Die letzte innere Grenze überschritten

Hallo,

ich dachte, ich versuche auch mal zu schildern, wie es bei mir gerade immer mehr den Bach runter geht.

Unser Großer ist 4,5 Jahre und der Kleine 2,5 Jahre alt. Der Kleine ist ein operiertes Herzkind und hat durch die OP eine linksseitige Zwerchfelllähmung und dadurch eine eingeschränkte Lungenfunktion. Wir waren letztes Jahr zusammen vier mal stationär wegen Lungenentzündung. Er schläft bis heute nur, wenn ich daneben liege bzw. auf meinem Arm. Und insgesamt ist er sehr auf meine Nähe aus und schafft es höchstens mal 1-2 Std. ohne Mama.

Der Große geht seit er knapp 3 war, in den Kindergarten. Erst als Halbtagskind, seit einem Jahr, wegen dem Kleinen, als Ganztagskind bis 16.00 Uhr. Er war als Baby auch sehr unruhig, hat wenig geschlafen und wenn dann nur, mit Körperkontakt. Er ist auch heute noch ein schwieriger Schläfer. Er macht, wenn er über Mittag zu Hause ist, fast immer noch Mittagsschläfchen. Abends wird er von meinem Mann in den Schlaf begleitet, wird aber meistens wach ins Bett gelegt und schläft dann allein ein. Nachdem wir dachten, ansonsten läuft es bei ihm eigentlich ganz gut, kam jetzt heraus, dass er extrem hochsensibel ist, und leichte autistische Züge aufweist.

So, nun habe ich durch die Erkrankung des Kleinen die letzten 2,5 Jahre schon so einige innere Grenzen überschritten und immer weiter mit ihm und für ihn gekämpft. Habe dabei auch immer geschaut, dass der Große so gut es geht nicht zu kurz kommt und auch alle anderen zufrieden sind.

Seit Anfang letzten Jahres bin ich schon in therapeutischer Behandlung, da ich durch die Krankenhauszeit mit meinem Kleinen eine posttraumatische Belastungsstörung habe. Immer heißt es, ich müsste unbedingt etwas mehr für mich machen. Aber Fakt ist, dass das Kind fast 24 Std. rund um die Uhr bei mir ist. Teilweise sind es auf 24 Std. verteilt gerade mal 30 Minuten, die er nicht bei mir ist.

Und ich halte es einfach nicht mehr aus. Vor ein paar Wochen habe ich gemerkt, dass ich einen Punkt erreicht habe, an dem ich sagen muss, mehr kann ich einfach nicht mehr bieten. Ich bin am Ende angelangt. Meine Therapeutin meint schon, dass es, wenn er Ende des Jahres in den Kindergarten kommt, ca. 1 Jahr dauern wird, bis ich mich etwas erholt habe.

Durch die ganzen Sachen ist es auch so, dass ich bis heute nicht wirklich Anschluss gefunden habe. Der Große tut sich schwer mit Besuch, da es für ihn eine Situation ist, die er nicht abschätzen kann und er nicht weiß, was passieren wird. Daher überdreht er dann total und kommt für andere sehr schwierig rüber. Und der Kleine durfte lange Zeit gar nicht unter Leute, ich somit auch nicht mehr.

Zwar sieht es so aus, als wenn der Kleine im Oktober dann auch in den Kindergarten gehen kann, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich die Zeit bis dahin noch schaffen soll. Und sämtliche Therapien die wir jetzt haben, gehen dann ja auch noch weiter: 5 Werktage hat die Woche und wir haben jeden Tag davon einen anderen Therapietermin.

Wirklich helfen kann mir hier wohl sowieso niemand, wirr geschrieben hab ich vielleicht auch, aber wenigstens mal einen Teil rausgelassen.

Liebe Grüße

weidekaetzchen

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Du hast kein Problem damit, den Kleinen Ende des Jahres in den KiGa zu geben, aber du hast ein Problem damit, ihn mal für 1-2 Stunden an eine dir nahestehende Person abzugeben??? DAS versteh ich nicht. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du Angst hast, dass ihm was zustößt, wenn er sich zu sehr aufregt. Das ist sicher sehr, sehr schwierig. Vielleicht kannst du dich bei nem Kinderarzt genau informieren, was für ihn wirklich ein Risiko darstellt und ihn dann auch MAL - wie ein gesundes Kind auch - jemand anders anvertrauen, auch wenn er dann kurzfristig mal weint. Denn nur Kinder, die gelernt haben, dass Mama auch mal weggeht, können drauf vertrauen, dass sie wiederkommt.

Entscheide, was du leisten kannst und was nicht. Ich persönlich fände es nicht so schlimm, wenn das Kind "auf" mir liegen würde im Schlaf, dafür bräuchte ich tagsüber mehr Zeit für mich. Andere stört es nicht, den ganzen Tag das Kind zu haben, dafür wollen sie in Ruhe schlafen. Arbeite an der Baustelle, die dir am meisten bringt.

2

Hallo,

danke fuer Deine Antwort. Hatte vergessen noch zu erwaehnen, dass wir hier absolut niemanden haben, dem man den Kleinen mal geben koennte. Es hat auch schon sehr lange gedauert, bis er nur mal bei Papa eine Zeit lang geblieben ist.

Es macht mir im Prinziep auch nichts aus, dass er nur bei mir schlaeft. Aber dadurch habe ich nicht mal die Mittagspause, wie manch andere Mama. Und ich fuer mich, bin nun nach fast drei Jahren am Ende und habe leider keine Moeglichkeit, schnell was zu aendern.

Es hiess immer, wir bekaemen Hilfe. Aber alle Stellen meinten immer nur, es sei klar, dass wir Hilfe braeuchten, aber es fehlten die noetigen Mittel.

Lg weidekaetzchen

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Eine Lösung habe ich leider nicht für dich, finde es aber sehr gut, dass du bereits therapeutische Hilfe in Anspruch nimmst.

Ich habe gerade eine Mutter-Kind-Kur beantragt um mal rauszukommen aus dem alltäglichen Wahnsinn, der mit zwei gesunden Mäusen wahrscheinlich längst nicht so heftig ist wie bei dir wenn du noch Sorge hast wegen der Gesundheit deines Sohnes. Habe null Verwandtschaft oder so vor Ort und mache alles selber, deswegen ist es manchmal auch sehr anstrengend. Ich bin im Moment auch immer wieder an der Grenze, weil ich emotional sehr angekratzt bin durch einen schweren Krebsfall in meiner Familie wo es nicht gut aussieht und dazu noch extra gereizt durch die SS-Hormone...
Ich habe zumindest ab und zu die Möglichkeit was allein zu machen, das ist sicherlich gut, aber wie du schreibst im Moment bei euch ja leider nicht drin.
Weiß nicht ob so eine Kur für euch auch was wäre oder organisatorisch möglich ist wenn der Kleine wieder unter Leute darf?!
Ich wünsche dir ganz viel Kraft erst einmal bis Oktober durchzuhalten und dich dann gut zu erholen.

4

oje du arme,

ich drücke dich mal virtuell. das hört sich ja wirklich ähnlich wie bei uns an. mein zweiter kann auch nur schwer mit anderen umgehen, er hat totale verlassensängste, weil er sehr drunter gelitten hat, dass sein bruder auf einmal weg war. generell können beide nur schwer mit zu vielen menschen umgehen, da wir uns das erste halbe jahr komplett abschotten mussten. das alles ist für andere schwer bis garnicht nachzuvollziehen! aber du machst das ganze ja schon länger mit als ich. leider habe ich keinen tipp für dich. ruhepausen kenne ich mit den beiden auch nicht. ich hoffe einfach immer, dass alles bald anders wird und wir alle zur Ruhe kommen können.

alles alles lirbe, ninfab

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Hallo weidekaetzchen,
beeindruckt habe ich deinen Bericht gelesen, da habt ihr ja schon einiges zusammen als Familie erlebt und es wundert mich überhaupt nicht, dass du schreibst: "... dass ich einen Punkt erreicht habe, an dem ich sagen muss, mehr kann ich einfach nicht mehr bieten. Ich bin am Ende angelangt..." Dein Energiereservoir ist nahezu ausgeschöpft und jetzt gilt es wieder Energie zu tanken.

Es beruhigt mich schon mal, dass du Hilfe bei einer Therapeutin gesucht hast. Das ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Veränderung. Und ich muß einer Aussage von dir auf jeden Fall widersprechen. Du schreibst: "...Wirklich helfen kann mir hier wohl sowieso niemand..." Denn ich bin davon überzeugt dass du einen Ausweg aus deiner kräftezehrenden Situation findest. Vielleicht nicht so einfach und schnell, wie du es gerne hättest, aber die Lösung liegt in dir und es gilt sie frei zu legen.

Du schreibst, die Therapeutin meinte du müsstest unbedingt etwas für dich machen. Die Frage wäre für mich, was möchtest du? Was glaubst du tut dir gut? Was brauchst du? Was wünscht du dir? Was kann dein Energiereservoir wieder füllen? Und denke dabei auch an Dinge, die dir täglich gut tun. Denn jeder Anstrengung sollte eine Entspannung folgen, damit du im Gleichgewicht bleiben kannst.

Nur wenn DU motiviert bist etwas zu ändern, dann wird sich auch etwas ändern.

Du schreibst über deinen jüngeren Sohn: "...Und insgesamt ist er sehr auf meine Nähe aus und schafft es höchstens mal 1-2 Std. ohne Mama..." Da stellt sich mir die Frage, wie äußert er es, dass er es höchstens 1-2 Std ohne Mama schafft. Würdest du es denn länger schaffen? Wir Mütter wünschen uns manchmal, dass uns unsere Kinder mit den Worten verabschieden: " Geh ruhig Mama, ich werde meinen Spaß haben und gar nicht merken, wie die Zeit ohne dich im Flug vergeht!" Aber das hören wir in den seltesten Fällen. Es liegt an uns Erwachsenen zu bestimmen, wer auf mein Kind aufpaßt. Wenn du es nicht kannst, dann bestimmst du jemanden vertrauensvolles, der dich "ersetzt". Je wichtiger das für dich ist, desto authentischer wirst du das auch für deinen Sohn ausstrahlen. Und er wird die Erfahrung machen, dass seine ihn liebende Mama immer wieder zu ihm zurück kehrt und bis dahin liebe Menschen ihn betreuen. Diese Erfahrung ist für das spätere gesunde Vertrauen in soziale Beziehungen unermesslich. "...Aber Fakt ist, dass das Kind fast 24 Std. rund um die Uhr bei mir ist..."

Liebe weidekaetzchen, Ich wünsche dir, dass du noch genug Energie hast, um deinen persönlichen Lösungsweg zu finden und mutig genug bist diesen Lösungsweg auch aus zu probieren.
Liebe Grüße, Alexandra Geißler-Wölfle

6

Hallo Weidenkätzchen,
Hab grad gelesen das es euch leider nicht so gut geht.

Kann dich gut verstehen, bei uns ist es nicht anders.
Keine Chance auch nur alleine auf Toilette zu gehen, er brüllt sich halb weg.
Gut,verdenken kann man es den Kleinen nicht,man war ja, durch die ganzen Krankenhausaufenthalte immer sehr dicht zusammen.

Aber ich verstehe dich,irgendwann ist keine Kraft mehr da.
Zu sagen, gib das Kind doch ab, ist auch keine Lösung.

Denke wenn man sein Kind so leiden gesehen hat, geht das nicht so einfach.

Wir werden jetzt zur Familienkur fahren, wäre das nicht nochmal eine Lösung für euch?

Ich denk an dich und wünsche dir ganz viel Kraft.

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