Gestose in der Schwangerschaft
Bis zu zehn Prozent aller Schwangeren erleiden eine EPH-Gestose, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Das Hauptsymptom ist hoher Blutdruck, der für Mutter und Kind äußerst gefährlich werden kann.
Plötzlich spielt der Blutdruck verrückt
Viele Frauen bemerken zunächst gar nichts. Ihre Schwangerschaft verläuft unkompliziert, häufig fühlen sie sich vital und tatendurstig wie nie zuvor. Bis bei einer der Routine-Untersuchungen während der Schwangerschaft plötzlich der Blutdruck verrückt spielt und ungebührlich in die Höhe schießt. Ein Zustand, der zu Mangelernährung des ungeborenen Kindes führen kann und ein rätselhaftes Phänomen, für das die Wissenschaft zwar schon zahlreiche Bezeichnungen, jedoch noch keine stichhaltige Erklärung gefunden hat.
Vergiftung, Gestose oder Präeklampsie
Früher sprach man häufig von Schwangerschaftsvergiftung, in der Annahme, dass giftige Stoffe aus der Fruchtanlage schuld am hohen Blutdruck seien. Heute sind eher die Bezeichnungen EPH-Gestose oder Präeklampsie gebräuchlich. EPH steht für Edema (Ödeme), Proteinuria (Eiweißausscheidung im Urin) und Hypertension (Bluthochdruck) und bezeichnet hiermit die drei sicht- oder messbaren Symptome einer Gestose. Präeklampsie hingegen bedeutet "vor den Krämpfen" und bezieht sich auf die äußerst seltene, dann aber lebensbedrohliche Eskalation der Erkrankung, die sich durch plötzliche Krämpfe und Bewusstlosigkeit äußert.
Stoffwechselstörung oder mangelnde Anpassung?
So unterschiedlich die Bezeichnungen, so vielseitig auch die Erklärungsansätze der EPH-Gestose (gestatio=Schwangerschaft), die bei fünf bis zehn Prozent der Schwangerschaften auftritt. Während ein Teil der Mediziner den erhöhten Blutdruck als zentrales Merkmal der Gestose betrachtet und daher für die immer noch rätselhafte Erkrankung neue Namen wie "schwangerschaftsinduzierte Hypertonie" kreiert, verwenden andere Ärzte zunehmend die Formel "Stoffwechselstörung in der Spätschwangerschaft" und vermuten, dass die EPH-Gestose durch Fehl- oder Mangelernährung der Mutter bedingt sei. Schließlich gibt es auch Forscher, die die Gestose als mangelnde Anpassung des mütterlichen Organismus an die Veränderungen der Gebärmutter erklären.
Einigkeit besteht weitgehend über die Einteilung der Gestose in eine frühe und eine späte Form, je nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens. Die Gestose in den ersten Schwangerschaftsmonaten ist vor allem durch Übelkeit, starke Brechneigung und Juckreiz gekennzeichnet. Sie klingt im Allgemeinen nach drei bis vier Monaten ab. Die Spätgestose hingegen tritt im letzten Schwangerschaftsdrittel auf und ist durch die drei Symptome Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und erhöhte Eiweißausscheidungen gekennzeichnet. Häufig entsteht auch nur eines der drei Symptome.
Zu 50 Prozent verantwortlich für Frühgeburten
Als problematisch für das ungeborene Leben gilt in erster Linie der Anstieg des mütterlichen Blutdrucks auf Werte von über 140/90 mm Hg. Die Verengung der Blutgefäße ist verantwortlich für eine mangelnde Durchblutung von Gebärmutter und Mutterkuchen und damit für eine Verlangsamung des kindlichen Wachstums. Aus diesem Grund steigt das Risiko einer Frühgeburt, und tatsächlich ist die EPH-Gestose bis zu 50 Prozent verantwortlich für Frühgeburten.
Eine besondere Variante der Gestose ist das HELLP-Syndrom, dessen Häufigkeit in den letzten Jahren offenbar zunimmt. Die Erkrankung macht sich durch massive Oberbauchbeschwerden bemerkbar, die auf ein Nachlassen der Leberfunktion zurückzuführen sind. Nach Informationen der Arbeitgemeinschaft Gestose-Frauen tritt das HELLP-Syndrom etwa einmal bei 150-300 Schwangerschaften auf.
Wer ist besonders gefährdet?
Zu den Risikogruppen, die häufiger während der Schwangerschaft eine Gestose erleiden, zählen sehr junge oder ältere Erstgebärende, Frauen, die bereits früher Probleme mit hohem Blutdruck hatten oder bei denen die Neigung dazu in der Familie liegt, Mütter von Mehrlingen und übergewichtige Frauen. Nicht selten trifft es jedoch auch Frauen ohne all diese Voraussetzungen.
Was tun, wenn es einen trifft
Wurden bei einer Schwangeren erhöhte Blutdruckwerte festgestellt, empfiehlt Dr. Hans-Jörg Siegmann, Oberarzt für Geburtshilfe am Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg, in erster Linie eine ausgewogene, ausreichend salzhaltige Ernährung. Keinesfalls sollten die früher empfohlenen Reis- oder Obsttage eingehalten oder Entwässerungsmittel eingesetzt werden. Wichtig sind auch ausreichende körperliche Bewegung gepaart mit viel Ruhe, die Dr. Siegmann auch als "innere Ruhe" definieren würde, da jede Form von Stress und Aufregung den Blutdruck ungünstig beeinflusst.
Gute Erfahrungen bei der Vorbeugung der Gestose hat die Kölner Frauenärztin Brigitte Steinford-Görner mit der hochdosierten Gabe von Magnesium gemacht. Die Einnahme von drei mal 300 Milligramm Magnesium pro Tag reicht häufig aus, um die beginnende Gestose in den Griff zu kriegen. Steigt der diastolische Blutdruckwert auf über 100 an, rät Dr. Siegmann den Frauen, die Hintergründe stationär in einer Klinik abzuklären. Ist der Blutdruck bei den wiederholten Messungen gleichbleibend hoch oder eskaliert noch weiter, wird häufig mit blutdrucksenkenden Mitteln behandelt. Schlagen diese nicht an und kann die ausreichende Versorgung des Embryos nicht mehr gewährleistet werden, kommt es häufig zur Frühgeburt, oft durch einen Kaiserschnitt.
Auch wenn Sie betroffen sind, besteht jedoch kein Grund zu allzu großer Sorge. Die Symptome einer Gestose klingen im Allgemeinen schon wenige Tage nach der Geburt ab. Häufig muss es auch zu keiner stationären Behandlung kommen, wenn Mütter zum Beispiel Stressfaktoren wie Berufstätigkeit ausschalten. Das Risiko, auch in der nächsten Schwangerschaft wieder an Gestose zu erkranken, ist nicht allzu hoch.
Weitere Informationen zum Thema bei der Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen
- Weitere Artikel zum Thema