Heimweh, obwohl man zuhause ist!

Hallo,
meine Tochter kam vorhin zu mir und meinte:
Mama ich habe so ein komisches Gefühl wie Heimweh im Bauch aber ich bin doch zuhause, warum fühle ich das denn?

Ich wusste im ersten Moment gar nicht was ich antworten sollte. Habe direkt gefragt ob etwas nicht stimmt oder sie sich zuhause nicht wohl fühlt. Sie sagte nein es ist alles wie immer und es würde ihr gut gehen.

Jetzt liege ich auf der Couch, bin fürchterlich traurig und mache mir Sorgen.

Sie ist 11 Jahre alt.

Ich habe überlegt ob sich zuhause etwas verändert hat, aber mir fällt nichts auf. Außer der Wechsel aufs Gymnasium und eben Corona. Das ist zwar eine Menge aber sie hat das alles die ganze Zeit super weg gesteckt.

Hab ich das auf die zu leichte Schulter genommen ?

Kennt das jemand von euch?

Ich habe einen richtigen Knoten im Bauch seitdem meine Tochter das gesagt hat 😔

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Naja, die Welt steht Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes, undzwar für wirklich alle!
Ich kann mir vorstellen, dass sie ihr altes, freieres Leben vermisst. So geht es mir auch und den meisten anderen ebenso auch wenn man ja eigentlich ziemlich "angepasst" vor sich herlebt.
Und ich finde den Heimweh-Vergleich gar nicht schlecht 😅 Nur leider können wir alle nicht zurück in unsere altes "Heim". Wir müssen nach vorn schauen. Das scheint deine Tochter ja auch zu tun.
Aber vielleicht schadet es nicht, wenn du ihre Gefühle nochmal aufgreifst, das Gespräch suchst und ihr sagst dass du glaubst zu verstehen was sie mit Heimweh meint. Und dann sprecht ihr einfach mal ein bisschen darüber! ☺️ Das wird schon wieder... vielleicht kann sie ja mit dir gemeinsam ergründen, was genau dieses Heimweh-Gefühl verursacht? Also nicht übergeordnet "Corona" sondern was genau war früher besser? Also welche Punkte schlagen ihr so aufs Gemüt? Was ist änderbar, was nicht? Wie kann man Dinge annehmen, die nicht zu ändern sind? Usw...

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Vielen Dank für deine Antwort.

Es hat mir keine Ruhe gelassen und ich bin nochmal hoch um nach ihr zu schauen.
Sie saß tatsächlich am Schreibtisch obwohl ich sie schon ins Bett gebracht hatte, sonst schläft sie ganz flott ein.

Ich habe sie gefragt ob sie noch kurz mit ins 'große Bett' möchte um bissel zu kuscheln und quatschen.

Jetzt geht es mir um einiges besser, sie konnte ihre Gefühle sehr gut in Worte fassen, das größte Problem ist ihre beste Freundin. Sie konnten sich 3 Wochen nicht sehen wegen lernen und der Quarantäne, in der ihre Freundin war. Sie sagte sie vermisst sie so und hat kurz bevor das Gefühl kam mit ihr telefoniert.

Für das kommende Wochenende steht ein Treffen an, das nimmt hoffentlich etwas von dem 'Schmerz' und wird beiden gut tun..

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Das klingt sehr schön und liebevoll von beiden Seiten. Schön, dass Ihr so eine tolle Beziehung habt und so gut miteinander reden könnt.

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Da würde ich mit ihr im Gespräch bleiben. Vielleicht kommt ihr dann beide drauf.

Bei mir ist es manchmal, dass ich mich an früher erinnere. Also irgendwie ein Gefühl von früher erinnere. In die Zeit zurück will ich nicht.
Es ist eher ein vermissen .... und spüren von Momentaufnahmen.

Das müssen gar keine Veränderungen sein oder so. Es ist eher ein wiedererinnern von Erinnerungen.
Gerüche etc. können das sehr auslösen. Dann tagträume ich / vermisse ich die Küche meiner Oma.
Manchmal ist es auch einfach der insgeheime Wunsch in den Arm genommen zu werden.

Geborgenheit.
Heimweh der Gefühle. Gar nicht der räumlichen Umstände.

Meine möchte z.B. noch auf den Arm, wenn sie krank wird.
Dabei will sie gar nicht auf den Arm. Sie vermisst dann einfach das Kuscheln und das Gefühl von getragen werden.
Dass sie zu groß dafür ist, weiß sie.
Einordnen, dass sie krank wird, kann sie in dem Moment aber nicht. Das kommt erst einige Momente später.

Vielleicht ist es bei deiner ähnlich.
Sie braucht etwas, für das sie keine Worte findet, weil sie es fühlt (spüren ohne Worte).

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Danke für deine Antwort.

Es hat mir keine Ruhe gelassen und ich bin nochmal hoch um nach ihr zu schauen.
Sie saß tatsächlich am Schreibtisch obwohl ich sie schon ins Bett gebracht hatte, sonst schläft sie ganz flott ein.

Ich habe sie gefragt ob sie noch kurz mit ins 'große Bett' möchte um bissel zu kuscheln und quatschen.

Jetzt geht es mir um einiges besser, sie konnte ihre Gefühle sehr gut in Worte fassen, das größte Problem ist ihre beste Freundin. Sie konnten sich 3 Wochen nicht sehen wegen lernen und der Quarantäne, in der ihre Freundin war. Sie sagte sie vermisst sie so und hat kurz bevor das Gefühl kam mit ihr telefoniert.

Für das kommende Wochenende steht ein Treffen an, das nimmt hoffentlich etwas von dem 'Schmerz' und wird beiden gut tun..

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Wie schön sie das formuliert hat, auch wenn es sicher kein angenehmes Gefühl ist.

Vielleicht ist es auch ein Gefühl von Ängstlichkeit im Bauch, das sie beschreibt? Das war zumindest mein erster Gedanke. Oder eine schmerzliche Sehnsucht nach Normalität. Seid ihr stark eingeschränkt durch Corona oder sonstige Dinge?

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Vielen Dank für deine Antwort.
Nein zum Glück sind wir kaum betroffen.
Ich hatte keine Ruhe und bin nochmal zu ihr. Wir hatten ein tolles Gespräch.
Wir sind beide zu dem Ergebnis gekommen das sie ihre beste Freundin fürchterlich vermisst. Für das kommende We steht ein Treffen an. Das wird den beiden bestimmt gut tun.

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Mein erster Gedanke ist die Angst vor Veränderung. Sie fühlt sich wohl zu Hause, sie liebt es und findet es gut so wie es ist. Nun verändert sich vieles und Kindern kann das Angst machen. Vielleicht ist es das. Die Angst, dass sich ihr Heim verändert.

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Ich kenne das total gut!!!!
Ganz oft wenn alles schief läuft oder ich mich unwohl fühle aufgrund iwelcher Vorkommnisse, innerlich aufgewühlt bin, denke ich mir: „Ich will nach Hause.“
Auch wenn ich zu Hause bin. Ich denke auch, dass es dafür steht, dass man zur Gewohnheit oder zum Alten/Vorherigen zurück will.
Die Zeit zurück drehen, dahin wo alles in Ordnung ist/war.

Ich bin übrigens 30 Jahre alt, verheiratet und habe einen kleinen Sohn.😊
Ich kann mich damit total identifizieren!

Liebe Grüße und alles Gute.

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Kann es an der Pubertät liegen? Hormonveränderungen?
Ich weiß, dass ich als Teenager auch manchmal so ein seltsames Gefühl in mir hatte, konnte es kaum in Worte fassen. Irgendwann hörte es wieder auf 🤷🏼‍♀️

So viele Veränderungen, um sie herum und in ihr drin.
Unternehmt doch vielleicht was schönes, ihr vertrautes, dass sie schon immer gerne macht (soweit das möglich ist zurzeit 🤨)

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Hallo
Zuhause ist mehr als der Ort an dem man (gerade) wohnt. Dieses Jahr ist vieles nicht so möglich wie sonst. Urlaub, Freunde und Familie sehen,... Ist da bei euch vielleicht etwas ausgefallen und auf auf unabsehbare Zeit verschoben?
Das Gefühl auf der vertrauten alten Schule kann es auch sein.
Ich finde das jetzt nicht sonderlich bedenklich. Nehm sie ernst und lass sie wissen, dass Gefühle manchmal einfach da sind und man sie nicht erklären muss.

LG

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