Leben mit Baby

1. Bücher mit Einschlafgarantie

Seit Wochen führt im Sommer 2015 das Bilderbuch „Das Kaninchen, das so gerne einschlafen will" des schwedischen Autors Carl-Johan Forssén Ehrlin die amazon-Bestseller-Liste der Gute-Nacht-Geschichten an. Im Netz berichten Eltern davon, wie das Buch ihre Kinder in Rekordzeit zum Schlafen brachte. Das Rezept für die scheinbar mühelose Einschlafprozedur steht im Vorwort: Eltern sollten die gefetteten Textabschnitte betonen, das kursiv Gedruckte leise und langsam sprechen. „Der Rest ist Satzstruktur und Wortwiederholung". Allein die verschiedenen Wort-Kombinationen von „Schlaf" und „schlafen" kommen mehr als 30-mal im Buch vor. Den bald nach Erscheinen erhobenen Vorwürfen von Kinderpsychologen, das Buch manipuliere die Kinder, begegnet der Schwede gelassen. Kinder könnten sich sehr wohl selbst entscheiden, ob sie ein Buch mögen, oder eben nicht.

Auch der Erziehungsratgeber „Jedes Kind kann schlafen lernen" schien im Erscheinungsjahr 1995 den Nerv der Zeit zu treffen – und teilt bis heute seine Leserschaft in entschiedene Gegner oder glühende Anhänger des mehr oder weniger strikten Schlaftrainings. Wie bei vielen anderen Vorlesebüchern oder Ratgebern auch galt gestern wie heute: Dem einen hilft's, für den anderen taugt's gar nichts.

2. Pucken als Einschlafhilfe

Geborgen, gewärmt und gut behütet: Manche Säuglinge beruhigt es, wenn sie zum Einschlafen in ein weiches Tuch gewickelt werden. Pucken heißt die alte Methode, die Babys helfen soll, ruhiger und tiefer zu schlafen. Viele Hebammen empfehlen das Pucken jungen Müttern, weil die Kinder es aus dem Mutterleib schon gewohnt sind, regelmäßig an Grenzen ihrer eigenen Beweglichkeit zu stoßen. Daher sei Pucken nichts Befremdliches, sondern für Säuglinge eine vertraute Situation. Wichtig: Eltern sollten darauf achten, Wickeltücher aus Wolle oder Baumwolle zu nehmen und nicht aus Synthetik, weil die Babys darin zu sehr schwitzen. Außerdem sollte nicht zu eng eingewickelt werden, sonst drohen auf Dauer Fehlstellungen. Natürlich ist das Pucken auch nur zum Schlafen gut geeignet und nicht für stundenlanges Einwickeln während des Tages. Zuviel ist ungesund und Pucken ist auch nichts für jedes Kind: Deshalb müssen sich im Sommer 2015 auch Erzieherinnen einer Kita in Thüringen vor Gericht verantworten: Sie hatten unruhige Kleinkinder in ihren Gruppen regelmäßig zur Mittagsschlafzeit mit Pucken eingeschnürt.

Pucken bleibt umstritten: Kritiker meinen, den Kindern werde durch das Einwickeln ein Teil ihrer Bewegungsfreiheit genommen und damit könne die Entwicklung der Motorik gestört werden. Ob die Methode fürs eigene Kind geeignet ist, probieren Eltern am besten erst einmal aus – denn nicht jedem Kind gefällt es im Puck. Im Zweifelsfall hilft ein Gespräch mit der Hebamme oder dem Kinderarzt weiter.

3. Besser schlafen dank Aromatherapie

Schon vor 6.000 Jahren wurde Lavendel und Lavendelöl in Pakistan als Heilpflanze bei Kopfschmerz, Krämpfen, Asthma und Schlafstörungen verwendet, da es beruhigend und ausgleichend auf den Körper wirkt. Eine ähnliche Wirkung wird auch Melissenöl attestiert. Immer mehr Eltern schwören auch heute wieder auf den Effekt einer natürlichen und sanften Aromatherapie. Wichtig: Bewahren Sie ätherische Öle immer außerhalb der Reichweite des Kindes auf und verwenden Sie die Öle niemals pur. Für Kinder ab einem Jahr können Sie ein paar Tropfen Öl mit ausreichend Wasser in ein Duftlämpchen geben, lassen Sie die Lampe aber nicht länger als eine Stunde an. Für Babys eignet sich eine Wasserschale besser, damit der Duft verdünnt wird. Hier reichen schon drei Tropfen Öl in einer Schüssel mit heißem Wasser, das dann am besten auf der Heizung verdampfen sollte.

4. In den Schlaf schaukeln

Sanftes Wiegen oder Schaukeln fördert das Einschlafen – vor allem von Babys, weil es sie an das Hin- und Herschaukeln in der Geborgenheit des Mutterleibs erinnert. Selbst bei Erwachsenen entfaltet ein leicht schaukelndes Bettgestell ein messbar schnelleres Einschlafen, wie es die Hirnforscher Sophie Schwartz und Michel Mühlethaler von der Genfer Universität in ihrer „Schlafstudie" 2011 bewiesen. Kein Wunder, dass viele Eltern von Wiegen und Schaukelbetten begeistert sind, die Babys durch ihre eigenen Körperbewegungen oder mittels automatischem Antrieb in Schwingungen versetzen.

Einen wahren Ansturm der Nachfrage erlebte das Schweizer Pendelsystem „Sleepy Relax", nachdem es einige Familien mit „Schlaf-Problemkindern" im Auftrag des Magazins „stern TV" im Jahr 2005 öffentlichkeitswirksam getestet hatten. Bei „Sleepy Relax" sorgen vier Spezial-Sockel unter den Füßen des Kinderbettes für leichte Schwingungen. Angetrieben wird das Schwungsystem nicht durch Strom, sondern durch das Baby selbst, denn eine Spirale in den Sockeln reagiert auf alle Bewegungen – wie auch auf das Atmen oder den Herzschlag des Kindes. Das Ergebnis nach zwei Wochen Test: 60 Prozent der Babys schliefen schneller ein, 70 Prozent besser durch. Zudem geben die Vertreiber des Systems eine Erfolgsgarantie: Wenn sich das Schlafverhalten des Kindes nicht deutlich verbessert, kann man das Produkt bis zu vier Wochen nach dem Kauf zurückgeben.

5. Schneller einschlafen mit Musik

Für die einen ist es ebenso unsinnige wie überflüssige Baby-Beschallung, für die anderen ein Rettungsanker in schlaflosen Zeiten: Musik, die die sensible Einschlafphase von Babys begleitet und ihnen hilft, ruhiger zu werden. Die Angebotspalette ist hier so vielfältig, wie die Vorlieben von Eltern verschieden sind: Manch einer schwört auf „Mozart für Babies", andere auf die reduzierte Klangwelt von Detlev Jöckers „Kinderträumeland", wiederum andere auf CDs mit Naturgeräuschen wie Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher. Kurios: Es soll auch Babys geben, die ganz hervorragend mit den leisen Hintergrundgeräuschen von Fön, Wasserhahn oder Staubsauger einschlafen – die begeisterten Elternkommentare zur CD „Die Schlafbrummis" beweisen das.

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