irgendwas. Es ist nur ein Aufrechterhalten des Alltags.
Das kann vorübergehend funtkionieren. Schön ist es aber nicht.

Warst du mal bei einer Beratungsstelle oder in Therapie?
Ich frage bewusst nicht, um welchen Bereich es geht.
Manche schaffen es ihren Weg nach Gewalt, sexueller Gewalt/Missbrauch, psyhischer Gewalt, Trauer (Eltern, Geschwister, Sternenkind) wieder , schweren Unfällen, schweren Krankheiten... wieder ins Leben zurückzufinden. Manche nicht.

Das ist KEIN Versagen, sondern eine Schutzreaktion.
Das Problem ist, wenn aus der Schutzfunktion, Isolation wird. Wenn das, was die Seele schützt, den Körper und das Leben gefangen hält.
Dann ist funktionieren ein überleben, es fehlt aber was. Angehöirge verzweifeln daran und sterben mit. Nicht gewollt. Ihre Seele schützt sich mit egal sein, um den Schmerz nicht ertragen zu müssen, den sie nicht ertragen können, wenn jemand leidet, den sie lieben und selbst nichts tun können, nicht helfen können, damit es besser wird.


Um dir Mut zu machen: zu fast allen Lebensbereichen gibt es Gruppen. Selbsthilfegruppen, Austauschgruppen, Menschen, die ähnliches durchgemacht haben.
Ja, das reißt Wunden auf. Das kann aber auch dazu beitragen, dass sie heilen können. Narben werden bleiben, die erinnern. Leben kann wieder möglich sein.
Manche Wunden heilen von selbst. Manche sind so tief oder so verkrustet oder entzündet, dass sie es nicht mehr von alleine tun.

Es mag sein, dass man manche Themen nicht im direkten Umfeld ansprechen kann/möchte. Es ist schwierig, wenn es jemand nicht selbst kennt.
Was auch immer die Wunden bei dir versuracht hat, es gibt sicher Menschen, die ähnliches erlebt haben. Vielleicht können sie dir Mut machen oder einfach zu hören und dir das Gefühl geben, nicht alleine zu sein, mit dem was war. Jemand versteht es.

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Ich danke dir, dein Beitrag trifft mich sehr (im positiven Sinne). Du hast vermutlich recht mit allem was du schreibst.

Es ist nicht so dass ich nie darüber gesprochen habe, aber irgendwie erwartet jeder, dass ich die "starke" bin, die niemals einknickt. Nein mit meinem Mann habe ich nicht darüber gesprochen wie es mir die letzten monate ging. Ich konnte es nicht. Aber ich werde es tun und ihm sagen, vielleicht hilft uns das weiter.

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Kommunikation ist alles in einer Beziehung. Das ist mit das wichtigste überhaupt. In sich alles hineinfressen bringt nichts. Macht eher das Gegenteil. Verständnis wirst du finden wenn du ehrlich über deine Gedanken und Gefühle in dieser Hinsicht reden tust. Schwere Zeiten können oft zusammen schweißen

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Wie soll er auch Liebe spüren, wenn Du nicht mehr zeigst wer Du bist?

Ich würde schauen, dass Du Dich ihm jetzt sofort öffnest Jetzt sofort wieder zeigst wer Du bist. Schieb das nicht bis zum Termin mit der Therapeutin auf. Er muss Dich jetzt wieder spüren und erleben, damit er Dich vielleicht dann wieder lieben kann.

Abblocken, "funktionieren" und den Roboter spielen -bringt langfristig jede Beziehung & Liebe ins aus.

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Ich würde die Aussage deines Mannes als Warnung und Hilferuf verstehen. Er hat bislang stillschweigend akzeptiert, dass du in einer Blase lebst und dich aus Teilen der Beziehung zurückziehst, vermutlich auch, weil er die Gründe afür kennt.
Jetzt braucht er vermutlich eine Perspektive, dass die Situation auch mal ein Ende hat, dass du auf ihn zugehst und deine Probleme in Angriff nimmst.

Ich würde ihm sagen, dass du ihn von Herzen liebst und dir Hilfe suchst und dich wieder auf den Weg zurück zu ihm machst.

Ich bin gerade in einer ähnlichen Situation, nur das wir uns getrennt haben. Da ist das letzte Wort aber noch längst nicht drüber gesprochen. Ich will gerade auch nicht endlos reden. Ich will Taten sehen und ein klares Bekenntnis zu mir hören und ich will den Abstand, dass auch meine Wunden heilen können... und dann sehen wir weiter.

Viel Glück euch.

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Ich hab mit.meinem Mann gesprochen. Es wird Zeit brauchen, aber wir werden das zusammen durchstehen. Er unterstützt mich und will mir helfen. Das gibt mir alles wieder mut und Hoffnung

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