Rassismus - woher kommst du?

Ich oute mich mal als jemand, der schon häufig gefragt hat "Wo kommt deine Familie ursprünglich her?"
Dabei war mir immer klar, dass der/die Befragte Deutscher ist und in Deutschland aufgewachsen ist. Für mich also eine Deutsche oder ein Deutscher mit ausländischen Wurzeln. Dennoch fand ich es einfach spannend, etwas über den Hintergrund der Person zu erfahren und vielleicht auch kulturelle Unterschiede auszuloten. Ich hatte mir auch immer gewünscht, eine diversere Familie zu haben und wäre mega stolz gewesen, wenn mich jemand das gefragt hätte, aber bei uns sind alle aus Hintertupfingen.
Mittlerweile habe ich jedenfalls den Eindruck, das ist die schlimmste Frage, die man stellen kann.

Wie sehen die das, die schon einmal mit der Frage konfrontiert wurden? Gibt es da Unterschiede oder hängt es von der Person ab, die fragt. Oder ist es einfach ein absolutes No-Go?

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Ich bin auch jemand, der diese Frage öfter stellt(e).
Bei uns in der Stadt gibt es viele mit russischen Wurzeln. Man hört es einfach am Dialekt. Und wenn man sie dann fragt, wo sie herkommen, also ursprünglich, werden sie richtig aggressiv 'Ich komme aus Deutschland, ich bin Deutscher' .

Ich verstehe nicht, was an dieser Frage so schlimm ist bzw wie ich sie anders stellen kann, dass sich niemand angegriffen fühlt

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Wenn man es am Dialekt hört, ist die Frage ja eh überflüssig.

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Bei mir ist es so, dass ich bei einem osteuropäischen Akzent nicht sagen kann, ob die Person Russe, Weißrusse oder Ukrainer ist.
Wenn ich denjenigen etwas besser kenne, interessiert mich schon die Geschichte dahinter, aus welcher Stadt er kommt und so weiter.

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Hey,

Also ich wurde damals öfters gefragt aufgrund meines Mädchennamens. Mich hat es nie gestört und ich hab mich gefreut meine Familiengeschichte etwas zu erläutern.
Heute werd ich auch noch manchmal gefragt aber nicht mehr so häufig.

Wie gesagt, mich stört es überhaupt nicht.
Lg

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Ich hatte einen Ägypter als Kollegen, der fehlerfrei Deutsch spricht, weil er immer wieder von Kindheit an mehrere Jahre in Deutschland aufgewachsen ist. Er hat mir mehrfach lang und breit erklärt: diese Frage ist unverschämt, weil man nicht einfach davon ausgehen kann, dass derjenige aus dem Ausland kommt. Die meisten nehmen diese Frage wohl sehr persönlich und empfinden es als rassistisch. Auch ich habe das nie so gemeint, aber nun weiß ich, dass es auch schnell falsch aufgenommen wird.

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Unverschämt?? So ein Quatsch! Man kann es echt auch übertreiben mit der Rassismus- Keule 🙄 Darf man denn gar nichts mehr fragen? Wenn einer mit nem blauen Auge daher kommt: "Das fragt man nicht das ist diskriminierend" 🤦‍♀️

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Was soll ich dir dazu sagen? Es wurde mir von Leuten so erklärt, die das immer gefragt werden. Ich habe es selbst auch nie so wahrgenommen, sondern eher so, wie wenn ich jemanden Frage aus welcher Gegend man in Deutschland kommt, aber ich stecke auch nicht in deren Haut. Ihnen sieht oder hört man es dann an, dass die Wurzeln vlt woanders liegen und sie möchten das nicht immer aufs Brot geschmiert bekommen. Jemand der hier geboren ist möchte auch so wahrgenommen werden. Usw.

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Wieso sollte das ein NO GO sein??🤔

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Puh, kann diese Thematik in der aktuellen situation noch an dir vorbei gehen??? Belies dich, sprich mit Menschen in deinem Umfeld. Die Frage ist ausschließend und impliziert, dass derjenige nicht dazu gehört! Nicht selten betrifft es Menschen, die in Deutschland geboren sind, mit dem Heimatland ihrer Eltern/Großeltern gar nicht zu tun haben, es womöglich nie betreten haben..das ist keine unverfängliche Frage, die man ohne jeden Kontext stellen sollte.

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Diese Frage impliziert Interesse an meinem Gegenüber. Das ist respektvoll und bewandert, ich verstehe das Problem nicht 🤷🏼‍♀️

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Ich habe das auch schon gefragt aber mache es nicht mehr. Rassismus ist nicht das, was du denkst, sondern wie es dein Gegenüber empfindet. Da kannst du es noch so nett meinen. Das halte ich mir immer vor Augen. Genauso bei Sexismus. Es kommt ja drauf an ob du einen Satz als Kompliment auffasst oder als übergriffig,egal wie der Mann es gemeint hat. Und das muss dann eben respektiert werden.

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Ja, auf jeden Fall. Es interessiert mich, in welchem Kontext die Frage als übergriffig empfunden wird.

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Für meinen Mann:
- Wenn man den anderen kaum kennt.
- Wenn die Frage aus dem Nichts gestellt wird.
- Wenn bei einer Antwort wie "Frankfurt" immer weiter gebohrt wird.
- Wenn gefragt wird "Wo kommst DU her?" (abgesehen davon, wenn wirklich die Heimatstadt gemeint ist), statt "Wo liegen deine Wurzeln?" oder "Hast du Wurzeln in XY?"
- und, wenn die Leute pikiert reagieren, wenn man dann nach ihren Wurzeln fragt😅

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Rassistisch empfinde ich die Frage nicht. Aber manchmal nervt's halt, weil man keine Lust hat Fragen zu beantworten. Vor allem wenn's immer dieselben Fragen sind. Kommt auf die fragende Person und momentane Stimmung an. Das ist auch typabhängig.

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Das sehe ich auch so 👍 vor allem wenn man viele neue Leute gleichzeitig kennenlernt und jeder diese Frage stellt

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Hallo.

Ich bin selbstverständlich auch gegen Rassismus. Aber WAS soll schlimm daran sein, jemanden nach seiner Herkunft zu fragen? Das ist doch keine Beleidigung, sondern Interesse an dem Menschen. Ist doch was Positives? :-D

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Interesse an dem Menschen oder nur an seiner Herkunft?
Wenn ich eine Person treffe, die mir diese Frage stellt, finde ich das ok.
Aber wenn das die erste (und oft einzige) Frage ist, die sämtliche Leute wissen wollen, fühle ich mich oft auf die Herkunft reduziert.

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Es gibt tatsächlich fremde Menschen, die dich nach der Herkunft fragen und ansonsten nichts weiter? #kratz

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Huhu,

ich oute mich als Fragesteller nach der Herkunft.

Wobei es immer im Kontext erfolgt.
Einen Fremden auf der Straße würde ich nie danach fragen, die neue Kollegin mit der ich gemeinsamen Dienst habe, dagegen schon, wenn man sich vorher schon nett unterhalten hat.

Ich finde es auch einfach nur interessant etwas von anderen Kulturen zu hören.
Es erweitert den eigenen Horizont und man nimmt durchaus tolle Sachen mit aus so einem Gespräch.

Eine negative Reaktion habe ich bisher auf meine Frage noch nie erlebt, also scheine ich da auch das richtige Feingefühl an den Tag zu legen.
Es kommt halt viel darauf an, wie man fragt / gefragt wird.

LG

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Mein Mann sagt: Es kommt darauf an, wer wann wie die Frage stellt, wie er es auffasst.

Wenn ihn jemand fragt: "Wo kommst du her?", findet er das nicht so toll (ob rassistisch oder nicht hängt am Tonfall). Wenn er dann seinen Heimatort nennt, und die Rückfrage kommt "Nein, ursprünglich?", antwortet er meistens mit "Aus dem Bauch meiner Mutter" oder "Aus dem Kreissaal im Marienhospital".
Er findet es nicht direkt rassistisch, fühlt sich aber in die "Ausländerschublade" geschoben, dabei ist er Deutscher, wenn auch mit namibischen Wurzeln, über die ihm seine Mutter aber nicht viel erzählen konnte, weil sie sich kaum erinnert.

Wenn jemand fragt, wo seine Familie herkommt oder wo seine Wurzeln sind, findet er das angenehmer, weil er sich als Deutscher akzeptiert fühlt.
Wenn die Frage von jemandem gestellt wird, den er kaum kennt, findet er das trotzdem übergriffig, weil es ihm einfach zu persönlich ist.
Wenn es jemand ist, mit den er besser kennt, ist es okay, aber wirklich toll findet er die Frage nicht. Er hat keinerlei Bezug dazu.

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