Vor Baby geschrien - schlechtes Gewissen

Vor zwei Tagen ist mir etwas passiert, das mich nicht recht loslässt. Dazu muss ich sagen dass ich an und für sich ein besonnener Mensch bin der nicht zu Ausbrüchen neigt und auch mein kleiner Sohn (3 Monate) kein schwieriges Baby ist. Er hat nur so wie alle Babys eben manchmal Bauchweh oder kann trotz Müdigkeit lang nicht einschlafen, und momentan sabbert er auch viel und spürt seinen Kiefer denke ich.
Vor zwei Tagen hatte ich dennoch eine Situation wo mir alles zu viel wurde. Ich bin mit dem Kleinen im Hängesessel gesessen und habe ihn geschaukelt, was ihm normalerweise gut hilft, weil er geweint hat (müde&aua denke ich). Diesmal ließ er sich nicht gut beruhigen, es ging ewig so dahin. Ich hatte Kopfweh und mir gings generell selber nicht so gut. Und ein Nachbar machte auch grad Krawall und bohrte ständig in der Wand über mir. Ich wollte dann den Kleinen kurz in sein Bettchen legen obwohl er weinte um mir schnell ein Aspirin zu holen, und dabei habe ich auch noch ein Glas am Couchtisch umgestoßen sodass sich überallhin Saft ergossen hat... Und in exakt dem Moment war es, als würde bei mir im Kopf ein angespanntes Band reißen. Ich hab den Kleinen abgelegt (war ja mitten in der Bewegung dazu) und habe laut gebrüllt. Nicht das Baby angeschrien, sondern quasi zum geschlossenen Fenster vor mir raus einfach einmal lang und laut "Aaaaaaaaaaaah!!!!!!". Nachher tat mir der Hals weh und meine Knie haben gezittert so heftig war das. Sowas ist mir noch nie passiert zuvor. Mein Kleiner hat sich davor natürlich unglaublich gefürchtet und gebrüllt wie am Spieß. Mir ging es nach dem Schreien trotz allem sofort emotional ein kleinwenig besser, ich konnte ihn daher sofort wieder nehmen und habe begonnen ihn zu wiegen, zu beruhigen, zu streicheln und mich zu entschuldigen, aber es dauerte ewig und ich habe zu Beginn auch gemerkt dass er Angst vor mir hatte und sich in meinen Armen erstmal so wand, als wolle er weg von mir. Das ließ dann natürlich nach. Aber sowas macht er sonst nicht und mir ist schmerzhaft klar dass er Angst vor mir hatte.
Ich weiß dass das von mir nicht ok war. Ich hätte zumindest das Zimmer verlassen müssen. Aber das ging so schnell und brach einfach raus. Konnte nichtmal denken.
Vergessen Babys sowas wieder oder hat er jetzt unterbewusst gelernt dass ihm Mama Angst machen kann o.Ä.? Mir tut das so leid. Ich muss ja wie besessen auf ihn gewirkt haben. Ich hab das auch niemanden erzählt. Das ist der Grund denke ich warum ich hier reinschreibe. Um es mir eben doch von der Seele reden zu können, anonym.
Sorry für den langen Post. Ihr dürft auch ruhig schimpfen, das ist ok, ich weiß dass das nicht richtig war. Es geht mir auch nicht um Mitgefühl. Ich wollte es wirklich nur loswerden.

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Ich glaube jede Mutter kennt solche Situationen! Da bist du sicher nicht allein und brauchst dich nicht zu schämen!
Ich glaube nicht, dass du deinem Baby geschadet hast, weil es 1. in der Situation nicht allein war und 2. du es gleich getröstet hast. Sowas passiert ja auch nicht jeden Tag. Und ich bin mir sicher, dass dein Baby ganz viel Liebe von dir kriegt.
In der Steinzeit musste man auch wilde Tiere verjagen und hat geschrien 😉 Babys sind robuster als wir denken!
Sei nicht so hart zu dir. Wir Mütter leisten unglaublich viel und sind keine Maschinen. Wir dürfen auch Fehler machen. Du weisst selbst, dass es nicht toll war. Versuche daraus zu lernen und das nächste Mal die Situation vorher zu entschärfen (z.B. mit Baby raus an die frische Luft und eine Runde drehen).
Kopf hoch & liebe Grüße!

2

Ach dafür muss man doch nicht schimpfen.
Das kennt denke ich jeder. Nicht nur Mütter. Jeder Mensch hat mal einen Moment, wo man einfach um sich luft zu machen in den Raum brüllt.
Klar sollte man aufpassen das das nicht täglich passiert, aber es ist menschlich wenn es mal passiert.
Mach dich nicht verrückt. Alles ist gut. Und deinem baby ist dabei ja auch nix passiert.

3

Hallo,

Solange du nicht täglich x mal vor dem Kleinen rumschreist, passiert da nix. Du hast ihn danach genommen und getröstet - alles in Butter!

Ich vermute sehr stark, dass sowas den meisten Eltern schon passiert ist, mir inklusive. Mach dich nicht fertig.

LG

4

Alle Kinder müssen erfahren, dass ihre Eltern (Belastungs-)Grenzen haben und nicht immer „perfekt“ sind. Das ist ganz normal und gehört dazu.
Dies soll natürlich nicht die Rechtfertigung dafür sein, ständig vor seinem Baby rumzubrüllen, aber das weißt du ja selbst 😉
Du hast dein Verhalten reflektiert, du hast dich entschuldigt, du hast ihn getröstet. Ganz, ganz sicher hat er keinen Schaden davon getragen.
Nichtsdestotrotz wird das 100% nicht zum letzten Mal passiert sein.
Aber dein Kind wird mit der Zeit (mit viel Zeit 😅) eine wichtige Erfahrung machen: Mama möchte / kann manchmal nicht mehr und braucht eine Pause. Mama verhält sich nicht immer perfekt, aber sie entschuldigt sich bei mir für ihre Fehler und ist für mich da.

5

entspann dich ;-)

solange du das nicht tägich machst wird es deinem kind nicht schaden.

was glaubst du, was kleine geschister für gebrüll aushalten müssen, im völlig normalen alltagslärm..

da ist es relativ normal dass das baby plötzlich mitbrüllt, weil die große schwester nen kreischanfall bekommt weil der bruder irgendwas gmacht hat.

solange nicht täglich gebrüllt wird wie am spieß oder man das baby länger anbrüllt, passiert sowas eben. ist ja, wie du selber weißt, eine ausnahme situation die nicht regelmäßig vorkommt. (wenn doch muss man gucken ,wie man solche situationen NOCH besser vermeidet, dass sie seltener werden) also ist das absolut menschlich.

ich kenne ganz andere kulturkreise, wo geschrei und barscher ton völlig normal ist, und sogar da entstehen teilweise noch gute erwachsene... also kein stress ;-) du bist auch nur eine mensch, das wird dein kind irgendwann sowieso merken

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Du hast ja schon viele tolle Antworten bekommen, ich hatte letztens auch so einen Abend war komplett alleine mit meinen Sohn und so richtig schlimm war’s gar nicht, ich kann nicht mal genau sagen warum mir an dem Abend alles so krass zu viel war...

Ich hab im Wohnzimmer gesessen und mit geweint und dann zweimal in ein Kissen geschrieen, das hat auch gut geholfen 😅
Also wenn du merkst wie deine Anspannung wächst kannst du das mit dem schreien ja ruhig beibehalten, nur Vll so das bei deinem Kind nichts davon ankommt 🙈
Du hast ja schon richtig reagiert in dem du ihn kurz hinlegen und dir eine Tablette holen wolltest, man darf sich nicht aus den Augen verlieren auch wenn das grad in solchen Momenten schwer ist!

7

Hallo,

Klingt komisch, aber ich möchte dir danken!
Denn das was du da erlebt hast, ist eine Situation, die jede Mutti in der oder anderen Weise erlebt und fühlt! Und du hast den Mut und Offenheit, es hier auszusprechen und zu sagen.
Wie die anderen schon geschrieben haben: Mutter zu sein ist nicht immer leicht! Und auch wir sind keine Maschinen die immer funktionieren! Auch wir haben unsere Schmerz- und Belastungsgrenzen und erfahren diese früher oder später auf deine oder andere Art und Weise.

Das macht uns nicht zu schlechten Müttern, vor dem die Babys Angst haben. Es macht uns zu Menschen mit Gefühlen, die auch unser Baby (mit uns) an uns entdecken wird.
Und das ist natürlich!

Entscheidend ist, finde ich, was man aus dieser Erfahrungen macht. Du hast aus meiner Sicht richtig reagiert und gehandelt. Du bist bedingungslos für dein Baby da, hast es getröstet und beruhigt. Und du schreibst es uns, um es zu reflektieren und verarbeiten. Wenn es dein Fazit aus der Situation ist, dass nächste mal den Raum zu verlassen, dann ist doch alles super!

Ich kenne, das Gefühl und zitiere meinen Mann (und eine Userin vor mir): Sei nicht zu hart zu dir selbst! 😊

Von diesen Erfahrungen berichtet einem keiner vor dem Mami-sein. Aber sie sind bei vielen, wenn nicht sogar bei allen Mama's da draußen.

VG

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Ja, jetzt wird es für immer und ewig wissen das mama angst macht! Was für Fragen ich hier alles lesen muss 🤦🏼‍♀️🤦🏼‍♀️🤦🏼‍♀️

9

Ich würde in so einer Situation in ein anderes Zimmer gehen, Türen zu machen und dann schreien. Eventuell noch in ein Kissen. Auf keinen Fall vor dem Baby.
Bei uns ist es momentan emotional sehr schwierig (ich Weine viel) und ich Weine nie vor der kleinen sondern gehe in ein anderes Zimmer und lege sie für die Zeit in die Wippe.
Die kleinen brauchen uns stark und als Fels in der Brandung.. klar können wir nicht immer stark sein aber wir müssen es nicht zeigen wenn sie so klein sind.

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Sehe ich nicht so. Zum einen merken Kinder es sich eh nicht so, zum anderen wärst du einfach authentisch. Wie soll ein Kind lernen, dass alle Gefühle okay sind, wenn du sie heimlich auslebst?

Man kann auch weinend ein Fels in der Brandung sein. Du bist da und tröstest. Ich hab wirklich unzählige Male vor Motte geweint. Das ist nicht schlimm.

Meist geht es danach allen besser 😊

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