Hausfrauenleben

Hallo ihr Lieben,
Für manche mag die Frage sehr merkwürdig sein, deswegen kurz vorab zur Erklärung: Ich bin in einer kleinen Wohnung in einer Großstadt mit in Vollzeit berufstätigen Eltern aufgewachsen. Alles war auf Zeit-, Platz- und Geldersparnis ausgelegt, Effizienz ging über alles. Jetzt habe ich ein Kind bekommen, wollte für mein Kind ein anderes Leben und bin daher in ein Häuschen am Stadtrand gezogen. Momentan arbeite ich auch nur vormittags in Teilzeit. Jetzt versuche ich "runterzukommen" von den erlernten Verhaltensweisen und mein Leben zu entschleunigen. Aber es steckt so in mir drin, das ich etwas blind bin für ganz selbstverständliche Dinge. Mein erster Schritt war mir eine Wäschespinne zu kaufen, statt wirklich alles in den Trockner zu stopfen. Ich kann gar nicht beschreiben wie gut es tut in Ruhe etwas Wäsche aufzuhängen 🙈 Ich habe versucht Marmelade zu kochen, aber wenn man kein Obst im eigenen Garten hat (dafür ist der Reihenhaus-Garten wirklich zu klein) und keinen Bauern in der Nähe ist das doch deutlich teurer als einfach Marmelade zu kaufen. Brot habe ich auch schon gebacken 😊 Als nächstes wollte ich mich mit Einmachen in Gläsern beschäftigen.

Das Thema ist mir etwas peinlich, aber ich kenne wirklich niemanden der auch nur ein bisschen ein Hausfrauen Leben führt, von dem ich mir etwas anschauen könnte. Hat jemand weitere Inspirationen für mich?
Ich danke euch sehr!

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Also ich arbeite Vollzeit, habe ein kleines Kind und hänge meine Wäsche trotzdem auf und wir haben ca. 20 große Obstbäume, Beerensträucher und Wein auf dem Grundstück aus denen ich jedes Jahr Saft, Marmelade und Unmengen an Kuchen mache. Das aber nur am Rande, weil ich einfach nicht finde, dass sich das eine und das andere ausschließen. Daher würde ich mir nun auch gar nicht so einen Druck machen und versuchen die Zeit in der du nur Teilzeit arbeitest möglichst voll zu packen. Es ist auch ok mal einfach nichts produktives zu tun.

Zu Tipps: Könntest du nicht ein paar Hochbeete anlegen? Müssen ja nicht riesig sein, aber dann könntest du eigenes Gemüse anpflanzen. Und wenn du dich für Marmelade etc. interessierst könntest du auch mal schauen ob es keine öffentlichen Obstbäume bei euch in der Gegend gibt. In Kleingartenanlagen sind die Leute aus meiner Erfahrung auch immer sehr froh, wenn sie etwas Obst/Gemüse abgeben können, weil sie das alles gar nicht selber nutzen können.

Es gibt auch einige Hühnerrassen, die man auch gut in kleinen Gärten Artgerecht halten kann ohne, dass sie dir deinen ganzen Garten umgraben.

Das sind auch alles Dinge, die meine Tochter (2,5) super spannend findet und gerne mitmacht. Zu sehen wo Dinge, die man isst her kommen, wie sie wachsen und reifen, ist einfach toll.

Ich denke allerdings auf kurz oder lang, wirst du genug Zeit haben, um dir über ein Hobby Gedanken zu machen :) Gibt es da etwas was dich interessiert?
Im Winter liegt alles rund um den Garten ja zum Beispiel eher still.

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genau so mache ich das auch seit 40 Jahren und Obst, das übrig ist wird zu Konfi verarbeitet

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Dankeschön, auf die Idee bin ich nicht gekommen, ich werde mich Mal umsehen nach Kleingartenanlagen in der Nähe!

Und genau das versuche ich momentan auch, den Druck aus allem rauszunehmen :) Ich möchte gar nicht produktiv sein, sondern die Dinge bewusst tun. Eben statt schnell fertig geschnittenes TK Gemüse, habe ich mir für meine Gemüsepfanne frisches Gemüse geholt und es in Ruhe ohne Hektik selbst geputzt und geschnitten. So merkwürdig es für viele klingen mag, für mich vor kurzem noch undenkbar länger als 15 min mit der Essenszubereitung beschäftigt zu sein ;)

Und ich sehe das auch alles als Hobby an. Früher habe ich mich neben dem Beruf ständig weitergebildet und viel Sport gemacht, das waren meine Hobbys, jetzt möchte ich die Zeit eben mit solchen Dingen verbringen.

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Ich kann dir das Buch "Selber machen- statt kaufen (Küche)" empfehlen, dort findet man tolle Anregungen wie man das typische "Fertigzeug" selbst herstellen kann, meine Favoriten sind hierbei Gemüsewürzpaste (normal, oder asiatisch/italienisch variiert) und auch Knäckebrot, Joghurt etc.

Auch sehr zu empfehlen ist das "Goldene von GU- Homemade". Viele wunderbare Rezepte und Idee für die Küche/ Kochen. Dort findet man alles über Sirup, Konfitüren, Aufstriche, Fonds und Saucen, Pasteten und Eingelegtes.
Auch wenn euer Garten zu klein sein sollte, gibt es auch Obst oder Gemüse welches du auf der Terrasse oder dem Balkon anbauen kannst, das weniger Platz verbraucht, klassisches wie Tomaten, Hängeerdbeeren oder einfach Kräuter.

Ich habe langsam mit diesem Thema angefangen nachdem unser erstes Kind auf die Welt kam, schau einfach was zu dir passt und woraus du für dich wirklichen Nutzen ziehst. Ich finde es wahnsinnig erfüllend und genieße diese Arbeit sehr. Peinlich finde ich es gar nicht.

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Vielen lieben Dank für deine Tipps! Ich werde mir die Bücher ansehen und hoffe dass sie etwas für mich sind. Eventuell muss ich aber auch zunächst meine Kochkünste noch verfeinern. Kräuter hatte ich schon kurze Zeit im Kübel, aber ich muss erstmal lernen sie zu verwenden. Bisher habe ich kaum Kräuter verwendet, wenn dann nur getrocknet. Ebenso Fonds, es gab nur fertige Brühe. Es gibt also noch viele offene Punkte 🙈

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Was du auch machen könntest, frage auf dem Wochenmarkt z.B. nach Tomaten, die bereits weich sind und sich so kaum noch verkaufen lassen. Diese dann zu Hause säubern und zu Saucen verarbeiten (oder einfach kochen und passieren).
Ich habe gestern 7kg Kirschtomaten gekauft, beste Qualität und nur 7€ dafür bezahlt. Inzwischen sind sie schon alle verarbeitet und warten auf ihren Einsatz als Soßen, Pizzabelag etc.

Fertige Brühe war eine der ersten Sachen, die ich gekickt habe. Kaufe dir Suppengrün oder Petersilie, Sellerie, Liebstöckel, Staudensellerie, Karotten, Petersilienwurzeln (oder nach Geschmack- kann man viel variieren) und grobkörniges Meersalz. Pro 100g Gemüse werden 20g Salz verwendet. Schneide das Gemüse etwas zurecht und gib es mit dem Salz in die Küchenmaschine, die erledigt den Rest, bis nur noch sehr kleine Stückchen übrig sind. Diese Paste in kleine (vorher sterilisierte) Gläser geben und im Kühlschrank aufbewahren. Es ist nicht nur Monate haltbar (achte aber auf Sauberkeit), sondern auch schnell gemacht. Ein Teelöffel ersetzt einen Brühwürfel.

Mach dir vorallem keinen Stress, schau was du bequem ersetzen kannst und taste dich heran, was für dich geeignet. Nähen, Sticken, Stricken kann ich gar nicht, ich kann (doch ziemlich geil) kochen und backen, mich um mein Gemüse kümmern und bastel sehr gerne. Es sollte Spaß machen und sich gut in den Alltag integrieren lassen und nicht eine Herausforderung sein.

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Viele Ideen gibt es auch auf Utopia, ansonsten google ich abend auch gerne mal was man so selber machen kann (creme Fraiche z.b. wusste ich vorher nicht wie einfach das geht)

Ich kann mich anderen anschließen, auch auf webig Fläche kann man anbauen. Wir hatten auch den ganzen Balkon voll. Da gibt es extra Züchtung säulenobst z.b. oder ein Hochbeet/ Etagen Beet. Man kann auch eine Kräuterwand machen. Gitter an eine Wand oder Zaun und dann Blumentöpfe zum einhängen.
Du kannst auch in einem kleinen Garten z.b. 4 zwerghühner halten, solange es nur hühner sind brauchst du keine Genehmigung musste sie nur anmelden beim Veterinäramt.

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Eine Freundin von mir hat nochmal Elternzeit genommen und die neu gewonnene Zeit nutzt sie auch um Putzmittel selbst zu machen.

Keine Ahnung, ob es beim Versuch blieb.

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Dankeschön, das klingt toll und sehr ökologisch zugleich, das kommt definitiv auf meine Liste :)

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Wohne ebenfalls auf dem Land. Ich habe eine Küchenmaschine und kaufe so gut wie keine Fertigprodukte mehr. Vanillezucker, gemüsepaste etc mache ich selbst.

Im Winter binde ich adventskränze für Freunde, Verwandte und uns natürlich. Ansonsten ist an mir auch keine bastelfee verloren gegangen.

Ich mache für die Kinder Fotoalben.

Und nebenbei gesagt finde ich es interessant wie du aufgewachsen bist. Du könntest dir ja das beste aus beiden „Modellen“ nehmen 😉

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Für mich hängt diese persönliche Effizienz und Entschleunigung auch viel am Konsumverhalten. Du gehst nun eher in die Richtung: Dinge selber machen. Da finden ja auch viele Gefallen daran selber zu nähen, zu stricken, sticken oder sowas.

Es gibt aber auch noch den Ansatz sich zu fragen, ob man wirklich all die Dinge braucht, in die man Zeit steckt. Also auch der Deko Nippes, der im Regal steht, den Onkel Herbert vor 5 Jahren angeschleppt hat und der eigentlich hübsch ist und dich vielleicht an Onkel Herbert erinnert und man so ein bisschen ein schlechtes Gewissen hat, sich davon zu trennen, weil es ja von Onkel Herbert ist, den fasst man letztlich doch bei jedem größeren Hausputz wieder an, weil Staub drauf liegt, die Katze es umgenietet hat oder so. Man hortet DVDs, CDs obwohl man seid Jahren nur noch YouTube, Alexa, und Netflix nimmt. Im Klamottenschrank sind 1. Mio Sachen, die alle noch gut sind, aber man sucht stets die selben 14 Teile.

Das ist so ein Punkt wo ich für mich merke. In jedes Teil geht Zeit, die mir dann anderswo fehlt. Und mit allem was man hat, geht Verantwortung einher. Und dann weil man z.B. 150 Sachen aufräumen muss, fehlt einem die Zeit zum Kochen und man haut wieder ne Tiefkühlpizza rein. Viele wollen ja heute auch so riiiiiiesen Wohnungen. Man zieht leer ein und am Ende weiß man nicht mehr wo man noch was hinstellen soll.

Ich finde daher regelmäßig entrümpeln, auch was wegwerfen, aussortieren, verschenken, spenden, verkaufen einen gleichzeitig schmerzhaften wie befreienden Akt. Und überlegen, ob man etwas wirklich braucht/will bevor es zu einem kommt. Sich zu fragen, was brauche ich wirklich. Was macht mich glücklich. Und zu merken, dass man hinterher eigentlich nichts vermisst, auch wenn man Dinge verscheuert hat. Da denke ich haben die meisten Haushalte viel Potential.

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Vielen Dank schonmal für eure Antworten! Ich lese mir das heute Abend wenn das Kind im Bett ist noch ein Mal in Ruhe durch und melde mich nochmal.
Jetzt aber vielleicht noch die kurze Information, dass unser Garten wirklich sehr klein ist. Die Grundstückspreise hier sind explodiert und somit hat unser Garten inklusive Terrasse eine Größe von 6,5x7 m. Hühnerhaltung klingt wirklich toll und nach großer Idylle, die Idee ist großartig und hätte mir super gefallen, aber ich denke hier ist das nicht machbar. Das bisschen Garten lasse ich besser meinem Kind zum Spielen, denn Hühner und Ball verträgt sich vielleicht nicht so gut ;) Die Spielplätze hier sind leider auch gar nicht gepflegt, alles voll von Zigarettenstummeln und zerbrochenen Glasflaschen und die Sandkästen voll mit Tierkot, daher umso wichtiger die Spielmöglichkeit im Garten zu haben.

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Wäre denn ganz aufs Land zu ziehen eine Option?

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Ich habe nur zum Thema 'Einmachen ohne Obstbäume' einen Tipp: Radele durch Schrebergärten. Zur Erntezeit stehen dort üblicherweise Körbe voller Obst zum Mitnehmen 'rum. Oder halte einen Schwatz mit Nachbarn. Ich z.B. war und bin dankbar für jeden, der diese verdammten Mengen an Äpfeln, Birnen, Walnüssen, Pflaumen, etc. mitnimmt. Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, ist Deine Art der Entschleunigung nix für mich. Viel zu viel selbst gemachte Marmelade und Säfte in der Kindheit, vermute ich.

Grüsse
BiDi

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Hi,
also machst Du auch keine Marmeladen, Gelees und Säfte?

Ich bin hier die einzige, weit und breit, die noch nie sowas eingekocht hat. Oder Kirschen und Zwetschgen einkochen, noch nie den Wunsch verspürt, mir mit sowas die Zeit zu stehlen #schwitz

Wenn meine Mutter heute stirbt, können wir, bei dem jetzigen Essverhalten, noch 10 Jahre eingemachte Kirschen essen, und 20 Jahre, Gelee und Marmelade aufs Brot schmieren.

Eine Freundin geht so richtig auf............................und ich denke nur an die viiiiiiiiiielen Stunden die ich meiner Mutter helfen musste, mit pflücken, abpfriemeln von Stielen, entsteinen und entkernen und und und und und und

Auch mein "Garten", wäre mir gepflastert lieber. Ich habe in meinem Leben genug gegossen.

Dann ist man es leid, oder?

Gruß

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Da fällt mir ein Spruch ein der hier am einem Stand am grünen Markt hängt.

Was der Bauer nicht kennt frisst er net .... aber würde der Städter wissen was er frisst würde er Bauer werden.

Für mich hat gerade das Einkochen sehr viel mit Respekt vor der Umwelt und den Erzeugnissen zu tun. Und damit dass ich weiß was drin ist. Und gerade die Nutzung der Ressourcen die in Gärten etc vorkommen würde viel dabei helfen den Druck von der intensiven Landwirtschaft zu nehmen. Und das hat für mich nichts mit Zeit stehen zu tun sondern für mich ist sie sinnvoll genutzt. Wenn ich mir von was Zeit stehlen lasse dann ist es sowas wie dies hier.

Ausserdem wird in Deutschland viel zu viel hirnlos gegossen ich würde sagen bei manch Nachbarn hier ist die Hälfte dessen was sie gießen unnötig.

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Tatsächlich geht mir das von dir beschriebene Leben völlig ab. Ich genieße meine Arbeit, weil ich trotz Kind mich selbst nicht verlieren möchte. Natürlich versuche ich dabei immer die Bedürfnisse unseres Sohns im Blick zu haben. Trotzdem suche ich mir entschleunigende Hobbys

Aber nun zu deiner Frage:
Hast du es mal mit Handarbeiten probiert? Nähen, Stricken, Häkeln oder Sticken? Vielleicht auch weben oder spinnen?

Du könntest auch mit dem Malen anfangen, Kalligraphie, Handlettering oder zeichnen.

Oder vielleicht liegt dir das werkeln mehr?Holzbearbeitung hat etwas meditatives sagt mein Mann. Schnitzen beispielsweise oder du baust etwas (ein Hoch- oder Tischbeet wäre doch etwas ;o)).

Vielleicht helfen dir diese Anregungen ein wenig. Die bisherigen Tipps gingen mir ein wenig zu sehr in die bisherige Richtung. Ich wollte das Spektrum erweitern.

Viel Erfolg

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Da möchte ich gerne einhaken.
Ich habe erst als Erwachsene mit häkeln angefangen.
Zwischenzeitlich häkel ich viel für meine Tochter.
Zuerst Kuscheltiere.
Aktuell alles mögliche für die Spielküche (Erdbeeren, Bananen, Äpfel, Birnen, Radieschen, Käsescheiben, spirelli-Nudeln, Pfannkuchen, ...). Lässt sich genauso für den Kaufmannsladen nehmen.
Macht mir gleich doppelt Spaß, wenn ich ihr tolles Spielzeug selbst erschaffen kann.
Vielleicht wäre das auch für dich was.