beste Freundin psychisch erkrankt

Ihr Lieben,

ich habe eine etwas blöde Situation mit meiner besten Freundin und bin mittlerweile etwas ratlos.

Vor ein paar Monaten hat sie mir erzählt, dass sie die Vermutung hat an Depressionen zu leiden. Das hat mich ehrlich sehr geschockt, da es für sehr überraschend kam. Ich habe es angenommen und mich eingelesen, wie man als Freundin helfen kann

Seit diesem Gespräch haben wir viel geredet. Eigentlich reden wir über nichts (!) anderes mehr. Jedes Gespräch wird innerhalb von zwei Sätzen auf ihre Depressionen gelenkt. Ich verstehe ja, dass sie Gesprächsbedarf hat, aber Erzählungen meinerseits oder Versuche sie etwas abzulenken werden völlig ignoriert. Mittlerweile hat sie es auch etlichen anderen Leuten in ihrem Umfeld erzählt und spricht auch dort sehr offen und oft darüber.

Ich habe ihr von Anfang an geraten, sich an ihren Hausarzt zu wenden und auch mehrmals angeboten, sie zu begleiten. Das wird immer abgeblockt. Ich verstehe durchaus dass da eine Hemmschwelle besteht, fände es trotzdem aber sinnvoll eventuelle körperliche Ursachen erstmal auszuschließen. Außerdem kann das ja nicht unbehandelt bleiben...

Dass es ihr nicht gut geht und sie Hilfe braucht, steht für mich außer Frage. Ich möchte ihr so gerne helfen und auch Verständnis aufbringen, langsam merke ich aber dass mir das immer schwerer fällt und ich ehrlich gesagt auch immer öfter genervt bin von der ganzen Sache.

Vielleicht finden sich hier ja ein paar kluge Köpfe mit etwas Rat, da ich nicht mehr weiß, wie ich mit der ganzen Situation weiter umgehen soll...

1

Da ich in meinem Leben auch schon x mal "Seelenmülleimer" für diverse Leute war, weiß ich sehr gut, wie einen das dann beschäftigt.
Mein Rat: für sie da sein, anhören und aber deutlich klarmachen, dass Du keine professionelle Hilfe leisten kannst. Biete ihr an, bei einer Arztsuche zu helfen und beim ersten Termin auch mitzugehen, aber ansonsten kann sie nicht erwarten, dass alle Freunde und Bekannten ihre Probleme therapieren, das geht einfach nicht.
Ich habe zu einer guten Bekannten, die mich auch noch nachts telefonisch volljammerte, dann auch mal gesagt, dass sie sich ja garnicht helfen lassen WILL, weil sie sonst ja ihre Mitleidsnummer nicht mehr bringen kann. Sie war eine Woche beleidigt - und ging dann endlich zum Arzt. Später sagte sie, sie habe den Arschtritt gebraucht. 😎
Kann - aber muss nicht klappen. Du kannst aber niemand helfen, der es garnicht will.
Besonders wenn sie sich nicht mal körperlich untersuchen lässt.
Nette aber klare Worte sind wohl fällig.
LG Moni

2

Das klingt mühsam. Es klingt, als wäre sie in dieser Gedankenspirale gefangen und die gilt es zu sprengen - von einem Arzt.

Vielleicht ein Psychiater in einer anderen Stadt, wo sie niemand kennt? Such einen raus und biete ihr an mitzukommen.

Aber schütz du dich auch, nicht, dass du in eine Hilflosigkeit eines Co Abhängigen kommst. Du kannst ihr nur Hilfe anbieten, annehmen muss sie es.
Du darfst auch nein sagen, ihr erklären, dass es dich inzwischen belastet, da sie keine Hilfe annimmt.
Wirf ihr den Rettungsring zu, aber spring nicht nach.

Leider müssen manche erst unten ankommen um Hilfe abzunehmen.

Was sagt ihre Familie dazu, ev die miteinbeziehen? Isoliert sie sich?

Alles Gute

3

Ich helfe durchaus gerne und bin auch für Freunde da.
Aber ich ersetze keinen Therapeuten!

Ergänzen ok. Manchmal tut es gut sich auszutauschen oder mal nicht fachlich zu reden oder die Abstände sind zu lang.

Aber ganz klar: ich bin kein Therapeut! Und ich bin kein "Zur Verfügung stehender"

Jeder kann krank werden und jeden kann es mal mit etwas treffen.
Jedem darf es schwer fallen Hilfe zu suchen oder so.

Aber wer sich dagegen sträubt oder eine Krankheit als Vorwand für alles nutzt, hat bei mir KEINEN Freibrief.


Unterstützen ja. Mädchen für alles sein: nein.
Der Wunsch Hilfe anzunehmen muss von der Person selbst kommen.

Ich höre zu, wenn ich merke, dass sich die Person selbst auch kümmert. Zum Arzt geht, telefoniert, Listen abtelefoniert, ewig in Warteschleife hängt (weil es nicht vorwärts geht und Termine nicht schneller möglich sind).

Ich telefoniere mit, wenn ich merke, die Person strebt nach Hilfe und kann diesen Schritt nicht (mehr) alleine tun.
Begleitung zum Termin. Wenn die Person selbst den Wunsch hat und vor Ort nicht abbhaut.

Diese Hilfe habe ich selbst auch schon bekommen und bin dankbar dafür.
Die Helfenden wussten aber auch, dass ich selbst schon vieles gemacht, versucht, Finger/Ohren wund telefoniert hatte.


Wer aber nur jammert (das ist es für mich, wenn man nichts tut / nichts tun will) und anderen auf die Nerven geht;
wer andere als Abladeplatz nutzt und selbst nicht für sich handelt,
da sage ich auch klar: bis hierhin und nicht weiter!

Bei engen Freunden biete ich noch an: ich komme zum Termin mit, wenn du das möchtest. Ich kann folgende Adressen anrufen, wenn es für dich ok ist. (Gesund lässt man sich nicht so leicht abwimmeln/macht einen stabilieren Eindruck um durch zu kommen).
Aber mehr kann ich NICHT tun.

Jetzt bist DU dran.

4

Danke für eure Worte! Ich habe zwischenzeitlich echt schon an meiner Empathie gezweifelt, schön dass ich scheinbar doch nicht so herzlos bin. :D

Ob sie sich tatsächlich isoliert, lässt sich schwer sagen, da die sozialen Kontakte seit der Corona-Krise ja generell runtergefahren sind... sie hält weiter den (persönlichen) Kontakt zu engen Freunden und Familie, darum mache ich mir da nicht so große Sorgen.
Ihre Familie ins Boot zu holen habe ich tatsächlich auch schon überlegt, hatte nur Sorgen ob das nicht übergriffig wäre. Aber ich denke ich werde mal das Gespräch mit ihrer Schwester suchen.

Die von euch vorgeschlagenen Hilfen wie Ärzte raussuchen, rumtelefonieren, begleiten etc. habe ich schon mehrfach angeboten, es kamen immer nur fadenscheinige Ausreden. Ich habe ihr auch schon eine ganze Liste mit Beratungsstellen zusammengesucht, bei denen sie sich erstmal komplett anonym beraten lassen könnte, aber auch das wird abgeblockt.

Es ist einfach eine blöde Situation... Ich kann und will ihre Probleme nicht zu meinen machen. Aber andererseits ist sie nunmal seit Ewigkeiten schon meine beste Freundin und einander in solchen Situationen aufzufangen, gehört zu einer guten Freundschaft für mich selbstverständlich dazu...

5

" habe ich schon mehrfach angeboten, es kamen immer nur fadenscheinige Ausreden. "

Wer nicht will, der hat schon.
Dann ist sie noch nicht an dem Punkt, dass sie Hilfe braucht.
Das klingt schlimm, weil man es von außen sieht. Aber es muss auch von ihr kommen.

So lange sie noch die Kraft hat, Ausreden zu finden, ist sie noch nicht an dem Punkt bereit zu sein. Dann bringt auch eine Therapie nichts, weil sie dann die Schuld bei den anderen übergriffigen suchen kann. Flucht vor sich selbst.


"Aber andererseits ist sie nunmal seit Ewigkeiten schon meine beste Freundin und einander in solchen Situationen aufzufangen, gehört zu einer guten Freundschaft für mich selbstverständlich dazu... "

Auffangen: ja
Aber das klappt nur, wenn sie sich nicht neben das Netz stellt und argumentiert, warum sie die Hilfe nicht braucht.
Du kannst sie auffangen, wenn sie fällt.
Aber nicht, wenn sie neben dir steht und nur vom Fallen erzählt oder wenn sie beim Fallen, sich vom Auffangnetz wegdreht, weil sie meint es nicht zu brauchen.

Du kannst das Netz halten.
Du kannst da sein, wenn sie eine Hand zum Aufstehen braucht.
Wenn sie sich aber windet, um am Netz vorbei zu fallen, dann bleibt ihr nur der harte Aufprall auf dem Boden.
Pass auf, dass sie nicht auf dich drauf fällt, weil sie nicht aufs Netz fallen will.


Du bist nicht verantwortlich wie sie landet oder was sie will.
Anbieten: ok.
Annehmen muss sie schon selbst.

Top Diskussionen anzeigen