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27. Schwangerschaftswoche, 36 cm, 1 Kilo. Soweit die durchschnittlichen Zahlen. Was in deinem Bauch und deinem Kopf so vorgeht, lassen sie nur ahnen. Die Schwangerschaftsbeschwerden nehmen in dieser SSW zu. Denn zusammen mit dem Fruchtwasser und der größeren Blutmenge musst du weit mehr als ein zusätzliches Kilo mit dir herumschleppen. Puh! Der Alltag wird anstrengender. Gut, dass die Vorfreude ebenfalls steigt. In nur 13 Wochen ist es soweit. Mit Beckenbodentraining und Schwimmen kannst du deinen Körper auf den großen Tag vorbereiten. Und im Geburtsvorbereitungskurs erklärt euch die Hebamme auch, wie es danach weitergeht.

Die wichtigsten Daten zur 27. Schwangerschaftswoche

Größe: Dein Baby ist in der 27. SSW ungefähr so groß wie ein Blumenkohl (36 – 37 cm Scheitel-Ferse-Länge).

Gewicht: Der Fötus wiegt in Schwangerschaftswoche 27 zwischen 900 und 1000 Gramm.

Noch 13 Wochen bis zur Geburt!

In SSW 27 kratzen einige Babys bereits an der 1-Kg-Grenze. Das muss aber nicht zwangsläufig bei deinem Kind der Fall sein. Es ist ein ganz eigenes Individuum, das sich in seinem Tempo entwickelt. Es macht nichts, wenn es nicht exakt die Größe und das Gewicht hat, die hier als Durchschnitt angegeben werden. Solange dein Arzt bei der Vorsorgeuntersuchung zufrieden mit seiner Entwicklung ist, ist alles in bester Ordnung.

Die Entwicklung deines Babys/Fötus in der 27. Schwangerschaftswoche

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In der 27. Schwangerschaftswoche kostet dein Baby weiterhin den Platz aus, den es derzeit noch in der Gebärmutter hat. In den nächsten Wochen wird es immer enger. Aber jetzt ist der Pool noch groß genug. Es strampelt, boxt und dreht sich. Die endgültige Geburtsposition wird es erst gegen Ende der Schwangerschaft (SSW 36) einnehmen. In dieser Entwicklungsphase ist seine Chance, eine Frühgeburt zu überleben, nochmal sprunghaft angestiegen. 95 Prozent der Kinder, die bereits in SSW 27 verfrüht auf die Welt kommen, überleben. Eine Zahl, die dich sicher sehr erleichtert und dich vielleicht etwas ruhiger schlafen lässt. Es sein denn, dein Kleines hält es wie die meisten anderen Babys im Mutterleib. Kommt Mama zur Ruhe, ist Party angesagt! Denn tagsüber wiegen deine Bewegungen das Kind in der Gebärmutter in den Schlaf. Hört das Schaukeln auf, erwacht es und wird aktiv. An Schlaf können viele werdende Mamis dann nicht mehr denken.

In der 27. Schwangerschaftswoche bildet sich die Gehirnstruktur in hohem Tempo weiter. Die schnelle Wanderung neuer Nervenzellen in die äußeren Hirnbereiche führt nun auch zu einer Faltung des Gehirns. Dadurch wird die Oberfläche des menschlichen Gehirns größer. Die Forschung ist der Meinung, dass die gesteigerte Hirnaktivität den großen Bewegungsdrang des Babys in dieser Entwicklungsphase erklärt. Außerdem gehen sie davon aus, dass das Ungeborene jetzt auch zu träumen beginnt.

Viele Babys haben in der 27. SSW bereits ihre Augen geöffnet und können hell, dunkel und grobe Formen erkennen. Andere öffnen die Augen erst in dieser SSW oder noch etwas später. Dass der Fötus schon sehen kann, erkennt man an seinen Reaktionen. Wird es beispielsweise zu hell, dreht es den Kopf weg.

Der Kopf wächst nun langsamer als der restliche Körper. Das führt dazu, dass die Proportionen deines Krümels immer stimmiger werden. Die Haut wird auch in dieser SSW weiter mit Fettreserven aufgepolstert. Der Babyspeck hilft dem Baby, seine Körpertemperatur bald selbst zu regulieren. Im siebten Monat kannst du schon gut mit deinem Kind kommunizieren. Wenn du deinen Bauch streichelst und mit ihm sprichst oder wenn Papa ihm etwas vorsingt, kann es sein, dass es mit einer Bewegung antwortet. Schlaues Kind!

In dieser SSW beginnt der Körper des Babys auch mit der selbständigen Blutbildung. Seine Blutzellen entstehen im Knochenmark. Sein Körper wird von Woche zu Woche eigenständiger. Nur die Lunge ist noch nicht ausgereift. Organisch ist sie zwar fertig, jedoch fehlt ihr noch eine ausreichende Menge an Surfactant, einer oberflächenaktiven Substanz, die essentiell für die Funktion der Bronchien ist und die Lungenflügel am Verkleben hindert. Würde dein Kind ein Frühchen, müsste es nach der Geburt Medikamente bekommen, die die Reifung beschleunigen. Auch eine künstliche Beatmung kann notwendig sein.

Dein Körper in der 27. Schwangerschaftswoche

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Gegen Ende des 7. Monats wird die Schwangerschaft körperlich immer anstrengender. Der wachsende Bauch ist beim Schlafen, Sitzen und Autofahren im Weg, du bist schnell außer Atem und die Beine werden schwer. Dass du die zunehmenden Schwangerschaftsbeschwerden mit vielen anderen Frauen in der 27. Woche teilst, tröstet dich vermutlich nicht besonders. Aber die Aussicht, dass es in rund 13 Wochen vorbei ist und du deinen Schatz endlich in den Armen hältst, ganz sicher!

Jetzt ist es wichtig, sich immer wieder auszuruhen und etwa egoistischer zu werden. Wenn du noch im normalen Umfang arbeitest und du das Gefühl hast, dass dein Job dich jetzt körperlich überfordert, sei bitte ehrlich. Es hilft keinem, wenn du deinem Chef oder deiner Chefin versuchst zu beweisen, dass eine Schwangerschaft keine Krankheit ist. Es geht jetzt nur um deine Gesundheit und die deines Babys. Sprich mit deinem Arzt, ob für dich bis zu Beginn des Mutterschutzes ein partielles Beschäftigungsverbot sinnvoll ist. Dann kannst du in den kommenden fünf Wochen vielleicht in Teilzeit arbeiten, kannst längere Pausen einlegen oder auf besonders anstrengende Tätigkeiten verzichten.

Dass deine Beine jetzt oft schwer werden, liegt an der größeren Blutmenge, die dein Kreislauf bewältigen muss. Außerdem übt die wachsende Gebärmutter Druck auf die Venen im Beckenbereich aus. Kommt der Kreislauf dagegen nicht mehr an, "versacken" Blut und Gewebeflüssigkeit in den Beinen. Auch im Gesicht, den Armen und Fingern entstehen in der Schwangerschaft oft Wassereinlagerungen. Diese Ödeme sind unangenehm und sorgen jetzt für noch mehr Pfunde auf deiner Waage, sind aber in der Regel ungefährlich. Kommen aber andere Symptome hinzu, musst du unbedingt zum Arzt. In der Kombination mit Eiweiß im Urin, hohem Blutdruck, Schwindel und Sehstörungen können Wassereinlagerungen auf eine gefährliche Gestose (auch Schwangerschaftsvergiftung oder Präeklampsie genannt) hindeuten.

In der 27. SSW treten verstärkt Übungswehen auf. Die so genannten Braxton-Hicks-Kontraktionen haben bei einigen Schwangeren einen Nebeneffekt: Durch die gehäuft ausgeschütteten Wehenhormone träumen sie besonders intensiv und sehr realistisch. Wenn du im Geburtsvorbereitungskurs schon die Atemtechniken für die Geburt gelernt hast, kannst du die Übungswehen nutzen, um sie auszuprobieren.

 

Typische Schwangerschaftsbeschwerden in der 27. Schwangerschaftswoche:

Inkontinenz

Das Baby drückt immer stärker auf deine Blase. Kein Wunder, wenn du da beim Lachen oder Husten auch mal ein par Tropfen Urin verlierst. Sorg doch einfach mit einer dünnen Slipeinlage vor. Dann bleibt das kleine Malheur für andere unsichtbar.

Tipp: Beckenbodengymnastik kann helfen. Sie ist jetzt auch zur Vorbereitung auf die Geburt und für die spätere Rückbildung zu empfehlen.

Karpaltunnelsyndrom

Wassereinlagerungen in den Händen können jetzt ein sogenanntes Karpaltunnelsyndrom auslösen. Das Ödem führt dazu, dass sich der Kanal auf der Innenseite des Handgelenks verengt und die Nerven einklemmt. Die Symptome sind kribbelnde Finger. Manchmal fühlen sie sich auch taub oder eingeschlafen an. Nach der Geburt gehen die Beschwerden wieder zurück, da dann auch die Wassereinlagerungen wieder abgebaut werden. Bis dahin kann es schon helfen, die Hände zu massieren. Reicht das nicht, kann dein Arzt dir eine Schiene verschreiben, die das Gelenk gestreckt hält.

Schlaflosigkeit

Eine ungewohnte Schlafposition, ein boxendes Baby, Sodbrennen und aufregende Träume: Es gibt im siebten Monat viele Gründe, warum du nachts nicht zur Ruhe kommst. Tipp: Kau dir am besten jetzt schon ein Stillkissen. Du kannst es auch als Seitenschläferkissen benutzen, denn es kann helfen, deinen Bauch beim Liegen auf der Seite zu stabilisieren. So lohnt sich diese Investition gleich doppelt.

Das kannst du für dich und das Baby tun

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Schwimmen

Auch mit Babybauch musst du nicht auf Sport verzichten. Nur Höchstleistungen darfst du deinem Körper nun nicht mehr abverlangen. Wie wäre es mit Schwimmen? Im Wasser fühlst du dich leichter und die Bewegung bringt deinen Kreislauf in Schwung.

Keine entwässernden Medikamente einnehmen

Bei geschwollenen Beinen und Füßen helfen einige Hausmittel. Wechselduschen, Fußbäder mit Meersalz, viel trinken, Bewegung, bequeme Schuhe und Kompressionsstrümpfe können die Beschwerden lindern. Ein No-Go sind dagegen entwässernde Medikamente und Naturheilmittel wie Brennnesseltee. Sie führen zu einer Unterversorgung mit Flüssigkeit und können schwere Stoffwechsel- und Kreislaufprobleme nach sich ziehen.

Zur Geburtsvorbereitung gehen

Du bist dir noch nicht sicher, ob ein Geburtsvorbereitungskurs das Richtige für dich ist?  Wenn du mit deinem ersten Kind schwanger bist, ist er in jedem Fall sinnvoll. Außerdem bereitet er dich nicht nur auf die Entbindung vor und kann dir einige Ängste nehmen, in den 14 Stunden geht es auch um die Zeit danach. Babypflege ist schließlich auch werdenden Müttern nicht in die Wiege gelegt. Und keine Sorge: Deine Teilnahmegebühr übernimmt die Krankenkasse.

Ringe abnehmen

Viele Schwangere lagern nicht nur in den Beinen Wasser ein. Auch Hände und Finger schwellen häufig an. Das kann in den kommenden Wochen den unschönen Nebeneffekt haben, dass du deine Ringe irgendwann nicht mehr abziehen kannst. Also besser vorsorgen und gleich ablegen. Wenn du ohne die Liebesbeweise deines Partners ungern unterwegs bist, kannst du den Ring ja in der Zwischenzeit an einer Kette um den Hals tragen.

Welche Untersuchungen stehen in der 27. SSW an?

Falls der Antikörpersuchtest bei dir noch nicht wiederholt wurde, ist die SSW 27 dazu noch ein guter Zeitpunkt. Notwendig ist er nur bei Rhesus-negativen Müttern. Denn sie können gegen das Blut eines Rhesus-positiven Kindes Antikörper bilden, die für das Ungeborene gefährlich werden können. Da heute während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt routinemäßig Anti-D-Immunglobuline verabreicht werden, um die Produktion körpereigener Antikörper zu stoppen, ist das Risiko einer Blutgruppenunverträglichkeit sehr gering.

Dein Arzt wird dich auch im dritten Trimester regelmäßig auf einen Eisenmangel untersuchen. Gerade Frauen, die das zweite Mal schwanger sind, neigen zu einer Unterversorgung. Kannst du deinen Bedarf nicht durch eine eisenreiche Ernährung decken, verschreibt dein Gynäkologe dir vermutlich ein entsprechendes Präparat.

Wenn du dir Sorgen machst, ob sich deine Gewichtszunahme im Normalbereich befindet, sind dein Arzt und deine Hebamme die richtigen Ansprechpartner. Sie können nicht nur Kurven vergleichen, sondern wissen auch, unter welchen Voraussetzungen du in die Schwangerschaft gestartet bist.

Ultraschallbilder aus der 27. Schwangerschaftswoche

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Schläft es oder strampelt es? Sind die Augen zu oder geöffnet? Und in welcher Lage befindet sich dein Schatz gerade? Natürlich ist der Ultraschall nur eine Momentaufnahme. Er soll vor allem dem Arzt dienen, die altersgemäße Entwicklung des Babys zu bewerten und frühzeitig Probleme während deiner Schwangerschaft zu erkennen. Wenn für euch ein bisschen Baby-TV dabei herausspringt, ist das natürlich toll. Aber sei bitte nicht enttäuscht, wenn euer Schatz gerade nicht in der Stimmung für eine Show-Einlage ist.

Medizinerlatein: Vena-cava-Syndrom

Vena cava, so nennen Mediziner die untere Hohlvene. Sie transportiert sauerstoffarmes Blut zurück zu deinem Herzen. Beim Vena-cava-Syndrom funktioniert das nicht mehr so gut. Der Grund: Das Gewicht deines schwangeren Bauchs drückt das Blutgefäß zusammen und es kommt zu einer Rückflussstörung und in deren Folge zu einer Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Typische Symptome sind Schwindel, Kurzatmigkeit und auch Ohnmachtsanfälle. Die Schwangerschaftskomplikation kommt im letzten Trimester besonders häufig vor. Klar, je mehr Gewicht, desto größer das Risiko, dass es die Vene quetscht.

Was tun? Leg dich zum Schlafen nicht auf den Rücken und möglichst auf die linke Seite. Da die Hohlvene rechts von der Wirbelsäule liegt, nimmst du ihr so den Druck. Auch im Sitzen kann die Komplikation auftreten. Hier hilft eine möglichst aufrechte Sitzposition. Auch Kompressionsstrümpfe verbessern den Rückfluss des Blutes.

Gut zu wissen

  • Auf der Suche nach einem passenden Vornamen werdet ihr sicher über die Top-10-Listen der vergangenen Jahre stolpern. Anna, Emma, Paul und Ben stehen nicht ohne Grund ganz oben. Sie sind kurz, international verbreitet und lassen sich prima rufen. Überlegt euch aber dennoch gut, ob ihr einen der beliebtesten Namen aussucht. Spätestens in der Kita werdet ihr merken, dass viele andere Eltern dieselbe Idee hatten. Und plötzlich heißt dein Kind nicht mehr Ben, sondern Ben 3, der kleine Paul (weil es noch einen großen gibt) oder dein Kind wird von allen mit Vor- und Nachnamen gerufen.
     
  • Nicht nur ihr macht Pläne, auch eure Freunde und Familienmitglieder haben sicher viel zu tun. Wenn ihr jetzt schon wisst, dass ihr nach der Geburt Hilfe braucht, sagt rechtzeitig Bescheid. Dann kann die beste Freundin sich einen festen Tag aussuchen, an dem sie mit dem Baby einen Spaziergang macht und du schlafen kannst. Und die frischgebackenen Großeltern können es einrichten, dich einmal in der Woche zu bekochen.
     
  • Sanfte Rottöne. Das sind die Farben, die dein Baby sieht, wenn du in hellem Licht stehst und es durch deine Bauchdecke schimmert. Viele Geburtskliniken streichen ihre Entbindungsräume daher in diesen Farben. So sieht das Kind nach der Geburt gleich etwas Bekanntes.

 

Quellen:

Imlau, Nora und Sabine Pfützner 2018: Babybauchzeit: Geborgen durch die Schwangerschaft und die Zeit danach, Hebammenwissen für Mutter und Kind, Weinheim 2018.

Blohmer, Jen-Uwe, Matthias David, Wolfgang Henrich und Jalid Sehouli (Hg.): Charité Kompendium Gynäkologie, Berlin 2018.

Kainer, Franz und Annette Noldfen: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, München 2018.

www.mpg.de/11257464/grosshirnrinde-flrt-rezeptoren

www.frauenaerzte-im-netz.de

 

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