Das Leben nach der Chemo...

Hallo, es geht nicht um mich. Es geht um eine ganz liebe Freundin von mir. Sie haben ein schlimmes Schicksal zu tragen. Ihr kleiner Sohn ist 4 Jahre alt und hatte schon 2 Chemotherapien mit langen Krankenhausaufenthalten hinter sich. Ich habe die Liebe Mama als unheimlich liebend, sich aufopfernd und als extrem positiven Menschen kennen gelernt. Gerade das positive hat mich immer sehr beeindruckt, sie sagt sie muss positiv sein, hat keine Wahl!

Sie wurden meiner Meinung nach, nach dem Klinikaufenthalt sehr allein mit allem gelassen. Zurück ins Leben und in den Alltag katapultiert und ich merke sie kommt an einen Punkt, wo sie bei vielem nicht mehr weiter weiß. Ich würde ihr so gerne helfen!

Es sind einfach Probleme die jetzt im Alltag auftreten, sie sind endlich aus der Klinik wieder daheim und dürfen Kontakte haben, in den Kindergarten gehen und sind dennoch total isoliert... Er geht 3 Tage (wirklich 3 Tage!) die Woche in den kiga und ist 2 Wochen richtig gemein krank. Sie weiss es ist normal, das immunsystem muss erst wieder hergestellt werden! Dadurch verpasst der kleine leider alles mögliche an Events. Und sei es jetzt zb der fotografentermin der ihr irgendwie sehr wichtig war, da sie ihn im Vorjahr schon wegen der Chemo verpasst haben, Geburtstagsfeiern, eine Hochzeit. Diese unbändige Angst, wenn das Kind wieder krank wird, ist es nur ein "schnupfen" schafft sein immunsystem das? Geht es wieder von vorne los?

Ich merke das es sie sehr traurig macht. Sie sagt sie hat das Gefühl sich nicht freuen zu dürfen, sie dürfen einfach nicht normal leben und das obwohl sie das ganze zusammen geschafft haben. Ich merke ich kann sie nicht so auffangen wie sie es verdient hat. Ich habe nicht das selbe erlebt. Ich kann nur erahnen wie es ihr geht! Ich merke aber auch sie hat immer mehr redebedarf, weint immer wieder mal, was sie bisher nie gemacht hat.

Ich glaube sie braucht mal Gespräche mit Menschen die ähnliches erlebt haben, sie fragt sich immer wie sie im normalen Alltag handeln soll, wie geht man damit um, sein Kind ständig enttäuschen zu müssen weil man schöne Termine nicht einhalten kann? Sie sag ihr Tag steht im Moment dauernd im Zwiespalt, Handel ich so oder so? Wird er wieder krank oder darf er mal mit Kindern spielen? Erzähl ich ihm von einem bevorstehenden Anlass oder nicht? Nach jeder erneuten Krankheit, ist es wie eine erneute Eingewöhnung in den Kindergarten. Wie plant ihr wichtige Termine ein. Es steht zb eine für alle sehr wichtige Kur bevor. Sie dürfen da nicht krank sein. Im Moment sieht es so aus als können sie sich davor nicht schützen. Sie hat unheimliche Angst das das nicht klappt.

Wo findet sie Menschen die ähnliches erfahren haben? Ich habe gehofft hier vielleicht einen Kontakt für sie herstellen zu können. Sie ist nicht sehr Internet affin! Gibt es eine Telefonnummer ein Netzwerk irgendetwas was ihr helfen kann? Wie habt ihr nach der Chemo weiter gemacht, was hat euch bei euren Ängsten geholfen. Reichen "normale" Freunde um das aufzufangen? Oder fühlt ihr euch in Gesprächen mit Menschen ähnlicher Erfahrungen besser? Ich bin manchmal in emotionalen Momenten etwas überfordert und weiss nicht ob ich ihr dann gerecht werde.

Vll hat jemand einen Tipp für mich, bzw sie.

Danke fürs Lesen!

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Hiho, ich würde an deiner Stelle mal diesen Text kopieren und dann bei dem Forum krebskompas ein Thema dazu eröffnen.
Dort hast du einfach mehr Betroffene.
Ich selber habe auch schon Chemo hintermir und es dauert einfach lange bis der Körper wieder funktioniert. Die Leute die sich abwenden machen dies auch nicht mit Absicht, viele wissen einfach nicht wie sie damit umgehen sollen. Wichtig ist das du ein offenes Ohr hast, denn reden hilft unglaublich viel. Schöne Erlebnisse werden noch genug kommen. Jetzt ist es erstmal wichtig das der kleine sich erholt und leider kann eine banale Erkältung schon ausreichen um auf die intensiv zu kommen. Daher mein tip lieber einmal mehr zu Hause bleiben. Evt könntest du ihr ja mal anbieten aufzupassen damit sie mit ihrem Mann mal ins Kino oder essen gehen kann. Damit wenigstens ein Stück Normalität einkehren kann.

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Hallo,

Danke für deine Antwort! In diesem Forum werde ich es aufjedenfall einmal versuchen.

Ja so sieht es aus. Sie waren auch letztens deswegen im Krankenhaus und sie hat riesen, riesen Angst gehabt. Alles hat sie an damals, als alles begann erinnert. Auch den kleinen hat der aufenthalt sichtlich mitgenommen. Ich versuche immer ein offenes Ohr zu haben und hoffe das meine Worte ihr irgendwie helfen! Nur leider fehlen mir diese oft.

Danke nochmal!

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In den schwierigen Momenten helfen keine Worte. Aber es hilft ungemein jemanden zu haben der zuhört, auch wenn man sich 1000 mal wiederholt. Wenn man selbst betroffen ist, ist es schon schlimm genug aber man arrangiert sich da irgendwann mit. Wenn es aber um das eigene Kind geht ist es vermutlich noch viel viel schlimmer. Du könntest ihr noch einen Tip geben der mir sehr geholfen hat.
Schenke ihr ein schönes Buch wo sie ihre Gedanken rein schreiben kann. Auch wenn es blöd klingt, es hilft unglaublich beim verarbeiten da man sich einfach alles von der Seele schreibt. Einmal angefangen ist es ein selbstläufer.
Lg und alles gute 🍀 🍀 🍀 🍀 🍀

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Hallo,
Ist der Kleine jetzt gesund und muss"nur noch" zu Nachsorge,oder stehen noch weitere Therapien an?
Mein Sohn ist mit 6 Monaten an Leukämie erkrankt und wir sind das erste halbe Jahr höchsten 2 Wochen zu Hause gewesen und die restliche Therapie (1,5 Jahre) auch sehr oft im Krankenhaus,teilweise vormittags heim gekommen, nachmittags hat der Kleine Fieber bekommen,also wieder ab ins Krankenhaus.
Es war Horror,und immer die Angst im Nacken, hohes Fieber, heißt Therapiepause = Krebszellen wachsen.
Am schlimmsten war es für meine Tochter ( 2 Jahre bei Erkrankung).
Hat deine Freundin noch andere Kinder?
Da kann man nämlich fast nix aus dem Weg gehen .
Unsere Kleiner war ja noch so klein,aber die große hatte ja auch ein Leben und den Kindergarten geliebt.
Wir haben versucht alles mitzumachen.
Am Eingang stand ein Desinfektion Spender und jeder musste erstmal gründlich Hände desinfizieren,bei Erkältungszeichen Mundschutz,am besten gar kein Kontakt.
Gehen sie zur Familien orientierte Reha?
Die sind nämlich super,wir waren damals in Tannheim,ein Traum.
Hat sie auf der Station keine Kontakte geknüpft?
Ich hatte damals nicht viele,da wir meistens isoliert waren,aber die etwas größeren Kinder waren schon oft im Spielzimmer,wodurch die Eltern auch viel Kontakt bekamen.
Ich hab ein paarmal mit der Klinik Psychologin gesprochen,das war auch sehr hilfreich.
Es ist alles furchtbar,aber irgendwie funktioniert man,man hat ja keine Wahl.
Lg

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Hallo,

Vielen Dank für deine Geschichte! Dein letzter Satz trifft es ganz gut! Sie sagt sie musste funktionieren. Sie musste positiv sein, was war die Alternative, negativ denken bedeutete das schlimmste zu akzeptieren. Sie musste gut drauf sein, lächeln, Sicherheit geben, dem Kind die Angst nehmen. Ich glaube die 2. Chemo war für sie und ihn noch schlimmer, da war er drei... Hatte eben gelernt mobil zu werden... Konnte noch weiter denken....

Sie hat kein weiteres Kind, wird sie aufgrund der Erkrankung auch nicht bekommen. (das muss eine ganz, ganz furchtbare Zeit für euch gewesen sein!)

Sie hat keine Kontakte in der Klinik knüpfen können. Sie waren ähnlich wie ihr sehr isoliert. Hat sie mal etwas von einer Familie erfahren die dort in der Klinik waren erfahren, oder beim 2. Mal in der Klinik nochmal gesehen, waren es schreckliche Informationen die sie erhielten. Kontakte zu Familien bei denen es einen positiven Verlauf genommen hat, haben sie nicht.

Der Klinikosychologe war nicht erreichbar für sie, da es nur einen einzigen Ansprechpartner in der gesamten Klinik für die Familien gab.

Du fragst ob seine Krankheit geheilt ist? Im Moment sind seine Werte gut, man kennt aber keine Prognose.

Wie wirst du jetzt im Alltag fertig? Was machst du mit deiner Angst wenn, jemand bei euch krank wird? Hat dir geholfen mit Betroffenen zu reden oder zieht einen das eher nochmal runter? Hat man dich als nichtbetroffene Freundin auffangenkönnen? Was hat dir geholfen nicht an diesen Erfahrungen kaputt zu gehen? Heute?

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Hallo,
Wir haben das Glück das Jonas sehr gut auf die Chemo angesprochen hat und er nach wenigen Wochen fast keine Krebszellen mehr hatte,jedoch waren die Nebenwirkungen sehr schlimm.
Meine beste Freundin hat oft mit mir gesprochen,ihr Vater ist an Krebs gestorben.
Sie war wirklich super lieb, hat jedoch oft gemeint das sie es versteht,nur man kann den Vater(so schlimm das auch war,hab ihn sehr gern gehabt,war ein toller Mensch) nicht mit dem Kind vergleichen.
Mit meiner Schwester hab ich oft gesprochen,wir sind beide Krankenschwester und haben zusammen auf der Onko gearbeitet,sie hat immer direkt verstanden was ich wollte.
Bei meinen Eltern und den Schwiegereltern hab ich immer versucht nur das gute zu erzählen,sie hatten es schwer genug.
Hm, die Angst geht nie weg,es vergeht kein Tag das ich nicht an ein Rezidiv denke,aber es wird besser.
Ich Versuch es zu verdrängen,sonst werde ich verrückt.
Ich hab noch mit 2 Familien näheren Kontakt,wovon jetzt das eine Kind ein Rezidiv hat.
Dann geht sofort.das Kopf Kino los.
Oft zieht es mich runter,aber ganz ohne kann ich irgendwie auch nicht.
Viele Familien haben,nach erfolgreicher Therapie,ein Foto auf der Station aufgegangen,ich kann das gar nicht.
Es fühlt sich an,als würde ich das Schicksal heraus vorderen.
Gibt es bei euch eine Elterninitiative?
Wir sind aktiv dort eingebunden und nehmen bei vielen Veranstaltungen Teil, zusätzlich ist mein Mann Spendenbeauftragter.
Vielleicht wäre das was für sie?

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Hallo.

Es gibt einige Selbsthilfegruppen und Internetforen für Betroffene. Vielleicht wäre das ja was für deine Freundin.

Und wegen dem Immunsystem: Geh mal mit ihr in eine Apotheke und lasst euch eingehend beraten, wie man das Immunsystem des Kleinen gut stärken kann. Für Erwachsene gibt es dieses Kräuter-Wasserlinsenelixier nach Hildegard von Bingen. Aber das beinhaltet Alkohol und ist nichts für Kinder. Aber evtl. dieses Spenglersan Pumpspray.:-) Das hilft ihm vielleicht, dass er den Kindergarten besuchen kann, ohne regelmäßig auszufallen und bringt ihm den dringend benötigten stinknormalen Alltag zurück.

Alles Gute!#winke

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Liebe TE,

vielleicht ist das für deine Freundin etwas:
https://www.kinderkrebsstiftung.de/startseite.html

https://www.kinderkrebsstiftung.de/ueber-uns/elterngruppen.html

LG Hinzwife

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