Mein Bruder bisexuell und/oder transsexuell

Hey, ich weiß nicht ob das hier richtig ist, da es ein Eltern Forum ist und ich die Schwester, bzw Tochter bin.
Erstmal zu mir. Ich bin 20 Jahre, weiblich und habe einen 14 jährigen Bruder.
Ich habe heute gemerkt, dass meine Eltern nicht so waren wie sonst. Nach meiner Arbeit habe ich meine Mutter natürlich drauf angesprochen, aber sie hat mir erstmal nicht erzählt. Später hat sie es mir doch erzählt.
Mein Bruder ist heute bis Ende der Woche mit der Schule fort und hat ihr früh geschrieben das er bisexuell ist und wahrscheinlich noch transsexuell.
Meine Mutter hat ihr gleich angerufen und mit ihm geredet. Er meinte nur das sie es verarbeiten soll und dann reden sie wenn er wieder kommt.
Meine Mutter war geschockt und will das immer noch nicht wahr haben. Sie denkt auch das sie Schuld ist. Meine Mutter hatte damals eine Fehlgeburt, 2 Tage bevor der errechnete Geburtstermin war, hatte meine jüngere Schwester noch Puls und dann bei der nächsten Untersuchung haben sie keinen Herzschlag gefunden.
Meine Mutter hat sich immer einen Sohn gewünscht und hat ihr manchmal gesagt, ob sie nicht doch ein Junge wird. Sie denkt, das meine Schwester Platz für meinen Bruder gemacht hat.
Meine Mutter hat früher ab und zu gesagt, wenn es mal sein wird das wir (ihre Kinder) nicht heterosexuell sind, bleiben wir immer noch ihre Kinder.
Als sie es mir gesagt hat war ich ziemlich locker, denn es ist im der heutigen Zeit normal.
Aber sie dachte nicht, das es bei ihr passieren würde.
Meine Mutter war ratlos, mein Vater ist einbisschen schwulenfeindlich und dann evlt. noch ein transgender als Sohn.
Ich weiß nicht wie ich denen helfen kann damit umzugehen. Noch dazu ist er in der Pubertät und probiert vllt nur aus.
Ich selbst kenne keine aus meinem näheren Umfeld dem ich um Rat fragen könnte.
Vllt hat hier jemand Erfahrungen damit gemacht oder hat eine Idee?
Ich dachte an einen Psychologen oder irgendeinen Arzt eben, aber nicht solche die einen so manipulieren das er hetero wird. Sonder eher das sie mit ihm reden, wie er darauf kommt und so was.
Mein Bruder selbst erzählt uns schon lange nichts mehr von sich. Er ist auch in einer Whatapp Gruppe mit meinem Regenbogen als Profilbild, meine Vermutung eine Schwulengruppe.

Wenn jemand Tipps, Erfahrungen, oder Ratschläge hat, wie meine Eltern und ich am besten umgehen sollen, bitte ich gerne um eine Antwort.

Für Kommentare das meine Familie sexistisch oder so ist, bitte ich sie nicht zu schreiben, da genau da das Problem ist und ich deswegen Unterstützung suche.

Danke im voraus und sorry für den langen Text.

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Meine Tochter wurde biologisch als Junge geboren, was wir seit frühester Kindheit vermuteten hat sie uns mit 13 Jahren bestätigt, sie ist ein Mädchen, und ja, auch homosexuell.
Es gibt immer wieder Phasen der Trauer, der Angst, des Verlustes, aber es gibt so viele schöne Momente, die man viel bewusster erlebt als bei den biologisch im richtigen Körper geborenen. Das erste Parfum, der erste BH, Mutter-Tochter-Unternehmungen, den neuen Vornamen MIT dem Kind aussuchen, der Stolz sie vorzustellen, mit den Worten: meine Tochter.....
Meine Tochter ist ein wunderbarer Mensch, meine Seelenfreundin, aber auch immer wieder "mein Sorgenkind".

Es ist schwierig so eine Nachricht zu erhalten, das ganze Lebenskonstrukt aus Vorstellungen wird erschüttert. Was mir geholfen hat: es ist mein Kind, meine Aufgabe ist es den Weg meines Kindes zu begleiten, egal wohin dieser Weg führt, wäre ich dazu nicht bereit, hätte ich den Sinn vom Mutter sein nicht verstanden.

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Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn alle Menschen anderen mit der gleichen Einstellung begegnen würden, wie Du es bei Deiner Tochter tust. Die AfD, Boko Haram, Trump und die Waffenproduzenten, sie alle könnten einpacken und nach Hause gehen. Aus die Maus. Ach, wär das nicht schön? 😌

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Ich fand deinen Beitrag wunderschön.

Wollte nur so mal sagen :-)

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Vielleicht wird dir in spezialisierten Austausch-Gruppen eher geholfen. Bei Facebook lese ich zb in einer Gruppe "die rosa/hellblau Falle" mit (Gruppe zum gleichnamigen Buch), da sind einige Leute aktiv, die sich sehr gut auch mit der Thematik rund um transgender auskennen. Gibt sicher auch noch andere Foren, Gruppen etc.

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Dankeschön, werde die auch mal um Rat fragen

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Wichtig ist, das ihr ihn als Familie unterstützt. Die Menschheit ist leider immer noch nicht tolerant genug für alles.
Ein Psychologe ist sicher nicht verkehrt. Auch für deine Eltern. Früher wurde versucht, Schwule oder andere sexuelle Ausrichtungen so zu manipulieren, das man hetero würde. Das ist aber eigentlich gar nicht möglich, den das was jemand mal wird, sexuell gesehen, ist genetisch angelegt.
Aber wie schon geschrieben, gibt es da spezielle Foren, wo man sich besser auskennt.

Alles gute

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Danke
Wegen den Psychologen, für meinen Bruder weiß ich immer noch nicht. Genau wegen dem, manipulieren oder eben denk das er nicht normal ist. Er ist und bleibt ein Teil der Familie.
Das wissen auch meine Eltern, aber die müssen das wirklich noch verarbeiten.

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Das mit dem Psychologen für deinen Bruder ist (sorry) Schwachsinn.

Schau, ich lebe mit meiner Frau und zwei Töchtern.
Wenn nun die erste ihren ersten Freund hat, schleife ich sie doch auch nicht zum Psychologen, nur weil sie nicht so ist, wie ich.

Egal, wo die sexuelle Gesinnung hin geht, solange es bei Mann oder Frau bleibt ist alles normal.

Nicht dein Bruder hat ein Problem, sondern ihr macht irgendwie eins draus.

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Sie wollen ja erst einmal miteinander sprechen, also Dein Bruder und Eure Eltern. Das würde ich auch Dir anraten, sprich erst einmal persönlich mit der Familie, inclusive Deines Bruders. Und rate ihm zu nichts bzw. versuch nicht, ihm irgendwie zu helfen, wenn er nicht gezielt darum bittet. Denn wenn er eine Geschlechtsumwandlung anstrebt, muss er sowieso zum Psychologen und sagen, "wie er drauf kommt und so was". Denn dieser Eingriff wird nicht gemacht, wenn nicht 100% fest steht, dass jemand wirklich Trans ist. Und mit 14 schon gar nicht, aber da kann unter Umständen mit der hormonellen Behandlung begonnen werden. Sei einfach offen für das Thema und für ihn da.

Also mein Tipp bzw. Ratschlag: Rede mit ihm. Rede mit den Eltern. Und danach kannst Du Dich noch weiter informieren. Erfahrungen habe ich nicht, abgesehen von Dokus und Berichten über das Thema. Aber aus diesen weiss ich, dass die Unterstützung und der positive Zuspruch der Familie für Transmenschen das Wichtigste überhaupt sind! Denn Anfeindungen kommen leider noch genug von außerhalb.

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Danke
Wir haben ausgemacht, das wenn er kommt, das wir nicht ihn gleich darauf ansprechen. Außer wenn er mit uns reden will.
Und wir versuchen weiterhin, ihm das Gefühl zu vermitteln das er uns alles erzählen kann

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Sag deinem Bruder, dass egal was ist, DU hinter ihm stehen wirst und ihm auch gerne Unterstützung anbietest (Austauschgruppen suchen, zum Reden bereit stehen, Informationen beschaffen, etc..). Ich würd das auch mehr als einmal tun. Also nicht aufdrängen aber ihm anbieten, dass du da bist, wenn er möchte.

Rede mit deinen Eltern. Ich nehme an, deine Mutter wird sich noch beruhigen. Ich bin wirklich ein sehr offener Mensch und ich sage jetzt, dass es mir vollkommen egal ist, ob mein Kind mal lesbisch, bi oder transgender sein wird. Aber ich denke in dem Moment, wenn man es mitgeteilt bekommt, ist man dennoch erstmal verwirrt. Lass ihr einen Moment Zeit.
Was mit deinem Vater ist.. Nunja. Der Vater eines Freundes von mir hat mehrere Jahre gebraucht um zu akzeptieren, dass sein Sohn homosexuell ist. Vorher hat er ihn dennoch lieb gehabt, das Thema wurde nur totgeschwiegen.

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Hallo, ein Psychologe ist eine gute Idee aber für deine Eltern.
"Meine Mutter hat sich immer einen Sohn gewünscht und hat ihr manchmal gesagt, ob sie nicht doch ein Junge wird. Sie denkt, das meine Schwester Platz für meinen Bruder gemacht hat."
Das sollte aufgearbeitet werden.

"Meine Mutter hat früher ab und zu gesagt, wenn es mal sein wird das wir (ihre Kinder) nicht heterosexuell sind, bleiben wir immer noch ihre Kinder.
...
Aber sie dachte nicht, das es bei ihr passieren würde."
Wie so viele andere Menschen auch, etwas ist nur so lange okay wie es nicht in der eigenen Familie ist.

" Ich weiß nicht wie ich denen helfen kann damit umzugehen"
Redet mit einander.

"Vllt hat hier jemand Erfahrungen damit gemacht oder hat eine Idee?"
Mit einem Outing habe ich keine Erfahrungen ich bin mit homosexuellen Verwandten aufgewachsen. Es sind immer ganz selbstverständlich beide zum Kaffee meiner Eltern vorbei gekommen.

Anlaufstellen für euch und deinen kleinen Bruder können sein
-Schwulen und Lesben Verband
-Ortsgruppen
-die Antidiskriminierungsstelle des Bundes


Gruß Sol

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Bevor Du für Deinen Bruder einen Arzt suchst, der ihn fragt, wie er darauf kommt, bi zu sein, such besser einen für Deine Eltern. Dein Bruder hat eine Sexualität, wie die beschaffen ist/sich verändert, hat nichts mit dem zu tun, was Deine Eltern mal getan oder sich gewünscht haben.

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Du sprichst mir aus der Seele. 👍

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Befah ist eine Gruppe für Angehörige von schwulen/lesbischen Kindern.

Google mal danach.

Ich würde mit den Eltern reden, ihnen Aufklärungsmaterial geben, ihnen sagen, dass sie ihren Sohn lieben müssen, wie er ist und das die sexuelle Orientierung nicht wichtig ist, der Charakter zählt.

Bitte sie, ihn liebevoll zu empfangen, wenn er zurück kommt.

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Hallo

Ich würde nicht den Bruder zum Arzt oder zum Psychologen schicken, sondern den Eltern den Rat geben, sich Hilfe zu holen, sollten sie damit nicht klar kommen. Denn es ist nicht das Problem des Bruders, sondern das deiner Eltern.

Alleine der Vorschlag, dass der Bruder doch mal zum Psychologen soll, wirkt, als ob er nicht normal wäre.

Ich finde es super mutig, dass er sich seiner Familie anvertraut. Er braucht jetzt keine Eltern, die weinen, beim Gedanken, etwas falsch gemacht zu haben. Oder einen Vater, der noch im letzten Jahrhundert hängen geblieben ist.
Er braucht familiären halt und nicht die Frage, ob es nur eine Laune ist. Er soll erst mal selbst zu sich finden ohne sofort zum Psychologen zu müssen.

Sollte er sich in einigen Monaten immer noch im falschen Körper fühlen, DANN könnte man ihm sagen, dass er sich diesbezüglich BERATEN lassen kann. Beraten. Nicht Hilfe holen.

Gebt ihm einfach das Gefühl, dass alles, was er jetzt fühlt, normal ist. Das er zu seinen Gefühlen stehen darf.

Und mit dem homophoben Vater würde ich an deiner Stelle ein Machtwort sprechen, bevor der Bruder wieder heim kommt.

Ich habe mich erst geoutet, als ich 33 Jahre alt war. Da hab ich es einfach gesagt, mich scheiden lassen von meinem ex Mann und lebe jetzt mein Leben. Hätte mir damals jemand versucht, es auszureden, oder es als Laune abzutun, oder gar, mir den Psychologen zu empfehlen.... Ich hätte mit diesen Menschen gebrochen. Egal, wie nahe sie mir stehen.

Steht zum Bruder, bzw. Sohn.

Sonst geht er daran kaputt (falls er wenig Selbstvertrauen hat) oder ihr verliert ihn (wenn er genug Selbstvertrauen hat).

LG hoeppy

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