Familienleben

Familie: mehr als Mama, Papa, Kind

Mama, Papa, Kind – so sieht unsere Vorstellung von Familie aus. Wer aber selbst ein Baby hat, merkt plötzlich, wie wichtig die erweiterte Familie fürs Familienleben wird. Da ist die Oma, die die Kinder aus der Kita abholt, wenn wir Mütter oder Väter noch arbeiten müssen. Oder der Opa, der sein Enkelkind in den Zoo mitnimmt und damit den Kleinen einen tollen Nachmittag, den Eltern aber Freiräume schafft. Und wer Glück hat, hat auch sie: Die Tante, die die Nichten und Neffen ins Kino einlädt, mit ihnen auf Spielplätzen tobt, auf Shopping-Touren geht, die Blumen am Wegesrand benennt oder die neueste Spiele-App zeigt.

Seltener als früher, aber doppelt so wichtig

Warum bloß spricht keiner über die tollen Tanten? Denn „insbesondere Tanten erweisen sich als wichtige Bezugspersonen", schreibt die Soziologin Nina Jacoby in einem Beitrag auf familienhandbuch.de. Zwar sind mangels Geschwistern auch Tanten heute in vielen Familien seltener. Das führt aber nicht dazu, dass diese erweiterten Familienbeziehungen weniger wichtig werden. Im Gegenteil, meint die Soziologin: Es führt sogar zu einem Bedeutungszuwachs einzelner Mitglieder, also zum Beispiel der Tante!

Die Tante: Lehrerin, Vorbild, Kameradin

Und eine Bereicherung sind Tanten für Nichten und Neffen allemal. Sie gehören zur engsten Familie und haben doch den manchmal wichtigen inneren Abstand. Sie sind erwachsen wie die Eltern und doch nicht für die Erziehung verantwortlich. Sie haben viel Lebenserfahrung und können Lehrerin und Vorbild sein. Sie sind Kameradin und Ratgeberin und unterstützen ihre Nichten und Neffen durch Gespräche und Verständnis.

Tanten müssen nicht, sie wollen

Und das alles tun Tanten noch freiwilliger als Eltern es tun. Besonders dann, wenn Tanten selbst keine Kinder haben oder wollen, sind Nichten und Neffen für sie willkommenes Übungs- oder Ersatzspielfeld. So wie die ideale Tante, die Autor Rupert Christiansen in seinem Buch „The complete Book of Aunts" beschreibt: Jane Austen, englische Schriftstellerin, kinderlos und ledig. „Während viele Frauen unglücklich sind, weil sie keine Kinder haben, beschloss Austen, stattdessen einfach die beste Tante zu sein, die man sich vorstellen kann," sagte Christiansen im FAZ-Interview. „Mit den Buben tobte sie im Garten herum, mit den Mädchen sprach sie über Jungs und Gefühle." Und die schon zu Lebzeiten erfolgreiche Autorin zahlreicher Romane erweiterte den Horizont ihrer Nichten und Neffen, erzählte Geschichten, führte sie zum Essen aus und bisweilen sogar in unpassende Theaterstücke. Und damit sind Tanten sogar so etwas wie die ersten erwachsenen „Freunde" ihrer kleinen Nichten und Neffen: Vorbild und guter Kamerad für die Kleinen, wichtige Stütze für Mütter und Väter. Glücklich, wer eine Tante hat!

 

Zum Weiterlesen: Entfernte Verwandte? Die Bedeutung von Nichten, Neffen, Onkeln und Tanten – ein Überblick über den Forschungsstand 

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