Familie am Tiefpunkt

Ich weiß nicht so recht, was ich mir erhoffe. Vielleicht aufmunternde Worte oder doch einen nützlichen Tipp. Vielleicht schreibe auch einfach, weil ich sonst niemanden habe, mit dem ich darüber reden kann, ohne mich danach noch unfähiger und wertloser zu fühlen.

Vorab: Ich weiß selber, dass wir viel früher hätten handeln müssen und dass wir eine Menge falsch gemacht haben. Ich kann aber leider nicht in der Zeit zurückreisen.

Ich bin seit 12 Jahren verheiratet und wir haben 3 Kinder (5, 7, 10). Vor zwei Jahren hatte unsere Kleine einen schlimmen Unfall. Sie war mit meinem Mann unterwegs. Er hat ihre Hand nicht gehalten und sie ist auf die Straße gelaufen vor ein Auto gelaufen. Der Arzt meinte damals, wenn das Auto sie frontal getroffen hätte, wäre sie gestorben. Sie hatte also Glück im Unglück, Es ist schwer, das so zu sehen, weil sie seitdem querschnittsgelähmt ist (Grad B, Th10) und (durch die Hirnblutung) Probleme mit dem Sprechen hat.
Ich hasse meinen Mann dafür, dass er sie nicht festgehalten hat.
Ich hatte an dem Tag auch eine Fehlgeburt, das habe ich ihm nie gesagt.

Seitdem läuft in unserer Familie eigentlich nichts mehr wirklich gut. Viel dreht sich um unsere Kleine und ihre Therapien. Die anderen beiden kommen manchmal zu kurz. Die Große ist jetzt auf der Realschule. Sie ist sehr still und in sich gekehrt (schon immer). Der Mittlere ist mal laut und verlangt nach Aufmerksamkeit und dann spielt er wieder ruhig in seinem Zimmer. Er besucht gerne seine Freunde.

Mein Mann und ich haben seit dem Unfall nichts, was man eine Partnerschaft nennen kann. Wir streiten nicht, aber wir leben wie zwei Fremde nebeneinander. Ich weiß nicht, warum wir uns noch nicht getrennt haben. Vielleicht, weil es so einfacher ist. Vielleicht auch, weil wir uns bestrafen wollen. Ich weiß, dass er mit anderen Frauen geschlafen hat. Ich habe es auch gemacht.
Er trinkt. Nur abends, sodass die Kinder höchstens das 1. Bier mitkriegen. Ich weiß, dass er süchtig ist.

Wir wissen lange, dass wir an der Situation etwas ändern müssen, aber wir hatten nie die Kraft dazu.
Vor drei Tagen habe ich meinen Mann in der Küche gefunden. Er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Ich habe den Notarzt gerufen und einen Druckverband gemacht, deshalb hat er überlebt. Die Kleine hat geschlafen, die beiden anderen sind aufgewacht. Die Große hat auch das Blut auf meinem Pulli gesehen.
Im Krankenhaus hat mein Mann mir gesagt, dass ihm gekündigt wurde.
(Ich arbeite Teilzeit wegen unserer Tochter, ohne sein Gehalt wird es eng mit dem Geld und dem Kredit fürs Haus.)

Mein Mann hat sich jetzt schon informiert, was es für Reha-Zentren in der Nähe gibt. Er möchte eine Therapie machen.
Wir fragen uns, was aus unserer Ehe werden soll. Sollen wir uns trennen? Wenn ja wann? Oder sollen wir es mit Ehetherapie noch einmal versuchen? Und wenn ja, sollen wir jetzt schon mit der Therapie anfangen oder erst nach seiner Reha?

Wir wissen nicht, was finanziell wird. Die Reha wird wahrscheinlich komplett von der Krankenkasse übernommen, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir uns darauf verlassen können. Wir müssen das Haus abbezahlen, durch die Versorgung unserer Jüngsten muss einer von uns nachmittags zu Hause sein, und und und.

Wir wissen auch nicht, was wir den Kindern sagen sollen. Bislang haben wir viel um den heißen Brei geredet. Ich habe nur gesagt, dass ihr Vater sich geschnitten hat, nicht, dass er sich umbringen wollte. Sollen wir das sagen? Und wie? Sollen wir ihnen erzählen, dass ihr Vater Alkoholiker ist? Wie macht man das am besten?

Ich weiß gerade echt nicht, wie es weitergehen soll.

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Es tut mir sehr leid was passiert ist. Ihr braucht dringend professionelle Hilfe, wahrscheinlich alle Familienmitglieder. Versucht euren Weg gemeinsam zu finden.

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Eine Paartherapie wäre ebenso wie eine Mutter Kind Kur etwas für euch.
Hat eurer Kind Pflegegrad?

Ich wünsche euch viel Kraft für die nächste Zeit

Lg Hinzwife

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Danke. Sie hat Pflegegrad 3.

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Keinesfalls würd ich Kindern in dem Alter sagen , dass er sich umbringen wollte. Auch nicht, dass er Alkoholiker ist.

Das Haus würd ich vermutlich verkaufen und in eine Wohnung ziehen um den Druck raus zu nehmen.

Zudem Therapie um zu sehen ob eure Ehe noch zu retten ist. Wenn irgendwie möglich müsst ihr wieder damit anfangen miteinander zu reden.

Rein vom Verstand ist dir denk und hoff ich klar, dass er an dem Unfall keine Schuld trägt. Damit das was werden kann musst du ihm, aber auch er sich selbst verzeihen.

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Wir haben in den letzten Tagen mehr geredet, als sonst. Das ist wahrscheinlich schon mal ein Anfang.
Ich weiß nicht so recht, was ich den Kindern sagen soll. Die Große lässt sich nicht so leicht abspeisen.

Ein Umzug ist auch schwer. Wir haben vor zwei Jahren schon gesucht, aber nichts gefunden, was einen Umzug rechtfertigen würde. Es ist schwer, hier etwas zu finden. Meistens ist das Bad zu klein oder es gibt keinen Aufzug. Jetzt haben wir viel Geld in den Rollstuhlgerechten Umbau von unserem Haus gesteckt.

Denkst du, es ist sinnvoll, wenn mein Mann und ich jetzt schon mit einer Therapie anfangen oder lieber erst, wenn er entlassen wird oder nach der Reha?

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Kümmere dich bitte auch intensiv um
deine gesunden Kinder. Hast du jemanden der sich um dein behindertes Kind kümmern kann? Wenn nicht, suche Dir jemanden, den du über die Verhinderungspflege abrechnen kannst. Mache Ausflüge,
Kinobesuche mit den beiden und zu Hause hast du jemanden für dein anderes Kind.

Ich mache das schon jahrelang mit
meinem autistischen Sohn. Der kommt ins Haus und kümmere mich um den großen Bruder, der eh oft zu kurz kam.
Lg Hinzwife

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Hallo!

Ich denke auch, dass ihr euch unbedingt professionelle Hilfe holen müsst und zwar jeder für sich, aber auch ihr als Familie. Ihr habt etwas sehr traumatisches erlebt und es offenbar nicht aufgearbeitet. Im Rahmen der Therapien wird man dann sehen, wie es um euch als Paar steht.

Versucht, das Finanzielle so schnell wie möglich zu regeln und sucht euch Hilfe für die Seele.

Den Kindern würde ich sagen, dass ihr beide noch sehr traurig und wütend sein wegen des Unfalls und deswegen Hilfe braucht. Die Kinder würde ich ohnehin in eine Familientherapie einbinden, das geht ja auch nicht spurlos an ihnen vorbei.

Alles Gute, das ist sicher nicht einfach!

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Das tut mir echt unheimlich leid und wünsche dir/euch sehr sehr viel Kraft, Geduld, starke Nerven und Unterstützung.

Evtl eine Paartherapie.
Hat euer Kind denn bereits einen Pflegegrad? Wenn ja/nein, evtl bei der Caritas/Diakonie oder ähnliches beraten lassen, was und wo ihr überall Hilfe bekommen und beantragen könnt.

Den Kindern würde ich persönlich jetzt nichts vom Suizid und von der Alkoholsucht erzählen, das würde ich auf später verschieben. Ich denke, sie haben jetzt schon genug zu verarbeiten mit der kleinen Schwester. Evtl steht euch eine Familienhilfe zu, das könnte man auch erfragen.
Finanziell: muss noch viel abbezahlt werden? Was macht dein Mann, kann er im Anschluss wieder einen Job finden in seinem Bereich? Sonst etvl eine Umschulung etc.

Alles erdenklich Liebe und Gute!

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Danke.
Unsere Tochter hat Pflegegrad 3.
Ich weiß nicht, was ich unseren Kindern jetzt sagen soll. Die Große fragt viel nach, sie ahnt, dass etwas nicht stimmt.

Das Haus haben wir erst vor 4 Jahren gekauft und vor zwei Jahren rollstuhlgerecht umgebaut. Es ist noch ein ganz schöner Batzen, den wir zahlen müssen.

Mein Mann müsste eigentlich wieder etwas finden, aber ich weiß nicht, ob er als trockener Alkoholiker mit Selbstmordversuch wirklich eingestellt wird.

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Hallo meine Liebe,

dass dein Mann Alkoholiker ist und einen Suizidversuch hatte, weiß der neue Arbeitgeber doch gar nicht.

Ich denke, Dein Mann muss erstmal heilen. Er ist bestimmt schon ganz zerfressen von den Selbstvorwürfen, die er sich wegen des Unfalls macht. Warum wurde er denn gekündigt? Ich würde wegen des Geldes zu einer Schuldnerberatung gehen. Die Diakonie und die Caritas bieten so was an. Die haben eh viele Angebote. Es gibt auch Beratungsstellen für Angehörige von Alkoholkranken .

Den Kindern würde ich das nicht sagen. Ich habe mit 16 Jahren erfahren, dass meine Mutter mal vor meiner Geburt schwerst drogensüchtig gewesen ist, solche Infos verändern einen nachhaltig, da sollte man schon die nötige Reife haben.

Du kannst deinen Kindern ja einen Brief oder ein paar Briefe schreiben, die du ihnen irgendwann gibst, wenn sie älter sind. Dann kannst du dir schon mal einiges von der Seele schreiben. Musst aber aufpassen, dass sie die nicht jetzt schon erstöbern.

Ich wünsche euch alles erdenklich Gute. Sucht euch alle Hilfe, die ihr kriegen könnt. LG

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Ich habe keinen Rat, außer das ihr euch dringend professionelle Hilfe suchen solltet - als gesamte Familie! Verschwende deine Zeit nicht mit Tipps von Hobbypsychologen!

Eure Geschichte berührt mich sehr. Ich wünsche euch einfach alles Gute, Mut und Zuversicht und dass ihr das Geschehene aufarbeiten und überwinden könnt.

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Was ihr alle da erlebt habt und weiterhin durchmacht ist überaus tragisch. Eine Traumatherapie wäre zwingend notwendig.
Was die Schuldfrage anbelangt: objektiv gesehen würde ich es als äusserst tragischen Unfall sehen. Eine 3jährige muss nicht mehr zwingend permanent an der Hand geführt werden. Subjektiv gesehen ist es verständlich dass du deinem Mann Vorwürfe machst, ihm die Schuld gibst. Ich gehe jedoch davon aus, für ihn ist die "Schuld" noch viel erdrückender.

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>>Eine 3jährige muss nicht mehr zwingend permanent an der Hand geführt werden.<<

Von permanent war nicht die Rede. Da war aber offenbar eine befahrene Straße.

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Naja, jede Straße ist eigentlich befahren.
Trotzdem kenne ich kein 3 jähriges Kind, welches IMMER an der Hand ist an der Straße. An JEDER Straße.
Es war ein tragischer Unfall.

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Das tut mir alles sehr leid für euch.

Ich glaube das wichtigste ist, dass du dir eine eigene professionelle Hilfe suchst. Anders wirst du da mit kaputt gehen. Hast du eine psychologische Hilfe nach dem Unfall gehabt? Vielleicht könnte die dir erstmal weiter helfen. Der Sozialpsychiatrische Dienst bietet Beratungen an, dort könntest du auch mal anrufen und um einen Termin bitten. Die können dir auch bei allen anderen Fragen helfen.

Deine Kinder können auch Hilfe finden. Also die beiden großen. Es gibt Selbsthilfegruppen, wo sie mit anderen Kindern psychisch kranker Eltern und einer Therapeutin einmal die Woche zusammensitzen und mit aufgefangen werden. Die Station auf der dein Mann gerade ist, kann dir Adressen geben.

Ansonsten überstürze jetzt erstmal nichts. Also bleib erstmal bei "Papa ist krank und muss deswegen erstmal in der Klinik bleiben". Reha und Co kommt ja eh erst wenn er aus der Psychiatrie draußen ist.

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Danke.
Wir haben nach dem Unfall mit einem Notfallseelsorger gesprochen und ich war ein paar Mal bei einer Psychologin, aber da habe ich mich überhauptnicht wohl gefühlt.
Danke für den Tipp mit der Selbsthilfegruppe, da frage ich mal nach.
Meine Große fragt noch weiter: Warum ist Papa krank? Was hat er? Warum hat er sich geschnitten? ... Da weiß ich nicht, was ich noch antworten soll.

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Puh, das ist eine schlimme Geschichte, die ihr da habt. Dein Mann macht sich bestimmt wahnsinnige Vorwürfe und hat sich deswegen in die alkoholsucht gestürzt. Durch die Kündigung meint er womöglich, nun auch noch als „Versorger“ der familie auszufallen und vollkommen nutzlos zu sein. Daher wahrscheinlich der Suizid. Eine Therapie für deinen mann und eine paartherapie (ggfs auch eine familientherapie) sind sicher dringend nötig. Lasst euch unbedingt helfen. Vorrangig muss dein Mann wieder psychisch stabil werden. Wie grausam das Leben sein kann. Eine kleine Unachtsamkeit und etwas so schlimmes passiert. Wir alle kennen es vermutlich, dass man mal kurz nicht aufpasst und das Baby/ Kind stürzt, tut sich anderweitig weh, zum Glück meist mit gutem Ausgang. Du musst lernen, deinem Mann zu verzeihen, sonst hat eure Beziehung keine Chance. Dafür braucht es sicherlich professionelle Begleitung. Alles gute

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Danke.

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