Der Dammschnitt
Zu den Eingriffen unter der Geburt, denen manche Schwangere mit Skepsis und ein wenig Unsicherheit entgegen sieht, gehört der Dammschnitt. Wann er nötig ist und was man vorbeugend tun kann, haben wir für Sie recherchiert.
Die Dammschnittrate
Zu den Eingriffen unter der Geburt, denen manche Schwangere mit Skepsis und ein wenig Unsicherheit entgegen sieht, gehört der Dammschnitt. Tatsächlich wird bei zwei Dritteln aller Geburten das Dammgewebe in Mitleidenschaft gezogen: Es reißt ein oder wird prophylaktisch oder aus medizinischen Gründen eingeschnitten. Nach Schätzungen von Christiane Ippach, Hebamme am Kölner Geburtshaus, liegt die Dammschnittrate in der Bundesrepublik bei 60-80 Prozent. Diese Zahl kann – je nach Krankenhaus – sehr variieren. Zum Vergleich: Während die jährliche Dammschnittrate im Vinzentz Palotti Hospital in Bensberg bei 29 Prozent liegt, sind es im St. Elisabeth Krankenhaus in Köln-Holweide 40 Prozent. Andere, konservativere Kliniken liegen noch weit darüber. Dass es auch anders gehen kann, beweist das Kölner Geburtshaus, das seit Jahren eine Dammschnittrate von lediglich acht Prozent aufweist.
Der routinemäßige Dammschnitt
Der Damm liegt zwischen After und Scheide. Wenn das Köpfchen des Kindes aus der Scheide austritt, wird das Gewebe stark gedehnt und der Dammbereich ist einer enormen Belastung ausgesetzt. Da die Möglichkeit besteht, dass das Dammgewebe weit einreißt, kam man auf die Idee, den Scheidenausgang vorsorglich (prophylaktisch) zu erweitern. Auf dem Höhepunkt einer Wehe wird der Damm mit einer speziellen Operationsschere eingeschnitten.
Lieber reißen lassen?
Hebammen plädieren für ein Umdenken
Bis vor wenigen Jahren wurde dieser Schnitt routinemäßig bei fast allen Klinikgeburten durchgeführt. Inzwischen gibt es jedoch auch viele Geburtshelfer, die dafür plädieren, das Dammgewebe lieber einreißen zu lassen. Die Dammschnittrate ist so in den letzten Jahren zurückgegangen, doch wird nach Meinung vieler Hebammen immer noch zu schnell geschnitten.
Unerwünschte Folgen
Denn ein Dammschnitt hat manchmal unangenehme Folgen. Manche Frauen klagen über eine schlecht verheilende Naht, über Schmerzen beim Urinieren, beim Stuhlabgang und bei sexuellen Kontakten. Nach einem Dammschnitt kann das Gewebe im Bereich der Narbe so rigide werden, dass es Probleme bei nachfolgenden Geburten macht. Allerdings sind alle diese Nebenwirkungen ebenso bei einem Dammriss möglich.
Unumgänglich ist der Dammschnitt ,
- wenn die Herztöne des Kindes schwächer werden und die Geburt beschleunigt werden muss
- bei einer Frühgeburt
- wenn der Kopf des Babys sehr groß ist
- bei einer Zangen- oder Saugglockengeburt.
Der Dammriss
Kleine Dammrisse unter der Geburt sind normal und müssen nicht weiter versorgt werden. Aber auch größere Dammrisse verheilen manchmal besser als ein Schnitt. Der Grund liegt darin, dass ein Riss oberflächlicher verlaufen kann als ein Schnitt. Das Gewebe reißt eventuell an den Nerven- und Blutbahnen vorbei, während beim Schnitt Gefäße und Nervenbahnen durchtrennt werden.
Ein Riss verläuft unregelmäßig und muss deshalb besonders sorgfältig genäht werden. Dies erfordert allerdings mehr Geschick und Zeit als das Vernähen eines geraden Schnittes. Genäht wird unter lokaler Betäubung, nachdem sich Mutter und Kind in Ruhe kennen lernen konnten.
Vorbeugung
Was kann man tun, um den Damm elastisch zu machen?
Im Geburtsvorbereitungskurs können die Schwangeren Methoden erlernen, um den Damm so elastisch zu machen, dass es unter der Geburt vielleicht gar nicht zu einem Dammschnitt oder -riss kommen muss. Dazu zählen Beckenbodenübungen, die für eine gute Durchblutung und Elastizität des Dammgewebes sorgen. Von Hebammen besonders empfohlen wird die Damm-Massage mit einem Vitamin-E-haltigen Öl, wie z. B. Weizenkeimöl, das die Elastizität fördert. Diese Massage, die eigentlich eine Dehnung der Scheide ist, sollte ab der 34. Schwangerschaftswoche täglich einige Minuten durchgeführt werden. Sie ist nicht sonderlich angenehm, aber wirksam. Auch der Partner kann diese Aufgabe übernehmen. In der Hocke oder mit angezogenen Beinen auf dem Bett liegend, reiben Sie das Öl in das Gewebe zwischen Vagina und After. Führen Sie dann zwei Finger in die Vagina und spreizen Sie sie vorsichtig mit Druck nach unten.
Hilfen unter der Geburt
In asiatischen Ländern lassen sich gebärende Frauen von der Vorstellung helfen, dass sich ihre Scheide "wie eine Lotusblüte öffnet". Das klingt ungewöhnlich für westlichen Ohren. Sie können auch versuchen, an das Öffnen und an das Herauslassen ihres Kindes zu denken.Auch ein Bad im warmen Wasser unter der Geburt dehnt das Dammgewebe. Wenn das Köpfchen erscheint, kann die Hebamme eine zuvor in warmen Kaffee getaucht Kompresse auflegen. Wie warmes Wasser weitet auch Koffein die Blutgefäße.
Wenn die Naht schmerzt
Das hilft bei schmerzender Naht
Bei größeren Wunden können Sie den Genitalbereich nach dem Toilettengang mit warmem Wasser abspülen und trocken föhnen. Außerdem sollten Sie sich so viel schonen wie möglich, um die Heilung zu fördern.
Zur Wundheilung bewährt haben sich außerdem:
- Sitzbäder mit Tannolact, Camillosan oder Totem-Meer-Salz in Kombination mit ätherischen Ölen
- Arnika-Kompressen
- homöopathische Medikamente (Hebamme fragen).
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