Schlechtes Gewissen dem großen Kind gegenüber

Hallo.
Kurz zu unserem Hintergrund:
Unsere große Tochter war schon fast 5 als sie große Schwester wurde. Die Kleine ist nun fast 5 Monate alt und die beiden sind sehr glücklich über einander und lieben sich sehr.

Nun ist es jedoch so, dass ich das Gefühl habe, dass meine Große momentan total zu kurz kommt. Klar, stundenlang in ihrem Zimmer Puppe spielen geht nun halt nicht mehr. Sie ist darüber oft enttäuscht wenn ich unser gemeinsames Spiel dann abbrechen muss, weil die Kleine Hunger hat oder schlafen gelegt werden muss. Sie versteht es zwar und sagt dann auch oft dass es ok ist, aber ich seh die Enttäuschung in ihren Augen und sie sagt manchmal auch: Mama, du hast gar keine Zeit mehr für mich 😣 Das bricht mir dann fast das Herz.

Zwar darf sie sich oft Freundinnen einladen und auch der Papa spielt viel mit ihr wenn er zu Hause ist, aber das ist einfach nicht das Gleiche.

Wie ist das bei euch so? Habt ihr auch oft ein schlechtes Gewissen, wenn es um eure Großen geht? Wird das besser, wenn die kleinen Geschwister größer werden? Oder mache ich in unsrer Tagesplanung einfach was falsch und kann das irgendwie anders gestalten?

Danke für eure Tipps und Ratschläge!
LG Jule

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Unser zweites Kind kommt erst noch und ich gehe auch davon aus, dass man dann öfter ein schlechtes Gewissen haben wird, weil man natürlich nicht mehr ganz so viel auf die Bedürfnisse eingehen kann wie vorher. Allerdings habe ich noch nie stundenlang mit meinem Sohn gespielt und sehe das auch nicht als meine Aufgabe an. Kinder profitieren ja auch sehr vom alleine spielen und vom spielen mit Gleichaltrigen. Klar mache ich etwas mit meinem Sohn, zusammen kochen, rausgehen etc., und die ganzen gemeinsamen Momente beim Essen, Einschlafbegleitung etc. gibt es natürlich auch. Aber mehr als die Hälfte seiner unverplanten Zeit beschäftigt sich mein Sohn alleine oder mit anderen Kindern. Ich an deiner Stelle hätte also kein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht viel mit meinem Kind spielen könnte. Trotzdem täte mir die Tochter natürlich leid, wenn sie traurig ist. Ich glaube aber das wichtigste ist, dass deine Tochter trotzdem spürt, wie sehr du sie magst und schätzt und dass du im Notfall immer da bist (und dann vielleicht auch ab und zu das Baby zurückstecken muss). Vielleicht kannst du ihr das auch anders zeigen als durch langes spielen? Kleine gemeinsame Rituale einführen oder so? Aber wahrscheinlich machst du das eh schon :).

2

Ja, hin und wieder schon, aber im Großen und Ganzen haben beide Vor- und Nachteile von und mit Geschwisterkind.

Beim Durchlesen habe ich bemerkt, dass wir unsere Rollen als Mütter sehr unterschiedlich interpretieren. Ich verstehe mich eher nicht als Spielpartnerin. Ich versuche eine gute Atmosphäre zu schaffen, damit meine Kinder spielen können.

Ich finde jede Mutter hat ihre eigene Art "mütterlich" zu sein. Vielleicht ist jetzt der passende Anlass zu schauen, wie du gut für dein großes Kind da sein kannst, ohne so eine starke Präsenz einzunehmen.

Mir ist es wichtig immer wieder etwas mit jedem Kind alleine zu unternehmen. Das Baby ist noch sehr klein, aber das wird ja auch größer.

Ich gehe mal mit einem Kind allein in die Bücherei, in die Stadt oder auf den Spielplatz. Das dauert nicht ewig, ist aber immer etwas besonderes ohne außergewöhnlich zu sein, weil ich das häufig mache.

Du wirst mit der Zeit deinen eigenen Weg finden, der zu euch passt.
Schau nur, dass du auch mit deinen Kapazitäten gut haushaltest.

Sobald man mehrere Kinder (in dem Abstand) hat, kann man nicht beide wie Einzelkinder behandeln. Das muss man aber auch nicht, die Geschwister werden mehr Gewinn füreinander sein, als Verlust weil sie sich die Eltern teilen.

Ich finde es klingt so als würdest du das ganz toll hinbekommen für die Beiden.

Alles Gute!

3

<<<Mama, du hast gar keine Zeit mehr für mich 😣 Das bricht mir dann fast das Herz.<<<

Liebe TE,

ich kann dich sehr gut verstehen. Meine beiden Kinder sind 5 Jahre auseinander. Als mein Jüngster geboren wurde, war der Große 5 Jahre alt. So etwas musste ich mir auch anhören.
Es gibt zwar keine ultimative Lösung, aber mein Mann (als Schichtgänger war er häufiger mal präsenter als jemand der von 9 bis 18 Uhr arbeitet, wenn nicht mal wieder Überstunden angesagt waren) nahm mir den Kleinen damals sehr häufig ab, damit der Große nicht zu kurz kam oder er unternahm mit dem Großen etwas. In der Babyzeit hatte ich eigentlich wenigstens 2 Stunden nachmittags Zeit für den Großen.

Als unser Jüngster größer wurde, richtig besser wurde es bei uns allerdings nicht, weil beim ihm eine Schwerbehinderung festgestellt wurde. Für mich war es immer ein Riesenspagat. Unser Großer hatte nämlich auch Baustellen wie Legasthenie und AVWS
(auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung) neben seinem Bruder mit Autismus.
Ich will jetzt hier nicht alles aufzählen, weil es den Rahmen sprengt. Ich sag es mal so, jedes Kind war auf seine Art sehr zeitintensiv.

Du machst nichts verkehrt. Wenn du mit deiner großen Tochter etwas unternehmen möchtest, dann mache das auch. Gebe die Kleine ab zu den Großeltern oder suche dir einen Babysitter, wenn dein Mann keine Zeit hat wegen Arbeit. Ich finde es sehr wichtig, dass du mit der Großen auch etwas alleine machst. Als damals einige aus der Krabbelgruppe auf die Idee kamen, so wir treffen uns nachmittags, da ging ich raus, weil mein Großer dann auch meine Unterstützung brauchte bei den Hausaufgaben.

LG und bitte kein schlechtes Gewissen
Hinzwife

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Hallo,

Das kenne ich gut und wir haben einen ähnlichen Abstand. Unser Sohn wünscht sich aber schon länger ein Geschwisterchen und freut sich jeden Tag über seine kleine Schwester. Er bekommt ja mehr als er verliert - vor allem, wenn sie dann etwas älter ist. Das muss man sich auch vor Augen halten. Das wichtigste ist meiner Meinung nach, dass deine Größe spürt, dass du sie immernoch genauso lieb hast und dich auch weiterhin um sie bemühst. Und das tust du ja. Sie hatte 5 schöne Jahre Mama und Papa für sich alleine und jetzt hat sie noch eine kleine Schwester bekommen - beides ist doch toll!

LG :)

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